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19. Dezember 2014

Atommüll kommt schneller in die USA als nach Ahaus

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Der AVR-Reaktor in Jülich hat wenig Strom, aber viel Atommüll produziert. Der Reaktor lief von 1967 bis 1988. Die Entsorgung des Atommülls ist selbst 26 Jahre nach Betriebsende noch ungelöst. Foto:Maurice van Bruggen

Der Export von 152 Castor-Behälter von Jülich in die USA soll
in neun Transatlantik-Transporten mit je 16 Castoren erfolgen.
Die Castoren-Transporte von Jülich in die USA können nicht vor
November 2016 starten, weil der Castor-Kran in Jülich saniert werden muss. Das ergab eine Akteneinsicht der Wistle-Blowers Rainer Moormann. Es steht in einer von der Atomaufsicht geforderten Detailkonzept, in der das Forschungszentrum Jülich untersucht hat, wie die 152 Castoren am schnellsten aus dem alten Zwischenlager kommen: Ergebnis:

Verschiffung in die USA dauert 3 Jahre und 2 Monate
Transport nach Ahaus 5 Jahre und 2 Monate
Neues Zwischenlager in Jülich bauen: 8 1/2 Jahre

Das berichtet auch die Aachner Zeitung. In jeweils 4 Wochen sollen 16 Castoren vom Jülicher AVR-Behälterlager in einer Verladehalle gebracht, in die 20 Fuß-Transportcontainer verladen und transportfertig gemacht werden.Erst wenn alle 16 Behältere einer Transportcharge fertig sind, beginnt der Abtransport um Hafen. Der Landtansport inklusive Beladung des Schiffes soll maximal2 Tage dauern.lm Hafen sollen die ankommenden Behälter zeitnah auf das Schiff verladen werden, so dass kein Bereitstellungslager auf dem Hafengelände erforderlich sein soll. Da das Forschungszentrum Jülich einschätzt, dass Genehmigung und die Planung der polizeilichen Sicherung des Transportes innerhalb von Deutschland schneller erfolgen kann, wird ein deutscher Hafen bevorzugt. Es sind im November aber auch Gespräche mit dem Niederländischen Wirtschaftsministerium und belgischen Behörden geführt worden, ob ein Transport über deren Häfen möglich ist.

Die Ergebnisse der Studie sollen jetzt von TÜV-Gutachtern bis Ende März überprüft werden. Im März soll in den USA auch die Umweltverträglichkeitsstudie ausliegen, in der man auch aus Deutschland Einwendungen erheben kann.

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19. Dezember 2014

Probleme bei Vattenfall: Inbetriebnahme des Kraftwerks Moorburg voraussichtlich erst im Februar 2015

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Kreativ gegen Vattenfall und für Ökostrom, Hamburg, Juni 2013 (Foto: ROBIN WOOD)

Vattenfall muss die reguläre Inbetriebnahme seines neuen Steinkohlekraftwerks in Hamburg-Moorburg erneut verschieben. Auf Anfrage von ROBIN WOOD nannte eine Vattenfall-Sprecherin heute als neuen Termin, zu dem der erste Kraftwerksblock „voraussichtlich“ ans Netz gehen werde: Ende Februar 2015. Damit kann Vattenfall auch die beiden zuletzt genannten Termine, 23. Dezember bzw. 30. Dezember 2014, nicht halten.

Baubeginn für das Kraftwerk mit seinen zwei Blöcken war im Oktober 2007. Hartnäckiger politischer Widerstand, zahlreiche technische Probleme – insbesondere mit fehlerhaftem Stahl für die Kessel und undichten Schweißnähten –  sowie Umplanungen haben für jahrelange Verzögerungen gesorgt. Der Bau einer durch St. Pauli und Altona führenden Fernwärmetrasse für das Kraftwerk konnte von der Initiative “Moorburgtrasse stoppen“, AnwohnerInnen und Umweltorganisationen wie ROBIN WOOD und BUND durch Protest vor Ort und eine Klage vor Gericht gemeinsam verhindert werden.

Baumbesetzung gegen die Vattenfall-Fernwärmetrasse, Winter 2009/10

Baumbesetzung gegen die Vattenfall-Fernwärmetrasse, Winter 2009/10 (Foto: C. Grodotzki)

Der Strom aus dem Kraftwerk wird nicht gebraucht. Die Schäden durch seine Erzeugung aber sind immens. Kohlekraft ist die klimaschädlichste Form der Energieerzeugung. Bei Volllast wird das Kraftwerk rund 12.000 Tonnen Steinkohle pro Tag verbrennen. Dabei wird es mehr als 8,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid freisetzen. Hinzu kommt die Belastung durch Feinstaub, Schadstoffe wie Stickstoffdioxid und Schwermetalle wie Quecksilber.

ROBIN WOOD fordert den Ausstieg aus der Kohleverstromung!

Mehr Infos zum Kraftwerk Moorburg.

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18. Dezember 2014

Vor fünf Jahren: Baumbesetzung gegen die Moorburgtrasse von Vattenfall in Hamburg

Baumbesetzung gegen die Vattenfall-Fernwärmetrasse, Winter 2009/10

Baumbesetzung gegen die Vattenfall-Fernwärmetrasse, Winter 2009/10 (Foto: C. Grodotzki)

Heute vor fünf Jahren besetzten ROBIN WOOD-KletterInnen gemeinsam mit unabhängigen AktivistInnen bei Schnee und klirrender Kälte Bäume im Gählerpark in Hamburg-Altona (PM v. 18.12.2009). Sie wollten die Pläne des Energiekonzerns Vattenfall durchkreuzen, die Bäume für eine Fernwärmetrasse des neuen Kohlekraftwerks in Hamburg-Moorburg zu fällen. Bis in den März 2010 hinein harrten sie auf Plattformen in den Wipfeln aus. Das war großartig – und von Erfolg gekrönt! Die Bäume stehen noch immer, die Fernwärmetrasse wurde bis heute nicht gebaut.

Bereits einige Tage zuvor hatten zwei AnwohnerInnen einen Baum im Gählerpark besetzt. Gemeinsam unterstützten sie das Bündnis Moorburgtrasse stoppen. Die Aktion setzte unzählige HamburgerInnen in Bewegung. Sie kamen vorbei, brachten Lebensmittel, informierten sich, wurden selbst aktiv. Tag für Tag wuchs die Alarmliste, in die sich Leute eintrugen, die sich im Falle einer Räumung querstellen wollten.

Der Protest vor Ort und eine Klage des BUND vor dem Hamburger Oberverwaltungsgericht zwangen Vattenfall dazu, die Pläne zu stoppen. Das hat die weiteren energiepolitischen Debatten in Hamburg geprägt – und energiepolitisch ist viel passiert seitdem.

Vattenfall hat im September 2013 den Volksentscheid über die Hamburger Energienetze verloren, so dass die Stadt ihr Strom- und Fernwärmenetz von Vattenfall und von HanseWerk das Gasnetz zurückkauft. Außerdem bekommt Vattenfall – wie die anderen großen Versorger auch – die Energiewende zu spüren. Das schwedische Unternehmen ist unter Druck und sucht nach einem Käufer für seine extrem klimaschädliche Braunkohlesparte. Das Steinkohlekraftwerk Moorburg, eines der größten in Europa, würde Vattenfall wohl wegen miserabler Gewinnaussichten heute so nicht mehr bauen – doch jetzt steht es da und wird ab dem neuen Jahr rund 8,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Luft pusten, dazu Feinstaub und Schwermetalle, die insbesondere die Menschen in den angrenzenden Stadtteilen belasten werden. Zudem gibt es Pläne, im schleswig-holsteinischen Wedel – als Ersatz für die Moorburgtrasse – das dortige veraltete Kohlekraftwerk zu “ertüchtigen” oder ein Fernwärmekraftwerk neu zu bauen.

Die Proteste gegen die Energiepolitik von Vattenfall und Hamburger Senat werden daher auch im nächsten Jahr weitergehen. Für 2015 ruft die Kampagne gegenstrom zu einer neuen Aktion auf. Bereits 2013 hatte es eine symbolische Schiffsblockade auf der Elbe gegen das Kraftwerk Moorburg und speziell gegen den Import von Kohle aus Kolumbien gegeben, an dem sich auch ROBIN WOOD-AktivistInnen mit einem Holzfloß beteiligt hatten.

Ein Blick zurück – Videos von der Baumbesetzung 2009/10:
Video Quer TV
ROBIN WOOD-Video, 3.1.2010

Mal reinhören: Akustisches Tagebuch vom Eichhörnchen

Aktuelle Infos von ROBIN WOOD: Kohlekraftwerk Moorburg

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17. Dezember 2014

Händler nehmen billigend in Kauf, dass Tropenholz aus illegalen Quellen in die Läden kommt

Holzschnitt Rosewood

Tangentialschnitt durch Kosemetikpinsel, gefunden bei Douglas (2014), ermittelt: African Rosewood aus dem tropischen Afrika

ROBIN WOOD hat bei vorweihnachtlichen Testkäufen Produkte mit Tropenhölzern gefunden, die auf der Roten Liste als gefährdete Arten geführt werden und deren legale Herkunft nicht belegt werden konnte. Von elf in unserem Auftrag durch das Thünen-Institut analysierten Tropenhölzern werden acht auf der Roten Liste als ‚gefährdet’ gelistet. Die Hölzer kommen ausschließlich aus zentral- und westafrikanischen Ländern: Einer krisenreichen Region, in der ein Großteil der Hölzer illegal geschlagen und gehandelt wird. Auf unsere Nachfragen hin konnte kein einziger Anbieter der Waren die unbedenkliche Herkunft der Hölzer lückenlos und glaubhaft belegen. Die Händler/innen nehmen damit billigend in Kauf, dass Tropenholz aus illegalem Raubbau sowie von gefährdeten Arten in den Verkauf gelangt. Zu den von uns untersuchten Produkten zählen u.a. Schachbretter, Pfeffermühle, Kosmetikpinsel, Besteck und Tischtennisschläger. Gekauft haben wir die Waren bei Karstadt, Galeria Kaufhof, Karstadt Sport, Douglas und Idee-Creativmarkt.

Kaum eine Käufer/in ahnt, dass sie sich mit dem adventlichen Shopping womöglich ein Stück illegal geholzten Tropenwald mit nach Hause nimmt. Erkennen kann sie brisantes Holz beim Einkauf nicht. Denn Art und Herkunft des Holzes müssen nicht gekennzeichnet werden. Die meisten Verbraucher/innen glauben, dass illegale oder bedrohte Hölzer nicht mehr nach Deutschland importiert und hier gehandelt werden und wiegen sich damit in falscher Sicherheit. (Ergebnisse des Marktchecks und der Händlerbefragung: weiterlesen.)

DSCN0150Auch die knapp zwei Jahre alte EU-Holzhandelsverordnung hat bisher keine Kehrtwende gebracht, sondern ist ein zahnloser Tiger geblieben. Die Verordnung verbietet zwar den Import und den Handel mit illegal eingeschlagen Holz, doch bisher hat die Verordnung zu viele Schlupflöcher, um wirklich greifen zu können. Theoretisch muss derjenige, der Holzprodukten von außerhalb der EU in die EU einführt, belegen können, dass es sich dabei sehr wahrscheinlich um Holz aus legalen Quellen handelt. Jedoch greift die Verordnung bei sehr vielen Produkten gar nicht, da sie pauschal ausgenommen sind. So fällt zum Beispiel keines der von uns getesteten Produkte in den Geltungsbereich der Verordnung. Auch beim Import von Holzkohle, Büchern, Sitzmöbeln, Beleuchtungskörpern und Werkzeugen muss kein Legalitätsnachweis erbracht werden. Außerdem sind die Kontrollen und Strafvorschriften zu schwach. Auffällig ist zum Beispiel, dass der für die Umsetzung der Verordnung zuständigen Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) bisher kein einziger Verstoß vorliegt, der zu einer Strafanzeige geführt hat. Die EU-Holzhandelsverordnung muss dringend verschärft werden, um den Import von Tropenholz aus illegalen Quellen wirksam zu unterbinden. Eine Revision der Verordnung ist für 2015 geplant.

ROBIN WOOD wird das Thema weiterverfolgen und bei Herstellern, Händlern und Verkäufern weiter Druck machen.

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16. Dezember 2014

Ein Greenwashing-Event weniger: Vattenfall verkündet das Ende des Cyclassics-Sponsorings

Vattenfall mag nicht mehr: Heute hat der Kohle- und Atomkonzern das Ende des Sponsorings der Vattenfall-Cyclassics in 2015 bekannt gegeben. Im kommenden Jahr wird das von Vattenfall vermarktete Radrennen durch Hamburg zum letzten Mal stattfinden.

Gegen das Greenwashing von Vattenfall, Protestbanner bei den Cyclassics, Hamburg, 24.8.14 (Fotos: Robin Wood)

Gegen das Greenwashing von Vattenfall: Protestbanner bei den Cyclassics, Hamburg, 24.8.14 (Foto: Robin Wood)

Gegen das Sponsoring der Cyclassics hatte es alljährlich Demonstrationen gegeben – zuletzt im August 2014. AktivistInnen von ROBIN WOOD und der Kampagne gegenstrom protestierten – nicht weil sie etwas gegen das Radfahren hätten. Es stinkt allen gewaltig, dass Vattenfall mit solchen Greenwashing-Events von seiner gefährlichen und extrem klimaschädlichen Energiepolitik ablenken und sich als guter Nachbar in Szene setzen will.

Zum Jahreswechsel will Vattenfall sein riesiges neues Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg in Betrieb nehmen. Über den verantwortungslosen Umgang des Konzerns mit den Hinterlassenschaften seiner AKWs (Stichwort: rostende Atommüllfässer) gibt es immer wieder neue Hiobsbotschaften. Viele KundInnen sind daher schon längst weg von Vattenfall und hin zu einem Ökostrom-Anbieter gewechselt. Und nicht zuletzt im September 2013 beim Volksentscheid über die Energienetze haben die HamburgerInnen Vattenfall die Rote Karte gezeigt.

Formelhaft wiederholt Vattenfall-Chef Pieter Wasmuth – auch in der Presse-Info zum Ende der Cyclassics – den immer gleichen Dank an „alle Hamburgerinnen und Hamburger, dass sie uns seit 120 Jahren ihr Vertrauen schenken“ – Was für ein Realitätsverlust!

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16. Dezember 2014

O Tannenbaum… wie öko sind deine Blätter?

In der „Anstalt“ vom ZDF  gab es neulich erste Vorbereitungen für ein „möglichst harmonisches Weihnachtsfest“. „Wir holen uns ein Stück Wald in unser trautes Heim“, verkündete Max Uthoff in feierlichem Ton (ZDFmediathek, ab 6. Sendeminute). Da platzte auch schon ein Mann samt Tannenbaum herein – am Leib einen Schutzanzug, in der Hand eine Giftspritze, mit der er beherzt in alle Richtungen sprühte. Die Herren an der festlich gedeckten Weihnachtstafel kamen ins Husten – wieder nichts mit  besinnlicher Festtagsstimmung.

Die Satire hat einen realen Hintergrund: Mehr als 80 Prozent der Weihnachtsbäume stammen inzwischen nicht mehr aus dem Wald, sondern aus Plantagen. Und dort wird kräftig gespritzt und gedüngt: Insektizide gegen Rüsselkäfer und Sitkalaus, Herbizide gegen konkurrierendes Gewächs, Mineraldünger für gleichmäßigen Wuchs und für eine intensive Grün- oder Blaufärbung der Nadeln. Das ist eine enorme Belastung für Böden und Gewässer.

Öko-Weihnachtsbäume sind ohne Pestizide und Mineraldünger herangewachsen (Foto: ROBIN WOOD)

Öko-Weihnachtsbäume sind ohne Pestizide und Mineraldünger herangewachsen (Foto: ROBIN WOOD)

Dabei geht es auch anders. Das zeigen Forstbetriebe, die nach klaren, ökologisch ausgerichteten Regeln wirtschaften und dies auch von unabhängiger Seite kontrollieren lassen.

ROBIN WOOD recherchiert jedes Jahr, wo man Öko-Weih-nachtsbäume kaufen kann. Erfreulicher Trend: Die Zahl der Anbieter steigt. Spitzenreiter ist das Bundesland NRW, wo wir in diesem Jahr 45 Verkaufsstellen gezählt haben.

Wer also auch in diesem Jahr Weihnachten unterm Tannenbaum feiern möchte, findet hier Tipps rund um Öko-Weihnachtsbäume und eine nach Bundesländern sortierte Liste mit rund 100 Verkaufsstellen.

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15. Dezember 2014

8. Sternmarsch gegen neue Braunkohlentagebaue

Mittlerweile wird er zur Tradition: der Sternmarsch gegen neue Tagebaue in der Lausitz. Die Ortsbürgermeister und die Agenda 21 der vom Braunkohlentagebau Jänschwalde-Nord bedrohten Dörfer laden zum traditionellen Sternmarsch am 4. Januar nach Grabko, Kerkwitz und Atterwasch ein. “Der Einstieg in den Ausstieg aus der Kohleverstromung ist nötig und muss gerade auch in der Lausitz stattfinden. Dafür werden wir mit dem Sternmarsch zum achten Mal in Folge ein Zeichen setzen und laden alle Unterstützer herzlich ein.“ erklärt Organisatorin Silvia Borkenhagen aus Grabko.

Sternmarsch im benachbarten Nochten April 2014 / Foto: Daniel Häfner

Sternmarsch im benachbarten Nochten April 2014 / Foto: Daniel Häfner

Treffpunkte zum Sternmarsch sind um 13:00 Uhr in Grabko, 13:15 Uhr in Atterwasch und 13:30 Uhr in Kerkwitz. In Kerkwitz besteht Bahnanschluss. Die Demonstrationszüge treffen sich gegen 14:00 Uhr am „Alten Schafstall“, einer Wiese zwischen den drei Orten. Als Gastredner werden Lausitzer Kommunalpolitiker und Gäste aus anderen Bundesländern erwartet.

Für den Tagebau Jänschwalde-Nord sollen die Dörfer Grabko, Kerkwitz und Atterwasch mit etwa 900 Einwohnern zwangsumgesiedelt werden. Weitere Orte, darunter die Stadt Guben, würden durch den Tagebau ebenfalls stark beeinträchtigt. Die 30 Quadratkilometer große Grube soll ein neues Braunkohlenkraftwerk am Standort Jänschwalde versorgen, das aber gar kein Investor bauen will. Die brandenburgische Landesregierung weigert sich bisher, die nötige Schlussfolgerungen zu ziehen und das Planverfahren zu beenden. Der Sternmarsch findet seit 2008 immer am ersten Sonntag im Jahr statt.

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12. Dezember 2014

Erfolg: Ab dem 13.12. gilt die Kennzeichnungspflicht für Palmöl in Lebensmitteln

Gorilla KettensägeEgal ob Kekse, Schokoaufstrich, Kerzen oder Kosmetika – das billige Palmöl befindet sich mittlerweile in rund 50 Prozent aller Supermarktartikel. Nun darf Palmöl zumindest in Lebensmitteln nicht mehr hinter der allgemeinen Bezeichnung ‚pflanzliche Fette’ oder ‚Öle’ versteckt werden, sondern muss namentlich auf der Verpackung genannt werden. Das ist ein wichtiger Teilerfolg, denn lange hatten die Verbraucher/innen keine Möglichkeit Palmöl-Produkte beim Einkauf zu erkennen und zu meiden.
Am 13.12.2014 endet die Übergangsfrist der bereits 2011 beschlossenen EU-Lebensmittel-Informationsverordnung (Nr. 1169/2011). Die Lebensmittel-Informationsverordnung regelt in der EU die Kennzeichnung von Lebensmitteln. Die alleinige Angabe der Klassenbezeichnungen wie „pflanzliches Öl“ und „pflanzliches Fett“ ist nun nicht mehr ausreichend. Unmittelbar nach der Klassenbezeichnung muss die spezielle pflanzliche Herkunft, also beispielsweise „Rapsöl“, „Palmöl“ oder „Sojaöl“ in der Zutatenliste angegeben werden.
Uganda PalmölarbeiterNoch nimmt die Nachfrage nach Palmöl immer weiter zu. In den letzten 30 Jahren hat sich die Anbaufläche verzehnfacht. In Indonesien und Malaysia, den Hauptproduzenten von Palmöl, ist der Ölpalmanbau ein Hauptgrund für die Zerstörung des Regenwaldes und die gewaltsame Vertreibung der dort lebenden Menschen. In den letzten Jahren sind aber auch in Afrika und Lateinamerika riesige Palmöl-Plantagen entstanden. So ist zum Beispiel der weltweit größte Palmölkonzern Wilmar an einem großen Palmölprojekt in Uganda beteiligt.
Viele Hersteller weisen darauf hin, dass sie nur Palmöl mit RSPO-Siegel verwenden und versuchen so ihren Palmölprodukten eine weiße Weste zu verpassen. Der RSPO (Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl) ist eine im Jahre 2004 gegründete Zertifizierungsinitiative, die nach eigenen Angaben die Förderung des nachhaltigen Palmölanbaus als Ziel hat. Die Nachhaltigkeitsstandards sind jedoch viel zu lasch und werden in der Praxis kaum umgesetzt. Der RSPO verleiht de facto lediglich ein grünes Deckmäntelchen, um das schlechte Image des Palmöls aufzubessern. Besser wird das Palmöl dadurch nicht.

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11. Dezember 2014

Mit dem Taxi nach Paris? – Rettet die Nachtzüge – Aktionen heute

Will die Bahn zurück in die 80er, als der Klimawandel nur ein paar Ökospinner interessierte?

Heute fährt der letzte Nachtzug der Deutschen Bahn nach Paris. Viele überzeugte Bahnfahrer_innen machen dagegen mobil und werden die später zusammengeführten Zugteile an ihren verschiedenen Abfahrtsorten gebührend verabschieden. Wer die Abschaffung der Nachtzüge wie ROBIN WOOD für eine fatale Fehlentscheidung von Bahnmanagement und Verkehrspolitik hält, kann dies demonstrativ vor Abfahrt des Zuges kundtun:

Berlin Hauptbahnhof 20:06 Uhr Gleis 6

Hamburg Hauptbahnhof 20:11 Uhr Gleis 14

Hannover Hauptbahnhof 22:16 Uhr Gleis 4

München Hauptbahnhof 22:50 Uhr Gleis 22

Göttingen 23:32 Uhr Gleis 8. In Göttingen gibt es zusätzlich eine Kundgebung um 16 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz.

Offizielle Begründung der Bahn für die Abschaffung des Nachtzuges nach Paris ist ein jährliches Defizit von 6 Millionen Euro durch diesen Zug für die DB Fernverkehr. Schon Ende Oktober wurde der Nachtzug nach Kopenhagen eingestellt, wegen angeblich 3 Millionen Euro Defizit. Insgesamt beträgt das Defizit durch Nachtzüge für die DB Fernverkehr nach Konzernangaben 18 Millionen Euro.

Gegenüber der Presse rundet die DB diesen Betrag konsequent locker auf 20 Millionen Euro. Wenn aber 2 Millionen Euro so unbedeutend sind, dass sie mal eben aufgerundet werden, können 3 Millionen Euro kaum der Grund für die Streichung der Kopenhagenlinie sein. Wichtiger noch: Einen beträchtlichen Teil der 18 Millionen Euro zahlt die Bahntochter DB Fernverkehr  als Trassen- und Stationsgebühren an ihre Schwester DB Netze – und schafft damit eine Einnahme für die Konzernbilanz.

Nachtzüge sind die klimafreundliche Alternative zu innereuropäischen Flügen. Die Bahn beweist Gespür für den größten klimapolitischen Fettnapf: Sie schafft den Nachtzug nach Paris genau ein Jahr vor dem nächsten Weltklimagipfel in Europa ab.  Er findet in Paris statt.

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10. Dezember 2014

Wilmars Expansionsstreben

Wilmar International wurde mit dem Palmölboom in Malaysia und Indonesien einer der bedeutsamsten Agrarkonzerne der Welt. Doch seine Heimatregion wurde Wilmar schon bald zu eng. Bereits Mitte der 2000er Jahr begann es seine Palmölgeschäfte auf Regionen außerhalb SüdostasieBidco Produktens auszudehnen. Auf seiner Webseite präsentiert Wilmar stolz seine Expansionserfolge: Firmenkäufe, Beteiligungen, Fusionen. Erst streckte Wilmar seine Finger nach Agrarflächen und Absatzmärkten in anderen asiatischen Ländern aus, wenig später dann nach Afrika und zuletzt auch nach Südamerika. Neben dem Palmölgeschäft verdient Wilmar immer mehr Geld mit anderen Ölsaaten sowie mit Kautschuk und Rohrzucker.
In Uganda wurde Wilmar zusammen mit Bidco – einem der wichtigsten Vertreiber von Speiseöl in Afrika – Partner in einem großen Palmöl-Projekt der ugandischen Regierung. Wilmar und Bidco bilden zusammen das Joint Venture Bidco Uganda Limited (BUL). Geplant sind Palmöl-Plantagen auf insgesamt 40.000 Hektar. Knapp die Hälfte davon wurde bereits umgesetzt.
Jonathan Happ & Katja Becker von Graswurzel-TV unternahmen mit Unterstützung von ROBIN WOOD eine Recherchereise auf die Ssese-Inseln im Viktoriasee und drehten dort mehrere Videos über die Situation vor Ort. Die Filme dokumentieren deutlich, dass Wilmar, diesmal im Namen von Bidco, in Uganda ähnliche Methoden anwendet wie die, die Wilmar bereits in Südostasien groß gemacht haben: illegale Landnahme, Zerstörung von wertvollen Wäldern, umwelt- und gesundheitszerstörender Pflanzenschutzeinsatz, unzumutbare Arbeitsbedingungen.
Kurz zusammengefasst, lesen sich die Auswirkungen des ugandischen Palmöl-Projekt, das mit Geldern der Weltbank und des Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD) unterstützt wurde, so: Schätzungsweise 3.600 Hektar Wald wurden bereits gerodet. Menschen, die das Land seit Jahrzehnten bearbeiten, werden von ihrem Land vertrieben, ohne dafür entsprechend entschädigt zu werden. Bäuerinnen und Bauern werden zum Vertragsanbau und Aufgabe ihres Lebensmittelanbaus überredet. Bestehende funktionierende Wirtschaftsstrukturen werden so zerstört und die Menschen in eine absolute Abhängigkeit zu Bidco gedrängt. Plantagenarbeiter/innen und Rodungsteams bekommen, unter Missachtung von Arbeitsschutzstandards, weit weniger als den ortüblichen Lohn gezahlt.
Ausführlicher Bericht und Videos über Wilmar in Uganda: http://robinwood.de/Uganda