Blog, Tropenwald
10. November 2011

Greenwashing – made by Unilever

….oder wie der Konzern sein unverantwortliches Palmölgeschäft schönredet

Anfang dieser Woche waren einige Leute von ROBIN WOOD und ‚Rettet den Regenwald’ zu einem Gespräch mit Konzern-Verantwortlichen von Unilever. Unilever steht in der Kritik. Denn der Konsumgüter-Riese kauft in großen Mengen Palmöl aus unverantwortlicher Produktion und verwendet es für Markenprodukte wie Rama-Margarine. Das Öl stammt aus industriellen Palmöl-Monokulturen. In Indonesien werden dafür Tropenwälder kahl geschlagen und Menschen von ihrem Land vertrieben. Das ruiniert die Artenvielfalt und das Weltklima, und es erzeugt ein enormes soziales Elend.

Die Menschen vor Ort wehren sich gegen den Landraub. Einer der zahlreichen Landkonflikte bei Wilmar, einem wichtigen Lieferanten von Unilever, war im August dieses Jahres eskaliert. Polizeieinheiten hatten zusammen mit Einsatzkräften von Wilmar das Dorf Sungai Beruang auf Sumatra verwüstet und nach Augenzeugenberichten mit scharfer Munition auf Menschen geschossen. Ein Team von ROBIN WOOD war vor Ort und fand die Vorwürfe gegen Wilmar bestätigt. Unilever kennt die Fakten, unternimmt aber seit rund drei Monaten nichts gegen die unhaltbaren Zustände bei seinem Lieferanten.

06.10.2011, Sungai Beruang, Seit der Zerstörung ihres Dorfes leben die Menschen unter Plastikplanen

06.10.2011, Sungai Beruang - Seit der Zerstörung ihres Dorfes leben die Menschen unter Plastikplanen (Foto: Hinrich Schultze)

Kommunikationsstrategie des Konzerns war es auch bei dem Gespräch in dieser Woche, sich dialogbereit, verständnisvoll und in kleiner Runde selbstkritisch zu geben – aber in der Sache rein gar nichts zu ändern.

Frappierend ist – das konnte mensch aus dem Gespräch lernen – wie weit Realität und Selbstdarstellung des Konzerns auseinanderklaffen. Wer schon mal auf die Seiten von Unilever geklickt hat (z.B. auf die Nachhaltigkeitsziele Deutschland, Österreich und Schweiz), könnte fast den Eindruck gewinnen, es mit einem ökologischen Vorzeigeunternehmen zu tun zu haben. „Wir helfen, den Klimawandel aufzuhalten“, wird da etwa behauptet und wir sind „Anwalt für positiven Wandel“. Versprochen wird auch: „Weltweit werden wir ab 2015 nur noch nachhaltig zertifiziertes Palmöl einsetzen.“ In Deutschland, Österreich und Schweiz werde bereits jetzt schon ausschließlich zertifiziertes Palmöl verwendet. Dabei ist bei Unilever nichts in Butter – und das wissen die Manager natürlich ganz genau.

Um von den Problemen abzulenken, setzen sie in ihrer Kommunikationsstrategie voll auf das RSPO-Siegel. Die Abkürzung steht für „Roundtable on Sustainable Palm Oil“. An diesem so genannten „Runden Tisch“ sitzen nicht die betroffenen Indigenen und Kleinbauern, sondern das Palmölbusiness, also überwiegend Plantagenbetreiber, Händler und Banken. RSPO-Präsident ist der Unilever-Mann Jan-Kees Vis. Die Prinzipien und Kriterien für das Siegel sind so lasch, dass selbst Skandal-Konzerne wie Wilmar dort Mitglied sein dürfen.

Das Palmöl von Unilever kann jetzt und in Zukunft also als „nachhaltig“ zertifiziert von Wilmar stammen – trotz Landkonflikten und Tropenwaldzerstörung. Der RSPO verlangt nicht einmal, dass das angeblich nachhaltige von dem nicht-nachhaltigen Palmöl in der Lieferkette getrennt bleibt. Der Trick ist ein Zertifikate-Handel, den sich die Palmöl-Lobby bei den Stromhändlern abgeguckt hat. Unternehmen können ihr Palmöl aus Raubbau einfach in gutes verwandeln, indem sie billig Zertifikate von Greenpalm dafür kaufen. Die KonsumentInnen, die sich hier die Margarine aufs Brot schmieren, essen also die Rohstoffe aus der Raubbau-Plantage und werden damit abgespeist, dass dafür an anderer Stelle angeblich nachhaltiges  Palmöl in den Markt kommt. So einfach und billig gelangt Unilever an große Mengen zertifizierten Palmöls.

 

Aktion, Tropenwald
23. September 2011

Unilever-Chef drückt sich vor „Baum ab-Preis“-Verleihung

Unilever bemüht sich weiter darum, sich ein grünes Image zu verpassen. Heute stand die Verleihung des B.A.U.M.-Umweltpreises an Unilever-Chef Harry Brouwer auf dem Programm. AktivistInnen von Rettet den Regenwald und ROBIN WOOD waren ebenfalls zur Stelle und protestierten vor dem Tango Terminal des Hamburger Flughafens, in dem die Preisverleihung stattfand. Denn Unilever ist als einer der größten Palmölverbraucher mitverantwortlich dafür, dass in den Tropen Wälder vernichtet, das Klima angeheizt und Menschen von ihrem Land vertrieben werden.

Baum-ab-Preis für Unilever (Fotos: Rettet den Regenwald)

Baum-ab-Preis für Unilever (Fotos: Rettet den Regenwald)

Im Gepäck hatten die UmweltschützerInnen einen alternativen „Baum-ab-Preis“ – drei Baumstümpfe auf grauer Platte -, die Brouwer für Beihilfe zur Umweltzerstörung und Missachtung der Menschenrechte in Indonesien überreicht bekommen sollte. Doch Brouwer drückte sich davor, ihn anzunehmen.

Stattdessen schickte er den Unilever-Kommunikationsexperten Merlin Koene nach draußen vor das Tango Terminal, wo ihn die Anwesenden mit ihren Argumenten zum Schwitzen brachten. Nach einigem Hin und Her war Brouwer gegen Mittag doch zu einem kurzen Gespräch mit zwei VertreterInnen von Rettet den Regenwald und ROBIN WOOD bereit. Er nahm 30.000 Protestunterschriften entgegen, der Baum-ab-Preis aber musste schön vor der Tür bleiben. In der Sache brachte das Gespräch keine Fortschritte.

B.A.U.M.-Vorsitzender Gege diskutiert über die Preisvergabe an Unilever

B.A.U.M.-Vorsitzender Gege diskutiert über die Preisvergabe an Unilever

Für Bewegung aber sorgte der Protest im Verein B.A.U.M., in dem rund 500 Unternehmen Mitglied sind. Dazu zählen Konzerne wie Unilever, Deutsche Bank und Bayer genauso wie kleine Firmen aus der Öko-Lebensmittelbranche oder Verlage. Nicht allen gefällt, dass Unilever ausgezeichnet wird. Zwischen den Bistro-Tischen wurde heftig diskutiert. Auch der B.A.U.M.-Vorsitzende Maximilian Gege stellte sich den DemonstrantInnen vor dem Terminal. Er deutete die Preisvergabe so. Es sei ja immer auch Anreiz und Verpflichtung für den Ausgezeichneten, dem Preis gerecht zu werden, und damit hätte B.A.U.M. ja jetzt auch ganz neue Chancen, ihn öffentlichkeitswirksam wieder abzuerkennen. An diesem B.A.U.M.-Preis dürfte Herr Brouwer nicht wirklich Freude haben.

Mehr Infos zum Palmöl-Thema unter: http://www.robinwood.de/palmoel

Tropenwald
13. August 2010

Indonesien: Landkonflikt mit Palmöl-Multi Wilmar eskaliert

Aus Indonesien erreichte uns ein Hilferuf unserer Partnerorganisation Walhi aus Jambi. Der Landkonflikt mit dem Palmölkonzern Wilmar endete für einige Menschen im Gefängnis. 16 BewohnerInnen des Dorfes Bungku auf Sumatra wurden nach Angaben des Umweltaktivisten Feri Irawan von der Polizei in Haft genommen. Offizieller Vorwurf: Diebstahl von Palmöl.

Walhi-Jambi Dorfbewohner werden auf der Polizeistation inhaftiert

Dieser Anschuldigung ist aber abwegig, denn dieser so genannte Diebstahl hat sich auf einem Landstück ereignet, dass seit Generationen von den DorfbewohnerInnen bewirtschaftet wird. Wilmar wird von den Menschen vor Ort beschuldigt, sich das Gebiet für seine Palmölplantagen illegal unter den Nagel gerissen zu haben. Jetzt haben die Menschen das Recht in die eigene Hand genommen und geerntet, was nach Ihrer Ansicht auf Ihrem eigenen Grund und Boden wächst.

Dass die Polizei mit Wilmar unter einer Decke steckt, ist nach Ansicht von Feri ausgemachte Sache. Wilmar verfolgt mit diesen Verhaftungen das Ziel, die Menschen im Widerstand zu kriminalisieren. Feri und seine Kollegen von Whali haben den Inhaftierten mittlerweile einen Anwalt besorgt und bitten jetzt um internationale Unterstützung. ROBIN WOOD wird sich gemeinsam mit anderen Umweltorganisationen für die Freilassung der Menschen einsetzen.

Zur Erinnerung: Große Konzerne wie Unilever kaufen trotz der Warnungen von ROBIN WOOD weiter Palmöl beim Skandalkonzern Wilmar. Unilever versucht die Probleme bei Wilmar auszusitzen und weigert sich bis lang, Wilmar als Lieferanten für seine Produkte (Rama, Becell, Sanella etc.) zu streichen.

Wenn Ihr selbst aktiv werden wollt: Die Fax-Nummer der Polizeistation lautet +62 74323112. Ein kurzes Protestfax wie „The arrest of people in Bungku is a scandal. I urge their prompt release“ sollte seine Wirkung nicht verfehlen.

Tropenwald
2. Juni 2010

Erste Ergebnisse des Groundcheck in Indonesien

Endlich sind die lang ersehnten Bilder aus Indonesien da. Wir hatten mit Nordin, unserem Kollegen von Save our Borneo, Indonesien, vereinbart, dass er Luftaufnahmen und einen sogenannten Groundcheck von den 130 000 Hektar macht, die wir vor der Zerstörung durch den Palmölproduktionsgiganten Wilmar International gemeinsam mit ihm retten wollen.

Vernichteter Regenwald in Indonesien (Foto: Nordin / ROBIN WOOD)

Was wir auf den Bilder sehen können, ist schlimmer als dass, was wir erwartet hatten, und es zeigt uns, dass wir noch schneller handeln müssen. Die ersten Bilder zeigen weite Flächen, die überschwemmt sind, durchaus normal in Indonesien, doch die weiteren Bilder, die Nordin uns schickt, zeigen gerodete Flächen. Er hat sogar die Geo-Koordinaten mit auf die Bilder geschrieben, sodass es uns möglich ist, genau zu sagen, wo er die Aufnahmen gemacht hat.
Bei einem kurzen Telefonat sagt er uns, dass er noch weiter Aufnahmen hat. Da seine Internetverbidung aber nicht so gut ist, hat er sie uns auf eine CD gebrannt und sie per Post auf den Weg geschickt. Wir sind sehr gespannt, was wir auf diesen Bildern noch zu sehen bekommen, auf alle Fälle zeigen uns die Aufnahmen, dass es dringend nötig ist weiter aktiv zu sein für den Schutz der Natur Borneos. Palmölgiganten wie Wilmar International müssen in ihrem Expansionswahn gestoppt werden!

Tropenwald
28. Mai 2010

Indonesiens Abholzungsstopp – nur heiße Luft?

Aktuell in Indonesien: Wilmar, der Palmöllieferant von Rama-Hersteller Unilever zerstört Tropenwälder für neue Plantagen (Foto: Nordin / ROBIN WOOD)

Indonesiens Ministerpräsident Yudhoyono machte ordentlich tam tam mit seiner Ankündigung, einen Abholzungsstopp für Indonesiens Wälder in Kraft treten zu lassen. Norwegens Ministerpäsident Stoltenberg stand ihm dabei zu Seite, denn das nordeuropäische Land will Indonesien dafür eine Milliarde Dollar überweisen. Das Medienecho war gewaltig, von „Durchbruch für den Waldschutz“ war sogar die Rede.

Ich bin da wesentlich skeptischer. Zum einen ist unklar, wie Indonesien Zentralregierung eine solche Regelung umsetzen will und kann. Schon jetzt wird geltendes Umweltrecht häufig mit Füssen getreten. Zum anderen soll der Abholzungsstopp nicht geltende Verträge berühren und erst mal nur für 2 Jahre bei neuen Projekten angewendet werden. Es ist deshalb zu erwarten, dass Holzfällerbanden und Palmöl-Mafiosis auf Ihrem Vernichtungsfeldzug gegen Indonesiens Wälder erst mal nicht gestoppt werden. Eine gute Analyse in englischer Sprache findet Ihr dazu auf REDD-Monitor.

Aktion, Tropenwald, Welt retten
19. Mai 2010

Videos: Protest gegen Unilever in Rotterdam und London

Jetzt gibt es zwei Videos jeweils von unseren Protestaktionen bei den Aktionärsversammlungen von Unilever in Rotterdam und London. Wir haben mit zwei Kletteraktionen gegen die Regenwaldzerstörung durch Palmölplantagen protestiert und uns direkt an die Aktionäre von Unilever gewandt, um der Verwendung von Palmöl aus Raubbau Einhalt zu gebieten. (weiterlesen …)

Aktion, Tropenwald
17. Mai 2010

Hattrick

Aktion, Tropenwald
12. Mai 2010

Unilever kriegt sein Fett weg

Kletteraktion in London (Foto: C. Grodotzki / ROBIN WOOD)

Den Aktionär_innen der Unilever-Hauptversammlung in London bietet sich heute beim Blick aus dem Fenster ein besonderes Bild: ROBIN WOOD-Kletter_innen haben vor dem Queen Elizabeth II Conference Centre ein Banner gespannt, mit dem sie das skrupellose Palmölgeschäft von Unilever anprangern. Jede/r Aktionär_in soll wissen, auf wessen Kosten der Konzern seine fetten Gewinne erwirtschaftet.

Aktion, Tropenwald
11. Mai 2010

Erneut Protest gegen Palmöl aus Raubbau bei Unilever

ROBIN WOOD-Protest bei der Unilever-Hauptversammlung in Rotterdam (Foto: ROBIN WOOD/Christian Grodotzki)

Der weltweit größte Verbraucher von Palmöl, UNILEVER, hat heute Besuch von ROBIN WOOD-Aktivist_innen bekommen. ROBIN WOOD fordert, dass Unilever auf Palmöl aus Raubbau verzichtet. Der Konzern soll insbesondere seine Lieferanten darauf verpflichten, keine neuen Palmöl-Plantagen mehr anzulegen. Protestiert wurde bei der Hauptversammlung des Konzerns in Rotterdam und auch vor der Deutschland-Zentrale in Hamburg. Zum Protest in der Hamburger Hafen-City gibt es ein YouTube-Video .

Klima, Tropenwald
19. März 2010

Video-Spot(t): Rama – Urwald auf’s Brot!

ROBIN WOOD-Aktive haben im Rahmen der Palmölkampagne einen Anti-Werbe-Spot gemacht, der die aktuelle “Rama”-Werbung auf die Schippe nimmt. Hintergrund ist, dass in “Rama” nicht nur vielbeworbene Nährstoffe stecken, sondern auch viele Tausend Hektar gerodeter Tropenwald. Ach so gesund ist die Unilever-Margarine also weder für den Tropenwald noch für seine Bewohner_innen…

Mehr Infos auf unserer Webseite.