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8. Februar 2012

S 21: Das große Drängeln um den Trog

Gerade hat Ministerpräsident Kretschmann grünes Licht – tätä – für Baumfällungen im Stuttgarter Schlossgarten gegeben, da vergeigt der ehemalige Schlichter Heiner Geißler den schönen grünroten Bürgerbeteiligungsdreiklang aus Schlichtung, Stresstest und Volksabstimmung. In seiner Facebook-Mitteilung von Montag schreibt Kretschmann vom Konflikt um Stuttgart 21 bereits in der Vergangenheitsform und tut Rechtswidrigkeiten, Kostenexplosionen und technische Unmöglichkeiten als „Schwächen“ ab, die ihn nicht dazu bringen werden, das Projekt zu Fall zu bringen. Geißler bestätigt nun schriftlich, dass der Erhalt gesunder Bäume im Schlossgarten zentraler Bestandteil des Schlichterspruches war, wörtlich: „Die Bäume im Schlossgarten bleiben erhalten. Es dürfen nur die Bäume gefällt werden, die ohnehin wegen Krankheiten, Altersschwäche in der nächsten Zeit absterben würden. Wenn Bäume durch den Neubau existentiell gefährdet sind, werden sie in eine geeignete Zone verpflanzt.“ Das ist unvereinbar mit dem Vorhaben der Bahn, bis Ende Februar im Schlossgarten 178 Bäume zu fällen. Unmittelbar von der Fällung bedroht ist u.a. eine über 150jährige Platane. Dort, wo ihr über einen Meter dicker Stamm wurzelt, will die Bahn den so genannten „Trog“ für den Kellerbahnhof bauen. Die Betonschale ist ein Riesending – so riesig, dass der Bahn bisher kein Angebot einer Firma vorliegt, die sich zutraut, das Ding zu bauen. Die Bahn weiß nicht, wer ihr die Grube ausheben sollte, aber sie ist sich mit der Polizei schon mal einig, dafür die Flächen räumen und die Bäume fällen zu lassen. Der grüne Ministerpräsident taucht ab. Die Baumbesetzer_innen von ROBIN WOOD bleiben oben.

Hintergrund S 21

Sonderzeitung Stuttgart 21 – Ein Projekt gegen Recht und Gesetz

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7. Februar 2012

S 21: Polizei und DB sind sich einig / Augen auf am nächsten Wochenende

Das Kommunikationsbüro der DB AG teilte heute morgen auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd mit, dass Polizei und Bahn  sich über einen Termin zur Räumung des Schlossgartens und Fällung der dortigen Bäume einig seien. Den verraten sie aber nicht, damit die Bürger_innen den Landesdienern oder gar der bundeseigenen Bahn nicht noch mehr in die Quere kommen. “Gelebte Transparenz” könnte Landesvater Kretschmann nun erneut sein Lob auf die Polizei beim von der Bahn vorgezogenen Abbruch des Südflügels ausbringen. Aber nein, der Ministerpräsident ist gar nicht dabei, sondern erklärt per offenem Brief auf Facebook, dass die Volksabstimmung ihm endlich die Legitimation verschafft hat, jeden Mist in der Projektplanung von Stuttgart 21 zuzulassen und sich nicht weiter einzumischen, bl0ß weil er von ein paar weniger Leuten als bei der Volksabstimmung zum Ministerpräsidenten gewählt wurde: ‘Wer meint, die Landesregierung und insbesondere ich als Ministerpräsident könnten oder müssten das Projekt über Schwächen noch endgültig zu Fall bringen, dem muss ich ganz klar sagen, dass ich dies nicht machen werde.’ Ein paar dieser für die Landesregierung zwar teuren aber lässlichen “Schwächen” finden Sie hier.

In der Autostadt Stuttgart soll ein Bahnhofsabriss möglichst wenig den Berufsverkehr auf der Straße behindern. Deswegen Augen und Ohrenschützer auf und am kommenden Wochenende (11/12.2.) warm anziehen! Zur aktuellen Lageeinschätzung hier lang.

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31. Januar 2012

S 21: DB zieht Abriss Südflügel mindestens sieben Monate vor

Riesige Abrissscheren zernagen seit gestern den Südflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Der Abriss des Nordflügels im August 2010 war im Bauablauf stark vorgezogen, um deutlich vor der Landtagswahl unumkehrbare Fakten zu schaffen. Der Abriss eines denkmalgeschützten Gebäudes ist ein ebenso unumkehrbares Faktum wie die Fällung eines Jahrhunderte alten Baumes. Für die Vorverlegung des Abrisses aus politischen Gründen  veranschlagte der damalige Projektleiter der DB AG für Stuttgart 21, Hany Azer, laut einem internen Dossier Mehrkosten von 600.000 Euro. Kurz nach Veröffentlichung des Dossiers im April 2011 ist oder wurde Azer gegangen. Während der Schlichtung im Oktober 2010 behauptete Grube, ein Aufschub des Abrisses vom Südflügel sei ein Signal des guten Willens an die Projektgegner. Wiederholt versuchte er, sich den temporären Nicht-Abriss versilbern zu lassen. Vertrauliche S21-Planungsunterlagen, die dem Magazin “stern” bereits im Oktober 2010 vorlagen, besagen jedoch, dass der Abriss des Südflügels erst in einem halben Jahr, laut Bauablauf am 20. August 2012, von der Bahn vorgesehen war.

Baumhaus im Stuttgarter Schlossgarten, Januar 2012

Die Räumung des Schlossgartens und Fällung der Bäume ist für die grüne Landesregierung in ihrer politischen Symbolik noch brisanter. Ministerpräsident Kretschmann flüchtet sich in Sekundärtugenden, um seine Verantwortung für falsche Entscheidungen schön zu reden: “Gelebte Transparenz” seien die “polizeilichen Maßnahmen”. Ein widerrechtlicher Abbruch von Bahninfrastruktur wird nicht besser, wenn man ihn transparent gestaltet und auch ein gläserner Knüppel tut weh. Aktuell deutet vieles auf einen Polizeieinsatz übermorgen, 2. Februar, oder Montag, 6. Februar, hin.

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22. Januar 2012

37 Bäume fallen für den nicht planfestgestellten Fildertunnel

In einer erneuten nächtlichen Aktion ließ die Deutsche Bahn gestern ein martialisches Polizeiaufgebot aufrücken, um das Fällen von 37 Bäumen neben dem Wagenburgtunnel zu sichern. Diese nun gefällte und gehäckselte Bäume sind die jüngste Zeugen der Politik des “Fakten-Schaffens” der Deutschen Bahn. Der Projektsprecher Wolfgang Dietrich verteidigt die Fällungen mit den Worten:

„Man muss Gas geben und Maßnahmen abarbeiten, die möglich sind.“

Aber nur weil etwas „möglich“ ist, heißt noch lange nicht, dass es nötig, rechtens oder sinnvoll ist! Es gab definitiv keine Eile, diese Bäume zu fällen, dennoch ist der Bauabschnitt, für den sie laut der Deutschen Bahn gefällt werden “mussten,” den Fildertunnel-Abschnitt, nicht einmal planfestgestellt! Vielmehr gestaltet sich die technische Ausführung dieses Abschnitts als äußerst schwer und einige schwerwiegende Probleme bleiben bisher vollkommen ohne Lösung.

Bericht der gestrigen Aktionen:
Im Anschluß an der gestrigen Großdemonstration vor dem Hauptbahnhof zogen einige Demonstrant_innen richtung Wagenburgtunnel, besetzten dort die Kreuzung um auf die kommende Fällarbeiten aufmerksam zu machen und positionierten sich schützend um die Bäume. Ein Robin Wood Aktivist besetzte einen der größeren Bäume auf dem Gelände. Stundenlang harrten die Demonstrant_innen bei starkem Wind und kaltem Regen aus und als der Abend voranschritt, kamen immer mehr dazu. Am späten Abend umzäunte schließlich die Polizei das Areal; zu diesem Zeitpunkt befanden sich etwa 50 Demonstrant_innen innerhalb des eingezäunten Bereiches und einige Hunderte außerhalb der Absperrung.

Nach und nach wurden mehrere Demonstrant_innen von dem Areal getragen oder hinausbegleitet. Als am Ende nur noch der Kletterer im Baum und den Polizeikontakt der Parkschützer am Boden waren, fuhren SEK-Beamten zusammen mit einem Unimog mit ausfahrbarem Kran auf das Gelände um den Robin Wood Aktivist aus dem Baumwipfel zu holen. Nach Feststellung der Personalien wurden alle wieder freigelassen.

Um etwa halb eins waren die Baumfällungsmaschinen und einen Häcksler vor Ort und die Firma Döbler Rodungen GmbH fing mit den vorbereitenden Maßnahmen für die Fällungen an. Knapp eine halbe Stunde später und nachdem die ersten Bäume gefällt wurden, konnte eine kleine Gruppe von Demonstrant_innen durch die Polizeiabsperrung gelangen. Plötzlich herrschte Hektik unter den Polizeibeamten; offensichtlich hat jemand nicht genau aufgepasst. Jedenfalls konnten zwei Aktivisten auf die sogenannte Baumschere, eine befahrbare Rodungsmaschine, gelangen. Einer davon konnte knapp eine Stunde oben bleiben, bevor er in einem von der SEK riskanten Manöver vom Arm der Baumschere geholt wurde. Unseres Wissens nach rief die Polizei weder beim Feuerwehr an, um Rettungstücher anzufordern noch sorgten sie selber für die Sicherheit des Aktivisten, der ungesichert auf dem gebeugten, rutschigen Arm in gefährlicher Höhe saß. Auch dies verurteilen wir aufs Schärfste!

Jedoch war das Verhalten der Polizei nicht nur in dem Fall alles andere als deeskalierend. Während die kleine Gruppe von Aktivist_innen zur Baumschere gerannt sind, eine Einheit der Polizei hinterher, sind weitere Einheiten zur Absperrung gerannt. Mehrere Beamten lieferten ein abscheuliches Bild ab, als sie lächelnd und freudig ihre Schlagstöcke zuckten und auf die Absperrung gerannt sind. Man könnte meinen, einige hätten sich sehr gerne ein Paar Demonstranten „verdroschen.“ Soviel zur polizeilichen Taktik der Deeskalation… Und das Anti-Konflikt-Team? Sie haben sich (schon wieder) in Null Komma Nix aus dem Staub gemacht, sobald ein Konflikt zwischen Polizei und Demonstrant_innen wirklich drohte.

Nachdem der Baumschere-Besetzer heruntergeholt wurde, wurde er zusammen mit einigen Demonstrant_innen auf der Straße zur Personalienfeststellung mitgenommen. Dort konnten die Demonstrant_innen beobachten, wie die Beamten, viele sehr jung, sich über die Demonstrant_innen lustig gemacht haben. Vielmehr wurde es aber regelrecht unmenschlich als zwei Beamten mit einem Lächeln forderten, dass der komplett durchnässte und durchfrorene Baumschere-Besetzer aus dem Durchsuchungsgebäude und in die Kälte zum Warten gebracht werden sollte. Sie hätten das gerne gesehen und was anderes hätte er nicht verdient, sagten sie. Da braucht man sich als Polizist_in nicht wundern, wenn Demonstrant_innen vor ihnen keinen Respekt haben oder gar den Menschen hinter der Rolle Polizist_in nicht mehr erkennen können…

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13. Januar 2012

S21: Südflügelabsperrung und Polizeitaktik

Obwohl wir auch alle noch etwas durch den Wind sind, wollten wir zumindest eine kurze Nachricht zu gestern Nacht hier rein schreiben. Bitte entschuldigt eventuelle Schreib- und ähnliche Fehler.

Einige von uns von Robin Wood waren gestern Nacht beim Protest vorm Südflügel mit dabei. Wiederrum andere haben Stellung in den Bäumen gehalten und mussten von weitem aus zuschauen.

Auch von uns ein ganz dickes Lob an Alle, die gestern Nacht vor dem Südflügel blockiert und protestiert haben!

Danke auch an Alle, die die Protestierenden unterstützt haben!

Wir durften zusammen gestern Nacht hautnah die neue Taktik der Polizei im Zusammenhang mit Widerstandsaktivitäten gegen Stuttgart 21 erleben. Nachdem die Protestierenden von der Polizei umgeben wurden, kam statt einer sofortigen Auflösung der Versammlung und Aufforderung zu gehen nur unzählige Male über mehrere Stunden immer wieder die Durchsage: “Sie können jederzeit den abgesperrten Bereich ungehindert verlassen. Bitte bewahren Sie Ruhe.” Diese Durchsage wurde auch über Leuchtschriftwände projiziert und dann, in den frühen Morgenstunden, errichtete die Polizei sogar zwei riesige weiße Leuchtsäulen, worauf “AUSGANG” zu lesen war. Solche Leuchtsäulen, wie man sie auf Open Air-Konzerten oder Volksfesten sehen kann… Als wären die Protestierenden alle zum Vergnügen da… Nun, durch diese wohl eher wenig einladende Schleuse konnte man die Blockade verlassen. Nach dem Verlassen der Blockade war eine Rückkehr selbstverständlich unmöglich und die Versorgung der Blockierenden durch die Aktivengruppe “die Versorger” wurde durch die Polizei verwehrt. Uns kommt es wie eine Art “Kuscheltod”-Taktik vor, in der die Polizei allen “stets freundlich” aber in voller Kampfausrüstung zuredet und einfach wartet (und wartet…), bis die Protestierenden irgendwann aus Zeitzwang die Blockade auf eigenem Fuß verlassen müssen, aus Hunger, Durst oder wegen der Kälte, um aufs Klo zu gehen (obwohl auch hier Danke an die Demosanitäter vor Ort, die eine notdürftige Kloeinrichtung innerhalb der Absperrung eingerichtet haben), um zur Arbeit zu gehen oder um wenigstens ein Paar Stunden Schlaf zu bekommen, bevor sie arbeiten gehen müssen. Die Einsatzplaner der Polizei in Stuttgart scheinen es endlich gelernt zu haben, sich Zeit zu lassen und keine “unschöne Bilder” zu produzieren, wenn sie S21-Gegner_innen gegenüber treten. Das muss man ihnen vorerst schon lassen…

Für uns folgt jedenfalls, dass wir uns als eine Bewegung miteinander beraten müssen, wie wir mit dieser Taktik in Zukunft umgehen sollen. Um Euch in der Sache Baumbesetzung ein wenig zu beruhigen: die Plattformen und das Baumhaus in unseren besetzten Bäumen sind mit ausreichend Proviant versorgt, sodass ein_e Aktivist_in mehrere Tage oben bleiben kann. Die psychische Kraft zum Durchhalten können wir aber leider nicht schön verpackt auf dem Baum lagern. Diese Kraft geben wir im Baum und ihr am Boden uns hoffentlich gegenseitig, sollte es zu einer Parkräumung kommen. Darüberhinaus sind besonders lagerfähige und vegane Proviantspenden für die Parkbesetzer_innen (sowohl im Baum als auch am Boden) sicherlich weiterhin hilfreich; besonders, sollte es zu einer ähnlichen Taktik bei der Räumung des Schlossgartens kommen, wie wir es nun am Südflügel erlebt haben.

Wir hoffen, dass Ihr Euch schon ein wenig von der Nacht erholen konntet.
Oben bleiben!

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9. Januar 2012

S 21: OB Schuster geht von Bord

Der Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster hat heute bekannt gegeben,  im Herbst nicht für eine Wiederwahl zu kandidieren. Anlässlich des Volksentscheides über den Ausstieg des Landes Baden-Württemberg aus der Finanzierung des Kellerbahnhofs Stuttgart 21 hatte Schuster alle Stuttgarter Wahlberechtigten namentlich angeschrieben und mit falschen Behauptungen für ein Nein zum Ausstieg geworben. Amtsmissbrauch und bewusste Wählertäuschung wurden ihm daraufhin vorgeworfen. Eingesetzt hat er für diese S21-Werbung 130.000 Euro aus der Stadtkasse, vor allem aber höchstwahrscheinlich das amtliche Wählerverzeichnis, um das ihn jede PR-Agentur heiß beneidet.

Solar-Café am Südflügel. Foto: Robin Wood

Unmittelbar bevor könnte der Abriss des Südflügels vom denkmalgeschützten Bonatz-Bau stehen. Im Bauablauf macht der Abriss jetzt keinen Sinn, da die Baustelle erst eingerichtet werden kann, wenn die aufwändigen Arbeiten zum Abpumpen des Grundwassers abgeschlossen sind. Den Arbeiten am so genannten Grundwassermanagement und damit auch den Baumfällungen im Schlossgarten hat der Verwaltungsgerichtshof Mannheim aber am 16. Dezember einen Baustopp verordnet. Nun ist zu befürchten, dass die Bahn vorrangig soviel wie möglich vom alten Bahnhof kaputt macht – um sich entweder den Bau eines vermurksten Tunnelbahnhofs oder die Instandsetzung eines ruinierten Kopfbahnhofs bezahlen zu lassen.

Von der Sonderzeitung zu Stuttgart 21 vom Bündnis Bahn für Alle, “Ein Projekt gegen Recht und Gesetz”, haben wir außer der bundesweiten Beilage zur Tageszeitung Taz am 30. Dezember 30.000 Exemplare zur Verteilung in Stuttgart gedruckt. Sie sind nach nur einer Woche vergriffen. Ein aktualisierter Nachdruck ist auf dem Weg. Herzlichen Dank an alle Spender_innen, die uns die Sonderzeitung ermöglicht haben!

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3. Januar 2012

16 zu 1: Wird im Stuttgarter Schlossgarten in diesem Winter für S 21 abgeholzt?

Foto: Grodotzki / ROBIN WOOD

Am 30. Dezember erschien die Sonderzeitung unseres Bündnisses Bahn für Alle in Zusammenarbeit mit der Internet-Plattform WikiReal zu Stuttgart 21. „Gegen Recht und Gesetz“ ist die große Überschrift auf der ersten Seite. Die Taz, der die Sonderzeitung beigelegt war, war an diesem Tag schon mittags in der Stuttgarter Innenstadt ausverkauft. Auf einer Pressekonferenz am Vortag legten wir dar, dass das Projekt Stuttgart 21 an zahlreichen Punkten gegen geltendes Recht verstößt, beim Denkmalschutz, bei der Planfeststellung, beim Naturschutz, bei der Finanzierung. Im Zentrum standen Enthüllungen zu Manipulationen beim Stresstest. Kei Andrews führte für ROBIN WOOD aus, dass die mit einem katastrophalen Polizeieinsatz durchgesetzten Baumfällungen im Stuttgarter Schlossgarten am 30. September 2010 („Schwarzer Donnerstag“) illegal waren und im Nachhinein mit einer lächerlichen Geldstrafe geahndet wurden. Sie warnte vor einer Wiederholung in den kommenden zwei Monaten: „eine Politik, in der erst gehandelt wird, und wenn es sich herausstellt, dass das Handeln widerrechtlich war…na der Schaden wurde ja schon angerichtet, Fakten wurden schon geschaffen…das Projekt konnte ein Stück weit „unumkehrbarer“ gemacht werden“.

Einen Tag später, am 30. Dezember, fordert das Stuttgarter Innenministerium von der Bahn, vor einem Großeinsatz zur Räumung eine verbindliche Erklärung über das Baurecht im Schlossgarten abzugeben. “Es kann nicht sein, dass die Polizei eine Baustelle schützt, die sich im Nachhinein als illegal erweist“, zitieren die Stuttgarter Nachrichten das Ministerium. Dem ist die Bahn bisher nicht nachgekommen. Die Stuttgarter Nachrichten zitieren jedoch heute den Bescheid des für die Baugenehmigung zuständigen Eisenbahnbundesamtes vom 5. Oktober 2010. Nach diesem Bescheid wurde bereits die Widerrechtlichkeit der Fällungen am „Schwarzen Donnerstag“ festgestellt. Es droht bei Zuwiderhandlung  ein Zwangsgeld von 250.000 € an. Die Landesregierung hat für den Einsatz im Schlossgarten 4 Millionen € bewilligt, Steuergelder. Damit kann sie nun eine widerrechtliche Fällung zum Preis von 250.000 € durchsetzen,  zu zahlen von der Bahn, einem Unternehmen, das sich zu hundert Prozent im Besitz des Bundes befindet. Die Wetten stehen 1 zu 16, dass hier 4,25 Millionen € von Land und Bahn ausgegeben werden, um Stuttgart eine Bahnhofsruine mit angeschlossenem Einkaufszentrum zu bescheren.

Die Wette gilt bis zum 29. Februar, 24:00 Uhr. Dann beginnt die Vegetationsperiode, in der nicht gefällt werden darf. Sie endet am 30. September, 24:00 Uhr. Die letzte Fällung erfolgte in der Nacht zum 1. Oktober. Auch die Bahn kann pünktlich sein.

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16. Dezember 2011

S 21: Gericht stoppt wieder Bauarbeiten – Bahn will trotzdem im Januar roden

Heute erreichte uns die Meldung über die (nun wieder) erfolgreiche Klage des BUND gegen die 5. Planveränderung. Ursprünglich waren statt ein großes “Grundwassermanagement”-Komplex drei kleinere, verteilte Infiltrationswasseraufbereitungsanlagen und eine Überschusswasseraufbereitungsanlage geplant. Die 5. Planänderung wurde durch das Eisenbahn-Bundesamt ohne Beteiligung von dritten und ohne Rücksicht auf im Mittleren Schloßgarten lebenden geschützten Arten (wie z.B. der Juchtenkäfer) genehmigt. Der Verwaltungsgerichthof Mannheim schreibt in ihrem Urteil dazu:

Das Eisenbahn-Bundesamt hätte die Frage prüfen und planungsrechtlich bewältigen müssen, welche naturschutzrechtlichen Folgen der Bau dieser Nebenanlagen im Bereich des mittleren Schlossgarten insbesondere für die vom Juchtenkäfer besiedelten Bäume mit sich bringt. In diesem Zusammenhang hätte das Eisenbahn-Bundesamt den BUND im Planänderungsverfahren beteiligen müssen.

Ferner stellt der VGH Mannheim fest, dass das Eisenbahn-Bundesamt zum Zeitpunkt des Planänderungsverfahrens vom Vorkommen einer lokalen Population des Juchtenkäfers, einer europarechtlich streng geschützten Art, im Mittleren Schlossgarten wusste. Weiter heißt es, dass:

[...] die Frage, ob der Bau der Rohrleitungen, Grundwassermessstellen und Infiltrationsbrunnen im Mittleren Schlossgarten zu relevanten Beeinträchtigungen dieser Population führe und welche verbindlichen Maßnahmen zum Schutz dieser Population ggf. zu ergreifen seien, schon im Rahmen des Planänderungsverfahrens zu bewältigen gewesen und hätte nicht der Bauausführung vorbehalten werden dürfen.

Nun stehen wir wieder vor einer ähnlichen Situation wie am 30.09.2010, als die Bahn mit dem Bau des Grundwassermanagements und der gewaltsamen und in mindestens einem Fall illegalen Fällung der ersten Bäume im Mittleren Schlossgarten angefangen hat. Unseres Wissens nach gibt es nachgewiesene Bestände des Juchtenkäfers im Teil des noch bestehenden Mittleren Schloßgartens. Das Kommunikationsbüro für das Projekt S21 der DB AG äußerte sich heute aber zum VGH-Beschluss mit den höhnischen Abschlussworten:

Die im Januar geplanten bauvorbereitenden Maßnahmen wie der Rückbau des Südflügels oder die Freimachung des Baufeldes im Mittleren Schlossgarten sind davon unberührt und werden unverändert umgesetzt.

Die Bahn ist also im Begriff ihre schon begangenen Fehler zu wiederholen. Zwar spricht sie davon, dass mit „zusätzlichen Auflagen zum Artenschutz zu rechnen“ sei, doch urteilt sie schon voreilig über die Bäume im Mittleren Schlossgarten, welche das Habitat weiterer Populationen des Juchtenkäfers sind.

Manche Kritiker werden nun vielleicht sagen, „Na und? Ist ja nur ein Käfer.“ Dennoch stellt diese besondere Käferart eine Schlüsselart dar und steht stellvertretend für die Artenvielfalt im gesamten Park. Außerdem legt dieser Vorfall nun noch einmal deutlich die wahre Politik der Bahn bloß: erst machen und wenn der Schaden schon verrichtet ist, dann einfach eine Strafe kassieren. Die Bahn will ja schließlich, egal was kommt, weiterbauen.

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20. November 2011

S 21: Richtfest für´s Baumhaus

+++  Bau im Bild +++

foto: chris grodotzki/visual-rebellion.com

Seit gestern bauen ROBIN WOOD-Aktive ein Baumhaus im Stuttgarter Schlossgarten, Boden und Dach sind bereits fertig. Die alte Platane, in der arbophilen Bauarbeiter_innen am Werk sind, wächst nur einen Kastanienwurf entfernt von der Baustelle für die Pumpenanlage, mit der DB AG für den Bau eines Tiefbahnhofs fast 7 Millionen Kubikmeter Grundwasser bewegen will.

Gut besucht war auch der Infostand neben der mit Flatterband gesicherten Baum-Baustelle. Vor allem Kinder verfolgten mit großer Begeisterung die Bauarbeiten in 17 Metern Höhe, während die Erwachsenen sich über die Ausschreibung der Bahn für Baumrodungen und –fällungen und über den Volksentscheid am kommenden Sonntag austauschten. Die Aktion von ROBIN WOOD erfährt viel Zuspruch, nicht nur in Worten sondern auch kulinarisch. Besucher_innen übernahmen spontan das Baustellen-Catering und brachten warmes Mittagessen und später veganen Sonntagskuchen.

Die Aktion steht unter dem Motto „Do it yourself – Demokratie geht anders“. ROBIN WOOD weist damit darauf hin, dass die Baden-Württembergische Landesverfassung für einen Volksentscheid eine wesentlich höhere aktive Zustimmung der Bürger_innen fordert als für die Wahl einer gesetzgebenden Landesregierung.

Morgen um 18 Uhr beginnt in Stuttgart die 100. Montagsdemo für den Erhalt des Kopfbahnhofes.

Mehr Bilder vom Häuslebau finden Sie hier. Mehr zum Hintergrund von S 21 finden Sie hier.

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19. November 2011

S 21: Bahn schreibt Baumfällungen aus – ROBIN WOOD baut Baumhaus

Acht Tage vor der Volksabstimmung über den Ausstieg des Landes Baden-Württemberg aus der Finanzierung für „Stuttgart 21“ haben Aktive von ROBIN WOOD mit dem Bau eines Baumhauses im Stuttgarter Schlossgarten begonnen. Die Aktion steht unter dem Motto „Do it yourself – Demokratie geht anders“. Mit der Baumbesetzung wollen sie die alten Bäume des Schlossgartens vor ihrer Abholzung für den Bau des Tiefbahnhofs schützen. Die Deutsche Bahn AG hat gestern Baumfällungen im Schlossgarten ab 15. Januar bis 29. Februar 2012 ausgeschrieben, die Angebotsfrist endet kurz vor Weihnachten.

zur Pressemitteilung

Die Fotostrecke zum Baumhausbau:

(Fotos: chris grodotzki/visual-rebellion.com)