Aktion, Klima, Verkehr
22. September 2016

Warum weniger Fliegen? – Klimaschutz kurz und gut erklärt

Am kommenden Dienstag beginnt die Vollversammlung der Internationalen Organisation für zivile Luftfahrt, ICAO. Die Mitgliedsstaaten wollen dort gemäß ihres Auftrags im Kyoto-Protokoll und den Zielen des Paris-Abkommens Klimaschutzmaßnahmen im internationalen Luftverkehr beschließen. Das ist dringend notwendig. Warum? Das erklärt in zwei Minuten der neue Robin Wood-Videoclip „Weniger Fliegen – wieso, weshalb, warum?“

Aktion, Süd-West, Verkehr
19. September 2016

S 21: Grundsteinlegung oder Grabsteinlegung? – Heiner Monheim zu Umstieg 21 und Verkehrswende

Screenshot SWR 16.9.2016

Screenshot SWR 16.9.2016

Sehen Sie das Transparent im Hintergrund? Während vorne augenscheinlich eine Beerdigungsgesellschaft gute Mine zum Trauerspiel macht, haben Kletternde von ROBIN WOOD Stuttgart eine positive Parole über die Szene gehängt: „Umstieg 21 – Raus aus der Grube!“ fordern sie am vergangenen Freitag von den Projektverantwortlichen für das Milliardengrab Stuttgart 21. Für die Deutsche Bahn kommt es grade dicke: Das Gutachten des Bundesrechnungshofes (BRH) liegt nach langer Verzögerung  nun dem Haushaltsausschuss des Bundestages vor. Unmissverständlich prangern die obersten Finanzkontrolleure die mangelnde Projektaufsicht durch den Eigentümer der Deutschen Bahn, vertreten durch das Bundesverkehrsministerium, an. Und obwohl vieles als Betriebsgeheimnis des öffentlichen Unternehmens DB AG behandelt wird, wird es nicht überraschen, wenn auch der BRH inzwischen auf 10 Milliarden € Kosten für den verbuddelten und in seiner Kapazität auf zwei Drittel verkleinerten Schienenverkehrsknoten kommt.

Auf der 339. Montagsdemo wird der Verkehrsexperte Heiner Monheim heute erklären, warum es noch lange nicht zu spät für den Umstieg 21 ist. In Stuttgart liegt die Zukunft der Mobilität in einem modernisierten  Kopfbahnhof für den Schienenverkehr und einem grünen Stadtzentrum auf der umgenutzten Baustelle. Über Stuttgart hinaus bringt der Umstieg 21 die Verkehrswende voran: Besser mobil statt mehr Verkehr.

Rede Heiner Monheim 19-9-16 als pdf zum Download

Aktion, Verkehr
13. September 2016

Greenwashing unter dem Gütesiegel der UN – Luftfahrt versus Klimaschutz

„Die kommenden Wochen sind entscheidend für den Klimaschutz im Luftverkehr“. Mit diesen Worten beginnt eine Email

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Wo Natur verschwindet, verschwindet Leben: Plakat-Ausschnitt

von Matthias von Randow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverband der Deutschen Luftfahrtindustrie (BDL) und vormals Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, das ihn im blühenden Alter von 49 Jahren in den einstweiligen Ruhestand versetzte. Der BDL stimmt Fachöffentlichkeit und Medien auf die ICAO-Vollversammlung ein, die vom 27.9. bis 7.10. in Montréal stattfindet.

Die ICAO ist die UN-Sonderorganisation für zivile Luftfahrt. Sie wird in diesem Herbst – fast 20 Jahre nach dem Kyotoprotokoll – einen Beschluss zum globalen Klimaschutz zu fassen. Der Rat wird der Assembly ein Konzept für ein CO2-neutrales Wachstum (carbon neutral growth) der Luftfahrt vorlegen. Airliner sollen die aus dem Kerosinverbrauch abgeleiteten CO2-Emissionen durch Klimaschutzzertifikate in anderen Sektoren als der Luftfahrt und in anderen Ländern kompensieren.

Das Offsetting genannte Verfahren soll die CO2-Emissionen auf dem Level von 2020 deckeln und dennoch Wachstum ermöglichen: Ab 2021 auf freiwilliger Basis, erst ab 2027 verpflichtend. Eine ökologisch und sozial sinnvolle Qualität von Projekten oder Zertifikaten für einen Emissionsausgleich ist auch bei konservativer Rechung angesichts der Mengen nicht möglich. Zertifikate auf Wald und landwirtschaftliche Flächen als Treibhausgas-Einsparung würden darüber hinaus den Kampf um Flächen auf Kosten von Ernährung, Energie, bäuerlicher Landwirtschaft, naturnaher Waldnutzung und Wildnis weiter anheizen.

Das ICAO-Konzept wird keine Treibhausgase reduzieren, aber den Fluggesellschaften Greenwashing unter dem Gütesiegel der UN ermöglichen. Der BDL fordert mit Verweis auf den ICAO-Plan schon jetzt, die Luftverkehrsteuer abzuschaffen und vollständige und dauerhafte Ausnahme der Branche vom europäischen Emissionshandel. Das globale Regime mache „nationale Alleingänge bei der Luftverkehrsteuer“ und den“europäischen Alleingang“ Emissionshandel überflüssig.

Der vorliegende ICAO-Plan wird kein Gramm Treibhaus aus dem Flugverkehr reduzieren. Er wird weitres Wachstumermöglichen und von der einfachen Tatsache ablenken, dass Flugreisen das Klima in minimaler Zeit maximal schädigen.

Bitte unterzeichnen Sie die internationale Petition „Nein zum Ausbau des Flugverkehrs – Keine Klima-Scheinlösungen„.

Aktion, Klima, Verkehr, Wald
18. August 2016

Hand in Hand zur ICAO: Ministerium und Luftfahrtlobby

Die Bundesregierung hat auf eine kleine Anfrage der Grünen zu Klimaschutz im Flugverkehr geantwortet. Ende September muss die Internationale Organisation für zivile Luftfahrt (ICAO) – 19 (!) Jahre nach dem Kyotoprotokoll  – ihren Beitrag zum internationalen Klimaschutz beschließen. Seit drei Jahren arbeitet deshalb der ICAO-Rat an einem Konzept für ein CO2-neutrales Wachstum („carbon neutral growth“) des Flugverkehrs ab 2020. Es basiert auf Ausgleich („offsetting“) der aus dem Kerosinverbrauch abgeleiteten CO2-Emissionen durch Klimaschutzzertifikate aus anderen Ländern und Wirtschaftssektoren. In der Antwort auf die Grüne Anfrage heißt es: „Die Bundesregierung sieht einen Offsetting-Mechanismus als ein geeignetes, markbasiertes Instrument an, um die CO2-Emissionen des Luftverkehrs zu begrenzen.“

Beim letzten High Level Meeting der ICAO vor der Hauptversammlung war eine Vertreterin der Luftfahrtlobby-Organisation BDL Teil der deutschen Delegation. Umwelt- und Klimaschutzorganisationen sind nicht eingebunden. Nach Meinung von ROBIN WOOD macht sich das federführende Verkehrsministerium zum Sprachrohr der Luftfahrtlobby. Das ICAO-Konzept will eine Licence to Grow für Flugreisen auf Kosten ländlich geprägter Lebensweisen. Dem Klimaziel von Paris – eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad bis 2050 – wird es nicht gerecht, denn

+ 2020 als Basisjahr für eine Deckelung der Treibhausgas-Emissionen aus dem Luftverkehr würde auf viel zu hohen Niveau ansetzen.

+ Klimaschutz im Flugverkehr muss mit Kohlendioxid-Äquivalenten (CO2e) rechnen. State of the Art ist mindestens ein Faktor 2 für die CO2-Emissionen.

+ Die Erfahrung mit Klimaschutzzertifikaten zeigt, dass die Projekte Treibhausgase nicht langfristig binden und bäuerliche Landwirtschaft zerstören.

Bitte unterschreiben Sie unsere internationale Petition für Klimaschutz durch weniger Flugverkehr und gegen die ICAO-Pläne.ButtonohneText

Aktion, Verkehr
15. August 2016

My own private Greenwashing? Das Tofuschnitzel und die Flugreise

Bestimmt das Sein das Bewußtsein oder andersrum? Das Umweltbundesamt hat die tatsächliche Ökobilanz und das gefühlte Umweltbewußtsein von 1000 repräsentativ Befragten ins Verhältnis gesetzt und kommt zu dem Ergebnis: Ausschlaggebend für die persönliche Ökobilanz ist in erster Linie das Einkommen, nicht die Überzeugung. Am Einkommen hängt die Größe der Wohnung mit entsprechenden Heizkosten und meistens auch die Größe des Autos. Je höher das Einkommen, desto häufiger sind private Flugreisen. Wohnen und Mobilität sind die beiden dicken Brocken für die individuelle Ökobilanz.

Arme Leute, die sich selbst nicht „Ökos“ nennen, haben in der Studie die beste Ökobilanz. Wohlhabende unterschätzen meist die Relevanz ihrer Wohnverhältnisse und Mobilitätsgewohnheiten für die Umwelt und nehmen sich selbst als Saubermänner und -frauen wahr. Überzeugung und Konsum der Befragten klaffen also auseinander. Signifikant ist lediglich der Zusammenhang der Ernährung mit der Umwelteinstellung: Wer sich selbst als umweltbewußt bezeichnet, isst häufiger aus ökologischer Landwirtschaft und weniger Fleisch als der Durchschnitt.

Weniger fliegen bereinigt die persönliche Ökobilanz am schnellsten. Wem individuelle Lösungen nicht reichen, unterstützt die internationale Petition für Klimaschutz durch weniger Luftverkehr.

 

Aktion, Hamburg/Lüneburg, Klima, Köln, Verkehr
19. Juni 2016

Sternradeln für’s gute Leben in der Stadt

Fotos: Robin Wood Köln

Fotos: Robin Wood Köln

Über die Hamburger Köhlbrandbrücke und durch den Kölner Rheinufertunnel rollten heute Tausende Räder und kein einziger Auspuff. Seit 1995 in Hamburg, zum neunten Mal in Köln demonstrieren Mitte Juni Radfahrer_innen mit großen Sternfahrten am „Mobil ohne Auto“-Sonntag für klimafreundliche Mobilität ohne Lärm und Gestank.

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Mehr als 20.000 Fahradfahrerinnen und Fahrradfahrer haben bei der
Hamburger Sternfahrt für bessere Fahrradmobilität demonstriert. Dabei konnten Strecken erkundet werden, die sonst für RadfahrerInnen tabu sind: Mehrere Routen führten über die Köhlbrandbrücke und die A255 zum Rathausmarkt. Dort fand die Abschlusskundgebung statt, bei der u.a. der grüne Umweltsenator Jens Kerstan auf der Bühne stand. Er versprach den Teilnehmenden, Hamburg zur Fahrradstadt zu machen. Der Radverkehrsanteil soll auf 25 % steigen, neue Fahrradspuren und Velorouten sind geplant. Bleibt zu hoffen, dass den schönen Worten möglichst schnell Taten folgen. Wir werden jedenfalls weiter für eine ökologische Verkehrspolitik auf die Straße gehen.

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Hamburger Wetter, Foto und Bericht: Robin Wood Hamburg/Lüneburg

Aktion, Berlin, Klima, Verkehr, Wald
27. Mai 2016

Degrowth statt Greenwashing: Airbus und Böll-Stiftung über „nachhaltiges Fliegen“

EisbärDie grüne Heinrich-Böll-Stiftung und die Airbus Group werden auf der Internationalen Luftfahrtmesse in Berlin eine gemeinsame Broschüre zum „nachhaltigen Fliegen“ vorlegen. Ralf Fücks und Tom Enders präsentieren die Ergebnisse von Fachdiskussionen des letzten Jahres, bieten Einsichten in den aktuellen Stand der technischen Entwicklungen und in die politische Debatte um eine nachhaltige Zukunft des Fliegens.

Wenn Airbus über „Nachhaltigkeit“ spricht, erwarte ich den Dreiklang aus Effizienzsteigerung, alternativen Kraftstoffen und Emissionsausgleich. Während Enders und Fücks voraussichtlich sehr, sehr viel über den aktuellen Stand der technischen Entwicklungen reden, ist praktisch nur der Emissionsausgleich in der politischen Debatte um eine klimaverträgliche Zukunft des Fliegens von Bedeutung.

Im Abkommen der Weltklimakonferenz von Paris kommt Flugverkehr nicht wörtlich vor. Die Luftfahrtindustrie feierte das als Freiflugschein in die Verantwortungslosigkeit. Da sich aber alle Staaten verpflichten, ihre nationalen anthropogenen Treibhausgasemissionen soweit zu reduzieren, dass die Erderwärmung  deutlich unter („well below“) zwei Grad bleibt, ist die Luftfahrt natürlich de facto im Paris-Vertrag und in der Verantwortung. 

Die UN-Sonderorganisation für zivile Luftfahrt, ICAO, beauftragte das Kyoto-Protokoll (Vorgänger von Paris), Maßnahmen für Klimaschutz im Luftverkehr zu entwickeln. 16 Jahre passierte nichts, bis die EU den Flugverkehr in den Emissionshandel einbezog. Nun will die ICAO auf ihrer Vollversammlung vom 27.9. bis 7.10.2016 ein Konzept für ein „Carbon Neutral Growth“, also ein CO2-neutrales Wachstum der Luftfahrt verabschieden. Der Plan der ICAO stützt sich zum ganz überwiegenden Teil auf Offsets, auf CO2-Gutschriften in anderen Ländern und Sektoren. Es wird so gut wie NICHTS bei der am stärksten wachsenden Quelle von Treibhausgasen – das ist der Flugverkehr – reduziert. Statt dessen soll landbasiert „kompensiert“ werden. Wo will die ICAO diese gewaltigen Kompensationsflächen hernehmen, die bisher noch nicht für den Klimaschutz erschlossen sind? Es gibt sie nicht.

Um es zuzuspitzen: Die Klimabelastung aus Flugreisen – Teil einer maximal ressourcenintensiven Konsum- und Produktionsweise – würde durch Offsets verrechnet mit bäuerlicher Landwirtschaft oder gar Waldnomadenleben. Fliegen als maximale Ausserkraftsetzung räumlicher Grenzen – das ist der Machtfaktor bei Mobilität – würde verrechnet mit der größtmöglichen Bindung an die Scholle. Bäumchen pflanzen für´s Weiterfliegenist weder ökologisch noch sozial „nachhaltig“.

Um es klar zu sagen: Das Klima schützt, wer weniger fliegt. Alles andere ist Quark. Degrowth statt Greenwashing.

 

Aktion, Verkehr
23. Februar 2016

Nein zur Deutschen Autobahn AG – Fachtag „Verkehrspolitische Konsequenzen einer Fernstraßengesellschaft“

Auf Einladung von Gemeingut in BürgerInnenhand (GiB) haben VertreterInnen von Umweltorganisationen, VerkehrsexpertInnen und Bundestagsabgeordnete mögliche Folgen einer „Bundesfernstraßengesellschaft (BFG)“ diskutiert. Sie kamen dabei übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass eine BFG die ökologisch dringend notwendige Verkehrswende behindert und gefährdet. Gleichzeitig wurde deutlich, dass das Projekt zwar im Verkehrssektor angesiedelt ist, aber selbst kein genuin verkehrspolitisches Vorhaben ist.

PlattformGegenNeu

„Die Privatinvestoren werden renditeorientiert in Projekte der Bundesfernstraßengesellschaft investieren. Viele neue Straßen versprechen viel Rendite. Das steht einer ökologischen Verkehrsplanung, deren oberstes Ziel Verkehrsvermeidung sein muss, diametral entgegen“ so Katrin Kusche, Bundesgeschäftsführerin der GRÜNEN LIGA e.V.

Werner Reh vom BUND betonte, „die Scheindebatte über die BFG soll vom Versagen der herrschenden Verkehrspolitiker ablenken: Es gibt immer noch keine Gesamtverkehrsplanung, die diesen Namen verdient und die Klimaziele beachtet.“

Monika Lege, Verkehrsreferentin von ROBIN WOOD: „Die geplante Autobahn AG würde mehr Straßenverkehr, aber der großen Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger keine bessere Mobilität bringen.“

Carl Waßmuth von Gemeingut in BürgerInnenhand (GiB) zum Fachtag: „GiB kritisiert die BFG als Privatisierungsprojekt. Auf dem Fachtag haben uns Verkehrs- und UmweltexpertInnen bestätigt, dass eine BFG auch ökologisch kontraproduktiv wäre – und dass die darin vorgesehene Privatisierung ein zentrales Problem an dem Konstrukt ist.

Zu den Vorträgen:

https://www.gemeingut.org/fachtag-verkehrspolitische-konsequenzen-einer-fernstrassengesellschaft/

Aktion, Süd-West, Verkehr
18. Januar 2016

Neues Jahr, alter Dreck: Feinstaub macht Stuttgarter_innen krank

imageErstmals im neuen Jahr kündigte sich heute am Stuttgarter Neckartor eine Überschreitung des zulässigen Grenzwertes für Feinstaub an. Die Bürgerinitiative Neckartor und Robin Wood Stuttgart bekräftigen deshalb ihre Forderung nach sofortigen Fahrverboten bei zu viel Feinstaub in der Atemluft.

Sie haben deshalb heute Nachmittag am Neckartor ein drei mal neun Meter großes Transparent aufgehängt mit der Aufschrift „Robin Wood warnt: Atmen gefährdet die Gesundheit.“ Damit unterstützen sie die spontane Demonstration der Bürgerinitiative Neckartor.

Feinstaub aus Dieselauspuffrohren gelangt durch die Atemwege bis in die kleinen Lungenbläschen und verursacht dort Entzündungen. Das Immunsystem reagiert auf die ultrakleinen Giftstoffe. Bei Kindern erhöht sich das Risiko, später u.a. an Neurodermitis, Heuschnupfen oder Asthma zu erkranken. Jedes Jahr sterben in Deutschland nach Angaben des Umweltbundesamtes 46.000 Menschen durch Feinstaub vorzeitig.

In Stuttgart ist die Lage besonders dramatisch: An der Luftmessstation Neckartor waren 2013 bereits vor dem kalendarischen Frühlingsanfang die zulässigen 35 Tage im Jahr mit mehr als 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Atemluft erreicht – ein trauriger Rekord. Stuttgart 21 verschärft das Problem durch die Dauerbaustelle im Herzen der Stadt und weil die Zerstörung des Kopfbahnhofes den abgasarmen Schienenverkehr massiv behindert.

„Tag für Tag müssen wir giftigen Dreck aus tausenden Auspuffrohren einatmen. Statt „Freier Fahrt für freie Bürger“ wollen wir frei atmen“, fordert Eberhard Linckh von Robin Wood Stuttgart. „Deswegen müssen noch 2016 in Stuttgart Fahrverbote bei Überschreitung der Grenzwerte für Feinstaub kommen.“

Aktion, Verkehr
17. Dezember 2015

DB-Vorstand stellt Konzept für Nicht-Bahn-Konzern vor – Unterschriften „Klimaschutz braucht die Bahn für Alle“ übergeben


[Film von Dagmar und Rolf Heidemann, FlügelTV]
Der DB-Vorstand hat gestern dem Aufsichtsrat sein Konzept zum Konzernumbau vorgelegt. Die DB AG ist in einer tiefen Krise: In diesem Geschäftsjahr steht ein Milliardenverlust bevor. Seit ihrer schuldenfreien Gründung 1994 hat die bundeseigene AG 20 Millarden Euro Schulden angehäuft. Große Summen gaben Bahnchef Grube und sein Vorgänger Mehdorn für den Kauf nicht schienengebundener Logistik auf der ganzen Welt aus, die viel Umsatz, aber wenig Gewinn bringt. Gleichzeitig betrieb Mehdorn und betreibt Grube Raubbau am inländischen Schienensystem. Im Personen- und Güterverkehr wurden zahllose Haltepunkte und Verbindungen stillgelegt, Bahnhöfe geschlossen. Nun will Grube mehr vom Falschen: Er will weiter Kapazitäten im inländischen Schienengüterverkehr abbauen. Nachtzüge, also Schlaf- und Liegewagen, schafft die DB AG komplett ab. Auf die Konkurrenz der Fernbusse reagiert die Bahn nicht mit einer im wahrsten Sinne des Wortes zügigen Reaktivierung des Interregio-Netzes – also einer Flächenbahn zu fairen Preisen. Nein, sie will sich mit eigenen Billig-Fernbussen selbst kannibalisieren.

IMG_0261Robin Wood übergab gestern zusammen mit dem Gutachten über eine zweite Kostenexplosion bei Stuttgart 21 die seit Mitte Okober gesammelten 4056 Unterschriften an DB-Konzernsprecher Achim Stauß. Die Unterzeichnenden fordern ein gut funktionierendes Nachtzugnetz und faire Preise für Tickets ohne Zugbindung und für die BahnCard 50. Klimaschutz braucht die Bahn für Alle. Den größten Beitrag zum Klimaschutz leistet die bundeseigene DB nicht durch Ökostrom, sondern mit einem Eisenbahnbetrieb, der eine echte Alternative zur Straße und zum Flugverkehr ist. Das ist ihr Job.

„Frisches Geld“ für ein gut getaktetes Schienenverkehrsnetz in der Fläche ließe sich durch Verkauf von nicht schienengebundener Logistik weltweit erlösen – wenn der Bund als Eigentümer seine Verantwortung für ein gutes Verkehrsangebot auf der Schiene wahrnimmt. Ein Einstieg privater Investoren bei der DB AG würde dieses Ziel konterkarieren.