Frankfurt, den 20. Januar 2009
Waldbesetzerdorf gegen Flughafenausbau eingezäunt
AktivistInnen befürchten, dass Räumung und Rodung im Kelsterbacher Wald unmittelbar bevorstehen
Heute früh haben Arbeiter damit begonnen, das WaldbesetzerInnendorf
gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens im Kelsterbacher Wald
einzuzäunen. Ein Großaufgebot der Polizei ist vor Ort, das Camp ist aber
bislang weiterhin für BesucherInnen und Medien zugänglich. Die Polizei
begann mit dem Aufgraben von Erdtunneln, die sich außerhalb des
eingezäunten Bereichs befinden. Mehrere WaldbesetzerInnen, darunter einige ROBIN
WOOD-AktivistInnen, haben sich auf Plattformen und Baumhäusern in den
Wipfeln eingerichtet. Sie protestieren mit dieser seit Mai 2008
laufenden Besetzung dagegen, dass ein wertvolles Naturschutzgebiet
ruiniert werden soll, um noch mehr extrem klimaschädlichen Flugverkehr
zu ermöglichen. Vollerntemaschinen, so genannte Harvester, sind bereits
vor Ort.
Fraport bekam in der vergangenen Woche vom Verwaltungsgerichtshof Kassel
(VGH) vorab grünes Licht für den Bau einer vierten Landebahn im
Bannwald. In der Hauptsache wird das Gericht jedoch erst im Sommer
dieses Jahres über die zahlreichen Klagen gegen das gigantische
Ausbauprojekt entscheiden.
Fraport argumentiert, der Ausbau sei dringend erforderlich. Dadurch
sollen die Kapazitäten des größten bundesdeutschen Flughafens nach
Konzernangaben noch einmal um die Hälfte gesteigert werden von
jährlich 500.000 auf 750.000 Flugbewegungen. Tatsächlich sind die
Fracht- und Passagierzahlen am Frankfurter Flughafen jedoch aufgrund der
weltweiten Wirtschaftskrise stark zurückgegangen. Dieser Trend wird sich
voraussichtlich auch sobald nicht umkehren. Es gibt keinen Zeitdruck.
Das ist eine Erfindung von Fraport, um ihr Milliarden-Projekt noch vor
einer Gerichtsentscheidung in der Hauptsache schnell in trockene Tücher
zu bekommen und Fakten im Wald zu schaffen, sagt Monika Lege, ROBIN
WOOD-Verkehrsreferentin.
Der VGH hatte am 15. Januar 2008 in seinem Beschluss darüber hinaus
deutlich gemacht, dass die Nachtflugregelung im
Planfeststellungsbeschluss (PFB) rechtlich keinen Bestand haben wird.
Sie erlaubt in der Nacht von 23 bis 5 Uhr 17 Flüge, obwohl ein klares
Ergebnis des Mediationsverfahrens hieß: Ausbau nur bei Nachtflugverbot.
In den Nachtrandstunden (22 bis 23 Uhr und 5 bis 6 Uhr) sollen laut PFB
sogar durchschnittlich 150 Flüge pro Nacht möglich sein. Fraport selbst
hatte Ende Oktober 2008 behauptet, mit einem Nachtflugverbot würden
unkalkulierbare zeitliche und finanzielle Risiken heraufbeschworen und
damit Stimmung gegen die seinerzeit geplante rot-grüne Koalition
gemacht, die die Nachtflugregelung im PFB überprüfen wollte. Die
Nachtflugregelung ist von zentraler Bedeutung für den Ausbau. Deshalb
ist die Argumentation wenig überzeugend, dass Fraport jetzt - trotz
Unklarheit in diesem wichtigen Punkt - schon mit dem Kahlschlag beginnen
darf, kritisiert Lege.
Der Kahlschlag im Kelsterbacher Wald umfasst insgesamt rund 250 Hektar,
mehr als 200 Hektar davon genießen als Bannwald die höchste Schutzstufe,
sollen aber dennoch zerstört werden. Bis zum Beginn der
Vegetationsperiode im März will Fraport mindestens die ersten 92 Hektar
für so genannte vordringliche Arbeiten kahl schlagen, die übrigen
könnten dann ab September zerstört werden.
Für Rückfragen:
Monika Lege, Verkehrsreferentin, Tel: 040 / 380 892-12, verkehr@robinwood.de
Ute Bertrand, ROBIN WOOD-Pressestelle, Tel: 040 / 380 892-22, presse@robinwood.de
Kontakt zur Waldbesetzung, Tel. 0176 / 263 389 86
Meldungen des Tages zur Situation im Waldbesetzerdorf
Faktenblatt zum Ausbau (pdf, rd. 20 kB)
Wegbeschreibung samt Karte zum Wald-Camp
Homepage der WaldbesetzerInnen