Blog, Tropenwald
21. Mai 2015

Verdeckte PR – Wie Unilever Radio-JournalistInnen mit einseitigen Infos füttert

Gerade bekam ich eine Email mit dem Angebot eines Radiobeitrags. Gedacht ist die Offerte „Rapsblüte 2015 – Auf meinem Feld wächst Margarine (AUDIO)“ für gestresste Hörfunk-RedakteurInnen. Sie bekommen einen fertig produzierten Beitrag gratis ins Haus, inklusive O-Tönen eines Landwirts, der bereits in dritter Generation Winterraps anbaut. Was die HörerInnen nicht erkennen: Auftraggeber des Beitrags ist der Konsumgüterkonzern Unilever.

Abmoderiert werden soll der Beitrag so: „Alle Infos und mehr zum Thema Raps und Margarine finden Sie auch im Internet unter margarine-geniessen.de. Einfach mal reinklicken!“ Wer dort einfach mal reinklickt, findet – aufwändig präsentiert – scheinbar unabhängige Informationen für VerbraucherInnen.  Über Palmöl stehen dort Sätze wie „Palmöl sollte nicht durch andere pflanzliche Öle ersetzt werden – ‚raus aus Palmöl‘  ist keine Lösung.“

Wilmars Palmöl-Wüste

Monotonie statt artenreicher Tropenwälder: Palmöl-Plantagen von Unilever-Lieferant Wilmar (Foto: ROBIN WOOD)

Urheber ist auch hier: Unilever. Das entdeckt aber nur, wer danach sucht. Das Impressum der Seite funktionierte heute übrigens nicht.

Mit Journalismus und Verbraucherschutz hat das Ganze nichts zu tun, mit verdeckter PR schon viel mehr. Und die blendet vieles aus, etwa wie Unilever und sein Rohstoff-Lieferant Wilmar – nach Recherchen von ROBIN WOOD – in Raubbau und Waldzerstörung für Palmöl in den Tropen verstrickt ist.

Robin Wood Aktion gegen Unilever

Seit Jahren in der Kritik: ROBIN WOOD-Banner am Unilever-Gebäude in der Hamburger HafenCity, 2009 (Foto: H. Schultze)

Aktion
18. Mai 2015

Ein verantwortungsvoller Umgang mit Atommüll sieht anders aus!

Bundesweite Stellungnahme zum Nationalen Entsorgungsprogramm (NaPro)

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Der Entwurf für ein „Nationales Entsorgungsprogramm – NaPro“ des Bundesumweltministeriums blendet bestehende Probleme und ungelöste Fragen im Umgang mit den radioaktiven Abfällen weitgehend aus. Alternative Konzepte für den Umgang mit den Abfällen werden nicht abgewogen, die zeitliche Prognosen für die Errichtung eines Abfalllagers ist unrealistisch und erforderliche Teilschritte und zu überwindende Hürden werden nicht problematisiert.

  • Bundesweite Stellungnahme zum NaPro von BUND, Nabu und Robin Wood, sowie der Arbeitgemeinschaft Schacht KONRAD und der BI Lüchow-Dannenberg, der Ärzteorganisation IPPNW, der Gesellschaft für Strahlenschutz, dem Strahlentelex und der Deutschen Umweltstiftung.
    Online unterschreiben  |  Unterschriftenliste (Download PDF)
  • Einwendungskampagne speziell zu NaPro und Schacht Konrad – “Konrad stoppen statt erweitern!”, initiiert von AG Schacht KONRAD zusammen mit der Stadt Salzgitter, der IG Metall Salzgitter-Peine und dem niedersächsischen Landvolk Braunschweiger Land.
    Online unterschreiben  |  Unterschriftenliste (Download PDF)
  • Eigene Stellungnahmen auf dem Postweg an BMUB, Referat RS III 2, Postfach 120629, 53048 Bonn oder Mail an napro(at)bmub.bund.de

Mehr zum NaPro auf der Webseite von ROBIN WOOD

Blog, Papier, Wald
6. Mai 2015

Schwedens Naturwälder retten: ROBIN WOOD fordert Einschlag-Moratorium

Schweden – da denken viele an Urlaub, dünnbesiedelte Weiten und Wälder. Doch ursprünglichen Wald gibt es kaum noch in dem skandinavischen Land. Monotone Industrieforste ziehen sich bis zum Horizont. Nur noch etwa zehn Prozent der Waldgebiete sind ursprüngliche oder zumindest naturnah erhaltene Wälder. Und selbst diese Überbleibsel sind – trotz FSC-Zertifizierung – bedroht. Sogar Kahlschläge sind dort bislang erlaubt. ROBIN WOOD will das stoppen und fordert ein Einschlag-Moratorium für alle schutzwürdigen Wälder, die für den Erhalt der Artenvielfalt wichtig sind!

Dass dieser Raubbau in Schweden passiert, liegt auch mit an unserem Konsum. Denn Schweden ist Deutschlands Lieferland Nr. 1 für Holz- und Papierprodukte. So stammt rund ein Fünftel des in Deutschland verbrauchten Papiers und Zellstoffs aus Schweden. Dort wird daher auch genau darauf geachtet, ob sich beim besten Kunden Deutschland Protest regt.

Wer den Raubbau stoppen und die Forderung nach einem Einschlag-Moratorium für Schwedens Naturwälder unterstützen will, kann hier online beim zuständigen schwedischen Minister Sven-Erik Bucht protestieren.

Außerdem hilft es, Materialien aus Recyclingpapier zu verwenden. Collegeblöcke und Schreibhefte aus Recyclingpapier gibt es u.a. hier.

Mehr über die Hintergründe erfahrt ihr im ROBIN WOOD-Magazin: „Die letzten Naturwälder Schwedens“.

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Wald in der schwedischen Provinz Dalarna vor dem Kahlschlag… (Foto: Olli Maninen)

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… und nach dem Kahlschlag durch die Firma Sveaskog (Foto: Hans Sundström)

 

Aktion, Süd-West, Verkehr
6. Mai 2015

Stuttgart 21: DB-Vorstand Kefer von Bundestag belästigt

Die heutige Anhörung des Verkehrsausschusses des Bundestages zu offenen Fragen bei Stuttgart 21 begann mit einer Missachtung der Öffentlichkeit und des Parlaments. Die CDU/CSU-Abgeordneten verhinderten eine Aufzeichnung und Übertragung der öffentlichen Sitzung. Mit erheblicher zeitlicher Verzögerung wird

DB-Vorstand Volker Kefer, DB-Mitarbeiter Florian Bitzer und Klaus-Jürgen Bieger nun nur ein Wortprotokoll zur Verfügung stehen – trotz des großen öffentlichen Interesses, dass sich u.a. an den rappelvollen Zuschauerbänken ablesen ließ. Doch nicht nur der außerparlamentarischen Öffentlichkeit wurde wenig Respekt erwiesen. Als Sachverständige waren vier Manager der Deutschen Bahn AG von den Parlamentarier_innen geladen, der ranghöchste unter ihnen Volker Kefer aus dem DB-Vorstand. Obwohl die DB ein bundeseigenes Unternehmen ist und der Verkehrsausschuss ein Organ des Eigentümers, hielten die DB-Vertreter es nicht für notwendig, im Vorfeld der Sitzung einige Zeilen zu den angemeldeten F ragen zu Papier zu bringen. Bahnvorstand Kefer machte in seinen Einlassungen sehr klar, wen er für Koch und Kellner hält.  Alle Fragen seien bereits 2010 ausreichend beantwortet, seitdem habe es keine wesentlichen Änderungen gegeben und dem habe er nichts hinzuzufügen. Allein die bekannten Kosten sind seit 2010 um das Anderthalbfache gestiegen.  Für den Bahnvorstand kein Grund, auf kritische Fragen von Abgeordneten zu antworten. Auf die Frage, ob die DB die Ursache für unkontrolliert ins Rollen geratene Züge im Kölner Bahnhof analysiert und daraus Schlüsse für die Sicherheit der beispiellosen Gleisneigung im geplanten Stuttgarter Kellerbahnhof gezogen hätte, antwortet Kefer, “man” (der fragende Abgeordnete?) solle doch “erstmal untersuchen, was genau in Köln passiert ist”, bevor ” man” ihn so etwas frage.Wenn es noch Zweifel an der mangelnden demokratischen Kontrolle der bundeseigenen Deutsche Bahn AG gegeben hat, Kefer hat sie heute ausgeräumt.

Aktion, Blog, Energie
5. Mai 2015

Proteste gegen Jahrestagung Kerntechnik

Aus den Katastrophen in Tschernobyl und Fukushima hat die Atomlobby nichts gelernt! Weiterhin hält sie an ihrem Geschäft mit dem tödlichen Risiko fest. Um sich über die weltweite Zukunft der Kernenergie auszutauschen, treffen sich ab heute in Berlin über 1.000 Delegierte aus über 30 Ländern – von Energiekonzernen, aus Forschung, Behörden und Politik – bei der 46. Jahrestagung Kerntechnik. Die Tagung ist jedoch keineswegs unumstritten. Zahlreiche Aktive der Anti-Atom-Bewegung protestierten gestern Abend lautstark gegen die Konferenz. Ihre Forderungen: die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen weltweit, die Übernahme sämtlicher Kosten für den Umgang mit den Altlasten der AKW durch die Energiekonzerne und ein Ausstieg der Bundesrepublik aus EURATOM.Lautstark machte die Gruppe “Solar Drums” mit Samba-Einlagen und Sprechchören deutlich, dass es sofortigen Ausstiegs aus der Atomenergie bedarf. Denn: Sicher ist nur das Risiko: In Tschernobyl und Fukushima herrscht noch immer der Ausnahmezustand, Gebiete sind weiträumig verseucht und tausende von Menschen tragen in Folge der Katastrophen Gesundheitsschäden davon oder sterben an der Strahlung. Wieviele Katastrophen ist die Atomlobby noch bereit, für ihr lukratives Milliardengeschäft mit der Atomkraft in Kauf zu nehmen?

Energiekonzerne für alle Kosten des AKW-Rückbaus und der Atommüll-Lagerung in die Pflicht nehmen
Wesentliche Kritik der Protestierenden richtete sich gegen den Versuch einzelner Energiekonzerne in Deutschland sich aus der Verantwortung für die Finanzierung von AKW-Rückbau und Lagerung des Müll zu stehlen. Trotz bisheriger Milliardenprofite versuchen Atomkonzerne in Deutschland, sich durch Auslagerung finanziell riskant gewordenen Unternehmens-Sparten (insb. Atom und Kohle) aus der Verantwortung für die immensen Kosten zu stehlen, die bei Stilllegung und Rückbau der Atommeiler sowie für die Lagerung des atomaren Abfalls entstehen. E.ON hat eine Aufspaltung angekündigt und auch RWE erwägt eine solche. Doch wenn die abgespaltenen Sparten insolvent gehen, müssen wirtschaftlich lukrative Unternehmensteile nicht mehr stützend eingreifen. Damit drohen die Rückstellungen der Konzerne für  den Rückbau der Atommeiler und die Lagerung des radioaktiven Abfalls verloren zu gehen. Nachdem die Konzerne die Gewinne mit der Atomkraft privatisierten, werden die Risiken so vergesellschaftet.
Die Aktivist_innen forderte deshalb, die Konzerne für alle Kosten des AKW-Rückbaus und der Atommüll-Lagerung in die Pflicht zu nehmen. “Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass die Rückstellungen, die die Konzerne für den Rückbau und Entsorgung in ihren Bilanzen vorsehen – bisher 38 Millionen Euro –, auch zur Verfügung stehen, wenn sie gebraucht werden. Eine öffentlich-rechtlicher Fonds, muss eingerichtet werden, um diese Rückstellungen zu sichern.”

EURATOM passt nicht zum Beschluss eines Atomausstiegs!
Besonders dreist sei der Versuch der Atomkonzerne, Kosten auf den Steuerzahler abzuwälzen, deshalb – so die Protestierenden –, da die öffentliche Hand die Atomwirtschaft  jahrzehntelange mit Förderungen unterstützte. Auch heute finanziert die Bundesrepublik noch immer und trotz des Beschlusses eines schrittweisen Atomausstiegs in hohem Umfang Atomforschung. Ein wichtiger Rahmen dafür ist die Europäische Atomgemeinschaft EURATOM. Die Bundesrepublik sei deshalb gefordert diesen Atomfördervertrag endlich zu kündigen!

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Allgemein, Blog, Tropenwald
4. Mai 2015

Tropenwald im Tank! EU begrenzt Biospritquote

Agrokraftstoffe stehen im ZusBidco Produkteammenhang mit steigenden Lebensmittelpreisen und Hunger, Landraub und klimaschädlichen Landnutzungsänderungen. Ein Beispiel: Würde zum Beispiel die EU jegliche Unterstützung für Agrotreibstoffe einstellen, würde der Weltmarktpreis für Weizen um vier Prozent sinken, der für Pflanzenöle sogar um 16 Prozent.
Seit Jahren wird daher auf EU-Ebene darüber diskutiert, den Anteil an Biokraftstoffen aus Feldfrüchten am Gesamtkraftstoffverbrauch zu begrenzen. Nun hat sich die EU auf eine Obergrenze von sieben Prozent für Agrokraftstoffen aus Feldfrüchten verständigt. Sie ist damit erstmalig von ihrer bisherigen Biokraftstoffförderungspolitik abgewichen. Ohne die Deckelung wäre der Anteil der Biokraftstoffe bis 2020 vermutlich auf rund 8,6 Prozent gestiegen.
Die beschlossene Obergrenze ist ein lange überfälliger und wichtiger Schritt, der aber längst nicht weit genug geht. Denn auch die nun beschlossenen sieben Prozent bedeuten praktisch einen weiteren Anstieg des Biokraftstoffanteils um fast 50 Prozent gegenüber dem heutigen Niveau von etwa 4,8 Prozent. Die EU-Kommission stellt den Mitgliedstaaten frei, strengere nationale Obergrenzen festzulegen. Deutschland steht deshalb nun in der Verantwortung, die Beimischungsquote noch stärker als bisher zu senken.

Der Einsatz von BiokraftstoffeKahlschlagn wurde von der EU seit 2009 u.a. mit der Beimischungsquote aktiv vorangetrieben. Damals legte sie fest, dass bis 2020 im Verkehrssektor mindestens zehn Prozent des Gesamtkraftstoffverbrauchs aus Agrokraftstoffen bestehen sollen. Dabei war damals schon klar, dass das europäische Angebot an Ölpflanzen dafür bei weitem nicht ausreichen, und der hochproblematische Import von Ölpflanzen, insbesondere Palmöl und Sojaöl, aus Übersee stark ansteigen würde. In der Tat landet heute u.a. immer mehr Palmöl in unseren Tanks. Während 2006 nur 9 Prozent des importierten Palmöl zu Treibstoff wurden, sind es heute bereits rund 30 Prozent. Fast der gesamte Zuwachs der Palmöl-Nachfrage geht mittlerweile auf das Konto der Biokraftstoffindustrie.

Die EU hat außerdem beschlossen, die bisher völlig vernachlässigten Indirekten Landnutzungsänderungen (ILUC) durch den Anbau von Energiepflanzen in die Berichterstattung aufzunehmen. Gemeint ist damit die Verdrängung der Nahrungs- und Futtermittelproduktion durch den Anbau von Energiepflanzen, die dann wiederum auf andere Flächen z.B. Wald- und Moorgebiete ausweichen muss. Damit hat sich die Ansicht durchgesetzt, das Agrokraftstoffe keinesfalls, wie zunächst angenommen, klimaneutral sind. Das Gegenteil ist richtig: Palmöl, zum Beispiel, hat in der Regel eine dramatisch schlechtere Klima- und Ökobilanz als fossile Kraftstoffe.

Aktion, Berlin, Verkehr
30. April 2015

Stuttgart 21 im Bundestag: Was tun, wenn´s brennt?

Am kommenden Mittwoch, den 6. Mai, wird der Verkehrsausschuss des Bundestages auf gemeinsamen Antrag von Linken und Grünen Fachleute zu “offenen Fragen” bei Stuttgart 21 anhören. Ein geladener Fachmann ist der Journalist Arno Luik. Im der heute erschienenen Print-Ausgabe vom Magazin Stern gibt Luik einen Vorgeschmack auf die “offenen Fragen”: Die Bahnsteige sind so schief, dass ihr sicherer Betrieb in den Sternen steht. Es gibt kein Konzept für den Brandschutz. Der Bundesrechnungshof rückt nicht mit den Kosten raus. Luik zitiert Sven Anderson, Bahndirektor a.D. und Experte für Hochgeschwindigkeitsverkehr: “Man konstruiert eine Katastrophe sehenden Auges, das ist verbrecherich, was hier passiert.”Stuttgart30_8_10

Wer an der öffentlichen Anhörung teilnehmen will, kann sich mit vollständigem Namen und Geburtsdatum per E-Mail an verkehrsausschuss@bundestag.de anmelden. Im Anschluss wird es eine außerparlamentarische Anhörung u.a. mit unserem Bündnis Bahn für Alle geben.

Blog, Energie
29. April 2015

Gescheiterte „Zwischenlagerung“: Bericht zu rostigen Atommüllfässern

Es gibt Wortlügen, auf denen der Betrieb ganzer Technologien gründet. Dazu zählt das Wort „Zwischenlager“. Eine krasse Fehleinschätzung zur „Zwischenlagerung“ beschrieb Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck heute, als er den Abschlussbericht einer Arbeitsgruppe zur Vermeidung von Korrosionsschäden an Atommüllfässern (Kurzfassung Korrosionsbericht) vorstellte:

“Eine zentrale Ursache der Probleme war: Keiner hat die Zwischenlagerung der schwach- bis mittelradioaktiven Abfälle als eine langfristige Aufgabe wahrgenommen, weder die Betreiber noch der Staat. Vielmehr gingen alle davon aus, dass bald ein Endlager vorhanden sein würde. Nur, dass dieses ‚bald‘ noch immer nicht da ist. Diese vermeintliche Perspektive auf ein baldiges Endlager führte zu Fehleinschätzungen.” 

Wisch&Weg-Putzaktion à la Vattenfall, 22.8.14 vor dem Kundenzentrum in der Hamburger City (Foto: ROBIN WOOD)

Wisch&Weg-Putzaktion, Protest gegen Vattenfalls Umgang mit den rostigen Atommüllfässern, Hamburg 22.8.14 (Foto: ROBIN WOOD)

Der Bericht befasst sich insbesondere mit den schwer verrosteten Atommüllfässern am AKW Brunsbüttel. Demnach waren 145 von 573 Fässern, die zwischen 2012 bis 2014 untersucht wurden, stark beschädigt, d.h. sie waren schlicht durchgerostet und der radioaktive Fassinhalt konnte austreten. Die Kavernen, in denen sie lagerten waren schlecht zugänglich und für eine langfristige Lagerung entsprechend schlecht geeignet. Es gab keine regelmäßigen Inspektionen, sie waren auch gar nicht vorgesehen. Es gab auch von Anfang an praktische Probleme mit der Trocknung der eingelagerten Verdampfer- und Filterkonzentrate, die Betreiber Vattenfall jedoch ignorierte.

Es läuft bei der Lagerung dieses Mülls also so ziemlich alles schief, was schief laufen kann.

„Wer über eine Million Jahre Sicherheit beim Umgang mit dem Atommüll reden will, der muss zunächst nachweisen, dass er die Probleme im Hier und Jetzt ernst nimmt, damit seriös umgehen kann und dies auch tut.“ Mit dieser Feststellung beginnt der Atommüllreport, dessen Herausgabe ROBIN WOOD mit unterstützt hat. Er zeigt auf, dass das Problem Atommüll nicht an irgendeinen Ort in irgendeiner Zukunft delegiert werden kann, sondern flächendeckend akut ist.

Mehr Infos zum Thema Atommüll: http://www.atommuellreport.de

Blog, Energie, Klima
28. April 2015

Anti-Kohle-Kette 2015 – Braunkohle ist gestern!

Schlussendlich waren es rund 6.000 Menschen, die am Samstag, dem 25. April 2015, am Tagebau Garzweiler bei Köln mit einer Menschenkette gegen die Kohleverstromung protestierten. Ein buntes und kreatives Band zog sich auf acht Kilometern durch das Rheinland. Damit war es die größte Anti-Kohle-Kette im rheinischen Revier, die es bisher gab.

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Foto: Hubert Perschke (für campact), CC BY-NC-ND

Angereist waren die Aktiven aus dem gesamten Bundesgebiet und zahlreichen Ländern. Neben den von der Braunkohleverstromung im Rheinland direkt Betroffenen protestierten beispielsweise auch Menschen aus dem Lausitzer Revier, denen dort aufgrund der Kohleförderung die Umsiedlung droht und BerlinerInnen, die sich um die Sulfat-Belastung ihres Trinkwassers durch Lausitzer Tagebaue sorgen. Viele von ihnen begreifen den Protest gegen die Kohleverstromung in Deutschland als einen konkreten Ansatzpunkt für effektiven Klimaschutz – während die internationalen Klimaverhandlungen schon seit Jahren festgefahren scheinen.

Zukunft für Klima, Umwelt, Reviere und Beschäftigte
Auf Bannern, Fahnen und Schildern machten die Aktiven deutlich, dass es ihnen nicht nur darum geht, auf die klimaschädlichen Auswirkungen der Kohle hinzuweisen (“Braunkohle ist Klimakiller Nr. 1″) und die vielfältigen negativen Folgen vor Ort darzustellen – die ökologischen wie auch die sozialen Schäden (“Kohle ist giftig für Mensch und Klima”, “Kerkwitz. Abgebaggert?”). In den Braunkohlerevieren – so fasste es ein Banner zusammen – wird über Zukunft entschieden: über das zukünftige Klima und die Gesundheit aber auch über die zukünftigen Beschäftigungsperspektiven für die Menschen dort. Bei den TeilnehmerInnen der Kohlekette schien also klar zu sein, was kohle-verstromende Energiekonzerne und die IGBCE-Funktionäre den Beschäftigten im Kohlesektor verschweigen: In Zeiten der Energiewende ist ein Strukturwandel unausweichlich. Je früher er in den Revieren begonnen wird, desto sozialverträglicher kann er gestaltet werden.
“Lausitz. weiter. denken.” hieß es auf einem Banner – und man ist geneigt noch allgemeiner anzufügen: Die Zukunft der Reviere muss weitergedacht und gestaltet werden – und zwar erneuerbar. Braunkohle ist gestern!

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Foto: Paul Reinholz (für campact), CC BY-NC-ND

Aktion, Energie
27. April 2015

Tschernobyl-Jahrestag: Atomausstieg sofort – auch in Brokdorf!

Gestern, am 26. April 2015, jährte sich die Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl zum 29. Mal. Mehrere Hundert Menschen kamen deshalb am Sonntag am AKW Brokdorf zusammen, um für seine sofortige Abschaltung zu demonstrieren.

Es gab zahlreiche Stände von regionalen wie auch landesweit aktiven AtomstromgegnerInnen und ein tolles Bühnenprogramm. Auch ROBIN WOOD war wieder mit einem Infostand und einem Angebot zum Schnupperklettern dabei, das vor allem bei den jüngeren BesucherInnen gut ankam.

Brokdorf

Jetzt abschalten – nicht erst 2021! ROBIN WOOD-Transparent vor dem AKW Brokdorf (Foto: ROBIN WOOD)

Das AKW Brokdorf ist das letzte, das in Schleswig-Holstein noch am Netz ist. Planmäßig soll es bis 2021 Strom produzieren dürfen – trotz der unverantwortlichen Gefahren durch den Betrieb und den ewig strahlenden Atommüll. RednerInnen riefen dazu auf, mit den Protesten nicht nachzulassen und auch nächstes Jahr, zum 30. Tschernobyl-Jahrestag, wieder nach Brokdorf zu kommen.