Aktion, Süd-West, Verkehr
8. Februar 2012

S 21: Das große Drängeln um den Trog

Gerade hat Ministerpräsident Kretschmann grünes Licht – tätä – für Baumfällungen im Stuttgarter Schlossgarten gegeben, da vergeigt der ehemalige Schlichter Heiner Geißler den schönen grünroten Bürgerbeteiligungsdreiklang aus Schlichtung, Stresstest und Volksabstimmung. In seiner Facebook-Mitteilung von Montag schreibt Kretschmann vom Konflikt um Stuttgart 21 bereits in der Vergangenheitsform und tut Rechtswidrigkeiten, Kostenexplosionen und technische Unmöglichkeiten als „Schwächen“ ab, die ihn nicht dazu bringen werden, das Projekt zu Fall zu bringen. Geißler bestätigt nun schriftlich, dass der Erhalt gesunder Bäume im Schlossgarten zentraler Bestandteil des Schlichterspruches war, wörtlich: „Die Bäume im Schlossgarten bleiben erhalten. Es dürfen nur die Bäume gefällt werden, die ohnehin wegen Krankheiten, Altersschwäche in der nächsten Zeit absterben würden. Wenn Bäume durch den Neubau existentiell gefährdet sind, werden sie in eine geeignete Zone verpflanzt.“ Das ist unvereinbar mit dem Vorhaben der Bahn, bis Ende Februar im Schlossgarten 178 Bäume zu fällen. Unmittelbar von der Fällung bedroht ist u.a. eine über 150jährige Platane. Dort, wo ihr über einen Meter dicker Stamm wurzelt, will die Bahn den so genannten „Trog“ für den Kellerbahnhof bauen. Die Betonschale ist ein Riesending – so riesig, dass der Bahn bisher kein Angebot einer Firma vorliegt, die sich zutraut, das Ding zu bauen. Die Bahn weiß nicht, wer ihr die Grube ausheben sollte, aber sie ist sich mit der Polizei schon mal einig, dafür die Flächen räumen und die Bäume fällen zu lassen. Der grüne Ministerpräsident taucht ab. Die Baumbesetzer_innen von ROBIN WOOD bleiben oben.

Hintergrund S 21

Sonderzeitung Stuttgart 21 – Ein Projekt gegen Recht und Gesetz

Aktion, Süd-West, Verkehr
7. Februar 2012

S 21: Polizei und DB sind sich einig / Augen auf am nächsten Wochenende

Das Kommunikationsbüro der DB AG teilte heute morgen auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd mit, dass Polizei und Bahn  sich über einen Termin zur Räumung des Schlossgartens und Fällung der dortigen Bäume einig seien. Den verraten sie aber nicht, damit die Bürger_innen den Landesdienern oder gar der bundeseigenen Bahn nicht noch mehr in die Quere kommen. “Gelebte Transparenz” könnte Landesvater Kretschmann nun erneut sein Lob auf die Polizei beim von der Bahn vorgezogenen Abbruch des Südflügels ausbringen. Aber nein, der Ministerpräsident ist gar nicht dabei, sondern erklärt per offenem Brief auf Facebook, dass die Volksabstimmung ihm endlich die Legitimation verschafft hat, jeden Mist in der Projektplanung von Stuttgart 21 zuzulassen und sich nicht weiter einzumischen, bl0ß weil er von ein paar weniger Leuten als bei der Volksabstimmung zum Ministerpräsidenten gewählt wurde: ‘Wer meint, die Landesregierung und insbesondere ich als Ministerpräsident könnten oder müssten das Projekt über Schwächen noch endgültig zu Fall bringen, dem muss ich ganz klar sagen, dass ich dies nicht machen werde.’ Ein paar dieser für die Landesregierung zwar teuren aber lässlichen “Schwächen” finden Sie hier.

In der Autostadt Stuttgart soll ein Bahnhofsabriss möglichst wenig den Berufsverkehr auf der Straße behindern. Deswegen Augen und Ohrenschützer auf und am kommenden Wochenende (11/12.2.) warm anziehen! Zur aktuellen Lageeinschätzung hier lang.

Aktion, Süd-West, Verkehr
31. Januar 2012

S 21: DB zieht Abriss Südflügel mindestens sieben Monate vor

Riesige Abrissscheren zernagen seit gestern den Südflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Der Abriss des Nordflügels im August 2010 war im Bauablauf stark vorgezogen, um deutlich vor der Landtagswahl unumkehrbare Fakten zu schaffen. Der Abriss eines denkmalgeschützten Gebäudes ist ein ebenso unumkehrbares Faktum wie die Fällung eines Jahrhunderte alten Baumes. Für die Vorverlegung des Abrisses aus politischen Gründen  veranschlagte der damalige Projektleiter der DB AG für Stuttgart 21, Hany Azer, laut einem internen Dossier Mehrkosten von 600.000 Euro. Kurz nach Veröffentlichung des Dossiers im April 2011 ist oder wurde Azer gegangen. Während der Schlichtung im Oktober 2010 behauptete Grube, ein Aufschub des Abrisses vom Südflügel sei ein Signal des guten Willens an die Projektgegner. Wiederholt versuchte er, sich den temporären Nicht-Abriss versilbern zu lassen. Vertrauliche S21-Planungsunterlagen, die dem Magazin “stern” bereits im Oktober 2010 vorlagen, besagen jedoch, dass der Abriss des Südflügels erst in einem halben Jahr, laut Bauablauf am 20. August 2012, von der Bahn vorgesehen war.

Baumhaus im Stuttgarter Schlossgarten, Januar 2012

Die Räumung des Schlossgartens und Fällung der Bäume ist für die grüne Landesregierung in ihrer politischen Symbolik noch brisanter. Ministerpräsident Kretschmann flüchtet sich in Sekundärtugenden, um seine Verantwortung für falsche Entscheidungen schön zu reden: “Gelebte Transparenz” seien die “polizeilichen Maßnahmen”. Ein widerrechtlicher Abbruch von Bahninfrastruktur wird nicht besser, wenn man ihn transparent gestaltet und auch ein gläserner Knüppel tut weh. Aktuell deutet vieles auf einen Polizeieinsatz übermorgen, 2. Februar, oder Montag, 6. Februar, hin.

Aktion, Süd-West, Verkehr
30. Januar 2012

S 21: „Gelebte Transparenz“ – Bahn reißt Südflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs ein

Heute um 13 Uhr begann die DB AG mit dem Abriss des Südflügels des Stuttgarter Hauptbahnhofs. In einem Brief vom 25. Januar lobt Ministerpräsident Kretschmann, Grüne, den Polizeieinsatz zur Absperrung des Südflügels:  „Die Transparenz der polizeilichen Maßnahmen wurde nicht nur angekündigt, sondern vor, während und unmittelbar nach dem Einsatz auch so gelebt.“ Gelebte Transparenz – von Anwesenden als gefühlter „Kuscheltod“ beschrieben – das klingt nach Wohlfühl-Rhetorik-Seminar und so gar nicht nach Kampfausrüstung und Abrissbirne. Ist trotzdem das gleiche drin: Die Baden-Württembergische Landesregierung setzt den widerrechtlichen Abbau von Bahninfrastruktur polizeilich durch, ein Schritt weiter zur teuersten Bahnhofsruine mit angeschlossenen Einkaufszentrum der Republik.

Aktion, Blog, Robin Wood regional, Süd-West, Verkehr
22. Januar 2012

37 Bäume fallen für den nicht planfestgestellten Fildertunnel

In einer erneuten nächtlichen Aktion ließ die Deutsche Bahn gestern ein martialisches Polizeiaufgebot aufrücken, um das Fällen von 37 Bäumen neben dem Wagenburgtunnel zu sichern. Diese nun gefällte und gehäckselte Bäume sind die jüngste Zeugen der Politik des “Fakten-Schaffens” der Deutschen Bahn. Der Projektsprecher Wolfgang Dietrich verteidigt die Fällungen mit den Worten:

„Man muss Gas geben und Maßnahmen abarbeiten, die möglich sind.“

Aber nur weil etwas „möglich“ ist, heißt noch lange nicht, dass es nötig, rechtens oder sinnvoll ist! Es gab definitiv keine Eile, diese Bäume zu fällen, dennoch ist der Bauabschnitt, für den sie laut der Deutschen Bahn gefällt werden “mussten,” den Fildertunnel-Abschnitt, nicht einmal planfestgestellt! Vielmehr gestaltet sich die technische Ausführung dieses Abschnitts als äußerst schwer und einige schwerwiegende Probleme bleiben bisher vollkommen ohne Lösung.

Bericht der gestrigen Aktionen:
Im Anschluß an der gestrigen Großdemonstration vor dem Hauptbahnhof zogen einige Demonstrant_innen richtung Wagenburgtunnel, besetzten dort die Kreuzung um auf die kommende Fällarbeiten aufmerksam zu machen und positionierten sich schützend um die Bäume. Ein Robin Wood Aktivist besetzte einen der größeren Bäume auf dem Gelände. Stundenlang harrten die Demonstrant_innen bei starkem Wind und kaltem Regen aus und als der Abend voranschritt, kamen immer mehr dazu. Am späten Abend umzäunte schließlich die Polizei das Areal; zu diesem Zeitpunkt befanden sich etwa 50 Demonstrant_innen innerhalb des eingezäunten Bereiches und einige Hunderte außerhalb der Absperrung.

Nach und nach wurden mehrere Demonstrant_innen von dem Areal getragen oder hinausbegleitet. Als am Ende nur noch der Kletterer im Baum und den Polizeikontakt der Parkschützer am Boden waren, fuhren SEK-Beamten zusammen mit einem Unimog mit ausfahrbarem Kran auf das Gelände um den Robin Wood Aktivist aus dem Baumwipfel zu holen. Nach Feststellung der Personalien wurden alle wieder freigelassen.

Um etwa halb eins waren die Baumfällungsmaschinen und einen Häcksler vor Ort und die Firma Döbler Rodungen GmbH fing mit den vorbereitenden Maßnahmen für die Fällungen an. Knapp eine halbe Stunde später und nachdem die ersten Bäume gefällt wurden, konnte eine kleine Gruppe von Demonstrant_innen durch die Polizeiabsperrung gelangen. Plötzlich herrschte Hektik unter den Polizeibeamten; offensichtlich hat jemand nicht genau aufgepasst. Jedenfalls konnten zwei Aktivisten auf die sogenannte Baumschere, eine befahrbare Rodungsmaschine, gelangen. Einer davon konnte knapp eine Stunde oben bleiben, bevor er in einem von der SEK riskanten Manöver vom Arm der Baumschere geholt wurde. Unseres Wissens nach rief die Polizei weder beim Feuerwehr an, um Rettungstücher anzufordern noch sorgten sie selber für die Sicherheit des Aktivisten, der ungesichert auf dem gebeugten, rutschigen Arm in gefährlicher Höhe saß. Auch dies verurteilen wir aufs Schärfste!

Jedoch war das Verhalten der Polizei nicht nur in dem Fall alles andere als deeskalierend. Während die kleine Gruppe von Aktivist_innen zur Baumschere gerannt sind, eine Einheit der Polizei hinterher, sind weitere Einheiten zur Absperrung gerannt. Mehrere Beamten lieferten ein abscheuliches Bild ab, als sie lächelnd und freudig ihre Schlagstöcke zuckten und auf die Absperrung gerannt sind. Man könnte meinen, einige hätten sich sehr gerne ein Paar Demonstranten „verdroschen.“ Soviel zur polizeilichen Taktik der Deeskalation… Und das Anti-Konflikt-Team? Sie haben sich (schon wieder) in Null Komma Nix aus dem Staub gemacht, sobald ein Konflikt zwischen Polizei und Demonstrant_innen wirklich drohte.

Nachdem der Baumschere-Besetzer heruntergeholt wurde, wurde er zusammen mit einigen Demonstrant_innen auf der Straße zur Personalienfeststellung mitgenommen. Dort konnten die Demonstrant_innen beobachten, wie die Beamten, viele sehr jung, sich über die Demonstrant_innen lustig gemacht haben. Vielmehr wurde es aber regelrecht unmenschlich als zwei Beamten mit einem Lächeln forderten, dass der komplett durchnässte und durchfrorene Baumschere-Besetzer aus dem Durchsuchungsgebäude und in die Kälte zum Warten gebracht werden sollte. Sie hätten das gerne gesehen und was anderes hätte er nicht verdient, sagten sie. Da braucht man sich als Polizist_in nicht wundern, wenn Demonstrant_innen vor ihnen keinen Respekt haben oder gar den Menschen hinter der Rolle Polizist_in nicht mehr erkennen können…

Aktion, Süd-West, Verkehr
9. Januar 2012

S 21: OB Schuster geht von Bord

Der Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster hat heute bekannt gegeben,  im Herbst nicht für eine Wiederwahl zu kandidieren. Anlässlich des Volksentscheides über den Ausstieg des Landes Baden-Württemberg aus der Finanzierung des Kellerbahnhofs Stuttgart 21 hatte Schuster alle Stuttgarter Wahlberechtigten namentlich angeschrieben und mit falschen Behauptungen für ein Nein zum Ausstieg geworben. Amtsmissbrauch und bewusste Wählertäuschung wurden ihm daraufhin vorgeworfen. Eingesetzt hat er für diese S21-Werbung 130.000 Euro aus der Stadtkasse, vor allem aber höchstwahrscheinlich das amtliche Wählerverzeichnis, um das ihn jede PR-Agentur heiß beneidet.

Solar-Café am Südflügel. Foto: Robin Wood

Unmittelbar bevor könnte der Abriss des Südflügels vom denkmalgeschützten Bonatz-Bau stehen. Im Bauablauf macht der Abriss jetzt keinen Sinn, da die Baustelle erst eingerichtet werden kann, wenn die aufwändigen Arbeiten zum Abpumpen des Grundwassers abgeschlossen sind. Den Arbeiten am so genannten Grundwassermanagement und damit auch den Baumfällungen im Schlossgarten hat der Verwaltungsgerichtshof Mannheim aber am 16. Dezember einen Baustopp verordnet. Nun ist zu befürchten, dass die Bahn vorrangig soviel wie möglich vom alten Bahnhof kaputt macht – um sich entweder den Bau eines vermurksten Tunnelbahnhofs oder die Instandsetzung eines ruinierten Kopfbahnhofs bezahlen zu lassen.

Von der Sonderzeitung zu Stuttgart 21 vom Bündnis Bahn für Alle, “Ein Projekt gegen Recht und Gesetz”, haben wir außer der bundesweiten Beilage zur Tageszeitung Taz am 30. Dezember 30.000 Exemplare zur Verteilung in Stuttgart gedruckt. Sie sind nach nur einer Woche vergriffen. Ein aktualisierter Nachdruck ist auf dem Weg. Herzlichen Dank an alle Spender_innen, die uns die Sonderzeitung ermöglicht haben!

Aktion, Blog, Süd-West, Verkehr
3. Januar 2012

16 zu 1: Wird im Stuttgarter Schlossgarten in diesem Winter für S 21 abgeholzt?

Foto: Grodotzki / ROBIN WOOD

Am 30. Dezember erschien die Sonderzeitung unseres Bündnisses Bahn für Alle in Zusammenarbeit mit der Internet-Plattform WikiReal zu Stuttgart 21. „Gegen Recht und Gesetz“ ist die große Überschrift auf der ersten Seite. Die Taz, der die Sonderzeitung beigelegt war, war an diesem Tag schon mittags in der Stuttgarter Innenstadt ausverkauft. Auf einer Pressekonferenz am Vortag legten wir dar, dass das Projekt Stuttgart 21 an zahlreichen Punkten gegen geltendes Recht verstößt, beim Denkmalschutz, bei der Planfeststellung, beim Naturschutz, bei der Finanzierung. Im Zentrum standen Enthüllungen zu Manipulationen beim Stresstest. Kei Andrews führte für ROBIN WOOD aus, dass die mit einem katastrophalen Polizeieinsatz durchgesetzten Baumfällungen im Stuttgarter Schlossgarten am 30. September 2010 („Schwarzer Donnerstag“) illegal waren und im Nachhinein mit einer lächerlichen Geldstrafe geahndet wurden. Sie warnte vor einer Wiederholung in den kommenden zwei Monaten: „eine Politik, in der erst gehandelt wird, und wenn es sich herausstellt, dass das Handeln widerrechtlich war…na der Schaden wurde ja schon angerichtet, Fakten wurden schon geschaffen…das Projekt konnte ein Stück weit „unumkehrbarer“ gemacht werden“.

Einen Tag später, am 30. Dezember, fordert das Stuttgarter Innenministerium von der Bahn, vor einem Großeinsatz zur Räumung eine verbindliche Erklärung über das Baurecht im Schlossgarten abzugeben. “Es kann nicht sein, dass die Polizei eine Baustelle schützt, die sich im Nachhinein als illegal erweist“, zitieren die Stuttgarter Nachrichten das Ministerium. Dem ist die Bahn bisher nicht nachgekommen. Die Stuttgarter Nachrichten zitieren jedoch heute den Bescheid des für die Baugenehmigung zuständigen Eisenbahnbundesamtes vom 5. Oktober 2010. Nach diesem Bescheid wurde bereits die Widerrechtlichkeit der Fällungen am „Schwarzen Donnerstag“ festgestellt. Es droht bei Zuwiderhandlung  ein Zwangsgeld von 250.000 € an. Die Landesregierung hat für den Einsatz im Schlossgarten 4 Millionen € bewilligt, Steuergelder. Damit kann sie nun eine widerrechtliche Fällung zum Preis von 250.000 € durchsetzen,  zu zahlen von der Bahn, einem Unternehmen, das sich zu hundert Prozent im Besitz des Bundes befindet. Die Wetten stehen 1 zu 16, dass hier 4,25 Millionen € von Land und Bahn ausgegeben werden, um Stuttgart eine Bahnhofsruine mit angeschlossenem Einkaufszentrum zu bescheren.

Die Wette gilt bis zum 29. Februar, 24:00 Uhr. Dann beginnt die Vegetationsperiode, in der nicht gefällt werden darf. Sie endet am 30. September, 24:00 Uhr. Die letzte Fällung erfolgte in der Nacht zum 1. Oktober. Auch die Bahn kann pünktlich sein.

Blog, Pressemitteilungen, Süd-West, Verkehr
29. Dezember 2011

4 x 8 = 49 ? Wie die Bahn S21 beim Stresstest schönredete

Stuttgart 21 ist ein Schienenrückbau-Projekt

“Wenn Ministerpräsident Kretschmann jetzt nicht die Notbremse zieht, wird Stuttgart demnächst einen teilabgerissenen Bahnhof mit angeschlossenem Einkaufszentrum haben – und für diesen Murks auch noch an die DB AG zahlen”, so die Zusammenfassung der heutigen Pressekonferenz von ROBIN WOOD-Verkehrsreferentin Monika Lege.

In der ehemaligen Eisenbahndirektion, die als weiteres Opfer für Stuttgart 21 fallen sollte und deren Mieter alle noch eilig am Ausziehen sind, fand heute die Pressekonferenz von “Bahn für Alle” zur morgigen TAZ Beilage statt. In der Beilage wird gezeigt, wie die Deutsche Bahn an mehreren Stellen schönrechnete, um auf eine akzeptable Anzahl von 49 durchfahrende Züge pro Stunde zu kommen. Auch wird dargelegt, warum Stuttgart 21 ein Schienen-Rückbau-Projekt ist und warum es als solches hätte beantragt werden müssen.

"Bahn für Alle" Pressekonferenz in der ehemaligen Eisenbahndirektion; Foto: Chris Grodotzki

Dr. Bernhard Knierim eröffnete die Pressekonferenz und stellte kurz die Redner_innen und die TAZ-Beilage vor. Danach sprach Walter Sittler, Stuttgarter Schauspieler und engagierter Widerständler gegen S21, darüber, warum der Widerstand nach der Volksabstimmung weitergeht. Kei Andrews, von der ROBIN WOOD Regionalgruppe Stuttgart, kam als nächste zu Wort und redete über Artenschutz, die Besetzung und bevorstehende Räumung im Mittleren Schlossgarten und die allgemeine Politik des “Fakten-Schaffens” bei Großprojekten. Als nächster redete Dr. Winfried Wolf, vom Bündnis Bahn für Alle, über das Projekt Stuttgart 21 als Schienenrückbau-Projekt. Dieses hätte demzufolge nach §11 des Allgemeinen Eisenbahngesetzes (AEG) auf Bundesebene beantragt und genehmigt werden müssen.  Analyst Dr. Christoph Engelhardt, vom WikiReal.org und der als Experte am Stresstest teilnahm, erklärte zuletzt, an welchen Stellen die Bahn beim Stresstest getrickst und misinformiert hat, um auf die gewünschte 49 Züge pro Stunde kommen zu können.

Cams21 und FlügelTV haben freundlicherweise die Pressekonferenz live übertragen und aufgenommen. Alle, die die Live-Übertragung verpasst haben oder nochmal anschauen wollen,können  die Videoaufnahmen von Cams21 und FlügelTV hier anschauen.

Hier findet Ihr auch weiteres zum Thema: Presseerklärung von “Bahn für Alle”.
Weitere Information zur Pressekonferenz und Stuttgart 21.

Die Rede von Kei Andrews könnt ihr auch hier als PDF-Datei herunterladen und nochmal lesen.

Aktion, Süd-West, Verkehr
16. Dezember 2011

S 21: Gericht stoppt wieder Bauarbeiten – Bahn will trotzdem im Januar roden

Heute erreichte uns die Meldung über die (nun wieder) erfolgreiche Klage des BUND gegen die 5. Planveränderung. Ursprünglich waren statt ein großes “Grundwassermanagement”-Komplex drei kleinere, verteilte Infiltrationswasseraufbereitungsanlagen und eine Überschusswasseraufbereitungsanlage geplant. Die 5. Planänderung wurde durch das Eisenbahn-Bundesamt ohne Beteiligung von dritten und ohne Rücksicht auf im Mittleren Schloßgarten lebenden geschützten Arten (wie z.B. der Juchtenkäfer) genehmigt. Der Verwaltungsgerichthof Mannheim schreibt in ihrem Urteil dazu:

Das Eisenbahn-Bundesamt hätte die Frage prüfen und planungsrechtlich bewältigen müssen, welche naturschutzrechtlichen Folgen der Bau dieser Nebenanlagen im Bereich des mittleren Schlossgarten insbesondere für die vom Juchtenkäfer besiedelten Bäume mit sich bringt. In diesem Zusammenhang hätte das Eisenbahn-Bundesamt den BUND im Planänderungsverfahren beteiligen müssen.

Ferner stellt der VGH Mannheim fest, dass das Eisenbahn-Bundesamt zum Zeitpunkt des Planänderungsverfahrens vom Vorkommen einer lokalen Population des Juchtenkäfers, einer europarechtlich streng geschützten Art, im Mittleren Schlossgarten wusste. Weiter heißt es, dass:

[...] die Frage, ob der Bau der Rohrleitungen, Grundwassermessstellen und Infiltrationsbrunnen im Mittleren Schlossgarten zu relevanten Beeinträchtigungen dieser Population führe und welche verbindlichen Maßnahmen zum Schutz dieser Population ggf. zu ergreifen seien, schon im Rahmen des Planänderungsverfahrens zu bewältigen gewesen und hätte nicht der Bauausführung vorbehalten werden dürfen.

Nun stehen wir wieder vor einer ähnlichen Situation wie am 30.09.2010, als die Bahn mit dem Bau des Grundwassermanagements und der gewaltsamen und in mindestens einem Fall illegalen Fällung der ersten Bäume im Mittleren Schlossgarten angefangen hat. Unseres Wissens nach gibt es nachgewiesene Bestände des Juchtenkäfers im Teil des noch bestehenden Mittleren Schloßgartens. Das Kommunikationsbüro für das Projekt S21 der DB AG äußerte sich heute aber zum VGH-Beschluss mit den höhnischen Abschlussworten:

Die im Januar geplanten bauvorbereitenden Maßnahmen wie der Rückbau des Südflügels oder die Freimachung des Baufeldes im Mittleren Schlossgarten sind davon unberührt und werden unverändert umgesetzt.

Die Bahn ist also im Begriff ihre schon begangenen Fehler zu wiederholen. Zwar spricht sie davon, dass mit „zusätzlichen Auflagen zum Artenschutz zu rechnen“ sei, doch urteilt sie schon voreilig über die Bäume im Mittleren Schlossgarten, welche das Habitat weiterer Populationen des Juchtenkäfers sind.

Manche Kritiker werden nun vielleicht sagen, „Na und? Ist ja nur ein Käfer.“ Dennoch stellt diese besondere Käferart eine Schlüsselart dar und steht stellvertretend für die Artenvielfalt im gesamten Park. Außerdem legt dieser Vorfall nun noch einmal deutlich die wahre Politik der Bahn bloß: erst machen und wenn der Schaden schon verrichtet ist, dann einfach eine Strafe kassieren. Die Bahn will ja schließlich, egal was kommt, weiterbauen.

Aktion, Süd-West, Verkehr
20. November 2011

S 21: Richtfest für´s Baumhaus

+++  Bau im Bild +++

foto: chris grodotzki/visual-rebellion.com

Seit gestern bauen ROBIN WOOD-Aktive ein Baumhaus im Stuttgarter Schlossgarten, Boden und Dach sind bereits fertig. Die alte Platane, in der arbophilen Bauarbeiter_innen am Werk sind, wächst nur einen Kastanienwurf entfernt von der Baustelle für die Pumpenanlage, mit der DB AG für den Bau eines Tiefbahnhofs fast 7 Millionen Kubikmeter Grundwasser bewegen will.

Gut besucht war auch der Infostand neben der mit Flatterband gesicherten Baum-Baustelle. Vor allem Kinder verfolgten mit großer Begeisterung die Bauarbeiten in 17 Metern Höhe, während die Erwachsenen sich über die Ausschreibung der Bahn für Baumrodungen und –fällungen und über den Volksentscheid am kommenden Sonntag austauschten. Die Aktion von ROBIN WOOD erfährt viel Zuspruch, nicht nur in Worten sondern auch kulinarisch. Besucher_innen übernahmen spontan das Baustellen-Catering und brachten warmes Mittagessen und später veganen Sonntagskuchen.

Die Aktion steht unter dem Motto „Do it yourself – Demokratie geht anders“. ROBIN WOOD weist damit darauf hin, dass die Baden-Württembergische Landesverfassung für einen Volksentscheid eine wesentlich höhere aktive Zustimmung der Bürger_innen fordert als für die Wahl einer gesetzgebenden Landesregierung.

Morgen um 18 Uhr beginnt in Stuttgart die 100. Montagsdemo für den Erhalt des Kopfbahnhofes.

Mehr Bilder vom Häuslebau finden Sie hier. Mehr zum Hintergrund von S 21 finden Sie hier.