30.8.2007
Brasilianischer Justizminister entscheidet: Zellstoffgigant Aracruz muss Land an Indianer zurückgeben

Die Tupinikim- und Guarani-Indianer in Brasilien haben im Streit um ihr Land einen großen Erfolg errungen. Der brasilianische Justizminister Tarso Genro entschied in dieser Woche, dass der Zellstoff-Konzern Aracruz 11.009 Hektar Land an sie zurückgeben muss. ROBIN WOOD sieht in der Entscheidung des Justizministers einen Sieg der Gerechtigkeit über die einflussreiche Zellstoff-Lobby und eine wichtige Ermutigung auch für andere Indigene, Landlose und Quilombolas in Brasilien, die um ihre Landrechte streiten.

Aracruz hatte die Indianer in den siebziger Jahren von ihrem Land vertrieben, um dort riesige Eukalyptus-Monokulturen für die Zellstoffproduktion anzulegen. Mit der Unterschrift des brasilianischen Justizministers unter die Dekrete 1463 und 1464 ist die wichtigste Hürde im Kampf um die Landrückgabe für die Indianer genommen. Abgeschlossen ist sie damit allerdings noch nicht; die Entscheidung muss noch von Präsident Lula bestätigt und praktisch umgesetzt werden. Eine Schwierigkeit dürfte nun noch darin liegen, dass sich Indigene und Regierung mit Aracruz darüber einigen müssen, ob und wie der Zellstoff-Multi für das zurückgegebene Land und die darauf stehenden Eukalyptusbäume entschädigt werden soll. Die brasilianische Regierung hat bereits erklärt, dass sie die Entschädigung nicht aufbringen will. (mehr...)


Aktuelle Fotos und Infos aus Brasilien

Brutaler Polizeieinsatz gegen Tupinikim und Guarani

Aracruz-Celulose - das auch Zellstoff an das Werk für Tempotaschentücher in Neuss liefert - gibt blutige Räumung in Auftrag.

Am 20. Januar dieses Jahres stürmten und zerstörten 120 Bundespolizisten die Indianerdörfer Corrego do Ouro und Olho de Agua in dem brasilianischem Bundesstaat Espirito Santo. Es wurden dabei Gummigeschosse auf Menschen abgefeuert, etliche Indianer sind verletzt worden, einige von ihnen so schwer, dass sie ins Krankenhaus mussten. Indianer, die flüchten konnten, wurden anschließend mit Hubschraubern regelrecht gejagt.

Hier gibt es aktuelle Fotos sowie aktuelle Informationen

Fernsehbericht und Artikel des rbb vom 4.10.06


Mit "Tempo" in die Armut

Für den Zellstoff von Tempo-Taschentüchern werden in Brasilien Indianer brutal von ihrem Land vertrieben. Schuld daran ist der Zellstoff-Konzern Aracruz, der auf dem Land der Tupinikim- und Guarani-Indianer riesige Eukalyptus-Plantagen bewirtschaftet.

Verwickelt in den Konflikt ist der Konsumgüter-Gigant Procter&Gamble. Er verarbeitet den Zellstoff von Aracruz zu Tempo-Taschentüchern, Charmin-Klopapier etc, die auch auf dem deutschen Markt verkauft werden.

Am 12. März 2007 wurde bekannt, dass der schwedische Konzern SCA (Svenska Cellulosa Aktiebolaget) die gesamte europäische Hygienepapier-Sparte von Procter&Gamble (Tempo, Charmin...) übernimmt. Erste Signale aus der Konzernführung deuten darauf hin, dass SCA nach Übernahme des Tempo-Werks im Laufe des Jahres 2007 auf Zellstoff des Skandal-Unternehmens Aracruz-Celulose aus Brasilien für die Tempo-Produktion verzichten wird. Dies wäre aus Sicht von ROBIN WOOD ein notwendiger Schritt, damit SCA seine eigenen Umweltstandards erfüllt (www.sca.com/en/Sustainability/Environment/Sourcing).

Ungeachtet dessen wird SCA von ROBIN WOOD aufgefordert, Taschentücher aus Recyclingpapier ins Sortiment zu nehmen. ROBIN WOOD wird die weitere Entwicklung genau beobachten.

Die Kritik von ROBIN WOOD an Unternehmen die Zellstoff von Aracruz verwenden (z.B. Kimberly-Clark) bleibt bestehen. Lesen Sie dazu auch unsere Pressemitteilung vom 23.3.07 und den Artikel "Tempo wird schwedisch" (pdf, ca. 180 kB) aus dem ROBIN WOOD-Magazin 2/2007.


Info-Faltblatt

Für Tempo-Taschentücher, Charmin- und Hakle-Klopapier werden in Brasilien Menschen vertrieben und die Umwelt wirdzerstört: Für die Herstellung dieser Marken kaufen die Produzenten Procter&Gamble und Kimberly-Clark Eukalyptuszellstoff von Aracruz-Celulose in Brasilien. Aracruz-Celulose nimmt den Menschen in Brasilien das Land und zerstört ihren Lebensraum.

Lesen Sie mehr in unserem aktuellen Faltblatt
(pdf, ca. 400 kB).


Brasilienrecherche

Diga Nao Ao Deserto Verde
-
Sagt Nein zur Grünen Wüste

Melanie Hoffmann & Peter Gerhardt, Hamburg

ROBIN WOOD Recherche in Brasilien, 2005

Im Februar 2005 recherchierten Peter Gerhardt und Melanie Hoffmann von ROBIN WOOD in Brasilien, um sich über Auswirkungen der Zellstoffproduktion durch den Konzern Aracruz für die Menschen vor Ort zu informieren.

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Protestbrief an den Brasilianischen Justizminister

Die Menschenrechtsorganisation FIAN hat in Kooperation mit ROBIN WOOD einen Protestbrief an den Brasilianischen Justizminister auf Ihre Internetseiten gestellt.

 

Fragen

Für weitere Rückfragen:

Peter Gerhardt,
Fachreferent Tropenwald, tropenwald@robinwood.de, Tel.: 040 380 892 - 18

Dr. Rudolf Fenner,
Fachreferent Wald, wald@robinwood.de, Tel.: 040 380 892 - 11

Ute Bertrand
Pressesprecherin, Tel. 040 / 380 892-22, presse@robinwood.de

(weitere ROBIN WOOD-Adressen...)



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