Blog, Klima, Wald
3. Februar 2016

Erfolg für den Great Bear Rainforest!

Es ist geschafft! Am 1. Februar 2016 wurde die erfolgreiche Umsetzung des Great Bear Rainforest Agreements in Vancouver in der westkanadischen Provinz British Columbia verkündet. Das bedeutet: Der Great Bear Rainforest, der mit 3,6 Millionen Hektar weltweit größte Regenwald außerhalb der Tropen – so groß wie Baden-Württemberg – bleibt weitgehend vom industriellen Holzeinschlag verschont. Lediglich 15 Prozent können unter festgelegten Auflagen forstlich genutzt werden, die restlichen 85 Prozent sind für die Forstwirtschaft tabu.

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Ausdauernde Proteste haben sich gelohnt – Der Great Bear Rainforest steht jetzt weitgehend unter Schutz (Foto: Robin Wood)

Um dieses Waldgebiet an der fjordreichen Pazifik-Küste wurde 20 Jahre gekämpft, gestritten und – die letzten 15 Jahre – verhandelt. Vor zehn Jahren wurde dann das Abkommen beschlossen, das jetzt mit der Zustimmung von 20 First Nations, fünf großen Forstunternehmen, den Umweltorganisationen Sierra Club, Greenpeace und ForestEthics Solutions und der Provinzregierung von British Columbia in Kraft gesetzt wird.

ROBIN WOOD hat seit über 20 Jahren immer wieder über den Kampf um den Erhalt dieses einzigartigen Küstenregenwaldes berichtet  und die Arbeit der Umweltorganisationen vor Ort mit Protestaktionen unterstützt – zuletzt im Sommer 2013. Damals schien der Erhalt des Great Bear Rainforest erst zu rund 50 Prozent gesichert. Gleichzeitig drohte der Bau einer Pipeline, die Rohöl von der Nachbarprovinz Alberta mitten in diesen Küstenwald leiten sollte, um es dann höchst riskant mit riesigen Tankern durch die engen Fjorde abzutransportieren.

Mehr erfahren über den Great Bear Rainforest: Fact Sheet vom Sierra Club u.a. von Februar 2016 (englisch)

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1. Februar 2016

Lingen: Demo und Blockade gegen die atomare Brennelementefabrik

Rund 130 Menschen nahmen an diesem Sonntag die Pannenserie in den belgischen AKW Thiange und Doel zum Anlass, in Lingen gegen die dortige Brennelemente Fabrik zu demonstrieren. Die von der ANF (AREVA) betriebene Anlage beliefert Atomkraftwerke in aller Welt, darunter in Belgien und Frankreich. Rund 30 AktivistInnen blockierten dann am frühen Montag für ca. 5 Stunden die Anlage. Sie ließen sich weder durch ruppige unfreundliche Polizeibeamten noch durch die Kälte und den Regen von ihrem Vorhaben abhalten. Die Unkontrollierbarkeit der Radioaktivität, die sich an keine Grenzen hält, wurde mit gelben Wasserbällen, die chaotisch und fröhlich durch die Blockade hin und her geworfen wurden, bildlich dargestellt.

Die Bedeutung vom gemeinsamen Widerstand über Ländergrenzen hinaus war zuvor in der Lingener Innenstadt in Redebeiträge aus Belgien und Frankreich betont worden. ROBIN WOOD Aktivistin Cécile Lecomte berichtete über die französische Atompolitik und die aktuelle schwierige Situation für die Protestbewegung auf Grund der Notstandgesetzgebung in Frankreich (siehe auch das Dossier in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Anti-Atom-Aktuell). Weitere ROBIN WOOD AktivistInnen kletterten in Bäumen um einen Banner mit der Aufschrift „Fukushima mahnt Ausstieg sofort!“ aufzuhängen.

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26. Januar 2016

Im Dieselkraftstoff versteckt sich immer mehr Biodiesel aus Palmöl

Kahlschlag durch Wilmar in Indonesien, Foto: Nordin, Save Our Borneo

Foto: Nordin

Den meisten Menschen, die normalen Dieselkraftstoff tanken, würde nicht im Traum einfallen, dass sie mit jeder Tankfüllung ein Stück Regenwald vernichten. Jede Diesel-Tankfüllung in Deutschland basiert im Schnitt zu 1,8 Prozent auf Palmöl. Sprich in jeder Dieseltankfüllung steckt heute rund ein Liter Palmöldiesel. Betrachtet man nur den Biodiesel-Anteil, so basierten im Jahr 2013 etwa 26 Prozent der Produktion auf frischen Palmöl. Und das könnte nur der Anfang eines neuen Palmölbooms sein.
Der starke Zuwachs an Palmöldiesel ist vor allem auf falsche politische Weichenstellungen zurückzuführen. Der Einsatz von Biokraftstoffen wird in der EU durch die Beimischungsquote geregelt. Dabei beruhte die Beimischungsquote von Anfang an auf einem faulen Deal zwischen der EU und insbesondere den deutschen Autobauern, die sich jahrelang erfolgreich dagegen gewehrt haben, dass ihre Fahrzeuge niedrigere Verbrauchswerte erreichen müssen. Um Daimler, VW, BMW & Co. vom Druck zu befreien, ihre Autos effizienter zu machen, wurde 2005 von der deutschen Regierung die Idee mit der Beimischung entwickelt und in der EU durchgesetzt. Damit sollten Treibhausgas-Emissionen verringert werden, die durch die laschen Vorgaben von Verbrauchswerten nicht eingespart werden konnten.
Nur sehr langsam setzte sich die Erkenntnis durch, dass Biokraftstoffe oft eine dramatisch schlechtere Klima- und Ökobilanz als fossile Kraftstoffe haben. Besonders Palmöl ist ein Klimakiller. Erst im April 2015 verständigte sich die EU auf eine Obergrenze von 7 Prozent für Agrokraftstoffe aus Feldfrüchten. Damit rückte die EU erstmals vom 10 Prozent-Ziel für das Jahr 2020 ab. Die beschlossene Obergrenze ist ein langer überfälliger und wichtigerer Schritt, der aber längst nicht weit genug geht. Denn auch die nun beschlossenen 7 Prozent bedeuten fast eine Verdoppelung des Biokraftstoffanteils gegenüber dem heutigen Niveau von etwa 4,8 Prozent in der EU.

Bis vor wenigen Jahren wurde Kraftstoff auf der Basis von Palmöl dem Dieselkraftstoff vor allem im Sommer beigemischt. Denn Palmöldiesel verklumpt bei niedrigen Temperaturen sehr schnell und kann daher im Winter nur sehr begrenzt eingesetzt werden. Er muss auch mit anderen Biodiesel-Komponenten gemischt werden, weil sonst die vorgeschriebenen Qualitätsstandards nicht erfüllt werden. Trotz allem ist der Palmölanteil auch am herkömmlichen Biodiesel bereits sehr hoch, wie eine Studie des UFOP (Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen) gezeigt hat: Stichproben an 60 deutschen Tankstellen im Sommer 2013 kamen zum Ergebnis, dass herkömmlicher Biodiesel, der Standarddieselkraftstoffen beigemischt worden war, im Schnitt zu
36 Prozent aus Palmöl und Palmkernfett bestand. Im Winter lag dieser Anteil bei nur zehn Prozent. Allerdings ist in dieser Rechnung auch Altöl aus Palmöl, also zum Beispiel altes Frittierfett, enthalten, weil die Analyse nicht zwischen Alt- und Frischöl unterscheiden kann.

Foto: Jonathan Happ/ Katja Becker

Foto: Jonathan Happ/ Katja Becker

Seit einigen Jahren gibt es nun einen Biokraftstoff neuer Generation: die hydrierten Pflanzenöle (HVO). Die HVO sind so rein, dass sie das ganze Jahr über in fast beliebiger Höhe ohne Qualitätseinbußen Dieselkraftstoff beigemischt werden können. Da Palmöl billig ist, das HVO-Verfahren am besten mit Pflanzenölen mit gesättigten Fettsäuren wie Palmöl funktioniert und beim Einsatz von Palmöl zudem deutlich weniger Wasserstoff benötigt wird, besteht dieser neue HVO-Dieselkraftstoff zu fast 100 Prozent aus Palmöl. Rapsöl, dem bisher wichtigsten Rohstoff für herkömmlichen Biodiesel, eignet sich dagegen kaum als Rohstoff für HVO und ist aufgrund seines höheren Preises auch wirtschaftlich langfristig weit weniger attraktiv. Die Nachfrage nach Palmöl könnte daher schnell noch weiter in die Höhe schnellen. International sieht die Lage noch düsterer aus: Zahlreiche Länder fördern den Einsatz von Biokraftstoffen bereits intensiv. So befeuert zum Beispiel Indonesien mit einer aggressiven Subventionierung den Einsatz von Palmöldiesel und damit den Ausbau des Ölpalmanbaus im eigenen Land.
Bisher werden HVO in Deutschland noch nicht produziert. Sie kommen in erster Linie aus Rotterdam, wo das finnische Kraftstoffunternehmen Neste Oil eine eigene Raffinerie besitzt. Neste Oil, das mit dem südostasiatischen Palmölgiganten Wilmar zusammenarbeitet, hat den Palmöldiesel als erstes auf den Markt gebracht. Mittlerweile haben auch andere Kraftstoffproduzenten wie Total und Eni das HVO-Geschäft für sich entdeckt.

Würde bekannter werden, wie viel Palmölsprit schon jetzt in unseren Tanks steckt, würde das ohnehin schon angeschlagene Image der Biokraftstoffe weiter dramatisch leiden. Der Bundesverband Biokraftstoffe behauptet deshalb, im Jahresdurchschnitt nur drei Prozent frisches Palmöl beizumengen, verschweigt dabei aber gerne, dass er sich auf Zahlen aus dem Jahr 2014 bezieht, als der Rapspreis historisch einmalig tief stand und somit das Palmöl im herkömmlichen Biodiesel verdrängen konnte. Außerdem lässt er die HVO, in die ja mittlerweile die größte Menge Palmöl fließt, komplett außen vor.
Wie viel Palmöl sich im Biodiesel versteckt, wird bald nur noch schwer zu ermitteln sein: Während man herkömmlichen Biodiesel noch relativ einfach untersuchen und die Rohstoffbasis aufgrund der unterschiedlichen Fettsäuremuster erkennen kann, ist dies bei HVO nicht mehr möglich. Hier werden die eingesetzten Rohstoffe bei der Produktion so stark verändert, dass die ursprünglichen Fettsäuremuster verloren gehen.
Man kann nur feststellen, ob HVO beigemischt wurden. Und hier zeigen die Zahlen, dass der Anteil der HVO an herkömmlichem Biodiesel, abgesehen von einigen Ausreißern, steil ansteigt! Das goldene Zeitalter für Palmölsprit beginnt womöglich gerade erst.

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19. Januar 2016

Versorgungstransporte der Atomindustrie stoppen – Demo in Lingen

Die belgischen Atomkraftwerke schlagen Leck und die Atomaufsichtsbehörde empfiehlt Jod-Tabletten für die gesamte Bevölkerung.  Bei den französischen AKWs häufen sich ebenfalls die Zwischenfälle. Diese Atomkraftwerke werden von Deutschland aus mit Uran und Brennelemente beliefert. Am Montag verließ wieder ein mit Uranerzkonzentrat beladener Zug den Süd-West-Terminal von C. Steinweg in Hamburg. Ziel ist die Uranfabrik Narbonne Malvési. Uranerzkonzentrat ist der Rohstoff zur Fertigung von Brennelementen.  Die Brennelementefabrik Lingen wird ebenfalls regelmäßig über den Hamburger Hafen mit Uranoxyd und Uranpellets versorgt. Sie werden  in Lingen (Niedersachsen) zu Brennelementen verarbeitet, diese werden u.a. in den belgischen Pannen-AKWs eingesetzt. Der deutsche „Atomausstieg“ betrifft die Versorgungstransporte und die Anlagen der Atomindustrie nicht. Es darf unbebristet so weiter gehen – als würde dies uns vor einem GAU schützen. Glauben die Politiker*innen dass Radioaktivität an Ländergrenzen Stand hält?

Aus aktuellem Anlass findet am 31. Januar 2016 eine Demonstration in Lingen statt. 20 Gruppen  – darunter ROBIN WOOD – unterstützen bereits den Aufruf:

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Aktion, Süd-West, Verkehr
18. Januar 2016

Neues Jahr, alter Dreck: Feinstaub macht Stuttgarter_innen krank

imageErstmals im neuen Jahr kündigte sich heute am Stuttgarter Neckartor eine Überschreitung des zulässigen Grenzwertes für Feinstaub an. Die Bürgerinitiative Neckartor und Robin Wood Stuttgart bekräftigen deshalb ihre Forderung nach sofortigen Fahrverboten bei zu viel Feinstaub in der Atemluft.

Sie haben deshalb heute Nachmittag am Neckartor ein drei mal neun Meter großes Transparent aufgehängt mit der Aufschrift „Robin Wood warnt: Atmen gefährdet die Gesundheit.“ Damit unterstützen sie die spontane Demonstration der Bürgerinitiative Neckartor.

Feinstaub aus Dieselauspuffrohren gelangt durch die Atemwege bis in die kleinen Lungenbläschen und verursacht dort Entzündungen. Das Immunsystem reagiert auf die ultrakleinen Giftstoffe. Bei Kindern erhöht sich das Risiko, später u.a. an Neurodermitis, Heuschnupfen oder Asthma zu erkranken. Jedes Jahr sterben in Deutschland nach Angaben des Umweltbundesamtes 46.000 Menschen durch Feinstaub vorzeitig.

In Stuttgart ist die Lage besonders dramatisch: An der Luftmessstation Neckartor waren 2013 bereits vor dem kalendarischen Frühlingsanfang die zulässigen 35 Tage im Jahr mit mehr als 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Atemluft erreicht – ein trauriger Rekord. Stuttgart 21 verschärft das Problem durch die Dauerbaustelle im Herzen der Stadt und weil die Zerstörung des Kopfbahnhofes den abgasarmen Schienenverkehr massiv behindert.

„Tag für Tag müssen wir giftigen Dreck aus tausenden Auspuffrohren einatmen. Statt „Freier Fahrt für freie Bürger“ wollen wir frei atmen“, fordert Eberhard Linckh von Robin Wood Stuttgart. „Deswegen müssen noch 2016 in Stuttgart Fahrverbote bei Überschreitung der Grenzwerte für Feinstaub kommen.“

Energie, Klima
28. Dezember 2015

Sternmarsch gegen Tagebaue am 3. Januar

Am Sonntag, den 3. Januar 2016 findet wieder der traditionelle Sternmarsch der vom geplanten Tagebau Jänschwalde-Nord bedrohten Dörfer statt. Obwohl bereits zum neunten Mal, ist es in diesem Jahr besonders wichtig, ein klares Signal an Vattenfall und eventuelle Käufer der Kohlesparte zu senden, dass sich die Region Tagebaupläne wie Jänschwalde-Nord nicht gefallen lässt!

Sternmarsch im benachbarten Nochten April 2014 / Foto: Daniel Häfner

Sternmarsch im benachbarten Nochten April 2014 / Foto: Daniel Häfner

Der Marsch wird auch im Zeichen des Protestes gegen den benachbart in Polen geplanten Tagebau Gubin stehen, zu dem noch bis 12. Januar die Einwendungsfrist läuft. Bei Gubin plant der polnische Konzern PGE einen neuen 8.000 Hektar großen Braunkohle-Tagebau und ein Kohlekraftwerk von 2.700 Megawatt. Der Tagebau soll ab 2025 über rund 50 Jahre hinweg jährlich 17 Millionen Tonnen Kohle fördern, die im Kraftwerk verbrannt werden sollen. Rund 3.000 Menschen müssten für den neuen Tagebau umgesiedelt werden. Die Grüne Liga / Umweltgruppe Cottbus hat dagegen einen zweiseitigen Musterbrief entworfen. Die Einwendungen werden gesammelt und im Januar persönlich bei der polnischen Behörde abgegeben.

Treffpunkte für den Sternmarsch sind: 13:00 Uhr in Grabko, 13:15 Uhr in Atterwasch oder 13:30 Uhr in Kerkwitz, in Kerkwitz besteht Bahnanschluss. Gegen 14:00 Uhr kommen alle Züge am „Alten Schafstall“ zwischen den drei Orten zusammen. Der Sternmarsch findet seit 2008 immer am ersten Sonntag im Jahr statt

 

 

Hintergrund:

Der schwedische Konzern Vattenfall plant, seine Braunkohlesparte zu verkaufen. Er hat aber noch verschiedene Planungsverfahren eingeleitet, u.a. für die Tagebaue Welzwow Süd II und den Tagebau Jänschwalde-Nord. Für den Tagebau Jänschwalde-Nord sollen die Dörfer Kerkwitz, Grabko und Atterwasch abgebaggert werden, zwischen denen der diesjährige Sternmarsch stattfindet. Der Neuaufschluß des Tagebaus Jänschwalde-Nord wird aber immer unwahrscheinlicher bspw. weil bis 2018 im Rahmen der „Überführung in die Kraftwerksreserve“ 2 Blöcke des Kraftwerks Jänschwalde (1.000 MW) abgeschaltet werden. Um so wichtiger ist auch der politische Druck, damit sich die energiepolitischen Rahmenbedingungen nicht wieder ändern.

Energie, Klima
27. Dezember 2015

Einwendungen gegen polnischen Tagebau Gubin einreichen!

Einen neuen 8.000 Hektar großen Braunkohle-Tagebau und ein Kohlekraftwerk von 2.700 Megawatt plant der polnische Konzern PGE bei Gubin an der Grenze zur Lausitz. Der Tagebau soll ab 2025 über rund 50 Jahre hinweg jährlich 17 Millionen Tonnen Kohle fördern, die im Kraftwerk verbrannt werden sollen. Es geht isgesamt also um mehr als 800 Millionen Tonnen Kohlendioxid – fast soviel wie die BRD in einem Jahr. Rund 3.000 Menschen müssten für den neuen Tagebau umgesiedelt werden.

Eine grenzübergreifende Umweltverträglichkeitsstudie zu dem Vorhaben liegt bis Ende Dezember in kleinen Teilen Südost-Brandenburgs aus (Forst, Peitz, Schenkendöbern und Guben). Im Internet wurde sie hier veröffentlicht: http://www.lbgr.brandenburg.de/sixcms/detail.php/728066

Die betroffenen Gemeinden in Polen haben sich per Bürgerentscheid gegen den Tagebau ausgesprochen. PGE und Regierung wollen das offenbar nicht akzeptieren. Den Dörfern, die auf deutscher Seite vom Tagebau Jänschwalde betroffen oder von Jänschwalde-Nord bedroht sind, läge der polnische Tagebau gegenüber in Sichtweite! Deshalb kämpfen die Bürgerinitiativen auf beiden Seiten der Neiße seit Jahren gemeinsam gegen neue Tagebaue.

Gerade lief der Tagebau Cottbus-Nord in der Lausitz aus und Vattenfall will seine Braunkohlesparte in der Lausitz verkaufen. Der Neubau eines Kraftwerkes am bisherigen Standort Jänschwalde (3.000 MW, nordöstlich von Cottbus) ist unwahrscheinli. An diesem Standort sollen gerade 2 Blöcke (je 500 MW) bis 2018 in die sogenannte Stillegungsreserve überführt werden – und damit wird auch ein Neuaufschluss des Tagebaus Jänschwalde-Nord unwahrscheinlich.

Blick in Richtung des ehemaligen Teichgebietes von Lacoma und dem Braunkohlekraftwerk Jänschwalde / Foto: Daniel Häfner

Blick in Richtung des ehemaligen Teichgebietes von Lacoma und des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde / Foto: Daniel Häfner

Die Grüne Liga / Umweltgruppe Cottbus hat einen zweiseitigen Musterbrief entworfen, den jede(r) für seine Einwendung nutzen kann. Die Einwendungen werden gesammelt und im Januar persönlich bei der polnischen Behörde abgegeben. Ausgefüllte und unterschriebene Briefe können mit der Post bis zum 8. Januar an die Umweltgruppe Cottbus geschickt werden. Beides spart im Vergleich zu einem Brief nach Polen nicht nur Porto, sondern es gibt außerdem einen Überblick, wie viele Bürger sich mindestens beteiligt haben.

Energie, Klima
23. Dezember 2015

Der Tagebau Cottbus-Nord endet – die irreversiblen Folgen bleiben

Mit dem heutigen Ende des Tagebaus Cottbus-Nord endet auch eine Geschichte der Zerstörung. Neben der Zerstörung von mehreren Dörfern wurde insbesondere eine geschützte Teichlandschaft mit rund 170 bedrohten Arten abgebaggert und 40 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Luft geblasen. Der Tagebau Cottbus-Nord wurde nur gegen heftigen Widerstand in die letzten acht Jahre gerettet, u.a. durch die Räumung der Baumbesetzung am 28. September 2007.

Blick in Richtung des ehemaligen Teichgebietes von Lacoma und dem Braunkohlekraftwerk Jänschwalde / Foto: Daniel Häfner

Blick in Richtung des ehemaligen Teichgebietes von Lacoma und dem Braunkohlekraftwerk Jänschwalde / Foto: Daniel Häfner

Der Tagebau Cottbus Nord wurde 1975-82 aufgeschlossen und zerstörte die Orte Tranitz (ca. 250 EinwohnerInnen), Groß Lieskow (540), Klein Lieskow (250) und Lacoma (140) sowie Teile von Schlichow. Alle Orte waren Teil des sorbisch/wendischen Siedlungsgebietes und noch in den 1960er Jahren war niedersorbisch die Alltagssprache in vielen der Orte. Das Lacomaer Teichgebiet beherbergte mehr als 170 vom aussterben bedrohte Arten, allein in diesem Teilbereich wurden 40 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert und somit rund 40 Millinen Tonnen Kohelndioxid emitiert.

Denkmal für abebaggerte Orte in Lacoma / Foto: Daniel Häfner

Denkmal für abebaggerte Orte in Lacoma / Foto: Daniel Häfner

Noch im Oktober des Jahres 2007 hatten mehr als 20 Aktive u.a. von Robin Wood wochenlang mehrere Bäume in Lacoma besetzt, um die Zerstörung des Teichgebietes aufzuhalten. Nach zahlreichen Klagen, Petitionen, Protesten und auch mehreren Besetzungen begann am 28. September 2007 die endgültige Zerstörung des Lacomaer Teichgebietes (FFH Schutzgebiet) durch Vattenfall.

Trasparent während der Baumbesetzung in Lacoma

Trasparent während der Baumbesetzung in Lacoma

Die Zukunft des sogenannten „Cottbuser Ostsee“, der nach der Füllung des Tagebaurestlochs entstehen soll, ist ungewiss, unter anderem werden starke Auswirkungen auf den Wasserhaushalt der Region und ein höherer Eintrag ein Eisenocker und Sulfat in die Spree erwartet.

Mit Klimacamps, der Menschenkette gegen neue Tagebaue, den neuerlichen Baggerbesetzungen von Ende Gelände! und der angekündigten Massenprotestaktion (13.-16.Mai 2016), aber auch mit den Sternmärschen und Klagen regionaler Initiativen gibt es weiter Protest und Widerstand gegen die klimazerstörende Braunkohlenutzung in der Lausitz.

Baggerbesetzung in Cottbus-Nord anlässlich der Klimaverhandlungen in Paris / Foto: Graswurzel.tv

Baggerbesetzung in Cottbus-Nord anlässlich der Klimaverhandlungen in Paris / Foto: Graswurzel.tv

In einer Pressemitteilung von Robin Wood hieß es heute dazu: „Ein Ende der Braunkohlewirtschaft in der Lausitz ist absehbar. Es nun Zeit, dass auch Landesregierung, Gewerkschaft und die MitarbeiterInnen von Vattenfall dies verstehen und an einer Zukunft nach der Kohle arbeiten.“

Einen Einblick in die Geschichte des Protestes und Widerstandes in Lacoma gibt der Dokumentarfilm „Lacoma und der Konzern„.

Allgemein, Blog, Veranstaltung
21. Dezember 2015

Neu erschienen: Tagungs-Doku „Wenn Konzerne den Protest managen“

De-Frag2_Konzernprotest-Postkarte_WEB_s1Mit dem Thema hatten die Organisatoren einen Nerv getroffen. „Wenn Konzerne den Protest managen“ – unter diesem Titel veranstaltete Robin Wood gemeinsam mit LobbyControl, Linke Medienakademie und dem Online-Portal klimaretter.info am 26. September 2015  eine Tagung in Berlin. Rund 170 TeilnehmerInnen diskutierten an der Humboldt-Uni aktuelle Strategien, die Unternehmen anwenden, um Akzeptanz für oftmals milliardenteure Projekte zu beschaffen. Jetzt ist eine 20seitige Broschüre zur Dokumentation der Tagung erschienen (pdf zum Download: Konzernprotest A4 Broschüre – WEB). So wird das in der Zivilgesellschaft vorhandene Wissen samt praktischen Tipps für andere Initiativen verfügbar.

Die AutorInnen machen anhand von Beispielen anschaulich, wie Astroturf und Grassroots-Lobbying ablaufen. Analysiert wird zudem, wie Beteiligungsverfahren dafür eingesetzt werden, Protest zu kanalisieren und zu spalten und welche Gegenmittel es gibt.

Um den ProtestmanagerInnen einen Strich durch die Rechnung zu machen, ist Transparenz wichtig. Daher stellt die Broschüre die Projekte Klima-Luegendetector, Lobbypedia und Sourcewatch.org vor, die Aufklärung über Greenwashing und unternehmensfinanzierte „Bürger“initiativen leisten. Ergänzt wird das ganze durch Hinweise auf interessante Internet-Seiten und weiterführende Literatur.

Im Frühjahr 2016 soll der Broschüre ein ausführlicherer Tagungsband folgen.

Wer als Einstieg ins Thema gern ein Video anschaut, wird hier fündig.

Aktion, Verkehr
17. Dezember 2015

DB-Vorstand stellt Konzept für Nicht-Bahn-Konzern vor – Unterschriften „Klimaschutz braucht die Bahn für Alle“ übergeben


[Film von Dagmar und Rolf Heidemann, FlügelTV]
Der DB-Vorstand hat gestern dem Aufsichtsrat sein Konzept zum Konzernumbau vorgelegt. Die DB AG ist in einer tiefen Krise: In diesem Geschäftsjahr steht ein Milliardenverlust bevor. Seit ihrer schuldenfreien Gründung 1994 hat die bundeseigene AG 20 Millarden Euro Schulden angehäuft. Große Summen gaben Bahnchef Grube und sein Vorgänger Mehdorn für den Kauf nicht schienengebundener Logistik auf der ganzen Welt aus, die viel Umsatz, aber wenig Gewinn bringt. Gleichzeitig betrieb Mehdorn und betreibt Grube Raubbau am inländischen Schienensystem. Im Personen- und Güterverkehr wurden zahllose Haltepunkte und Verbindungen stillgelegt, Bahnhöfe geschlossen. Nun will Grube mehr vom Falschen: Er will weiter Kapazitäten im inländischen Schienengüterverkehr abbauen. Nachtzüge, also Schlaf- und Liegewagen, schafft die DB AG komplett ab. Auf die Konkurrenz der Fernbusse reagiert die Bahn nicht mit einer im wahrsten Sinne des Wortes zügigen Reaktivierung des Interregio-Netzes – also einer Flächenbahn zu fairen Preisen. Nein, sie will sich mit eigenen Billig-Fernbussen selbst kannibalisieren.

IMG_0261Robin Wood übergab gestern zusammen mit dem Gutachten über eine zweite Kostenexplosion bei Stuttgart 21 die seit Mitte Okober gesammelten 4056 Unterschriften an DB-Konzernsprecher Achim Stauß. Die Unterzeichnenden fordern ein gut funktionierendes Nachtzugnetz und faire Preise für Tickets ohne Zugbindung und für die BahnCard 50. Klimaschutz braucht die Bahn für Alle. Den größten Beitrag zum Klimaschutz leistet die bundeseigene DB nicht durch Ökostrom, sondern mit einem Eisenbahnbetrieb, der eine echte Alternative zur Straße und zum Flugverkehr ist. Das ist ihr Job.

„Frisches Geld“ für ein gut getaktetes Schienenverkehrsnetz in der Fläche ließe sich durch Verkauf von nicht schienengebundener Logistik weltweit erlösen – wenn der Bund als Eigentümer seine Verantwortung für ein gutes Verkehrsangebot auf der Schiene wahrnimmt. Ein Einstieg privater Investoren bei der DB AG würde dieses Ziel konterkarieren.