Blog, Düsseldorf, Energie
18. September 2014

Atommüll-Export von Jülich in die USA illegal!

Der vom Bundesforschungsministerium und dem Forschungszentrum Jülich geplante Export von 152 Castoren mit rund 290.000 abgebrannten Brennelementkugeln aus dem AVR-Reaktor Jülich in die USA ist illegal. Das bestätigt auch ein Gutachten des Rechtsanwalt Wollenteit, das Greenpeace heute veröffentlichte.

Nach dem deutschen Atomgesetz § 9a (1) ist die Abgabe von aus dem Betrieb von Reaktoren “zur gewerblichen Erzeugung von Elektrizität stammenden bestrahlten Kernbrennstoffen” zur Wiederaufarbeitung vom 1. Juli 2005 an unzulässig.

Der Gesetzgeber hat das Verbot der Aufarbeitung im Gesetz “zur geordneten Beendigung der Kernenergienutzung zur gewerblichen Erzeugung von Elektrizität” auf Seite 14  explizit damit begründet, dass die Aufarbeitung von Kernbrennstoffen “zu radioaktiven Immissionen und zu einem zusätzlichen Anfall von Plutonium” führt.

GP-Gutachten zu Jülich

Werbegeschenk der AVR Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor zu 10 Jahre Stromerzeugung 1967-77. Aktuell sollen ca. 290.000 abgebrannte Brennelementkugeln illegal in die USA exportiert werden. (Foto: Andreas Conradt/PubliXviewinG)

Ausgenommen vom Verbot sind lediglich Forschungsreaktoren, damit die Forschungsfreiheit unberührt bleibt. Bei dem AVR-Reaktor handelt es sich aber um einen Leistungsreaktor, weil er von 1967 bis 1988  1,5 Mrd. Kilowattstunden Strom ins öffentliche Netz einspeiste. Bei Forschungsreaktoren wird hingegen nicht die Wärmeenergie, sondern die Neutronenstrahlung des Reaktors zu physikalischen, kern- und materialtechnischen Untersuchungen genutzt. Deshalb hat sowohl das Bundesamt für Strahlenschutz als auch die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) den AVR Reaktor als Atomkraftwerk klassifiziert.

Trotzdem haben im April dieses Jahres das Bundesforschungsministerium, das Wissenschaftsministerium von Nordrhein-Westfalen und das US-Energieministerium ein “Statement of Intent” unterschrieben, dass das Graphit der Brennelementkugeln aus Deutschland in den Aufarbeitungsanlagen H-Canyon auf dem militärischem Atomkomplex Savannah River Site (South Carolina) chemisch abgetrennt werden soll.

Dabei gilt das  800 Quadratkilometer große Atomgelände mit 180 Millionen Liter hochradioaktiver Atomsuppe in zum Teil lecken Tanks nach offiziellen Angaben bereits heute als das größte Umweltproblem South Carolinas.

In einem Scoping-Termin am 24.Juni 2014 in Augusta (South Carolina) für die US-Umweltverträglichkeitsprüfung, die vom Jülicher Forschungszentrum mitfinanziert wird, sprach das US-Energieministerium von sogar ca. 455 Castoren mit 1 Mio. Brennelementkugeln aus Jülich (152 Castoren) und dem Zwischenlager Ahaus, in dem 305 weitere Castoren des Hochtemperatur-Reaktors Hamm-Uentrop lagern. Danach sollen die Castoren per LKW zu einem Hafen und dann per Schiff zum US-Hafen Charlston (S.C.) gebracht werden. In den USA werden die Kosten des Deals bereits heute auf 1 Mrd. US-Dollar beziffert.

Auf Einladung von Anti-Atom-Initiativen und Umweltorganisationen kommt Tom Clemens von der US-Bürgerinitiative Savanah River Site Watch vom 21.9 bis  26.9. zu einer Info-Tour nach Deutschland:

Tom-Clemens

Tom Clemens von der US-Bürgerinitiative Savanah River Site Watch kommt vom 21.9 bis 26.9. zu einer Info-Tour nach Deutschland

Sonntag, 21.9. in Jülich
Anti-Atom Spaziergang am FZJ, Rurtalbahn-Haltestelle „Forschungszentrum“, 14 Uhr

Montag, 22.9. in Düsseldorf
Infoveranstaltung: Townhouse (früher Kolping-Haus), Bilkerstraße 36, 19 Uhr

Dienstag, 23.9. in Jülich
Podiumsdiskussion: Bonhöfer-Haus der evangelischen Kirche,18.30 Uhr

Mittwoch, 24.9. in Hamburg
Infoveranstaltung: Werkstatt 3 (W3), Nernstweg 32 – 34, 19.30 Uhr

 

Allgemein, Klima, Tropenwald
16. September 2014

Palmöl-Protest: AktivistInnen wehren sich vor Gericht

Gegen Landraub und Regenwaldzerstörung für Palmöl – Protest vor der Palmölraffinerie von Wilmar in Brake, 17.9.2012 (Foto: visual rebellion, C. Grodotzki)

Die Aktion liegt schon länger zurück, die beteiligten UmweltschützerInnen aber müssen sich auch Jahre danach noch mit Repressionen und Gerichtsakten befassen. So geht es auch ROBIN WOOD-Aktiven, die am 17. September 2012 vor einer Fabrik von Wilmar in Brake bei Bremen gegen Raubbau-Palmöl und Menschenrechtsverletzungen demonstriert hatten. Acht von ihnen erhielten nach der Aktion Strafbefehle. Alle legten Widerspruch dagegen ein. Über einen dieser Widersprüche wird am 8. Oktober 2014 vor dem Amtsgericht Brake verhandelt.

Der Prozess hat eine Vorgeschichte. Das Amtsgericht Brake hatte sich am 30. Oktober vergangenen Jahres schon einmal mit der Sache beschäftigt. Nach siebenstündiger Verhandlung waren damals alle Vorwürfe gegen die beschuldigte ROBIN WOOD-Aktivistin entkräftet. Selbst der Strafantrag, den eine für Wilmar tätige und angeblich geschädigte Firma gestellt hatte, hatte sich in Luft aufgelöst: der Geschäftsführer der Firma hatte sich im Gerichtssaal eines Besseren besonnen und ihn zurückgezogen. Trotzdem gab es keinen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft beharrte vielmehr darauf, einen Polizeizeugen zu vernehmen, der unentschuldigt nicht zum Prozess erschienen war. Dieser Zeuge ist nun zum Termin am 8. Oktober erneut geladen.

Die Verfolgung der AktivistInnen hatte damals international Protest ausgelöst.

Es ist wichtig, dass solche Prozesse unter den Augen der Öffentlichkeit ablaufen und viele Leute den Prozess weiterhin verfolgen. Um auf den Termin aufmerksam zu machen, haben die AktivistInnen einen Soli-Flyer entworfen, den man runterladen und weiterverteilen kann (pdf-Dateien Soliflyer_front1, Soliflyer_back_0810). Eine Anfahrtsbeschreibung zum Amtsgericht Brake gibt es hier.

Solidarität ist weiterhin nötig. Wer nicht zum Prozess kommen kann, kann die Betroffenen auch mit einer Rechtshilfe-Spende unterstützen. Für seine Rechte zu streiten, ist nicht umsonst.

Wer sich selbst einen Eindruck von der Aktion am 17.9.2012 machen möchte, kann den Filmbeitrag von graswurzel-tv anschauen: “Robin Wood-Aktion bei Wilmar – Raffinierte Zerstörung und Vertreibung” von Jonathan Happ und Kathy Becker; Länge: 3:45 Minuten.

Hintergrund-Informationen zum Thema Palmöl und die Machenschaften von Wilmar stehen auf der ROBIN WOOD-Tropenwald-Seite.

Weitere interessante Berichte:

“Palmöl tötet!” (ROBIN WOOD-Magazin 2/2014)

“Landraub für Margarine” (DER SPIEGEL 18/2014)

Allgemein, Blog, Energie, Hamburg/Lüneburg, Robin Wood regional
14. September 2014

Protest gegen E.ON in Lüneburg

Aktion EONDie Meldungen der letzten Tage zum AKW Stade waren Grund genug, heute gegen E.ON zu protestieren. Der Konzern ist nicht in der Lage, ein AKW zurück zu bauen, ohne dass Radioaktivität freigesetzt wird. Über den jüngsten Radioaktivitätsaustritt ungeklärter Herkunft wurde die Öffentlichkeit erst spät informiert (z.B. NDR-Bericht). Neben der Meldung zum Austritt von Radioaktivität wurde bekannt gegeben, dass der Rückbau vom E.ON-AKW Stade  mindestens 4 Jahre länger dauern wird als geplant (TAZ-Artikel dazu).

AktivistInnen von ROBIN WOOD nahmen dies zum Anlass für eine Protestaktion beim Lüneburger E.ON Tiergarten Volkslauf. E.ON fungiert als Hauptsponsor der sportlichen Veranstaltung.  Mehrere AktivistInnen kletterten auf Bäume direkt an der Strecke des Volkslaufs und zeigten Transparente mit den Slogans „Trainieren für den Super-Gau – Lauf um dein Leben”, “e.off” und “Scheiß Sponsor!“ Andere AktivistInnen verteilten Flugblätter. Es gab seitens der Läufer_innen sehr viel Beifall für die Aktion.

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Blog, Energie
11. September 2014

Immer mehr Atommüllprobleme…

Wohin mit dem Atommüll, fragt sich die Politik. Am Samstag startet die Herbstkampagne “Atommüll-Tatorte in Deutschland” mit einer 4-seitigen Taz-Beilage  und weist darauf hin, dass an über 100 Orten in Deutschland schwach-, mittel-, und hochradioaktiver Atommüll lagert. Während in Berlin die Atommüllkommission von “nationaler Verantwortung” spricht, sind die Probleme vor Ort ungelöst und es wird vom Bundesforschungsministerium der Export von 152 Castoren vom Forschungszentrum Jülich und 305 aus Ahaus mit Atommüll aus Hamm-Uentrop vorbereitet.

Atommüll bleibt länger in Frankreich

Die Politik kann sich noch nicht einmal darauf verständigen, wohin mit den letzten 26 Behältern, die von der Wiederaufarbeitung in Frankreich und Großbritannien zurückgenommen werden sollen. Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein haben sich dazu bereit erklärt, wenn sich auch ein drittes Bundesland findet. Aber sowohl Bayern, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern weigern sich. Eigentlich hatte das Bundesumweltministerium mit einer Weisung gedroht, wenn es bis Ostern keine Einigung gibt. Im Sommer scheint sich das Bundesumweltministerium  darauf beschränkt zu haben, den Rücktransport von fünf Behältern aus Frankreich nach Philippsburg zu organisieren, und nun ist es Herbst und auch dieser Plan scheitert. Zwar weist das Umweltministerium von Baden-Württemberg darauf hin, dass die AKW-Betreiber gesetzlich verpflichtet seien, den Atommüll nicht mehr nach Gorleben sondern in Zwischenlager an den Atomkraftwerken zu bringen. Doch die EnBW ist nicht bereit, einen Antrag zu stellen, weil ein Gesamtkonzept fehlt, sprich ein drittes Bundesland, das den Atommüll aufnimmt. Weiter ist neben genehmigungsrechtlichen und technischen Fragen auch die Frage der Kosten offen. Für das Bundesumweltministerium steht fest, dass die AKW-Betreiber die Kosten tragen müssen. Wegen der ungeklärten Fragen muss der Transport von 2015 auf 2016 oder später verschoben werden, berichtet die Frankfurter Rundschau in ihrer heutigen Ausgabe.

Radioaktives Wasser im AKW Stade ausgelaufen

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Das von E-On betriebene AKW Stade an der Unterelbe lief von 1972 bis 2003. Der Rückbau sollte bis 2015 erfolgen, wird nun aber 15 bis 16 Jahre bis 2018/19 dauern.

Währenddessen tauchen immer neue Atommüllprobleme auf: Ende April wurde bekannt, dass im Keller des AKW Brunsbüttel offenbar schon vor Jahren radioaktiver mit Cäsium-137 belasteter Brei ausgetreten ist. Nun muss das Niedersächsische Umweltministerium einräumen, dass E-On das Ministerium bereits im Februar 2014 darüber informiert hatte, dass “radioaktiv kontaminierte Kondensnässe” aus dem Primärwasserkreislauf ausgetreten ist und den Bodenbereich des AKW Stade kontaminiert hat. Dadurch wird sich der Abriss des AKW Stade um mindestens drei bis vier Jahre verzögern. Dabei sind Werte von bis zu 164.000 Becquerel pro Kilogramm gemessen worden, berichtet  die Taz-Nord. Gegen Pläne, strahlenden “Bauschutt” des AKW Stade nach Sachsen zur Deponie Grumbach zu transportieren, gibt es seit Jahren Proteste, so dass die Deponie nun nur noch  700 Tonnen leicht strahlenden Materials statt bisher 2000 Tonnen aufnehmen will. Am Dienstagabend erreichte der erste LKW die Deponie. Hier geht`s zur Online Petition gegen die Transporte vom AKW Stade zur Deponie Grumbach

Fußball-Fans wehren sich gegen die Annahme von Endlager-Schmiergeldern

Weiter regen sich Proteste gegen den schleichenden Versuch, in der Region Salzgitter mit dem “Konrad-Fond” Akzeptanz  zu schaffen für das geplante Endlager “Schacht Konrad” für schwach und mittelradioaktiven Atommüll, das frühestens 2022 in Betrieb gehen soll.  Der Fußballverein FC Germania Bleckenstedt wird auf die aus dem KONRAD- Fonds bewilligten 100.000,-€ verzichten. „Fakt ist, dass wir nicht glücklich werden, wenn wir dieses Geld annehmen“, so der Vereinskassierer Volker Krause laut Salzgitter-Zeitung vom 10.September. Die Abkehr vom KONRAD- Fonds kam auf Grund einer intensiven vereinsinternen Diskussion zustande. Zuvor hatte bereits die Kleinkunstbühne  in Salzgitter Bad und die Alevitische Gemeinde Anträge auf Förderung aus dem Fond aus moralischen Gründen zurückgezogen. In den nächsten 35 Jahren will der Bund und die Atomwirtschaft die Bewohner der Region Salzgitter mit 100 Mio. Euro “beglücken”.

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Der FC Germania (Salzgitter-)Bleckenstedt verzichtet auf Gelder aus der Konrad-Fond.

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Schacht Konrad 1 wurde von 1961 bis 1976 zur Förderung von Eisenerz genutzt. Nun soll Konrad bis 2022 oder später zum Atommüllendlager für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll umgebaut werden.

 

 

Blog, Energie
10. September 2014

Robin Wood fordert von der Bundesregierung Fracking grundsätzlich zu verbieten!

Robin Wood fordert, Fracking in Deutschland grundsätzlich gesetzlich zu verbieten. Die Bundesregierung plant Fracking auf Probe für die Forschung, unterhalb von 3000 Metern bis 2021 zuzulassen. Das erklärte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks in einem Interview in der heutigen Ausgabe der Rheinischen Post. Noch in diesem Monat soll der Gesetzentwurf zwischen Umwelt- und Wirtschaftsministerium  abgestimmt werden. Das Gesetz soll noch in diesem Jahr im Kabinett beschlossen werden und 2015 in Kraft treten.

Beim Fracking wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in den Boden gepresst, um Gestein aufzuspalten und dann das darin enthaltene Erdgas zu fördern. Robin Wood warnt vor einer Verseuchung des Grundwassers durch die Chemikalien. Außerdem kann Fracking zu Erdbeben führen.

Im Robin-Wood-Magazin sind weitere Artikel zum Thema Fracking erschienen:

Ausgabe 1/2014

Fracking: Die Große Koalition braucht öffentlichen Druck

Ausgabe 2/2014

Stopp Fracking – Risiko Erdgasförderung

 

 

Blog, Braunschweig, Energie
9. September 2014

Asse-Laugen-Pegel nur noch 5 cm von Atommüll-Abfällen entfernt!

Der Pegel der Asse-Laugensammelstellen auf der 750 Meter-Sohle  sind bei mehreren Atommüllkammern des Atommüll-Lagers im Salzbergwerk Asse II bei Wolfenbüttel nur  noch wenige  Zentimeter von den Atommüllfässern entfernt! Das ergab eine Auswertung von Unterlagen der Asse GmbH, die der Geochemiker Ralf Krupp am Freitag der Asse-II-Begleitgruppe in Wolfenbüttel vortrug. Robin Wood fordert deshalb vom Bundesamt für Strahlenschutz als Betreiber und dem Bundesumweltministerium als Fachaufsicht, die letztes Jahr vorgenommene  Zubetonierung der Zugänge zu den Atommüllkammern rückgängig zu machen, um eine ordentliche Drainage und eine Überwachbarkeit der Atommüllkammern wiederherzustellen. Ein Vertreter des Niedersächsischen Umweltministerium stellte klar, dass dieser Forderung aus Sicht der atomrechtlichen Genehmigungsbehörde juristisch nichts entgegensteht.

 Unter dem Deckmantel der “Notfallvorsorge” wird vom Bundesamt für Strahlenschutz durch die Hintertür das alte Flutungskonzept des Helmholz-Zentrums München vorangetrieben, während die Rückholung nur schleppend vorankommt.

Dipl.-Geologe und Geochemiker trägt am Freitag 5.9.2014 dem Asse-II- Begleitgruppe, dem Bundesamt für Strahlenschutz als Betreiber der Schachtanlage und dem Bundesumweltministerium als Fachaufsicht vor

Abstand zwischen Salzlösung und Abfallgebinden mit Atommüll auf der 750 Meter-Sohle des Salzbergwerks Asse II; Vortragsfolie von Dipl.-Geologe Ralf Krupp vom 5.9.2014

Während von 1967-1978 über 126.00 Atommüllfässer in der Salzbergwerk Asse II über nur einen Schacht eingelagert worden sind, in dem auch die Bergarbeiter ein- und ausgefahren sind, will man für die Rückholung erstmal einen neuen Schacht bauen, der erst 2028 fertig werden soll. Während für den Abbau des Salzes des Schachtes Asse II der Schacht von 1906 bis 1908 innerhalb von drei Jahren abgeteuft wurde, soll nun der Schachtbau für die Rückholung des Atommülls 15 Jahre dauern!

 

 

Aktion, Berlin, Verkehr
8. September 2014

Strafverfahren! Senatsverwaltung behandelt A100-GegnerInnen wie Kriminelle

Anfang Februar rückte eine Großaufgebot der Polizei an, um die Baumbesetzung gegen die A100 zu räumen. Über ein Jahr lang war die Protestpappel ein Ort des Austausch und des Widerstands gewesen, der die öffentliche Debatte über die fatalen Folgen der Autobahnverlängerung am Laufen hielt. Am 3. Februar rückten mehrere Hundertschaften, die Hundestaffel und diverse Spezialeinheiten an, um dem ein Ende zu machen.

Nachdem so mit polizeilichen Zwangsmitteln die Trasse des umstrittenen Großprojekts geräumt wurde, drohen nun mehreren Personen Strafverfahren. Treibende Kraft dahinter ist die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt.

Fünf Personen haben Strafbefehle wegen Hausfriedensbruch zu je 30 Tagessätzen erhalten. Alle haben Einspruch dagegen eingelegt, um sich politisch und juristisch gegen den Vorwurf zu verteidigen. Nun dürfte es in der nächsten Zeit zur Verhandlung am Amtsgericht Tiergarten kommen.

Hausfriedensbruch ist ein sogenanntes reines Antragsdelikt (§ 123 II StGB). Das heißt, die Justiz wird nur dann tätig, wenn der Geschädigte Strafantrag stellt. Der Strafantrag kann jederzeit wieder zurückgenommen werden. Dann wird das Verfahren automatisch eingestellt.
In diesem Fall hat ein Beamter der Senator Müller unterstellten Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt (Abteilung X – Tiefbau) Strafantrag gestellt. Aus der Tatsache, dass vorher die Polizei zur Räumung des Grundstücks gerufen wurde, folgt keine Pflicht, einen Strafantrag zu stellen. Es ist eine bewusste Entscheidung der Politik, A100-GegnerInnen vor Gericht zu zerren!

Kleingarten-Anlage hinter der Beermannstraße in Berlin-Treptow, die für die verlängerung der Stadtautobahn A100 geopfert werden sollDer Zeitpunkt zu dem das passiert, ist bemerkenswert. In der Beermannstraße 20 und 22 sollen nach dem Willen des Senats fünf Wohnhäuser für die Profite der Bauindustrie und für drei Kilometer Autobahn vernichtet werden. Es wird immer noch versucht, die MieterInnen ohne Entschädigungen aus ihren Wohnungen zu werfen. Das da in einer Stadt wie Berlin, wo die sozialen Gegensätze wachsen und bezahlbarer Wohnraum immer knapper wird, mit Widerstand zu rechnen ist, liegt auf der Hand. Das bei der Senatsverwaltung Widerstand unerwünscht ist, ist genauso klar. Sind die Strafanträge ein Versuch, engagierte Menschen einzuschüchtern?

Politisch motivierte Einschüchterungskampagnen scheitern, wenn sie politisch beantwortet werden. Gerade jetzt bleibt Protest und Widerstand gegen das Milliardengrab A100 richtig und notwendig. Und es kommt auf Solidarität an, etwa durch Nachfragen bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung oder den Besuch des anstehenden Strafprozesses. Der Prozesstermin wird hier veröffentlicht werden, bitte achtet auf Ankündigungen.

Strafantrag zurücknehmen!

Beermannstraße erhalten!

A100 stoppen!

ROBIN WOOD-Regionalgruppe Berlin, geposted von

Energie, Klima
6. September 2014

Keine neuen Tagebaue? Vattenfall Europa wird verkauft!?

The Guardian” von gestern berichtet, dass die Vorsitzenden aller schwedischer Parteien in einer Wahlkampfdiskussion aussagten, die Pläne Vattenfalls auf Aufschluss neuer Tagebaue in Deutschland stoppen zu  wollen. Insbesondere interessant ist, dass in Schweden der Verkauf von Vattenfall Europa und den Braunkohle-Tagebauen offen diskutiert wird, während er insbesondere in der Lausitz nicht wirklich zur Kenntnis genommen wird.

Der Tagebau Cottbus Nord - Anlass für bereits zwei Klimacamps

Der Tagebau Cottbus Nord – endet 2015 und hat Lacoma zerstört / Foto: Daniel Häfner

Annie Lööf, Leiterin der Centrumspartei und Energieministerin sagte am Donnerstag der Fernsehgesellschaft SVT, dass, wenn ihre Partei die Wahl gewinnt, Vattenfalls Einrichtungen in Deutschland verkauft würden, da sie nicht zum Anspruch Schwedens auf umweltmäßige Vorbildlichkeit passen.

Carl Hamilton, ein Schwedischer liberaler Parlamentarier und Regierungsmitglied machte darauf aufmerksam, dass der Verkauf des deutschen Vattenfall-Flügels nicht bedeutet, dass unter einem neuen Besitzer die Tagebauerweiterung und die CO2-Emission aufhört.

Vattenfall sagte am Freitag, dass es keine Pläne für neue Kohlekraftwerke in Deutschland gebe. In der Woche zuvor hatte ein Firmensprecher allerdings ausgesagt, dass, wenn neue Tagebaue eröffnet würden, mittelfristig ein neues Kraftwerk in Jänschwalde nötig würde. Das ist allerdings bekannt, ein neues Kraftwerk dürfte aber schon aus finanziellen Gründen nicht gebaut werden. Welcher Finanzinvestor würde denn das Risiko eines Kraftwerkes eingehen, welches sich erst ab ca. 2060 wirklich rentiert, wo doch selbst die wenig ambitionierten Kilmaprogramme der Budnesregierung davon ausgehen, dass spätestens 2050 85-95% der Elektrizität durch erneuerbare Energien geliefert würden?

Blog, Energie
5. September 2014

Schlamperei bei CASTOR-Behältern

Die jüngste Meldung von den Rostfässern in den Kellern des AKW Brunsbüttel haben wir noch im Kopf, da kommt schon die nächste Nachricht von schadhaften Atommüll-Behältern – dieses Mal für hochradioaktiven Müll: Bei der Prüfung von 44 CASTOR-Behältern wurde so geschlampt, dass sie nicht benutzt werden dürfen. Über diese „Rückruf-Aktion für Castoren“  berichtet heute die Süddeutsche Zeitung.
Demanch entsprach der Edelstahl, aus dem die Tragzapfen der 44 Behälter gefertigt wurden, nicht den Vorgaben. Das kann gravierende Folgen haben. Die CASTOREN – gefüllt mit abgebrannten Brennelementen – sind viele Tonnen schwer. Ist die Aufhängung schadhaft, könnte sie beim Verladen brechen. Vier der 44 Behälter sind bereits mit Atommüll beladen und stehen am AKW Unterweser.
Die Gesellschaft für Nuklearservice (GNS), die die CASTOR-Behälter baut, spielt den Fund herunter – auch nicht gerade eine vertrauensbildende Maßnahme.

Endstation Atom - Sofort alle aussteigen! Aktion gegen den CASTOR-Transport auf der Zugstrecke nach Lubmin 2010 (Foto: visual rebellion/Grodotzki)

Endstation Atom – Sofort alle aussteigen! Aktion gegen den CASTOR-Transport auf der Zugstrecke nach Lubmin 2010 (Foto: visual rebellion/Grodotzki)

Am kommenden Montag wird sich in Berlin die Endlagersuchkommission ein weiteres Mal treffen. Bei deren Zustandekommen beschworen Kommissionsmitglieder den angeblichen Neuanfang bei der Suche nach einem Endlagerstandort und forderten Vertrauen ein. Doch Vertrauen entsteht nicht durch Worte, sondern durch überprüfbares Handeln.

Es ist illusionär darauf zu vertrauen, die Kommission könne “das” Atommüll-Problem lösen. Deshalb setzt die Anti-AKW-Bewegung, zu der sich auch ROBIN WOOD zählt, auf ihre eigene Stärke und nicht auf diese Kommission.

Einen guten Überblick darüber, wie vielfältig, akut und gefährlich die Atommüllprobleme zurzeit schon sind, gibt der Sorgenbericht der Atommüllkonferenz, der 2013 mit Unterstützung von ROBIN WOOD erstellt wurde.

Wortprotokolle der Sitzungen der Endlagersuchkommission sind bei .ausgestrahlt online.

Blog, Energie, Kassel
3. September 2014

Atommüllkonferenz diskutiert über Altlasten des Uranabbaus und “Bad-Bank”-Idee

Die Atommüllkonferenz, ein Zusammenschluss von Anti-Atominitiativen, hat am Wochenende in Kassel u.a. über die Altlasten des Uranabbaus und die “Bad Bank”-Idee diskutiert.

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Aufteilung der erfassten Altlastenobjekte auf dem ehemaligen Gelände der SDAG Wismut, Vortragsfolie Atommüllkonferenz in Kassel am 30.8.2014

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Atommüllkonferenz lauscht dem Vortrag über Uranabbau, Foto: AG Schacht Konrad

Frank Lange und Dieter Barth vom Kirchlichen Umweltkreis Ronneburg stellten die immensen Probleme der Altlasten des Uranabbaus in Sachsen und Thüringen vor. Neben den sieben großen Sanierungsstandorten gibt es etwa 1.900 Altstandorte, die vom Bundesamt für Strahlenschutz als relevant identifiziert worden sind. Nach der Stilllegung des Uranbergbaues 1990/91 ermittelte man diese Altlasten auf ca. 35 km² Betriebsfläche der Sowjetisch-Deutschen Aktiengesellschaft (SDAG) in einem Umweltkataster.

Außerdem referierte Dr. Wolfgang Irrek (Hoch­schule Ruhr West) zur Frage der Entsorgungsrückstellungen und den Ewigkeitskosten der Atomenergie, der sich mit dieser Frage seit 1995 intensiv beschäftigt und dazu publiziert hat. Irrek wies darauf hin, dass Vorschläge für eine öffentliche Stiftung in den 90er Jahren eher von kritischer und unabhängiger Seite gekommen seien. AKW-Betreiber hatte in den letzten Wochen Vorschläge lanciert, aber noch kein Konzept veröffentlicht.