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Erklärung von ROBIN WOOD zu den Prozessen der Einbetonierung- und Ankettaktion anlässlich des Castor-Transportes im März 2001 von La Hague in das Zwischenlager Gorleben.

Aktivistinnen und Aktivisten der Umweltschutzorganisation ROBIN WOOD führen seit 20 Jahren gewaltfreie Aktionen für Natur und Umwelt durch. Gegen die Zerstörung der Wälder, gegen die Vergiftung des Wassers, gegen ausufernde Asphaltierung der Landschaft und gegen Betonpisten für den maßlos ansteigenden Flugverkehr. Aktionen gegen Konzerne die das Profitinteresse über den Schutz unserer Lebensgrundlagen stellen. Aktionen gegen Banken, Holzimporteure, Energieversorger. Aktionen aber auch gegen Atomtransporte. Der Gewaltfreiheit verpflichtet - denn nur durch friedlichen, phantasievollen aber entschiedenen Protest gelingt es unserer Meinung nach auf die drängenden Probleme dieser Gesellschaft hinzuweisen, Veränderungen einzufordern und letztlich dazu beizutragen, dass sich diese Gesellschaft weiter entwickelt.

Nunmehr 10 Jahre ist es her, dass der damalige niedersächsische Ministerpräsident und heutige Bundeskanzler Gerhard Schröder mit den Bossen der Atomkonzerne erstmalig zusammensaß und eine Offerte für den Atomausstieg diskutierte. In der Verpflichtung des Nürnberger Parteitagsbeschlusses von 1986 - beschlossen unter dem Eindruck des verheerenden und noch heute wirkenden Atomunfalls von Tschernobyl - hatte sich die SPD einen Ausstieg aus dieser riskanten und lebensgefährlichen Technologie auf die Fahnen geschrieben.

Mit der Übernahme der rot-grünen Regierungsverantwortung im November 1998 wurde auch der so genannte Atomkonsens zwischen Bundesregierung und AKW-Betreibern Gegenstand der Tagespolitik.

ROBIN WOOD hat nicht erst nach Tschernobyl sondern in Anbetracht des enormen Risikopotenzials der Atomenergie weltweit sowie der Forderung nach einer umwelt-, klima- und sozialverträglichen Energieversorgung immer den sofortigen Ausstieg aus der Nutzung der Atomenergie gefordert. Nicht ein Konsens mit den Betreibern mit dem Ziel des Weiterbetriebs bis zu einem von beiden Seiten akzeptierten Zeitpunkt sondern ein Gesetz zur sofortigen Beendigung der Nutzung der Atomenergie und der Einstieg in eine nachhaltige Energieversorgung war und ist die Forderung von ROBIN WOOD. Die jüngsten Ereignisse in Brunsbüttel und Philippsburg aber auch die unerwarteten und bedenklichen Rostbefunde in Druckbehältern us-amerikanischer AKW sprechen eine deutliche Sprache und zeigen dass neben der Unzuverlässigkeit der Betreiber auch die technischen Probleme nicht gemeistert werden können. Mit dem Konsens von Juni 2000 und der nachfolgenden Novellierung des Atomgesetzes wurde vereinbart, dass für das geplante Endlager in Gorleben ein Moratorium von drei bis 10 Jahren erlassen wird, dass an den AKW-Standorten Zwischenlagerkapazitäten aufgebaut werden um zukünftig Transporte zu vermeiden, dass die Transporte in die Wiederaufarbeitung im Juni 2005 beendet werden sollen - wiewohl die in den WAA liegenden abgebrannten Brennelemente noch für mindestens weitere 15 Jahre dort für Beschäftigung sorgen und nachfolgend viele Transporte mit hochradioaktivem Atommüll in das Zwischenlager Gorleben verbracht werden sollen. Nicht zuletzt wurde vereinbart, dass die AKW noch Jahrzehnte weiter betrieben werden können.

Seit Beginn der Wiederaufnahme der Atomtransporte im März 2001 - drei Jahre nach dem Transportestopp aufgrund einer jahrelang durch die AKW-Betreiber verschwiegenen Kontamination der Transportbehälter - sind über 50 Transporte in die Wiederaufarbeitungsanlagen im britischen Sellafield und französischen La Hague gebracht worden. Geplant waren weitaus mehr. Fast 100 Transportbehälter sollten rollen. Und für 2002 sind cirka 150 Transportbehälter geplant. Bis 2005 insgesamt 500. Doch der Widerstand der Anti-Atom-Bewegung insgesamt hat die Zeitpläne der Transporteure dieser strahlenden Fracht gehörig durcheinander gebracht. Der Startschuss der Wiederaufnahme der Transporte fiel mit der Rückführung von hochradioaktivem Müll aus der WAA La Hague in das Zwischenlager im wendländischen Gorleben am 27. März 2001. Dieser Transport - von der rot-grünen Bundesregierung lautstark mit moralischem Impetus und völkerrechtlichen Argumenten verteidigt - war der Türöffner für die vielen weiteren Transporte aus deutschen AKW in die Wiederaufarbeitung. Das Wendland glich in diesen Tagen im März 2001 einem von der Polizei belagerten Landstrich. Es galt ein Ausnahmezustand mit weitreichenden
Demonstrations- und Campverboten und Einschränkungen von Grundrechten.

Das Augenmerk der Weltöffentlichkeit galt diesem ersten Transport von hochradioaktivem Müll nach Gorleben unter der rot-grünen Regierung. Dieser Transport war auch ein Gradmesser dafür inwieweit die Anti-Atom-Bewegung nach der Konsensvereinbarung zum so genannten Atomausstieg vom Juni 2000 handlungsfähig war.

Knapp 20.000 Beamtinnen und Beamte von Polizei und BGS wurden aufgeboten um den Transport nach Gorleben durchzubringen. Ein bunter und vielfältiger Widerstand begleitete den Transport, verzögerte hier und da. Eine Gruppe von fünf Menschen aus dem wendländischen Widerstand und aktiven Mitgliedern von ROBIN WOOD konnte mit ihrer Aktion bei Süschendorf den Zug mit der hochradioaktiven Fracht stoppen. 17 Stunden lang war das Einsatzkonzept von Polizei und BGS durch eine gewaltfreie und friedliche Ankettaktion gestört. Erstmalig musste ein Castor-Zug rückwärts fahren und Bundesinnenminister Schily redete von schwersten Straftaten.

Nachfolgend haben Aktivistinnen und Aktivisten von ROBIN WOOD zweimal durch spektakuläre Ankettaktionen Züge mit hochradioaktivem Müll für Stunden aufhalten können. Im Mai 2001 beim AKW Stade und im März 2002 bei Krümmel.

Diese punktuellen Aktionen zivilen Ungehorsams sind aus Sicht von ROBIN WOOD ein probates Mittel immer wieder darauf hinzuweisen, dass diese Transporte in die Wiederaufarbeitung egal ob in Sellafield oder La Hague ein großes Risiko für Mensch und Umwelt darstellen. Die Wiederaufarbeitung ist eines der schmutzigsten Geschäfte überhaupt. Langlebige radioaktive Strahler werden in großem Umfang aus den Rohren und Schloten der Anlagen abgegeben. Emissionen der Anlage in Sellafield sind noch an der norwegischen Küste nachweisbar. Tauben aus Sellafield gelten als fliegender Atommüll, Strand aus der Umgebung von La Hague muss als Atommüll entsorgt werden. Für ROBIN WOOD ist es eine moralische Verpflichtung die Menschen in Frankreich und Großbritannien vor dem Müll aus Deutschland zu bewahren. Den Profit mit diesem dreckigen Geschäft machen wenige, die Folgen werden wir alle tragen.

ROBIN WOOD fordert von der Bundesregierung den sofortigen Transport-Stopp von abgebrannten Brennelementen in die Wiederaufarbeitung. Die in der Vergangenheit zur Wiederaufarbeitung gebrachten abgebrannten Brennelemente dürfen nicht wiederaufgearbeitet werden und sind nach dem sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie in die Bundesrepublik zurückzuführen.

ROBIN WOOD fordert die Einstellung aller Strafverfahren gegen die Aktivistinnen und Aktiven, die mit gewaltfreien Aktionen des Zivilen Ungehorsams das grundgesetzlich geschützte Recht auf Unversehrtheit des Lebens einfordern.

Jürgen Sattari
Sprecher des Bundesvorstandes von ROBIN WOOD e.V.
Hamburg, 15.04.2002

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