Aktion, Blog, Klima, Verkehr, Wald
11. Mai 2011

Öffentlicher Druck wirkt: Fraport zieht Strafantrag gegen Flughafenausbau-Gegnerin zurück

Gestern fand vor dem Amtsgericht Rüsselsheim ein Prozess gegen die Flughafenausbaugegnerin Franziska statt, der nach Baumbesetzungen im inzwischen zerstörten Kelsterbacher Wald im Frühjahr 2009 dreifacher
Hausfriedensbruch vorgeworfen wurde.  Das Verfahren wurde im Verhandlungsverlauf eingestellt, nachdem der Betreiber des Frankfurter Flughafens, Fraport AG, die Strafanzeigen zurückzog.

Camp im Kelsterbacher Wald 2008/9

Die Aktionen, die Franziska zur Last gelegt wurden, fanden im Rahmen des Protestes gegen den Bau der Landebahn Nordwest und konkret anlässlich der damit zusammenhängenden Rodung von 250 ha Wald im Frühjahr 2009 statt.  „Ich lebte damals dort im Widerstandsdorf. Als dann im Frühjahr 2009 die Rodungsarbeiten begannen, fand ich: Wir können doch nicht ohne Widerstand zulassen, dass der Flughafen immer weiter ausgebaut wird. Es grenzte meiner Meinung nach an Wahnsinn, zusätzliche Flugbewegungen zu ermöglichen, obwohl die katastrophalen Auswirkungen des Klimawandels weltweit längst bekannt sind und gleichzeitig der zunehmende Fluglärm für die Anwohner_innen immer belastender wird“,  so Franziska.

Noch vor der Einlassung zur Sache wurde Horst Amman, der zuständige Leiter des Flughafenausbaus in den Saal gerufen. Er gab bekannt, die Fraport AG würde ihre Strafanträge zurückziehen. Diese Zurücknahme bliebe aber auf den Einzelfall beschränkt und es solle kein Präzedenzfall geschaffen werden. Daraufhin stellte das Gericht das Verfahren nach § 206a ein, da Hausfriedensbruch nur auf Antrag verfolgt werden darf.

ROBIN WOOD-Baumhaus im Kelsterbacher Wald 2008/9

Dem vorausgegangen waren offensichtlich Gespräche zwischen dem Gericht und Herrn Amman in den Sitzungspausen sowie mehrere Telefonate mit Entscheidungsträger_innen der Fraport. Zuvor hatten mehrere Menschen außerhalb des Saales bei als Zeug_innen geladenen Angestellten der Fraport AG kritisch nachgefragt, weshalb denn überhaupt noch verhandelt werde. Es läge doch bereits seit April 2010 ein öffentliches Schreiben der Fraport AG an den Kreistag des Landkreises Groß-Gerau vor, in dem die Fraport AG erklärte, die Verfahren würden nur noch aufgrund eines öffentlichen Interesses, das die  Staatsanwaltschaft sehe, verfolgt.

Der genannten Brief war unter anderem von Thomas Vitzthum, Fraport-Prokurist, unterzeichnet worden. Dieser hatte  auch die Strafträge gegen Franziska unterzeichnet. „In der Zurücknahme der Strafanträge ist kein freundliches Entgegenkommen der Fraport zu sehen, sondern diese ist auf politischen Druck hin geschehen.“, so ein Unterstützer, „Der Konzern befand sich in Erklärungsnot, als nun bekannt wurde, dass die Fraport immer noch Ausbaugegner_innen verfolgen lässt, obwohl nach außen propagiert wurde die Flughafenbetreiber-AG hätte damit längst nichts mehr zu tun.“

zur vollständigen Pressemitteilung zum Prozess gestern

Prozess, Verkehr
18. März 2011

Flughafen Frankfurt: Prozesse gegen Ausbaugegner_innen

Angesichts der Katastrophe in Japan erscheint jedes andere Thema geradezu lächerlich. Doch unsere Aktiven können sich den Zeitpunkt ihrer Gerichtsverfahren nicht aussuchen. Und so stehen in den kommenden Wochen erneut Flughafengegner vor Gericht.

Mit mutigen Aktionen hatten sie sich dem Ausbau des Frankfurter Flughafens entgegengestellt. Die AktivistInnen wollten es nicht hinnehmen, dass 300 ha Bannwald verschwinden und die Fläche mit Beton versiegelt wird. Sie kritisieren, dass der Flughafenausbau gegen den Großteil der Anwohner durchgesetzt wurde, diese aber die Folgen zu tragen haben infolge einer vielfach erhöhten Lärmbelastung und dem Verlust eines wichtigen Naherholungsgebietes. Als katastrophal sehen sie die Pläne der Flughafenbetreiberin, zu Zeiten des Klimawandels auf 700.000 Flugbewegungen/Jahr aufzustocken. Auch die Bedeutung als Abschiebeflughafen wollten die AktivistInnen thematisieren.

Baumbesetzung gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens

Baumbesetzung gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens

Am 08. Mai 2009 fand eine Abseilaktion an einer Brücke statt, um gegen den ersten Spatenstichs zum Bau der neuen Landebahn zu protestieren. Gegen einen der Kletterer wird am 21. März in zweiter Instanz verhandelt. Der Prozess findet um 09:00 Uhr, LG Mainz (Diether-von-Isenburg-Straße), Gebäude A, Saal 201 statt. Update: Der erste Prozesstag ist vorbei. Die Verhandlung wird fortgesetzt am 4. April um 9:00 Uhr.

Protest vor dem ersten Prozesstag

Protest vor dem ersten Prozesstag

Wegen Baumbesetzungen im Rahmen des Widerstands gegen den Bau der Landebahn und die damit verbundene Waldrodung im Frühjahr 2009 sowie eine Ankettaktion bei der Räumung des Hüttendorfes steht am 29. März eine Aktivistin vor Gericht. Vorgeworfen wird ihr Hausfriedensbruch in drei Fällen. Im Februar 2010 fand bereits ein erster Verhandlungstag statt, der jedoch schon nach einer Stunde vertagt wurde. Der Prozess wird fortgesetzt am 29. März 2011, um 09:00 Uhr, Amtsgericht Rüsselsheim (Johann-Sebastian-Bach-Str. 45), Saal 01.

Besuch und Unterstützung ist erwünscht, eine breite Öffentlichkeit hilft den AktivistInnen enorm in ihrer Verteidigung.

von Aglaia Abel

Update: Hier gibt es einen Flyer zum Prozess…

Verkehr
24. Februar 2011

S21: Offener Brief zu persönlichen Gesprächen

In der vergangenen  Woche wurden einzelne Gegner und Kritiker von Stuttgart 21 von Professor Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), angerufen und zu einem persönlichen Gespräch gebeten. Drei der Angesprochenen haben Herrn Wörner nun in einem Offenen Brief eine Absage erteilt und stattdessen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer zum Gespräch eingeladen über den Verkehrsknoten Stuttgart, die Zukunft der Mobilität und eine Bahn mit integralem Taktfahrplan.

Sie begründen ihre Absage damit, dass Professor Wörner gegenüber der Presse erklärt hatte, er wolle in einem neuen Dialogforum „alle an der Umsetzung des Bahnprojekts interessierten Gruppen“ einbinden. Die Unterzeichnenden fordern von Minister Ramsauer als oberstem Dienstherrn der Bahn die Durchsetzung eines Baustopps für Stuttgart 21 und Wendlingen-Ulm.

Bitte fordern auch Sie von Minister Ramsauer einen Kurswechsel der Bahn statt Stuttgart 21. Seit Samstag wurden in Stuttgart hierzu mehr als 10.000 Postkarten verteilt. Mehr Infos finden Sie im frisch aufgelegten Reiseplan.

Prozess, Verkehr, Welt retten
22. Februar 2011

Der Flughafen ist nicht der Fraport Ihr Wohnzimmer – Demonstrationsrecht in Flughäfen und Bahnhöfen gestärkt

Das Bundesverfassungsgericht hat Demonstrationen mit einem Urteil vom 22. Februar im Frankfurter Flughafen erlaubt. Diese Versammlungsfreiheit gilt auch für Bahnhöfe, Häfen oder kommunale Einkaufszentren, wenn sich diese öffentlich genutzten Räume mehrheitlich in staatlichem Besitz befinden, heißt es in dem Urteil.

Anlass des Urteils ist die Klage einer Aktivistin der „Initiative gegen Abschiebungen“, die sich gegen  Abschiebungen unter Mitwirkung privater Fluggesellschaften wendet. Nachdem sie mit fünf weiteren Mitgliedern in der Abflughalle des Frankfurter Flughafens im März 2003 an einem Abfertigungsschalter Flugblätter verteilt hatte, erteilte ihr die Fraport AG ein „Flughafenverbot“ mit dem Hinweis, dass gegen sie ein Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs erstattet werde, sobald sie erneut „unberechtigt“ auf dem Flughafen angetroffen werde.

Auch mehrere ROBIN WOOD-Aktive haben bereits wegen demonstrativer Aktionen gegen Flughafenausbau und für Klimaschutz von Fraport Flughafenverbot erhalten. ROBIN WOOD hatte daher den Gang nach Karlsruhe unterstützt. Die Deutsche Bahn AG ist ebenso bestrebt, mit dem Mittel des Hausverbots ihre Immobilien frei von politischer Meinungsäußerung zu halten. Ein schöner Satz aus der Karlsruher Urteilsbegründung: „Ein vom Elend der Welt unbeschwertes Gemüt des Bürgers ist kein Belang, zu dessen Schutz der Staat Grundrechtspositionen einschränken darf.“

Wie die Rechte z.B. in privaten Ladenpassagen aussähen, ließ der erste Senat des Gerichts offen.

Monika Lege und

Verkehr
30. Oktober 2010

Reiche Landung für Koch

Roland Koch, der bis vor kurzem noch amtierende hessische Ministerpräsident (CDU), wechselt zum Bauunternehmen Bilfinger Berger. Als Vorstandsvorsitzenden des Konzerns wird er 1,5 Millionen Euro pro Jahr verdienen.

Für uns ist das ein Beispiel, das den Filz zwischen Politik und Wirtschaft wieder offensichtlicher werden lässt.

Bilfinger Berger ist mit einem 80-Millionen-Euro-Auftrag am Bau der neuen Landebahn des Frankfurter Flughafens beauftragt – einer von vielen Aufträgen welche die Baufirma vom Land Hessen erhalten hat. In seiner Vergangenheit als Ministerpräsident machte Koch sich für den umstrittenen Ausbau des Flughafens stark. Er selbst war zwischen 1999 und 2003 Aufsichtsratschef der Frankfurter Flughafenbetreibergesellschaft.

Böse Zungen könnten behaupten: Koch baut nun die Landebahn, die er zuvor durchgesetzt hat.
“Nachträgliche Korruption” nannte es der erst kürzlich verstorbene Hermann Scheer, wenn Politiker in Firmen wechseln denen gegenüber sie vorher – nun nennen wir es – freundlich gesinnt waren.

Geschrieben von Aglaia Abel und

Aktion, Klima, Verkehr
3. Juni 2010

Luftiger Kommentar zu Klimaverhandlungen

In Bonn laufen die UN-Klimaverhandlungen. Proteste aber gibt es nicht nur vor Ort. In Frankfurt machen ROBIN WOOD-AktivistInnen heute morgen mit einer Kletteraktion deutlich, was Klimaschutz für sie bedeutet.

Aktivist_innen von Robin Wood haben den Baukran der Landebahn-Baustelle am Frankfurter Flughafen gekapert (Foto: ROBIN WOOD / Häfner)

„Save the Climate – Stop Airport Expansion“ (Rettet das Klima – Stopp Flughafenausbau) – ein rund 130 Quadratmeter großes Transparent mit dieser Forderung haben vier ROBIN WOOD-AktivistInnen auf einen Baukran an der Baustelle zur Autobahnüberführung (Rollbrücke West) am Frankfurter Flughafen gehängt. Die Baustelle ist Teil der Flughafenerweiterung. Ihre Botschaft: Wartet nicht darauf, dass die Regierungen das Klima retten.

Werdet selbst aktiv, baut Druck von unten auf und wehrt euch gemeinsam gegen extrem klimaschädliche Bauvorhaben wie den Ausbau von Flughäfen.

Mehr Infos zu Protesten und Veranstaltungen in Bonn.
Mehr zum Widerstand gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens.

Updates von vor Ort:

8:42 Uhr: Noch immer sind die Aktiven in luftiger Höhe, einige Pressevertreter sind anwesend und die Polizei und Fraport stehen unten herum.

9:30 Uhr: Die vier AktivistInnen sind jetzt abgestiegen und guter Dinge.

Aktion, Verkehr
25. Mai 2010

Koch geht

Schluß mit Baggern — Roland Koch geht. (Foto: Nils Bremer, Lizenz: CC BY-NC)

Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat heute seinen Rücktritt angekündigt. Diese Nachricht platzte mitten in die ROBIN WOOD-Proteste gegen die Eröffnung eines Teilstücks der A44 im hessischen Örtchen Helsa. Dort ist gerade zur Inszenierung des ersten Spatenstichs Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) und muss sich nun mit Journalistenfragen nach den Gründen für den Rücktritt von Koch auseinandersetzen. Posch erklärte, er habe aus Agenturmeldungen erfahren, dass Koch seine politischen Ämter niederlegen wolle. Es handle sich um eine persönliche Entscheidung des Regierungschefs. Koch selbst will heute Mittag in Wiesbaden eine Pressekonferenz geben.

Kochs Rücktritt könnte neue Perspektiven für die (Verkehrs-)politik in Hessen eröffnen. ROBIN WOOD übt seit Jahren harte Kritik an Koch, insbesondere daran, dass er Mega-Infrastrukturprojekte wie den Ausbau des Frankfurter Flughafens ohne Rücksicht auf Mensch und Natur durchsetzte.

Sollten sich allerdings erste Meldungen bestätigen, wonach der jetzige Innenminister Volker Bouffier die Nachfolge von Koch antritt, würden wir vom Regen in die Traufe kommen.

Auf unserer Webseite gibt es noch mehr Infos zur A44 und den heutigen Protesten.