Energie
19. Oktober 2011

Atommüll in Morsleben – weder sicher noch unabhängig

Seit letzter Woche findet das Erörterungsverfahren für die vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) beantragte endgültige Schließung des Atommülllagers Morsleben statt. Dort lagern überwiegend leicht- und mittelradioaktive Atomabfälle aus der ehemaligen DDR und den westdeutschen Atomkraftwerken. Weltweit zum ersten Mal soll eine solche Atommülldeponie nun für die Ewigkeit verschlossen werden.

Doch wie Unabhängig ist ein solches atomrechtliches Verfahren? Gleich zum Auftakt des Eröterungstermins stellte sich heraus, dass der bisherige Leiter für das Genehmigungsverfahren bei der zuständigen Behörde in Sachsen Anhalt, Horst Seida, sich beim Antragsteller BfS auf  eine “Projektstelle Morsleben” beworben hatte. Das zuständige Umweltministerium hatte Seida zwar deshalb kurz vor Beginn des Erörterungstermins von seinen Aufgaben in dieser Sache entbunden. Aber natürlich stellt sich massiv die Frage, wie unabhängig die Abteilung unter Seida die Antragsunterlagen des BfS behandelt hat.

Eng verbunden mit Sachsen-Anhalt und dem Umweltministerium ist auch der heutige Chef des BfS, Wolfram König.  Zwischen 1994 und 1998 war König grüner Staatssekretär im Umweltministerium Sachsen-Anhalt und in dieser Funktion für das Atommüllager Morsleben zuständig. Allerdings: Damals verlangte die damalige rot-grüne Landesregierung in Sachsen-Anhalt mehrfach von der Bundesregierung die Schließung von Morsleben, weil dieses nicht sicher wäre. Angela Merkel, damals Bundesumweltministerin, setzte sich über diese Bedenken hinweg. Erst ein Gericht stoppte schließlich die weiteren Einlagerungen von Atommüll.

Gegen die entgültige Schließung des Lagers gibt es massive Sicherheitsbedenken. Wie das havarierte Atommülllager ASSE II handelt es sich bei Morsleben um einen Salzstock, der jahrzehntelange für die Salzgewinnung ausgehöhlt wurde. Daher ist die Stabilität des Salzbergs gefährdet und es gibt Probleme mit einem möglichen Wasserzutritt. Mehrfach kam es zu Deckeneinstürzen in Morsleben und von 2003 bis Mai 2011 hat das BfS zahlreiche Stollen mit Salzbeton “notverfüllt”.  Damit aber sind nur etwa ein Fünftel des gesamten ausgehöhlten Volumens aufgefüllt. Um zu verhindern, dass Wasser in die Lager mit Atommüllfässern eindringt, soll im Rahmen der Schließung – sollte diese genehmigt werden – der gesamte Salzstock verfüllt werden. Die Gesamtkosten werden auf gut zwei Milliarden Euro geschätzt. Kosten, die fast ausschließlich von den SteuerzahlerInnen gezahlt werden sollen.

AtomkraftgegnerInnen bezweifeln, dass das jetzt beantragte Schließungskonzept die für viele zigtausend Jahre erforderliche Abschirmung der radioaktiven Abfälle von der Umwelt sicher stellen kann. ROBIN WOOD hat im Rahmen des Genehmigungsverfahrens mit einer Einzeleinwendung auf die enormen Probleme hingewiesen. Alternativen, wie z.B. die komplette Rückholung der Abfälle aus dem maroden Salzstock sind durch das BfS nur oberflächlich geprüft worden. Mehr zum Atommülllager Morsleben hier.

Der Erörtertungstermin soll noch etwa bis Mitte November andauern.

Energie
14. September 2011

Atommülllagerung: Sicherheitskriterien vor Standortdebatte

Der Chef der dem Bundesumweltministerium unterstellten Entsorgungskommission, Michael Sailer, sorgt mit einer Initiative zur Suche alternativer Standorte für die dauerhafte Lagerung hochradioaktiven Atommülls für Bewegung in der Endlagerdebatte. Statt ausschließlich an Gorleben festzuhalten, fordert er eine bundesweite Endlagersuche, in der vier bis fünf Standorte untersucht werden. Diese seien durch ein fundiertes Auswahlverfahren bis spätestens 2015 zu bestimmen – und dann untereinander sowie mit Gorleben zu vergleichen.

Für ein zum Herbst/Winter 2011 vom Bundesumweltministerium angekündigten Entwurf für ein Endlagersuchgesetz fordert Sailer laut taz: “In so ein Gesetz muss folgendes rein: 1. Dass es ein transparentes Verfahren gibt, 2. Wer entscheidet, 3. Wie konkret die Bürgerbeteiligung aussieht und 4. Ein Zeitplan, der unter anderem vorsieht, dass man bis 2014 oder 2015 die vier bis fünf Standorte für die vertiefte Prüfung bestimmt hat.”

Diese Initiative von Michael Sailer ist sicherlich zu begrüßen. Allerdings bleibt die entscheidende Frage unerwähnt: Welche Sicherheitskriterien sollen für die dauerhafte Lagerung von hochradioaktiven Atommüll eigentlich gelten? Nur wenn die klar sind, kann man unterschiedliche Standorte überhaupt vergleichen.

Bis heute ist diese Frage der Sicherheitsanforderungen nicht beantwortet. Als in Gorleben mit den Untersuchungen begonnen wurde, war z.B. ein geschlossenes Deckgebirge über dem Salzstock als unabdingbar angesehen worden. Als man dieses aber vor Ort nicht fand, wurde es von den zuständigen Behörden für nicht mehr zwingend erklärt.

Dass grundsätzlich zu definierende Sicherheitsanforderungen jeweils nach örtlichen Gegebenheiten einfach angepasst werden, zeigt sich drastisch auch bei dem Atommülllager Morsleben. Selbst nach Aussagen des Bundesamts für Strahlenschutz ist das Lager nicht sicher und hätte niemals zu einen Endlager gemacht werden dürfen. Doch statt den dort eingelagerten Atommüll rauszuholen, soll nun der endgültige Verschluss genehmigt werden. Technische Maßnahmen sollen nun die fehlenden geologischen Voraussetzungen ersetzen. (Mitte Oktober beginnt ein entsprechender Erörterungstermin Morsleben.)

Ohne solche zuvor festgelegten Sicherheitsanforderungen kann eine Endlagersuche keinen Sinn ergeben.

Mehr zum Thema Atommüll.

 

Aktion, Energie, Welt retten
10. Dezember 2009

Aktionen gegen die Morsleben-Stillegung

Seit heute Mittag protestieren mehrere ROBIN WOOD Kletter_innen auf auf Fahnenmasten und auf dem Vordach des Sachsen-Anhaltinischen Umweltministerums gegen die Stilllegung des Atom-Endlagers Morsleben.

Morsleben-Kletteraktion in Magdeburg

Morsleben-Kletteraktion in Magdeburg (Foto: ROBIN WOOD)

Bereits am Montag hatten Aktive des das Anti-Atom-Netzwerks ContrAtom das Fördergerüst von Schacht Marie, einem der Schächte, die ins Endlager-Bergwerk führen, erklettert (Video).

Contratom-Aktion am Schacht Marie (Foto: Hanna Poddig, ContrAtom)

Contratom-Aktion am Schacht Marie (Foto: Hanna Poddig, ContrAtom)

Obwohl das Salzbergwerk auf keinen Fall für die nur halbwegs sichere Endlagerung von Atommüll geeignet ist, und es nur eine Frage von Jahren ist, bis das radioaktive Inventar in die Biosphäre gelangt, soll es nun endgültig verschlossen werden.

Das ERAM liegt nahe dem ehemaligen Grenzübergang Marienborn. Während der Nazi-Diktatur wurde das Salzbergwerk als Arbeitslager zur Waffenproduktion genutzt, in der DDR diente es als Lagerstätte für Radioaktive Abfälle aus verschiedenen DDR-Atomkraftwerken. Nach der Wende wurde hier Atommüll aus dem Westen eingelagert — zu Schleuderpreisen. Die Lagerungszustände sind ebenso gravierend wie in der Asse: Verkippte, aufgeplatze Atommüllfässer, mehrere Wasserzutrittsstellen und keinerlei geologische Eignung des Salzstocks für ein Endlager.

Noch bis zum 21. Dezember können Einwende gegen die geplante Schließung des Atommülllager Morsleben erhoben werden.

Energie
9. Dezember 2009

Strahlendes Klima?

Atomgefahren statt Klimaschutz. Das kann nicht die Antwort sein. Im Atommülllager Morsleben sollen die radioaktiven Hinterlassenschaften der Atomindustrie für die Ewigkeit einbetoniert werden. Dagegen können noch bis zum 19. Dezember Einwendungen erhoben werden. Jede und Jeder kann mitmachen! Vordrucke für Sammeleinwendungen können unter www.robinwood.de/morsleben heruntergeladen werden. ROBIN WOOD empfiehlt: Leistet Widerstand! Macht mit!