Aktion, Allgemein, Tropenwald
15. Juli 2015

Schmutziges Palmöl im Langnese-Eis! Unilever-Lieferant Wilmar tritt Sozialstandards mit Füßen

Foto: Heinrich Schultze

Foto: Heinrich Schultze

Eis essen ohne schlechtes Gewissen? Der Lebensmittelgigant Unilever möchte uns das gerne weismachen. In vielen Eisprodukten steckt Palmöl, und damit ein kleines Stückchen gerodeter Regenwald. Seit letztem Dezember muss dies nun auch auf den Verpackungen angegeben werden und darf nicht mehr hinter allgemeinen Bezeichnungen wie „pflanzliche Fette“ versteckt werden. Laut Unilever, dem die hier wohl bekannteste Eismarke ‚Langnese’ gehört, sollten die VerbraucherInnen ihr Eis aber trotz enthaltenen Palmöl ohne Gewissensbisse essen. Denn seit 2012 verwendet Unilever nach eigenen Angaben nur noch Palmöl aus zertifizierten Quellen wie dem RSPO, dem Runden Tisch für Nachhaltiges Palmöl.

Doch wer den Beteuerungen von Unilever glaubt damit ein nachhaltiges Produkt erstanden zu haben, wird schnell enttäuscht, wenn er sich den RSPO und die Unternehmenspraxis des Unilever-Lieferanten Wilmar einmal genauer ansieht: RSPO-zertifiziertes Palmöl ist keinesfalls so grün ist wie es tut. ROBIN WOOD und viele andere NGOs bewerten den RSPO als ‚Greenwashing’. Denn der RSPO verhindert weder Regenwaldzerstörung noch Zwangsenteignungen. Durch das unübersichtliche Handelssystem fließt fortlaufend auch Palmöl von illegal gerodeten Flächen in RSPO-zertifizierte Produkte und wird somit „reingewaschen“. Seit Jahren häufen sich zudem die Hinweise, dass die ohnehin schwachen Vorgaben von Mitgliedern wiederholt nicht eingehalten werden. In den letzten Wochen hat z.B. die Verletzung von Sozialstandards durch RSPO-Mitglieder wiederholt für Schlagzeilen gesorgt. Theoretisch schreibt der RSPO zum Beispiel vor, dass die beteiligten Kommunen über den Verkauf ihres Landes im Rahmen einer freien, frühzeitigen und informierten Konsultation entscheiden. In der Praxis wird dieses Recht auf Selbstbestimmung von RSPO-Mitgliedern jedoch regelmäßig untergraben.

Insbesondere der Name Wilmar International fällt in diesem Zusammenhang immer wieder. Und das, obwohl sich Wilmar zumindest auf dem Papier wiederholt zur Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards verpflichtete. Wilmar ist seit 2005 RSPO-Mitglied und kontrolliert rund 45 Prozent des weltweiten Palmöl-Handels. ROBIN WOOD hat in den letzten Jahren mehrfach über Menschenrechtsverletzungen und Landraub durch Wilmar berichtet. So zum Beispiel über die gewaltsame Räumung des auf der indonesischen Insel Sumatra gelegene Dorfes Sungai Beruang durch Sicherheitskräfte von Wilmar im August 2011.

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Foto: Jonathan Happ/ Katja Becker

Nun zeigen Berichte der NGO Forest People Program, dass Wilmar auch in West Sumatra Gemeinden mit unfairen Mitteln um ihr Land gebracht hat. 2014 gab es dort eine Beschwerde gegen ein Zweigunternehmen des Palmölkonzerns. Der PT Permata Hijau Pasaman 1 wird von der Minangkabau Gemeinde vorgeworfen hinter ihren Rücken und ohne Zustimmung deren Land angeeignet und darauffolgende Proteste mit Hilfe einer vermutlich bestochenen oder beeinflussten lokalen Polizei kriminalisiert und somit unterdrückt zu haben. Ein Dorfvorsteher wurde ohne offizielle Anklage für mehrere Monate inhaftiert. Etliche andere wurden verhört und unter Druck gesetzt.

Ein ähnlicher Landrechtskonflikt ereignete sich im letzten Jahr auf Kalimantan (Borneo) zwischen DorfbewohnerInnen und einem Zulieferer von Wilmar (PT.SMP). PT.SMP hatte dort widerrechtlich und ohne Zustimmung der Gemeinde Gemeindeflächen gerodet und in Besitz genommen. Außerdem wurden Brandrodungen durchgeführt, die sowohl gegen RSPO-Standards als auch das indonesische Recht verstoßen. Proteste der Gemeinde wurden mit Hilfe der Polizei aufgelöst. Einige DorfbewohnerInnen wurden verhaftet. Obwohl nun auch die Konzessionen für die übrigen Landflächen ausgelaufen sind, führt PM.SMP seine Umwandlungen in Palmölplantagen fort. Örtliche NGOs haben jetzt eine Beschwerde beim RSPO eingereicht. Dass da schnell Konsequenzen gezogen werden, ist aber eher fraglich. Beschwerdeverfahren werden bei RSPO meist lange verschleppt. Bisher sind abschreckende Konsequenzen für RSPO-Mitglieder stets ausgeblieben.

Langnese-Eis aus Wilmar-Palmöl? Nein Danke!

Blog, Tropenwald
21. Mai 2015

Verdeckte PR – Wie Unilever Radio-JournalistInnen mit einseitigen Infos füttert

Gerade bekam ich eine Email mit dem Angebot eines Radiobeitrags. Gedacht ist die Offerte „Rapsblüte 2015 – Auf meinem Feld wächst Margarine (AUDIO)“ für gestresste Hörfunk-RedakteurInnen. Sie bekommen einen fertig produzierten Beitrag gratis ins Haus, inklusive O-Tönen eines Landwirts, der bereits in dritter Generation Winterraps anbaut. Was die HörerInnen nicht erkennen: Auftraggeber des Beitrags ist der Konsumgüterkonzern Unilever.

Abmoderiert werden soll der Beitrag so: „Alle Infos und mehr zum Thema Raps und Margarine finden Sie auch im Internet unter margarine-geniessen.de. Einfach mal reinklicken!“ Wer dort einfach mal reinklickt, findet – aufwändig präsentiert – scheinbar unabhängige Informationen für VerbraucherInnen.  Über Palmöl stehen dort Sätze wie „Palmöl sollte nicht durch andere pflanzliche Öle ersetzt werden – ‚raus aus Palmöl‘  ist keine Lösung.“

Wilmars Palmöl-Wüste

Monotonie statt artenreicher Tropenwälder: Palmöl-Plantagen von Unilever-Lieferant Wilmar (Foto: ROBIN WOOD)

Urheber ist auch hier: Unilever. Das entdeckt aber nur, wer danach sucht. Das Impressum der Seite funktionierte heute übrigens nicht.

Mit Journalismus und Verbraucherschutz hat das Ganze nichts zu tun, mit verdeckter PR schon viel mehr. Und die blendet vieles aus, etwa wie Unilever und sein Rohstoff-Lieferant Wilmar – nach Recherchen von ROBIN WOOD – in Raubbau und Waldzerstörung für Palmöl in den Tropen verstrickt ist.

Robin Wood Aktion gegen Unilever

Seit Jahren in der Kritik: ROBIN WOOD-Banner am Unilever-Gebäude in der Hamburger HafenCity, 2009 (Foto: H. Schultze)

Klima, Tropenwald
5. September 2013

Ölpest: Rama-Margarine von Unilever „mangelhaft“

Unter dem Titel „Ölpest“ hat die Zeitschrift ÖKO-TEST in ihrer September-Ausgabe 20 Margarinen und Streichfette  untersucht – darunter auch drei Produkte des Lebensmittel-Multis Unilever: „Rama Streichfett 70% Fett“, Homa Gold Streichfett 70% Fett“ und „Flora Soft Reform-Margarine“. Alle drei bekamen jeweils die Gesamtnote „mangelhaft“ und waren die Test-Verlierer. Bewertet wurden neben Inhaltsstoffen und der Fettzusammensetzung auch die Herkunft des Palmöls bzw. von Palmölbestandteilen, die in allen untersuchten Produkten steckten. Die ÖKO-Tester fragten die Hersteller nach Verboten für den Einsatz hochgiftiger Pestizide auf den Plantagen, Primärwaldrodung für Plantagenbau und Plantagenbau auf Torfböden. Ebenso wollten sie wissen, ob die PlantagenarbeiterInnen einen Mindestlohn erhalten und ob grundlegende Arbeitsnormen eingehalten werden. Dafür verlangten sie entsprechende Nachweise. Der Konzern Unilever konnte damit nicht dienen, sondern verwies auf Greenpalm-Zertifikate. Dieser Zertifikate-Handel des RSPO („Runder Tisch für Nachhaltiges Palmöl“) kann nicht garantieren, dass das Palmöl in einem Produkt bestimmte Eigenschaften besitzt. Entsprechend erhielten alle drei Margarinen auch in der Kategorie „Palmölproduktion und Transparenz“ ein „mangelhaft“. ROBIN WOOD hat vielfach gegen den unverantwortlichen Palmöl-Einkauf bei Unilever und gegen die Zusammenarbeit mit dem Lieferanten Wilmar protestiert.

Protest gegen Veranstaltung der Palmöl-Lobby in Berlin, 2.9.13 (Foto: E. Sanz/ROBIN WOOD)

Protest gegen Veranstaltung der Palmöl-Lobby in Berlin, 2.9.13 (Foto: E. Sanz/ROBIN WOOD)

Nach Ansicht von ROBIN WOOD wird auch das Industrie-Siegel des RSPO – das der ÖKO-TEST-Autor Mirko Kaiser „allein aus Mangel an Alternativen“ für einen „unterstützenswerten Mindeststandard“ hält – keinerlei Fortschritt im Kampf gegen den Raubbau für Palmöl bringen (ROBIN WOOD-Stellungnahme zum RSPO).  Daher wird ROBIN WOOD zusammen mit weiteren Umwelt- und Menschenrechtsgruppen weiter gegen das Greenwashing der Palmöl-Lobby vorgehen – so wie Anfang dieser Woche bei der Gründung des „Forums für Nachhaltiges Palmöl“ und beim europäischen RSPO-Treffen in Berlin. Ein ROBIN WOOD-Video zur Aktion gibt es hier.

Blog, Düsseldorf, Klima, Tropenwald
11. Dezember 2012

Wie Unilevers Expansionskurs schöngeredet wird

Der Konzern Unilever hat ja seit vergangenem Freitag einen weiteren Preis in seiner Sammlung (Kategorie: „Deutschlands nachhaltigste Zukunftsstrategie“). Verliehen hat ihn – wider alle öffentliche Kritik – die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis. Unilever schrieb dazu in einer Pressemitteilung: „Unilever überzeugte die Jury vor allem mit seiner ambitionierten, öffentlichen Zielsetzung: Das Unternehmen will die eigene Größe verdoppeln. Gleichzeitig will Unilever die Auswirkungen auf die Umwelt halbieren, 100 Prozent der landwirtschaftlichen Rohwaren aus nachhaltigem Anbau beziehen und das Leben von einer Milliarde Menschen verbessern.“ Ausgezeichnet wurde ein Konzern, der weiter stark expandieren, der seine eigene Größe verdoppeln will. Er wurde ausgezeichnet für Versprechungen, obwohl – wie auch die Jury zugesteht – die gegenwärtige Praxis der Rohstoffbeschaffung, insbesondere von Palmöl, verheerende Auswirkungen für Menschen, Natur und Klima hat. Anzeichen, dass dies in Zukunft besser werden könnte, gibt es nicht. Der Jury-Vorsitzende der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis, Günther Bachmann, versuchte mit inzwischen drei Briefen an Robin Wood und Rettet den Regenwald zu rechtfertigen, dass Unilever den Preis bekommt. In seinem jüngsten Schreiben führt er zunächst aus, wie schlimm die Lage ist: „Die Abscheulichkeiten eines umweltzerstörerischen und menschenunwürdigen Raubbaus an natürlichen Rohstoffen, hier Palmöl, stehen jedem vor Augen, der seinen Blick nicht verschließt, wenn Urwald illegal vernichtet wird und unsere Lebensgrundlagen verloren gehen.“ Dann erklärt er, wie wichtig doch Suffizienz sei: „Obligatorisch erscheint mir der Gedanke der Suffizienz. Er muss neben die Transformation hin zu einer umweltgerechten Produktion von Palmöl treten. Wir müssen auch über ein Weniger an Verbrauch reden“, so Günther Bachmann. Schöne Worte über Suffizienz. Und die Taten? Die Stiftung vergibt einen Preis an einen Konzern, der Profite mit Raubbau in den letzten Regenwäldern Indonesiens macht und erklärtermaßen voll auf Expansionskurs ist. Mehr Argumente und den Briefwechsel mit der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis gibt es hier. Ausführliche Berichte über unsere Greenwashing-Kritik gab es u.a. im DLF, bei Wdr.de  und in der FAZ („Kontroverse um den Deutschen Nachhaltigkeitspreis. Umweltverbände werfen Unilever „Greenwashing“ vor und kritisieren Auszeichnung des Konsumgüterkonzerns“, 7.12.12). P.S. Der Konzern Wilmar, Palmöl-Lieferant von Unilever, hat übrigens beim diesjährigen Umwelt-Ranking von Newsweek im Vergleich mit 500 global operierenden Konzernen den allerletzten Platz gemacht.

Klima, Tropenwald
30. November 2012

Unilever preisverdächtig – als Meister des Greenwashings

Die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis hat den Konsumgüterkonzern Unilever nominiert – und zwar in der Kategorie „Deutschlands nachhaltigste Zukunftsstrategien“. Am kommenden Freitag soll mit viel Pomp und Prominenz die Preisverleihung in Düsseldorf stattfinden.

Das Dorf Sungai Beruang nach der Zerstörung durch den Palmöl-Multi Wilmar (Foto: H. Schultze/ROBIN WOOD)

Das Dorf Sungai Beruang nach der Zerstörung durch Unilevers Palmöl-Zulieferer Wilmar (Foto: H. Schultze/ROBIN WOOD)

Ein Nachhaltigkeitspreis für einen der großen Profiteure des Raubbaus im Regenwald? ROBIN WOOD und Rettet den Regenwald haben die Mitglieder von Jury, Vorstand und Kuratorium der Stiftung schriftlich aufgefordert, den Preis nicht an Unilever zu vergeben. Was soll an Regenwaldzerstörung, Landraub und Menschenrechtsverletzungen nachhaltig und zukunftsweisend sein? Genau davon profitiert Unilever, wenn der Konzern in großen Mengen Palmöl aus industriellen Monokulturen in den Tropen für seine Markenprodukte wie Rama und Knorr verbraucht. Der Jury war das Palmöl-Problem bekannt. In der Begründung für die Nominierung heißt es jedoch über Unilever: „Kritische Stimmen (z.B. zur Kennzeichnung von Produkten, der Palmölproblematik und nachhaltiger Landnutzung) wurden intensiv diskutiert.“ Doch wem nutzen die intensiven Diskussionen, solange der Raubbau ungehindert weitergeht? Die Diskussionen täuschen vor, es würde gehandelt, tatsächlich aber fressen sich die riesigen Plantagen weiter in die Landschaft – mit verheerenden Folgen für Menschen und Natur. Und bei Unilever klingelt weiter die Kasse. Das schmierige Geschäft wird womöglich noch mit einem Nachhaltigkeits-Preis gekrönt, worüber Unilever wieder schön kommunizieren kann. Unilever hätte nur einen Preis wirklich verdient: den fürs dreisteste Greenwashing! Der Vorsitzende der Jury, Günther Bachmann, hat übrigens bereits auf das Schreiben von ROBIN WOOD und Rettet den Regenwald reagiert. Er sehe „keine Veranlassung, das Votum der Jury zurückzunehmen“. Mehr Infos und den Wortlaut des Briefes gibt es hier.

Tropenwald
9. November 2012

Palmölhändler Wilmar – Dreckkonzern im Öko-Ranking

Der größte Palmölhändler der Welt, Wilmar, hat bei einem Umwelt-Ranking von Newsweek den allerletzten Platz belegt. Verglichen wurden 500 global operierende Konzerne. In die Wertung floss ein, wie stark die Konzerne die Umwelt belasten etwa durch den Ausstoß klimaschädlicher Gase, durch Wasserverbrauch, Luftverschmutzung und Müll. Berücksichtigt wurde zudem die Qualität des konzerneigenen Umweltmanagements und der Umweltberichterstattung. Bei Wilmar sah es am düstersten aus. ROBIN WOOD kritisiert Wilmar seit langem für sein zerstörerisches Palmölgeschäft, das zu Menschenrechtsverletzungen, Raubbau in den Tropen und immensen Klimaschäden führt. Um mehr öffentliche Aufmerksamkeit auf die Machenschaften von Wilmar zu lenken, demonstrierten am 17. September dieses Jahres ROBIN WOOD-AktivistInnen vor der Palmölraffinerie von Wilmar im niedersächsischen Brake. Ein wichtiger Palmöl-Kunde von Wilmar ist der Lebensmittelkonzern Unilever (Knorr, Langnese, Rama…). Unilever gibt sich nach außen gern einen „grünen“ Anstrich. Wer hinter die Kulissen schaut, aber erfährt, woher die Zutaten der viel beworbenen Markenprodukte kommen: von einem der dreckigsten Konzerne weltweit.    

Aktion, Bremen, Tropenwald, Welt retten
18. April 2012

?„Rama-Mädchen“ mit Maschinengewehr unterwegs: Protest gegen Landraub für Magarine!

Blutiges Palmöl für Rama-Margarine

„Rama-Mädchen“ setzt Gewalt gegen Affen und Menschen ein

Am 17.4. beteiligten sich ROBIN WOOD-Aktive in Bremen an den Protesten gegen Landraub und Umweltzerstörung. Aufgerufen hatte ein buntes Bündnis um das transnationale Netzwerk Afrique-Europe-Interact, das auch 24 Stunden die Deutsche Bank besetzte. Grund für die Besetzung ist die weltweite Beteiligung und Finanzierung des Unternehmens an skrupellosen Landspekulationen, welche zur Verdrängung der ansässigen lokalen Bevölkerung und einem weltweiten Anstieg der Lebensmittelpreise führt. Nicht nur die inakzeptablen Finanzierungs- und Kreditgeschäfte der Deutschen Bank, sondern auch die verantwortungslose Einkaufspolitik multinationaler Lebensmittelkonzerne wie Unilever fördert das Leid und Elend der Menschen im globalen Süden! Unilever ist mit führenden Marken wie Rama, Langnese und Lipton weltweit einer der größten Palmölabnehmer. Für die Expansion von Palmölplantagen werden Urwaldflächen zerstört, wodurch der Klimawandel angeheizt wird und zahlreiche Tiere ihren Lebensraum verlieren. Auch Menschen werden unter Anwendung von Gewalt vertrieben und ganze Dörfer müssen den Palmölplantagen weichen.

Video „Rama-Mädchen“ erschießt Affen und Menschen:

Bewaffnet mit einer Gewehrattrappe zog daher unser „Rama-Mädchen“ mit goldener Haarpracht über den Domshof, um symbolisch Platz für weitere Palmölplantagen zu schaffen. Etliche Tiere und Menschen, die versuchten sich ihm in den Weg zu stellen, fielen dem Rama-Mädchen zum „Opfer“.

Unterstützend zu dieser Aktion wurden Flyer verteilt, um den Passanten die schmutzigen Geschäfte Unilevers näher zu bringen. Da Unilever trotz etlicher ROBIN WOOD Proteste nichts an seiner Unternehmenspolitik geändert hat, werden wir weiterhin mit Aktionen wie dieser auf die bestehenden Missstände hinweisen!

Blog, Tropenwald
10. November 2011

Greenwashing – made by Unilever

….oder wie der Konzern sein unverantwortliches Palmölgeschäft schönredet Anfang dieser Woche waren einige Leute von ROBIN WOOD und ‚Rettet den Regenwald’ zu einem Gespräch mit Konzern-Verantwortlichen von Unilever. Unilever steht in der Kritik. Denn der Konsumgüter-Riese kauft in großen Mengen Palmöl aus unverantwortlicher Produktion und verwendet es für Markenprodukte wie Rama-Margarine. Das Öl stammt aus industriellen Palmöl-Monokulturen. In Indonesien werden dafür Tropenwälder kahl geschlagen und Menschen von ihrem Land vertrieben. Das ruiniert die Artenvielfalt und das Weltklima, und es erzeugt ein enormes soziales Elend. Die Menschen vor Ort wehren sich gegen den Landraub. Einer der zahlreichen Landkonflikte bei Wilmar, einem wichtigen Lieferanten von Unilever, war im August dieses Jahres eskaliert. Polizeieinheiten hatten zusammen mit Einsatzkräften von Wilmar das Dorf Sungai Beruang auf Sumatra verwüstet und nach Augenzeugenberichten mit scharfer Munition auf Menschen geschossen. Ein Team von ROBIN WOOD war vor Ort und fand die Vorwürfe gegen Wilmar bestätigt. Unilever kennt die Fakten, unternimmt aber seit rund drei Monaten nichts gegen die unhaltbaren Zustände bei seinem Lieferanten.

06.10.2011, Sungai Beruang, Seit der Zerstörung ihres Dorfes leben die Menschen unter Plastikplanen

06.10.2011, Sungai Beruang - Seit der Zerstörung ihres Dorfes leben die Menschen unter Plastikplanen (Foto: Hinrich Schultze)

Kommunikationsstrategie des Konzerns war es auch bei dem Gespräch in dieser Woche, sich dialogbereit, verständnisvoll und in kleiner Runde selbstkritisch zu geben – aber in der Sache rein gar nichts zu ändern. Frappierend ist – das konnte mensch aus dem Gespräch lernen – wie weit Realität und Selbstdarstellung des Konzerns auseinanderklaffen. Wer schon mal auf die Seiten von Unilever geklickt hat (z.B. auf die Nachhaltigkeitsziele Deutschland, Österreich und Schweiz), könnte fast den Eindruck gewinnen, es mit einem ökologischen Vorzeigeunternehmen zu tun zu haben. „Wir helfen, den Klimawandel aufzuhalten“, wird da etwa behauptet und wir sind „Anwalt für positiven Wandel“. Versprochen wird auch: „Weltweit werden wir ab 2015 nur noch nachhaltig zertifiziertes Palmöl einsetzen.“ In Deutschland, Österreich und Schweiz werde bereits jetzt schon ausschließlich zertifiziertes Palmöl verwendet. Dabei ist bei Unilever nichts in Butter – und das wissen die Manager natürlich ganz genau. Um von den Problemen abzulenken, setzen sie in ihrer Kommunikationsstrategie voll auf das RSPO-Siegel. Die Abkürzung steht für „Roundtable on Sustainable Palm Oil“. An diesem so genannten „Runden Tisch“ sitzen nicht die betroffenen Indigenen und Kleinbauern, sondern das Palmölbusiness, also überwiegend Plantagenbetreiber, Händler und Banken. RSPO-Präsident ist der Unilever-Mann Jan-Kees Vis. Die Prinzipien und Kriterien für das Siegel sind so lasch, dass selbst Skandal-Konzerne wie Wilmar dort Mitglied sein dürfen. Das Palmöl von Unilever kann jetzt und in Zukunft also als „nachhaltig“ zertifiziert von Wilmar stammen – trotz Landkonflikten und Tropenwaldzerstörung. Der RSPO verlangt nicht einmal, dass das angeblich nachhaltige von dem nicht-nachhaltigen Palmöl in der Lieferkette getrennt bleibt. Der Trick ist ein Zertifikate-Handel, den sich die Palmöl-Lobby bei den Stromhändlern abgeguckt hat. Unternehmen können ihr Palmöl aus Raubbau einfach in gutes verwandeln, indem sie billig Zertifikate von Greenpalm dafür kaufen. Die KonsumentInnen, die sich hier die Margarine aufs Brot schmieren, essen also die Rohstoffe aus der Raubbau-Plantage und werden damit abgespeist, dass dafür an anderer Stelle angeblich nachhaltiges  Palmöl in den Markt kommt. So einfach und billig gelangt Unilever an große Mengen zertifizierten Palmöls.  

Aktion, Tropenwald
23. September 2011

Unilever-Chef drückt sich vor „Baum ab-Preis“-Verleihung

Unilever bemüht sich weiter darum, sich ein grünes Image zu verpassen. Heute stand die Verleihung des B.A.U.M.-Umweltpreises an Unilever-Chef Harry Brouwer auf dem Programm. AktivistInnen von Rettet den Regenwald und ROBIN WOOD waren ebenfalls zur Stelle und protestierten vor dem Tango Terminal des Hamburger Flughafens, in dem die Preisverleihung stattfand. Denn Unilever ist als einer der größten Palmölverbraucher mitverantwortlich dafür, dass in den Tropen Wälder vernichtet, das Klima angeheizt und Menschen von ihrem Land vertrieben werden.

Baum-ab-Preis für Unilever (Fotos: Rettet den Regenwald)

Baum-ab-Preis für Unilever (Fotos: Rettet den Regenwald)

Im Gepäck hatten die UmweltschützerInnen einen alternativen „Baum-ab-Preis“ – drei Baumstümpfe auf grauer Platte -, die Brouwer für Beihilfe zur Umweltzerstörung und Missachtung der Menschenrechte in Indonesien überreicht bekommen sollte. Doch Brouwer drückte sich davor, ihn anzunehmen. Stattdessen schickte er den Unilever-Kommunikationsexperten Merlin Koene nach draußen vor das Tango Terminal, wo ihn die Anwesenden mit ihren Argumenten zum Schwitzen brachten. Nach einigem Hin und Her war Brouwer gegen Mittag doch zu einem kurzen Gespräch mit zwei VertreterInnen von Rettet den Regenwald und ROBIN WOOD bereit. Er nahm 30.000 Protestunterschriften entgegen, der Baum-ab-Preis aber musste schön vor der Tür bleiben. In der Sache brachte das Gespräch keine Fortschritte.
B.A.U.M.-Vorsitzender Gege diskutiert über die Preisvergabe an Unilever

B.A.U.M.-Vorsitzender Gege diskutiert über die Preisvergabe an Unilever

Für Bewegung aber sorgte der Protest im Verein B.A.U.M., in dem rund 500 Unternehmen Mitglied sind. Dazu zählen Konzerne wie Unilever, Deutsche Bank und Bayer genauso wie kleine Firmen aus der Öko-Lebensmittelbranche oder Verlage. Nicht allen gefällt, dass Unilever ausgezeichnet wird. Zwischen den Bistro-Tischen wurde heftig diskutiert. Auch der B.A.U.M.-Vorsitzende Maximilian Gege stellte sich den DemonstrantInnen vor dem Terminal. Er deutete die Preisvergabe so. Es sei ja immer auch Anreiz und Verpflichtung für den Ausgezeichneten, dem Preis gerecht zu werden, und damit hätte B.A.U.M. ja jetzt auch ganz neue Chancen, ihn öffentlichkeitswirksam wieder abzuerkennen. An diesem B.A.U.M.-Preis dürfte Herr Brouwer nicht wirklich Freude haben. Mehr Infos zum Palmöl-Thema unter: http://www.robinwood.de/palmoel

Tropenwald
13. August 2010

Indonesien: Landkonflikt mit Palmöl-Multi Wilmar eskaliert

Aus Indonesien erreichte uns ein Hilferuf unserer Partnerorganisation Walhi aus Jambi. Der Landkonflikt mit dem Palmölkonzern Wilmar endete für einige Menschen im Gefängnis. 16 BewohnerInnen des Dorfes Bungku auf Sumatra wurden nach Angaben des Umweltaktivisten Feri Irawan von der Polizei in Haft genommen. Offizieller Vorwurf: Diebstahl von Palmöl.

Walhi-Jambi Dorfbewohner werden auf der Polizeistation inhaftiert

Dieser Anschuldigung ist aber abwegig, denn dieser so genannte Diebstahl hat sich auf einem Landstück ereignet, dass seit Generationen von den DorfbewohnerInnen bewirtschaftet wird. Wilmar wird von den Menschen vor Ort beschuldigt, sich das Gebiet für seine Palmölplantagen illegal unter den Nagel gerissen zu haben. Jetzt haben die Menschen das Recht in die eigene Hand genommen und geerntet, was nach Ihrer Ansicht auf Ihrem eigenen Grund und Boden wächst. Dass die Polizei mit Wilmar unter einer Decke steckt, ist nach Ansicht von Feri ausgemachte Sache. Wilmar verfolgt mit diesen Verhaftungen das Ziel, die Menschen im Widerstand zu kriminalisieren. Feri und seine Kollegen von Whali haben den Inhaftierten mittlerweile einen Anwalt besorgt und bitten jetzt um internationale Unterstützung. ROBIN WOOD wird sich gemeinsam mit anderen Umweltorganisationen für die Freilassung der Menschen einsetzen. Zur Erinnerung: Große Konzerne wie Unilever kaufen trotz der Warnungen von ROBIN WOOD weiter Palmöl beim Skandalkonzern Wilmar. Unilever versucht die Probleme bei Wilmar auszusitzen und weigert sich bis lang, Wilmar als Lieferanten für seine Produkte (Rama, Becell, Sanella etc.) zu streichen. Wenn Ihr selbst aktiv werden wollt: Die Fax-Nummer der Polizeistation lautet +62 74323112. Ein kurzes Protestfax wie „The arrest of people in Bungku is a scandal. I urge their prompt release“ sollte seine Wirkung nicht verfehlen.