Ölpalmen


Ölpalmenmonokultur
Ölpalmenmonokultur in Indonesien
(Foto: Sawit Watch)

Wenn es um die Verantwortung der Industrieländer für den Rückgang der tropischen Wälder geht, fällt der erste Gedanke auf unseren Tropenholzkonsum. Tatsächlich stellt der kommerzielle Holzeinschlag weltweit die größte Bedrohung für die Primärwälder in den Tropen dar. Darüber hinaus gibt es aber eine Vielzahl weiterer Zerstörungsursachen, die regional sogar von größerer Bedeutung sein können, als die Holznutzung. In Südostasien breitet sich vor allem die Ölpalme auf Kosten der noch vorhandenen Wälder aus. Das hat fatale Ursachen für die Menschen vor Ort.


Der Palmölboom in Südindonesien und seine Folgen

Kaum eine Kulturpflanze der tropischen Regionen kann auf derartige Expansionsraten in den letzten beiden Jahrzehnten zurückblicken wie die aus Äquatorialafrika stammende Ölpalme (bot. Elaeis guinensis). Grund hierfür: Der Pflanzenzüchtung ist es gelungen, die Ölpalme zur weltweit ertragreichsten fettliefernden Pflanze zu machen. Deshalb fressen sich die Ölpalmenplantagen immer weiter in die noch vorhandenen tropischen Wälder hinein. Vielfach kommt es zur Vertreibung der lokalen Bevölkerung und unkontrollierten Brandrodungen.


Brandrodung für neue Plantagen
(Foto: Sawit Watch)

Was wird aus dem Palmöl gemacht?

Die Lebensmittelindustrie ist der größte Abnehmer von Palmöl ist. Sie verarbeitet Palmöl in Margarine, Chips, Schokoriegeln, Fertiggerichten und noch vielen anderen Produkten. Auch in Waschmitteln und Kosmetika ist Palmöl zu finden. Viele Betreiber von Blockheizkraftwerken haben von regional angebautem Rapsöl auf Palmöl umgestellt. Palmöl ist zurzeit günstiger als Rapsöl und wird wie Rapsöl durch das EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) subventioniert. Unabhängig von der Herkunft des verwendeten Palmöls bekamen die Betreiber 2007 mindestens 200 Millionen Euro aus der im Strompreis enthaltenen EEG-Umlage vergütet. So wurden alleine 2007 ca. 1,3 Milliarden Kilowattstunden (kWh) mittels Palmöl in deutschen Blockheizkraftwerken erzeugt. Das entspricht der gesamten Stromerzeugung aus Solarenergie des Jahres 2005.

Kolumbien

Die kriminellen Machenschaften in Kolumbien werden sehr gut in zwei Artikeln von Christian Cracia dargestellt. Er zeigt an Hand von Beispielen wie indigene Bauern von Palmölfirmen um ihr Land gebracht werden.


Das sagt die Industrie

Viele Firmen die Palmöl verwenden, erhielten kürzlich Post von ROBIN WOOD. Die Unternehmen wurden aufgefordert, zur aktuellen Situation der Palmölgewinnung Stellung zu beziehen. Die Mehrzahl gab sich mit den negativen Folgen des Ölpalmenbooms in Südostasien durchaus vertraut, um gleich darauf jede Verantwortung von sich zu weisen. Typisch dafür war das Schreiben von Procter&Gamble (Ariel, Lenor, Meister Proper): "Wir möchten Ihnen mitteilen, dass alle unsere Rohmaterialien, dazu gehört auch Palmöl, generell unter der Beachtung sozialer, ökologischer und ökonomischer Aspekte ausgewählt werden."

Na dann ist doch alles klar, oder? Bei Henkel sind einfach die anderen Schuld: "Der Anbau von Ölpalmen ist nicht Ursache für die Zerstörung des Regenwaldes. (...) Für die Zerstörung des Regenwaldes in Indonesien ist in erster Linie die Holznutzung als billige Einkommensquelle verantwortlich zu machen." Da wird der schwarze Peter einfach weiter gereicht. Der Holzhandel dagegen argumentiert immer wieder gern, dass die Landwirtschaft, also auch der Anbau der Ölpalme, verantwortlich sei für den Waldrückgang.

Verantwortlich verhalten sich nur die Biohersteller, die von anerkannten Bioanbauverbänden zertifiziert werden. Diese verwenden Rohstoffe aus sozial und ökologisch akzeptablen Quellen.


Das fordert ROBIN WOOD

Der hemmungslosen Expansion von Ölpalmen-Plantagen in Südostasien - vor allem in Indonesien - dürfen keine weiteren Waldgebiete mehr geopfert werden. Neue Investitionen, und damit auch die Kreditvergabe europäischer Geschäftsbanken, sollten eine ökologische und soziale Wende dieses Wirtschaftszweiges begünstigen. Dabei ist eine Partizipation der Bevölkerung vor Ort unbedingt notwendig. Gefordert sind auch Industrie und Handel, die mit ihrer Marktmacht akzeptable Mindeststandards durchsetzten könnten.


Sie entscheiden mit

Als VerbraucherIn können Sie mit Ihrem Konsumverhalten dazu beitragen, dass die tropischen Lebensräume nicht weiter zerstört werden, indem Sie Produkte, die Palmöl enthalten könnten, meiden. Lediglich von einem anerkannten Bioanbauverband zertifiziertes Palmöl ist akzeptabel. Dies zu befolgen, ist sicher nicht immer ganz einfach, denn die Deklaration von den meisten Produkten reicht dazu einfach nicht aus.

Grundsätzlich können Sie aber folgende Tipps beherzigen:

  • Kaufen Sie biologisch erzeugte Lebensmittel.
  • Fragen Sie auch bei Kosmetika, ob darin Palmöl enthalten ist. Es gibt Hersteller, die auf den Einsatz von Palmölen verzichten.
  • Verwenden Sie nach Möglichkeit Reinigungsmittel, die auf Seifenbasis hergestellt worden sind und vermeiden Sie unnötige Waschgänge.

Es lohnt sich auch die eigene Bank zu fragen, ob diese die Palmölindustrie mit neuen Krediten füttert. Lassen Sie Sich nicht mit allgemeinem Umweltstatements abspeisen und wechseln Sie - falls notwendig - Ihr Geldinstitut. Und behalten Sie Ihre Entscheidung nicht für sich, sondern sagen Sie es den betreffenden Unternehmen oder den politisch Verantwortlichen. Falls Sie ein bestimmtes Unternehmen um Auskunft bitten möchten, erhalten Sie von uns gerne einen Musterbrief oder weitere Unterstützung.


Weitere Informationen zu Palmöl

Gewalt für Ölpalmen in Kolumbien 2008 (pdf)
     Die katastrophalen Ereignisse in Kolumbien.

Kolumbien: Blutiges Öl der Palmen 2007 (pdf)
     Fallbeispiele, wie durch kriminelle Machenschaften kolumbianischen Kleinbauern das Land geraubt wird.

Das Öl der Zerstörung
     ROBIN WOOD-Magazin 3/2001

Flyer "Gewalt für Palmöl?"

(pdf, rd. 1,6 MB)
Flyer "Sterben für unseren Warenkorb"

(pdf, rd. 1,4 MB)
Die Flyer können, auch zum Weiterreichen, kostenlos bestellt werden:
Tel. 0421-598288 oder info@robinwood.de


ROBIN WOOD-Pressemitteilungen:

Pressemitteilung, 27.11.2008
ADM geht gegen Umweltschützer vor - Palmöl-Konzern zeigte ROBIN WOOD-AktivistInnen an und macht weiter schmierige Geschäfte auf Kosten des Regenwaldes
Pressemitteilung, 5.9.2008
Wilmar weiter auf Raubbau-Kurs - Konzern aus Singapur will Tropenwälder für neue Ölpalmen-Plantagen vernichten
Pressemitteilung, 17.7.2008
Schmierige Geschäfte mit Palmöl - ROBIN WOOD protestiert gegen Palmöl-Raffinerie in Brak
Pressemitteilung, 6.6.2008
"Palmölplantagen zerstören unser Leben" - Keine Förderung von Palmöl im EEG
Pressemitteilung, 29.4.2008
Agrar-Konzern ADM zerstört Tropenwälder für Palmöl - ROBIN WOOD-Protestaktion bei ADM im Hamburger Hafen


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