Aktion, Energie, Greifswald
7. Mai 2012

Prozessauftakt zum Protest im Betonblock gegen den Lubmin-CASTOR

Heute morgen hat um 9.00 Uhr in Greifswald ein Gerichtsprozess gegen Aktivisten von ROBIN WOOD begonnen, die im Dezember 2010 im Betonblock stundenlang gegen den CASTOR-Transport nach Lubmin protestiert hatten. Vorgeworfen wird ihnen unter anderem Nötigung und Beschädigung der Gleisanlagen.

Transparent zur Unterstützung der Angeklagten im Lubmin-CASTOR-Prozess (Foto: Daniel Häfner / ROBIN WOOD)

Transparent zur Unterstützung der Angeklagten im Lubmin-CASTOR-Prozess (Foto: Daniel Häfner / ROBIN WOOD)

Ab 8.00 Uhr waren ca. 60 Menschen zu einem frühstück vor dem Amtsgericht unter dem Motto: “gerichte sind zum essen da” zusammengekommen. Auch Transparente wurden in Bäume und an Fahnemasten gehangen. Allerdings wurde zumindest eines wieder von der Feuerwehr entfernt.

Solidarisch erklärte sich auch die Organisation contrAtom und forderte den Freispruch der Aktivist*innen: “Wir verurteilen aufs Schärfste den Versuch, den friedlichen Protest der beiden gegen den Weiterbetrieb von Atomkraftwerken und die damit verbundenen Atommülltransporte zu kriminalisieren und sagen deutlich: Ihr Protest ist auch unser Protest!”, so Bernd Ebeling von contrAtom. “Vor dem Hintergrund der Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima, der noch immer ungeklärten Atommüll-Endlagerfrage und der zahllosen Störfälle, die auch in Deutschland den ‘Normalbetrieb’ von AKWs begleiten, betrachten wir den Weiterbetrieb von Atomkraftanlagen als einen permanenten und gewissenlosen Angriff auf Mensch und Natur. Den zivilen Ungehorsam gegen die Atomindustrie betrachten wir darum nicht nur als legitim, sondern auch als unsere demokratische Pflicht. Wir erklären ausdrücklich, dass gewaltlose Protesaktionen wie die, die den beiden Robin-Wood-Aktivisten zur Last gelegt werden, Teil dieses legitimen und unumgänglichen Widerstands sind und sehen daher jeden Versuch, diesen Widerstand zu kriminalisieren auch als einen Angriff auf unsere demokratischen Freiheitsrechte”, so Ebeling weiter.

Der Prozess begann unter großem Medieninteresse. Zwei Anwälte wurden als Pflichtverteidiger zugelassen, weil es in dem Gerichtsverfahren um komplizierte Fragen u.a. des Versammlungsrechts geht.

Solidarität im Prozess wegen des Lubmin-CASTORs 2010 (Foto: Daniel Häfner / ROBIN WOOD)

Solidarität im Prozess wegen des Lubmin-CASTORs 2010 (Foto: Daniel Häfner / ROBIN WOOD)

Aktuelle Meldungen gibt es bei Twitter unter dem Hashtag #blockmin

Mehr Informationen und Fotos der Aktion gibt es auf dem Blog der AktivistInnen unter: http://blockmin.blogsport.eu

Einen Bericht zum ersten Verhandlungstag finden Sie hier.

 

Blog, Energie
18. März 2012

Verurteilung wegen des Aufrufs “Castor? Schottern!”

Am 15. März verurteilte das Lüneburger Amtsgericht den fünfzigjährigen Rollstuhlfahrer Gotthilf Lorch aus Tübingen zu einer Geldstrafe von 375,00 Euro. Dieses Urteil wurde gefällt weil er im Jahre 2010 den Aufruf der Kampagne Castor Schottern im Internet unterschrieben hatte.

Das Amtsgericht Lüneburg verurteilte am Gotthilf Lorch wegen „öffentlicher Aufforderung zu Straftaten“ (§111 StGB) zu 15 Tagessätzen á 25 Euro. Die Straftat, zu der Gotthilf Lorch mit seiner Unterschrift unter die Absichtserklärung der Kampagne „Castor? Schottern!“ aufgerufen haben soll, sei die „Störung öffentlicher Betriebe“ (§316b StGB).

Der Angeklagte sagte vor Gericht, dass er die Absichtserklärung der Kampagne „Castor? Schottern!“ 2010 aus Solidarität mit der Aktion unterzeichnet hat. Ergänzend fügte er hinzu, dass er wahrscheinlich auch selber geschottert hätte, wenn ihn seine Behinderung nicht daran hindern
würde. Er wollte damit auch betonen, dass sich Menschen mit Behinderung, die sich gegen die Nutzung von Atomenergie engagieren wollen, mit der
Unterschriftenaktion der Kampagne „Castor? Schottern!“ eine Möglichkeit geboten wurde, ihren Protest sichtbar zu machen. Gotthilf Lorch wird das
Urteil anfechten und sich auch weiterhin für eine atomenergiefreie Welt einsetzen.

Weitere Informationen: www.castor-schottern.net

 

Aktion, Energie
27. November 2011

AktivistInnen von ROBIN WOOD an Gleise gekettet und in Bäume geklettert

Starkes Nein zu Castortransporten und Atommülllager Gorleben

Im Rahmen der anhaltenden Proteste gegen den illegalen Atommülltransport haben sich heute morgen um ca. 5.00 Uhr zwei Aktivisten der Umweltschutzorganisation ROBIN WOOD bei Harlingen an die Gleise gekettet. Zwei weitere AktivistInnen waren schon einige Stunden zuvor an dieser Stelle in Bäume rechts und links der Gleisstrecke zum Atommülllager Gorleben geklettert. Gegen 7 Uhr beendete die Polizei die beiden Aktionen.

“Fukushima hat den Wahnsinn der Atomenergie gezeigt. Eine solche Katastrophe ist in jedem AKW möglich. Deshalb braucht es den vollständigen und sofortigen Atomausstieg und solange sind solche Aktionen legitim und notwendig”, sagte der angekettete Aktivist Peter.

An vielen Stellen entlang der Bahnstrecke zwischen Lüneburg und Dannenberg protestieren tausende Menschen gegen die Atompolitik der Bundesregierung und gegen das weitere Festhalten von Gorleben als Standort für ein Atommüllendlager. An mehreren Stellen blockieren AtomkraftgegnerInnen die Gleise, einige haben sich an die Schienen gekettet. Gestern hatten über 25.000 Menschen an den Aktionen und der Abschlusskundgebung teilgenommen.

Aufgrund der zahlreichen Aktionen verzögert sich die Weiterfahrt des Castortransports mit den elf Atommüllbehältern. Er steht noch immer auf dem Rangierbahnhof in Hamburg-Maschen.

Weiterhin verharmlosen Landes- und Bundesregierung die Strahlenrisiken, die von dem Atommüllbehältern ausgehen. “Bei den Messungen am Zwischenlager Gorleben werden Grenzwertüberschreitungen solange nachgemessen, bis es passt”, so Dirk Seifert, Energiereferent von ROBIN WOOD. Dieses Vorgehen haben der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages und auch die Gesellschaft für Reaktorsicherheit GRS zuletzt deutlich kritisiert und das Vorgehen bei den Messungen als wissenschaftlich fraglich bezeichnet. “Es ist richtig, wenn sich Menschen gegen diese verantwortungslose Politik der Behörden zur Wehr setzen. Dieser Castortransport hätte nie genehmigt werden.”

ROBIN WOOD-Infomobil auf der ESSO-Wiese, 05861-98921-55

Dirk Seifert, Energiereferent ROBIN WOOD, 0160-96 34 72 27

Aktion, Energie
26. November 2011

25.000 für Atomausstieg und Ausstieg aus Endlager-Projekt Gorleben

Über 25.000 Menschen haben heute rund um Dannenberg für den Atomausstieg und für das endgültige Ende der Ausbauarbeiten im Salzstock Gorleben demonstriert. Unter dem Motto “Gorleben soll leben” zogen die Menschen in einem Sternmarsch in einem bunten Fahnenmeer zum Kundgebungsgelände in der Nähe des Castor-Verladebahnhofs. Wendländische Bauern mit über 450 Treckern beteiligten sich an der Demonstration. Währenddessen nähert sich der Atommüllzug mit elf Castorbehältern und ihrem hochradioaktiven Inhalt dem Wendland.

“Die Katastrophe von Fukushima und die ungelöste Atommüllentsorgung sorgen dafür, dass die Menschen weiter für den Ausstieg aktiv sind. Die Großdemonstration heute im Wendland zeigt, dass die Bundesregierung keinerlei Vertrauen für ihre Politik hat. Wer von einer “weißen Landkarte” in der Atommüllentsorgung spricht und Gorleben nicht endlich aufgibt, bekommt Widerstand zu spüren”, so Dirk Seifert, Energiereferent von ROBIN WOOD.

Trotz Fukushima ignorieren die Bundesregierung ebenso wie die Landesregierung in Niedersachsen weiterhin die unverantwortlichen Risiken der Atomenergie. “Um den Castortransport ins Wendland zu ermöglichen, sind offenbar die Strahlenmessungen am Zwischenlager Gorleben manipuliert worden. Das ist die altbekannte Kumpanei mit den Atomkonzernen”, so Seifert weiter. “Die Polizei müsste eigentlich den rechtswidrigen Castortransport sofort stoppen.”

Gemeinsam mit zahlreichen anderen Organisationen und vielen aktiven Menschen wird ROBIN WOOD weiter gegen den illegalen Atomtransport ins Wendland protestieren.

Kontakt und weitere Informationen:

ROBIN WOOD-Infomobil auf der Esso-Wiese: 05861-98921-55 Dirk Seifert, Energiereferent ROBIN WOOD, 0160-96347227 Ute Bertrand, Pressesprecherin ROBIN WOOD, 0171-8359515

Blog, Energie, Klima
30. Oktober 2011

Neuanlauf für ein CCS-Gesetz?

Am Mittwoch beschloss das Bundeskabinett die Anrufung des Vermittlungsausschusses, um das Gesetzgebungsverfahren zu CCS weiterzuführen. Das Gesetz zur Abscheidung und “Endlagerung” von Kohlendioxid (CCS) war im Bundesrat gescheitert. Ohne CCS will Vattenfall keine neuen Kohlekraftwerke errichten.

Grund für das Scheitern war der energische Widerstand zahlreicher Bürgerinitiativen. Kritisiert wurde unter anderem, dass die Haftung für die “Endlager” nach 30 Jahren auf die Länder übergehen sollte, obwohl die Risiken unkalkulierbar sind. Das Land Brandenburg lehnte das Gesetz ab, weil es anderen Bundesländern ermöglicht hätte, aus der Technologie auszusteigen.

Doch Bundesumweltminister Röttgen will das Gesetz zur CO2-Speicherung unbedingt durchsetzen. Nach dem Nein der Länder ruft er jetzt den Vermittlungsausschuss zwischen Bundestag und Bundesrat an.

Weitere Informationen zur CCS-Technologie gibt es im ROBIN WOOD – Positionspapier.

Blog, Energie, Prozess, Rhein-Main
29. Oktober 2011

Haft für Castor-Blockade

Im November 2008 hielten Aktivist_innen den Castor-Zug in’s wendländische Gorleben für über zwölf Stunden auf. Wegen angeblicher Nötigung wurden die drei angeketteten Aktivistis zu jeweils 80 Tagessätzen à 10,00 Euro, also jeweils 800,00 Euro Geldstrafe bzw. 80 Tage Haft verurteilt. Zwei der Geldstrafen wurden bezahlt, die dritte Aktivistin, Franziska wird ihre Haft absitzen.

Proteste zur Verabschiedung Franziskas

Proteste zur Verabschiedung Franziskas

Franziska wurde zu 80 Tagessätzen verurteilt und hat sich entschieden, diese Strafe nicht zu bezahlen, sondern abzusitzen. Zur JVA Frankfurt III wurde sie am 14. Oktober von jonglierenden, bunt geschminkten und tanzenden Unterstützer_innen begleitet, die ihr zum Abschied selbst gefilzte Blumen und einen Anti-Knast-Kuchen mitgebracht hatten.

Weitere Informationen gibt es unter http://knast.blogsport.de

Wer Franziska unterstützen möchte kann ihr an folgende Adresse Briefe schreiben:

Franziska Wittig
JVA Frankfurt III
Obere Kreuzäckerstr. 4
60435 Frankfurt

Energie
19. Oktober 2011

Atommüll in Morsleben – weder sicher noch unabhängig

Seit letzter Woche findet das Erörterungsverfahren für die vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) beantragte endgültige Schließung des Atommülllagers Morsleben statt. Dort lagern überwiegend leicht- und mittelradioaktive Atomabfälle aus der ehemaligen DDR und den westdeutschen Atomkraftwerken. Weltweit zum ersten Mal soll eine solche Atommülldeponie nun für die Ewigkeit verschlossen werden.

Doch wie Unabhängig ist ein solches atomrechtliches Verfahren? Gleich zum Auftakt des Eröterungstermins stellte sich heraus, dass der bisherige Leiter für das Genehmigungsverfahren bei der zuständigen Behörde in Sachsen Anhalt, Horst Seida, sich beim Antragsteller BfS auf  eine “Projektstelle Morsleben” beworben hatte. Das zuständige Umweltministerium hatte Seida zwar deshalb kurz vor Beginn des Erörterungstermins von seinen Aufgaben in dieser Sache entbunden. Aber natürlich stellt sich massiv die Frage, wie unabhängig die Abteilung unter Seida die Antragsunterlagen des BfS behandelt hat.

Eng verbunden mit Sachsen-Anhalt und dem Umweltministerium ist auch der heutige Chef des BfS, Wolfram König.  Zwischen 1994 und 1998 war König grüner Staatssekretär im Umweltministerium Sachsen-Anhalt und in dieser Funktion für das Atommüllager Morsleben zuständig. Allerdings: Damals verlangte die damalige rot-grüne Landesregierung in Sachsen-Anhalt mehrfach von der Bundesregierung die Schließung von Morsleben, weil dieses nicht sicher wäre. Angela Merkel, damals Bundesumweltministerin, setzte sich über diese Bedenken hinweg. Erst ein Gericht stoppte schließlich die weiteren Einlagerungen von Atommüll.

Gegen die entgültige Schließung des Lagers gibt es massive Sicherheitsbedenken. Wie das havarierte Atommülllager ASSE II handelt es sich bei Morsleben um einen Salzstock, der jahrzehntelange für die Salzgewinnung ausgehöhlt wurde. Daher ist die Stabilität des Salzbergs gefährdet und es gibt Probleme mit einem möglichen Wasserzutritt. Mehrfach kam es zu Deckeneinstürzen in Morsleben und von 2003 bis Mai 2011 hat das BfS zahlreiche Stollen mit Salzbeton “notverfüllt”.  Damit aber sind nur etwa ein Fünftel des gesamten ausgehöhlten Volumens aufgefüllt. Um zu verhindern, dass Wasser in die Lager mit Atommüllfässern eindringt, soll im Rahmen der Schließung – sollte diese genehmigt werden – der gesamte Salzstock verfüllt werden. Die Gesamtkosten werden auf gut zwei Milliarden Euro geschätzt. Kosten, die fast ausschließlich von den SteuerzahlerInnen gezahlt werden sollen.

AtomkraftgegnerInnen bezweifeln, dass das jetzt beantragte Schließungskonzept die für viele zigtausend Jahre erforderliche Abschirmung der radioaktiven Abfälle von der Umwelt sicher stellen kann. ROBIN WOOD hat im Rahmen des Genehmigungsverfahrens mit einer Einzeleinwendung auf die enormen Probleme hingewiesen. Alternativen, wie z.B. die komplette Rückholung der Abfälle aus dem maroden Salzstock sind durch das BfS nur oberflächlich geprüft worden. Mehr zum Atommülllager Morsleben hier.

Der Erörtertungstermin soll noch etwa bis Mitte November andauern.

Blog, Energie, Klima
23. September 2011

CCS-Gesetz gescheitert

Das Gesetz, welches CO2-”Endlagerung” in der Bundesrepublik ermöglichen sollte, ist heute im Bundesrat gescheitert. Weder Bundestag noch Bundesrat wollen den Vermittlungsausschuss anrufen.

Das sogenannte CCS-Gesetz scheiterte heute in der Länderkammer. Grund dafür war unter anderem der energische Widerstand zahlreicher Bürgerinitiativen. Formal kritisiert wurde unter anderem, dass die Haftung für die “Endlager” nach 30 Jahren auf die Länder übergehen sollte, obwohl die Risiken unkalkulierbar sind. Das Land Brandenburg lehnte das Gesetz ab, weil es anderen Bundesländern ermöglicht hätte, aus der Technologie auszusteigen. Damit ist es unwahrscheinlich, dass Unternehmen ein ökonomische Interesse haben, in den nächsten Jahren CO2-”Endlager” in der Bundesrepublik zu errichten und hierfür politischen Druck aufzubauen.

Proteste in Beeskow gegen CCS / Foto: Daniel Häfner

Proteste in Beeskow gegen CCS / Foto: Daniel Häfner

Seit drei Jahren leisten die engagierte Menschen überall in der Bundesrepublik Widerstand gegen eine übermächtig scheinende Energielobby. “Die Politik muss endlich begreifen, dass CCS in Deutschland keine Zukunft hat. Jetzt sei der Weg offen für ein Gesetz, dass die CO2-Verpressung in Deutschland untersagt, so die einstimmige Meinung der Bürger.” Diese Option lasse die EU-Richtlinie ausdrücklich, erklärt Udo Schulze, Vorsitzender der Bürgerinitiative CO2-Endlager stoppen aus dem Landkreis Oder-Spree.

Unterdessen bekräftigen die Bürgerinitiativen ihren Willen zum Widerstand: „Wir werden weitermachen, bis es ein unumkehrbares Nein zum Einsatz der CCS-Technologie gibt“, sagt Ulf Stumpe von der Bürgerinitiative „CO2ntra Endlager“ aus dem Oderbruch.

Weitere Informationen zur CCS-Technologie gibt es in dem gerade neu überarbeiteten ROBIN WOOD – Positionspapier.

Energie
14. September 2011

Atommülllagerung: Sicherheitskriterien vor Standortdebatte

Der Chef der dem Bundesumweltministerium unterstellten Entsorgungskommission, Michael Sailer, sorgt mit einer Initiative zur Suche alternativer Standorte für die dauerhafte Lagerung hochradioaktiven Atommülls für Bewegung in der Endlagerdebatte. Statt ausschließlich an Gorleben festzuhalten, fordert er eine bundesweite Endlagersuche, in der vier bis fünf Standorte untersucht werden. Diese seien durch ein fundiertes Auswahlverfahren bis spätestens 2015 zu bestimmen – und dann untereinander sowie mit Gorleben zu vergleichen.

Für ein zum Herbst/Winter 2011 vom Bundesumweltministerium angekündigten Entwurf für ein Endlagersuchgesetz fordert Sailer laut taz: “In so ein Gesetz muss folgendes rein: 1. Dass es ein transparentes Verfahren gibt, 2. Wer entscheidet, 3. Wie konkret die Bürgerbeteiligung aussieht und 4. Ein Zeitplan, der unter anderem vorsieht, dass man bis 2014 oder 2015 die vier bis fünf Standorte für die vertiefte Prüfung bestimmt hat.”

Diese Initiative von Michael Sailer ist sicherlich zu begrüßen. Allerdings bleibt die entscheidende Frage unerwähnt: Welche Sicherheitskriterien sollen für die dauerhafte Lagerung von hochradioaktiven Atommüll eigentlich gelten? Nur wenn die klar sind, kann man unterschiedliche Standorte überhaupt vergleichen.

Bis heute ist diese Frage der Sicherheitsanforderungen nicht beantwortet. Als in Gorleben mit den Untersuchungen begonnen wurde, war z.B. ein geschlossenes Deckgebirge über dem Salzstock als unabdingbar angesehen worden. Als man dieses aber vor Ort nicht fand, wurde es von den zuständigen Behörden für nicht mehr zwingend erklärt.

Dass grundsätzlich zu definierende Sicherheitsanforderungen jeweils nach örtlichen Gegebenheiten einfach angepasst werden, zeigt sich drastisch auch bei dem Atommülllager Morsleben. Selbst nach Aussagen des Bundesamts für Strahlenschutz ist das Lager nicht sicher und hätte niemals zu einen Endlager gemacht werden dürfen. Doch statt den dort eingelagerten Atommüll rauszuholen, soll nun der endgültige Verschluss genehmigt werden. Technische Maßnahmen sollen nun die fehlenden geologischen Voraussetzungen ersetzen. (Mitte Oktober beginnt ein entsprechender Erörterungstermin Morsleben.)

Ohne solche zuvor festgelegten Sicherheitsanforderungen kann eine Endlagersuche keinen Sinn ergeben.

Mehr zum Thema Atommüll.

 

Blog, Energie
9. Juni 2011

Brokdorf: Proteste, Blockaden und eine verschobene Revision

Die zeitweilige Stilllegung des Atomkraftwerks Brokdorf zur Revision soll nun um eine Woche verschoben werden. Die Sprecherin des E.ON-Konzerns nannte für die Entscheidung organisatorische und energiewirtschaftliche Gründe. Die Bundesnetzagentur habe davor gewarnt, dass es über Pfingsten vermehrt zu Stromausfällen kommen könne, weil dann zu viele Kraftwerke vom Netz seien.

Die Revision des AKW Brokdorf wurde wegen der angekündigten Blockaden verschoben und wir verschieben auch!” erklärt dazu X-tausendmal quer, und weiter: „Was E.ON kann, können wir schon lange!“ – und verschiebt die angekündigten Blockaden auf den 18. Juni. Das Camp in Sankt Margarethen wird aber geöffnet - als Anlaufpunkt für die am Sonntag, den 12. Juni, stattfindende Demonstration plus Menschenkette am AKW Brokdorf (12 Uhr; Großwisch/Nahe dem AKW Brokdorf). Auch ROBIN WOOD unterstützt die Demonstrationen und Proteste…es ist also Zeit für einen Pfingstausflug…