Tropenwald
3. September 2011

Der Tritt in den Fettnapf

Eigentlich hätte alles so schön werden sollen: Der Lebensmittelkonzern Unilever und die „Umwelthauptstadt“ Hamburg hätten sich im Glanze der berühmten Affenforscherin und engagierten Umweltschützerin Jane Goodall gesonnt, auf dass etwas von ihrem guten Image auf sie abstrahle.

Jane Goodall

Jane Goodall (Fotos: Michael Deininger)

Doch es kam anders. Ohne jeden Glamour und auch ohne jede Beteiligung von Unilever wurde Goodall heute nicht im Unilever-Haus in der Hamburger HafenCity, sondern bei einer Pressekonferenz im nüchternen Sitzungssaal 151 des Rathauses zur internationalen Botschafterin der europäischen „Umwelthauptstadt“ erklärt.

Bei der PK waren vor allem viele Fotografen, die Jane Goodall mit ihrem kleinen Stofftieraffen ablichteten. Kinder aus einer Hamburger Schule durften Frau Goodall vorbereitete Fragen stellen. Umweltsenatorin Jutta Blankau sprach von Mut, Vorbildcharakter und unserer besonderen Verantwortung für den Klimaschutz und wirkte dabei genau wie das Gegenteil – mutlos und angeschlagen.

Jane Goodall und Jutta Blankau

Lächeln für die Kameras -Jane Goodall und Umweltsenatorin Blankau im Innenhof des Hamburger Rathauses, 3.9.2011

Interessant war vor allem, was nicht gesagt wurde. Nichts zu den verfehlten Klimaschutzzielen der Stadt Hamburg, nichts zur Vorgeschichte der Veranstaltung, der Ortsverlegung und zu Unilever. Dabei hatte die Kritik von ROBIN WOOD an der Tropenwaldzerstörung für das Palmöl von Unilever in den Tagen zuvor eine Debatte in Hamburger Medien ausgelöst und zur Verlegung der Veranstaltung geführt.

Am Rande der PK darauf angesprochen, sagte Frau Blankau, sie fände es gut, dass der Ort gewechselt wurde. Das Rathaus sei ja schließlich auch ein würdiger Ort.

Warum dann nicht gleich so? Politiker, so Blankau, zerbrächen sich nicht immer den Kopf, wo denn Veranstaltungen stattfänden. Außerdem sei das Unilever-Haus aufgrund seiner Bauweise  eines der nachhaltigsten in der ganzen Stadt. Unilever sei offizieller Sponsor der Umwelthauptstadt. Der Zusammenhang mit den Affen sei ihnen erst durch die Kritik aufgegangen.

Wen kann das überzeugen? Der Ort ist angeblich gedankenlos gewählt. Ein nachhaltiges Gebäude zählt mehr als das natur- und klimaschädliche Kerngeschäft des darin wirkenden Konzerns. Wer Sponsor ist, darf Greenwashing betreiben und ansonsten muss die “Umwelthauptstad”t erst von Umweltorganisationen darauf hingewiesen werden, dass für Plantagen Wald und damit Lebensraum von Affen zerstört wird.

Wie ernst nimmt sich die Umwelthauptstadt  eigentlich selbst? Ganz so einfach ist ein grünes Image hoffentlich nicht zu haben – weder für die Stadt, noch für Unilever.

Aktion
28. Juni 2011

Land unter am AKW Fort Calhoun in Nebraska

Das Hochwasser des Missouri im US-Bundesstaat Nebraska sorgt für weitere Schreckensnachrichten. Die Wassermassen haben das Atomkraftwerk Fort Calhoun bereits komplett umschlossen. Am vergangenen Wochenende platzte nun auch noch eine 600 Meter lange Behelfsbarriere, die das Kraftwerksgelände vor den Fluten schützen sollte. Ein Nebengebäude des Kraftwerks steht seitdem unter Wasser.

Letztes Jahr wurden erhebliche Mängel in Sachen Hochwasserschutz bei dem 40 Jahre alten AKW festgestellt. Dennoch wurde die Betriebsgenehmigung nicht entzogen. Das Kraftwerk wurde in dem maroden Zustand weiterbetrieben. Nun wird die Rechnung in Form eines realen Stresstests präsentiert – und die nächste Atomkatastrophe bahnt sich an. Ein Absinken des Pegels ist nicht in Sicht.

Der Betreiber Omaha Public Power District (OPPD) beschwichtigt, das AKW sei ausreichend geschützt und sicher heruntergefahren. Doch auch ein heruntergefahrenes AKW ist nicht sicher, da es bei einem Ausfall der Kühlpumpen trotzdem zu einer Kernschmelze kommen kann. In Fukushima (Block IV) ist dies deutlich demonstriert worden.

Die Nachrichtenlage der letzten Wochen ist Besorgnis erregend: So mussten aufgrund der festgestellten Sicherheitsmängel besonders viele Inspektionen durchgeführt werden. Am 16. Juni 2011 wurde ein Leck, durch das das Hochwasser hätte eindringen können, entdeckt. Nach einem Brand (!!) in der Schaltzentrale am o7.o6.2o11 mit Ausfall der Notkühlung musste die Mannschaft des AKW für vier Stunden evakuiert werden. Zu Recht wurde der Alarmzustand ausgerufen.

In den Nachrichten erfährt man wenig über diese besorgniserregenden Zustände. Dies ist ungewöhnlich. Soll die hiesige miserable Atompolitik noch schnell “in trockene Tücher” gebracht werden, bevor der Pegel weiter steigt und die Angst vor dem nächsten GAU um sich greift?

Alle Atomkraftwerke und die Uranwirtschaft sofort stilllegen! – Das ist die einzige Garantie, dass ein GAU wie in Fukushima nie wieder vorkommt!

Von Hans und

Aktion
21. Juni 2011

Wie lief die Blockade am AKW Brokdorf?

Am Wochenende 18./19. Juni wurde das AKW Brokdorf blockiert. Mit dabei war die ROBIN WOOD-Aktivistin Christina. Was sie erlebt hat, beschreibt sie so:

“Ich hatte mich auf eine lange Blockade eingerichtet, darauf gefreut, mit vielen tausend Gleichgesinnten, die Revisionsarbeiten am AKW Brokdorf und somit das darauf folgende Wiederanfahren der Anlage zu behindern. Aber es sollte alles anders kommen. Wenige Tage vor Beginn der Aktion wurden die Arbeiten vom Betreiber E.on verschoben. Während die Kampagne „Block Brokdorf“  ihre Aktion absagte, beschloss x-tausendmal-quer, die von ihnen geplante Blockade gleichfalls nach hinten zu verschieben. Beides ärgerte mich sehr – nicht nur, weil das meine Urlaubsplanungen komplett über den Haufen warf, sondern vor allem, weil nun mit viel weniger Aktivisten zu rechnen war.

Als ich schließlich am Samstagmorgen mit meiner Bezugsgruppe das Camp von x-tausend erreichte, waren kurz zuvor ca. 200 Menschen in einem Demozug zum AKW aufgebrochen. Wir fanden uns eine halbe Stunde später vor einem der beiden Tore wieder, wo die Blockade bereits in vollem Gange war. Ein Tripod (dreibeiniges Gestell aus ca. 5-Meter-langen Metallstangen) wurde gerade aufgebaut, während die Sitzblockierer sich vor den immer wiederkehrenden Schauern unter große Planen flüchteten.

Blockade vor dem AKW Brokdorf

Blockade vor dem AKW Brokdorf

Nach einiger Zeit bat ein Polizeisprecher darum, das Tor freizugeben, um auf dem Gelände stationierte Polizisten raus zu lassen. Das Plenum entschied allerdings, die Sitzblockade in gleicher Form fortzusetzen, da die Polizeikräfte ja ebenso wie die Arbeiter den Weiterbetrieb der Anlage umzusetzen hatten, während wir das genaue Gegenteil forderten. Die Blockierenden vor dem anderen Tor entschieden sich unabhängig, aber im Wissen um unsere Entscheidung genauso. Kurz vor dem Schichtwechsel stiegen die zahlenmäßig weit überlegenen Polizisten über uns hinweg und kesselten die Blockade. Nach zweimaliger Aufforderung, uns zu entfernen, aber ohne die zuvor zugestandene Spontandemonstration aufzulösen, begannen sie schließlich, Blockierer für Blockierer hinter eine Absperrung zu tragen. Ärgerlicherweise wurden nicht nur die Personalien aufgenommen, sondern es wurde auch jede Person abfotografiert, was für eine Ordnungswidrigkeit wohl kaum zu rechtfertigen ist. Als schließlich die Busse mit den Arbeitern rein- und rausfuhren, wurden sie von Sprechchören „Abschalten, abschalten“ begleitet.

Erst wegtragen, dann erfassen und fotografieren

Erst wegtragen, dann erfassen und fotografieren (Fotos: ROBIN WOOD)

Nach einer Erholungspause gelang es, die Polizeikräfte zu überraschen und das zweite Tor erneut mit mehr als 60 Personen zu besetzen. Doch diesmal wurde das andere Tor geräumt. Wir harrten noch eine Nacht bei frostigen Temperaturen auf den Strohsäcken aus, verteilten uns dann erneut auf beide Tore. Es folgten die dritte Räumung und zahlreiche Platzverweise. Erschöpft kehrten wir ins Camp zurück, wo sich zeigte, dass nicht mehr genügend Menschen die Kraft hatten, weiter zu blockieren.

Wieder drängte sich uns die Frage auf, wo all die Menschen waren, die ja völlig zu Recht in den letzten Tagen die unsäglichen Verabredungen der Parteien in Sachen Atomkraft kritisiert hatten. Bei einer geplanten Laufzeitgarantie von bis zu 12 Jahren für die verbleibenden AKW, dem Weiterbetrieb der Urananreicherungsanlage in Gronau, der Brennelementefabrik in Lingen und nicht zuletzt dem fortgesetzten Ausbau von Gorleben und Schacht Konrad kann ja nun wahrlich nicht von einem Atomausstieg gesprochen werden! Dieser bleibt vielmehr tatsächlich an vielen Stellen weiterhin auszufechten: In Parlamenten und Verhandlungen, durch den Wechsel des Stromanbieters und natürlich auch an jeder einzelnen Atomanlage, die weiter Atommüll produziert oder aufnehmen soll! In diesem Sinne: Die nächste Blockade kommt bestimmt. So hat sich die Kampagne www.abschaltblockade-neckarwestheim.de beispielsweise vorgenommen, ab dem 13. August das AKW Neckarwestheim zu blockieren, um der Forderung nach deren Abschaltung Nachdruck zu verleihen.”

Aktion
16. Juni 2011

TelDaFax-KundInnen, wechselt zu Ökostromanbietern!

Vattenfall profitiert von der TelDaFax-Pleite. Denn wer nicht mehr von TelDaFax beliefert wird, bekommt den Strom vom örtlichen Grundversorger. Allein in Hamburg werden rund 15 000 KundInnen des insolventen Stromdiscounters daher schon seit einigen Wochen von Vattenfall versorgt. Doch wer will schon sein Geld dem Betreiber von Schrott-AKWs und klimakillenden Kohlekraftwerken in den Rachen werfen? Zumal die Alternative ganz einfach ist: Jetzt kündigen und zu einem Ökostromanbieter wechseln.

Aktuelle Infos zu empfehlenswerten Ökostromanbietern gibt es hier.

Nützliche Ratschläge für TelDaFax-KundInnen sowie ein Vergleich von Stromdiscountern und Ökostromanbietern stehen außerdem auf der Seite von „Atomausstieg selber machen“.

Aktion, Energie
26. März 2011

Rund 50.000 AKW-GegnerInnen in der Hamburger City

"Fukushima mahnt: Alle AKWs abschalten"" - Kundgebung auf dem Hamburger Rathausmarkt

"Fukushima mahnt: Alle AKWs abschalten"" - Kundgebung auf dem Hamburger Rathausmarkt (Foto: Malte Wittmershaus)

In Hamburg war die Stimmung heute energiegeladen. Wo sich sonst die Leute über die Einkaufsmeile schieben, trafen sich heute Zehntausende AtomkraftgegnerInnen.  Anti-AKW-Sonnen bis zum Horizont! ROBIN WOOD hatte zusammen mit Attac einen Lautsprecherwagen im Demozug. Als wir von der Moorweide aus am Rathausmarkt ankamen, war der Platz schon bald rappelvoll, und noch Tausende strömten über die Mönckebergstraße Richtung Rathaus. Vor dem Kundenzentrum von Vattenfall schallten die „Abschalten-„ und „Wir enteignen Vattenfall“-Rufe besonders laut.  Das Infomaterial, Buttons und Aufkleber gingen weg wie nix. Am Lautsprecherwagen füllten sich die Listen mit Namen von Leuten, die sich bereit erklärten, für das Volksbegehren „Unser Hamburg – unser Netz“ im Juni Unterschriften zu sammeln. Ziel des Volksbegehrens ist es, dem Dreckstrom-Konzern Vattenfall in der Hansestadt seine Verteilnetze für Strom, Gas und Fernwärme zu nehmen und sie zurück in die öffentliche Hand und unter demokratische Kontrolle zu holen.

Lautsprecherwagen von ROBIN WOOD und Attac im Demo-Zug (Foto: ROBIN WOOD, R. Fenner)

Lautsprecherwagen von ROBIN WOOD und Attac im Demo-Zug (Foto: ROBIN WOOD, R. Fenner)

Auf der Kundgebung vor rund 50.000 Menschen hatte auch ROBIN WOOD einen eigenen Redebeitrag. Uwe Zabel von der IG Metall, der zusammen mit Dirk Seifert von ROBIN WOOD, die Veranstaltung moderierte, kündigte Aglaia Abel an. Aglaia, 27, ROBIN WOOD-Aktivistin und heute die einzige Frau auf der Bühne, erzählte von ihren Gedanken zu Fukushima und den Konsequenzen, die diese Katastrophe für sie hat. „Ich habe einen Wunsch: Mit euch allen gemeinsam dort im Weg zu sein, wo der Atomstrom alltäglich produziert wird. Ich habe den Wunsch, mit euch gemeinsam den Ausschalter zu finden. Unser Spielraum ist größer geworden. Nutzen wir ihn!“, sagte Aglaia und kündigte an: „Zum Gedenken an Tschernobyl werden wir am 25. April zu den Kraftwerken gehen und als Warnung an den Zäunen rütteln. Abgeschaltete Atomanlagen müssen abgeschaltet bleiben. Und alle anderen Atomkraftwerke – egal, wie alt sie sind – müssen abgeschaltet werden.“

Ein öffentlicher Kommentar zur Atompolitik kam auch von zwei ROBIN WOOD-KletterInnen. Sie hatten zwischen zwei Masten über den Köpfen der Masssen auf dem Rathausmarkt Banner gespannt, eines mit einem Totenkopf und ein weiteres mit dem Slogan: “Wir lassen uns nicht an die Kette legen!Bürgerrechte statt Atomkraft.”

ROBIN WOOD-Kletteraktion auf dem Rathausmarkt (Foto: ROBIN WOOD, R. Fenner)

ROBIN WOOD-Kletteraktion auf dem Rathausmarkt (Foto: ROBIN WOOD, R. Fenner)

Rund eine Viertelmillion Menschen haben heute auf den Demonstrationen in Hamburg, Berlin, Köln und München die Abschaltung aller AKWs gefordert. Heute wurde – aus katastrophal, traurigem Anlass – wieder ein Stück Anti-AKW-Geschichte geschrieben. Weitere Kapitel werden folgen.

Tropenwald, Vereinsmeierei
1. Februar 2011

“Bitte helfen Sie mit!” oder als ich mal Post von Herrn von Wartenberg bekam

Dieser Tage erhielt ich eine Mail von Christian von Wartenberg. Ich las sie, obwohl mir der Name nichts sagte. „Wie sie bin ich ein Mensch, der sich Gedanken macht wie die Menschheit mit den natürlichen Ressourcen dieses Planeten umgeht“, stellte sich Herr von Wartenberg mir kurz vor, bedankte sich für meine wichtige Arbeit und bat mich, mir etwas Zeit für das Lesen seiner Email zu nehmen.

Er sei vor ein paar Monaten auf eine sehr interessante Internetseite gestoßen, die er „zufällig bei Öko-Test gefunden“ habe. Es handele sich dabei um eine „grüne Suchmaschine“, die es erlaubt durch einfaches Suchen im Internet, Spendengelder für den Regenwaldschutz zu generieren. „Völlig kostenlos für den Nutzer!“ Diese Seite spende „auch noch mindestens 80% ihrer Einnahmen an den WWF für bestimmte Regenwaldschutzprojekte“. Dieses „Social Business“ müsse in meinem Sinne sein, da es „möglichst umweltfreundlich und transparent arbeitet“.

Social Business? In meinem Interesse? Transparent? Schreiben so die zerzausten, aber wild entschlossenen  Regenwaldschützer, die ich so kenne? Oder schrieb mir da vielleicht doch eher ein Regenwaldschützer mit Marketingkenntnissen hinter dem Schreibtisch einer Fundraising-Agentur? Für wen ist das dann transparent? Wie war er an meine Adresse gekommen? Und wem hatte er die Mail noch geschickt? Wäre es in Ordnung so zu tun, als sei man als interessierter Christian zufällig beim Zeitschriftenblättern auf was Mitteilenswertes gestoßen, wenn man eigentlich systematisch Werbung betreibt?

Vielleicht gelingt es Herrn von Wartenberg ja nebenbei eine neue Debatte darüber anzustoßen, welche Maßnahmen zum Spendensammeln für die gute Sache akzeptabel und glaubwürdig sind und welche nicht. Ich zumindest bin immer ziemlich neugierig, wer warum was von mir will. Deshalb habe ich Herrn Wartenberg ein paar Fragen geschickt. Mal sehen, ob er antwortet.

Aktion, Blog, Energie, Welt retten
11. November 2010

Solidarität mit abgestürztem Baumkletterer

Es gibt neue Informationen über Niels, den Baumkletterer, der während des Castor-Transports nach Gorleben wegen eines Polizeiübergriffs vom Baum stürzte. Das beteiligte Kletterkollektiv ist nun selbst mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit gegangen, um die zum Teil falsche Berichterstattung grade zu rücken. Wir dokumentieren im Folgenden diese Pressemitteilung, weil wir es wichtig finden, dass mehr Leute erfahren, was tatsächlich passiert ist. Wir sind entsetzt über das Vorgehen der Polizei und werden versuchen, Niels nach Kräften zu unterstützen.

* * *

Pressemitteilung des gewaltfreien Kletterkollektivs Atomkraft tötet

Mit dieser Pressemitteilung wollen wir ein ausführliches und differenziertes Bild bisher in der Öffentlichkeit nur schemenhaft skizzierter und seitens der Polizei falsch dargestellter Geschehnisse geben.

* Schwerer Polizeiübergriff am Rande des Castortransports
* Baumkletterer schwer verletzt – Polizei verhinderte zunächst Behandlung

Am 09.11.2010 morgens wurde am Rande des Castortransports, zwischen Laase und Gorleben gegen den Baumkletterer mit jahrelanger Berufserfahrung Niels M. ohne Vorwarnung von Polizeibeamten so massiv Reizgas eingesetzt, das dieser die Kontrolle verlor und aus ca. 4 ½ Metern von einem Baum stürzte. Der Betroffene musste daraufhin von einem Hubschrauber mit einem Wirbelbruch im Brustbereich ins Krankenhaus geflogen werden. Weitere Polizisten hatten den sichtbar Schwerverletzten zuvor noch unter Gewaltandrohung mehrere hundert Meter gejagt. Zurzeit wird seitens des Betroffenen eine Strafanzeige geprüft.

Um 8 Uhr 50 am Morgen des 09.11.2010 begaben sich 2 Baumkletterer ca. 35 Meter von der Straße von Laase nach Gorleben entfernt auf einen Baum, um gegen den Castortransport zu protestieren. In deren Umgebung befand sich eine größere Gruppe von Protestierenden, als Polizeibeamten auf den Baum zukamen. Einer der Beamten sprühte ohne Notwendigkeit und ohne Vorwarnung Reizgas aus einer großen grauen Kartusche so massiv in Richtung des Gesichtes des Baumkletterers Niels M., dass dieser die Kontrolle verlor und aus ca. 4 ½ Meter Höhe auf am Boden liegende Äste stürzte.

Ein weiterer Baumkletterer konnte, obwohl der Polizeibeamte den Verletzten ignorierte und rücksichtslos weiter sprühte, kontrolliert von dem Baum springen. „Trotz der reglosen Haltung und lauter Schreie des verletzt am Boden liegenden, setzte derselbe Polizist auch gegen den zweiten Kletterer Reizgas ein, anstatt, wie es die Situation offensichtlich erfordert hätte, zu helfen“, berichtet der Augenzeuge Simone Z.. Die Situation wurde von einem anwesenden Fotografen eindeutig dokumentiert.

Der zweite Kletterer musste daraufhin mehrfach den sichtlich schwer verletzten, auf dem Rücken liegenden jungen Mann gegen weitere Polizeibeamte durch beherztes Argumentieren in Schutz nehmen, da diese unter Gewaltandrohung ein sofortiges Verlassen des Szenarios verlangten. Erst nachdem Niels M. sich, trotz Verletzung, weitere 500m weit durch den Wald geschleppt hatte, wurde er von den ihn bedrängenden Beamten zunächst in Ruhe gelassen.

Die Ärztin, die Niels M. nach längerer von der Polizei verschuldeter Verzögerung schließlich noch im Wald versorgte, hielt einen sofortigen Transport per Hubschrauber in das nächste Krankenhaus für notwendig. Niels M. erlitt einen Wirbelbruch im Brustbereich, sowie diverse Prellungen und ist aufgrund des Übergriffs nach bisherigem Stand voraussichtlich mindestens 3 Monate arbeitsunfähig. „Durch diesen vollkommen überzogenen Angriff gegen einen friedlichen Baumkletterer in 35m Entfernung zur Transportstrecke hat der Polizist billigend zumindest eine schwere Verletzung in Kauf genommen und damit in absolut unakzeptabler, unmenschlicher Weise verantwortungslos gehandelt“, kommentiert Jonas M. (Name geändert).

Aktion, Energie
9. November 2010

Endstation Atomkraft – ROBIN WOOD-Seilbrücke vor dem Zwischenlager

„Endstation Atom – sofort alle aussteigen“ – ein Banner mit diesem Slogan haben zwei Kletterer von ROBIN WOOD heute Nacht gegen vier Uhr über die Straße vor dem Zwischenlager gespannt. Sie bauten einen Walkway zwischen einer Kiefer und einem Strommasten, so dass sie sich in etwa fünf Meter Höhe über der Straße hin und her bewegen können.

Die ganze Nacht über blockieren Tausende mit einer Sitzblockade die Zufahrt zum Zwischenlager. Erst wenn sie alle geräumt sind, könnten auch die ROBIN WOOD-KletterInnen heruntergeholt werden. Das kann noch dauern…. (Stand 5:45 Uhr)

ROBIN WOOD-Kletteraktion vor dem Zwischenlager Gorleben, 9.11.10 (Foto: Christian Grodotzki)

ROBIN WOOD-Kletteraktion vor dem Zwischenlager Gorleben, 9.11.10 (Foto: Christian Grodotzki)

ROBIN WOOD fordert den sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft und eine klare Absage an Gorleben als Endlagerstandort. Eine Energiepolitik, die immer wieder mit Schlagstock, Reizgas und Wasserwerfern gegen die Bevölkerung durchgesetzt werden muss, hat jede Legitimität verloren.

Update: Gegen 7:50 Uhr waren die beiden Kletterer wieder am Boden. Die Polizei setzte zur Räumung einen Hubwagen ein. Beide Aktivisten wurden in Gewahrsam genommen.

Update 2:

Die Kletternden wurden kurze Zeit später wieder vor Ort “auf freien Fuß gesetzt.”

Aktion, Energie, Welt retten
7. November 2010

Grundrechte statt Atomkraft – ROBIN WOOD-Kletteraktion an der B216

Polizeikolonnen, die über die B216 zum nächsten Einsatz rauschen wollten, wurden heute Vormittag gegen 10:30 Uhr unvermittelt zwischen Süschendorf und Oldendorf von einem quer über die Straße gespannten Banner überrascht: “Wir lassen uns nicht an die Kette legen – Grundrechte statt Atomkraft” stand darauf. Zwei KletterInnen von ROBIN WOOD saßen in den Bäumen. Auf der Straße formierte sich spontan eine Treckerblockade. Die Stelle liegt in Sichtweite zur Castor-Strecke. Gegen 12:30 Uhr war noch immer eine Kletterin oben. Die Straße ist dort noch immer gesperrt.

Mit dieser Aktion protestieren AktivistInnen von ROBIN WOOD gegen die weitreichenden und demokratiefeindlichen Einschränkungen des Demonstrationsrechts im Wendland. “Wenn der Castor kommt, gehen die Grundrechte”, sagt ROBIN WOOD-Sprecherin Regina Möller. Wegen des Atommülltransports sind an zahlreichen Orten und entlang der Gleis- und Straßenstrecke, über die der Atommülltransport rollen soll, Demonstrationsverbote verhängt.

Der Castor-Zug steht zur Zeit (12:30 Uhr) bei Dalle, weil dort drei Menschen im Gleis angekettet sind.

Update von 13:10 Uhr: Der Verkehr auf der B216 rollt seit 13 Uhr wieder. Die beiden ROBIN WOOD-AktivistInnen sind wohl behalten am Boden. Ihre Personalien wurden aufgenommen, ihr  Kletterzeug wurde beschlagnahmt.

Aktion, Blog, Verkehr
29. September 2010

Stuttgarter Schlosspark in akuter Gefahr

Es gibt glaubwürdige Hinweise darauf, dass es am morgigen Donnerstag, den 30. September, ab 15 Uhr einen Großeinsatz der Polizei im Stuttgarter Schlosspark geben wird. Geplant ist offenbar, den Park weiträumig abzusperren. Dann könnte auch gleich die Säge angesetzt werden, um die ersten Bäume für das milliardenschwere und nutzlose Bahnprojekt Stuttgart 21 zu fällen. Auch ein großer Drehkran soll bereit stehen.

Die ROBIN WOOD-AktivistInnen harren weiterhin auf hölzernen Plattformen in den Wipfeln von fünf großen, teilweise jahrhundertealten Bäumen im Schlosspark aus und freuen sich – insbesondere morgen den lieben langen Tag lang – über massenhaften Besuch.