Frankfurt, den 5. Dezember 2008
Rettet den Kelsterbacher Wald vor Fraport
Rodungsarbeiten für den Bau einer vierten Landebahn am Frankfurter
Flughafen könnten in wenigen Wochen beginnen / ROBIN WOOD rechnet mit
Protesten
VertreterInnen der Stadt Kelsterbach und der Fraport werden am kommenden
Montag im Regierungspräsidium Darmstadt hinter verschlossenen Türen über
die so genannte Besitzeinweisung im Rahmen des Enteignungsverfahrens für
den Kelsterbacher Wald verhandeln. Fraport braucht die Besitzeinweisung,
um vor Beginn der Vegetationsperiode am 1. März 2009 mit Rodungsarbeiten
für den Bau einer vierten Landebahn beginnen zu können. Bislang gehört der
Wald noch der Stadt Kelsterbach, die gegen den Flughafenausbau klagt.
ROBIN WOOD kritisiert das Vorgehen des Regierungspräsidiums und der
Koch-Minderheitsregierung, kurz vor der Landtagswahl am 18. Januar diese
Entscheidung durchzudrücken und fordert Fraport auf, auf Rodungsarbeiten
zu verzichten.
Dass es am Montag zu dem Termin beim Regierungspräsidium kommt, hängt mit
dem am 3. November 2008 gescheiterten hessischen Regierungswechsel
zusammen. Der rot-grüne Koalitionsvertrag sah gestützt auf mehrere
Rechtsgutachten vor, Fraport darauf zu verpflichten, auf Rodungsarbeiten
im Wald vor der Entscheidung des Kassler Verwaltungsgerichtes im
Hauptsacheverfahren zu verzichten. Diese Gerichtsentscheidung wird für
Sommer 2009 erwartet. Fraport will nur die Vorabentscheidung im
Eilverfahren, die um die Jahreswende 2008/2009 fallen soll, abwarten.
Es zeugt von einem seltsamen Demokratie- und Rechtsverständnis, wenn
unter einer Minderheitsregierung und sechs Wochen vor der Neuwahl eine
nachrangige Behörde derart weit reichende und rechtlich wie politisch
umstrittene Entscheidungen treffen soll, kritisiert Monika Lege,
Verkehrsreferentin der Umweltorganisation ROBIN WOOD.
Das Waldgebiet, das für den Bau einer vierten Landebahn gerodet werden
soll, umfasst insgesamt fast 250 Hektar. Dies entspricht einer Fläche von
350 Fußballfeldern. Mehr als 200 Hektar der betroffenen Fläche genießen
als Bannwald die höchste Schutzstufe. Bis zum Beginn der
Vegetationsperiode im März 09 will Fraport die ersten 92 Hektar im
Kelsterbacher Stadtwald für so genannte vordringliche Arbeiten kahl
schlagen.
Die Vordringlichkeit begründet Fraport mit seiner Bauplanung. Bis Herbst
2011 will der Konzern mit der neuen Bahn seine Kapazitäten von jetzt
500.000 auf mindestens 700.000 Starts und Landungen jährlich erhöhen.
Diese massive Kapazitätsausweitung geht jedoch am Bedarf vorbei. Die Zahl
der Passagiere und Fracht ist auch durch die Finanzkrise rückläufig.
Fraport verzeichnete nach eigenen Angaben im Oktober 2008 einen Rückgang
bei den Passagierzahlen um 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat und
beim Frachtaufkommen im gleichen Zeitraum ein Minus von 4,1 Prozent. Am
kommenden Mittwoch wird Fraport seine neuen Verkehrszahlen vorlegen, die
diesen Trend belegen werden.
ROBIN WOOD lehnt den Bau einer vierten Landebahn ab, weil damit die
klimaschädlichste Fortbewegungsart, das Fliegen, gefördert und Klima
schützender Wald zerstört würde. ROBIN WOOD-AktivistInnen beteiligen sich
an dem seit Mai 2008 bestehenden Hüttendorf gegen den Flughafenausbau und
für den Schutz des Kelsterbacher Stadtwaldes.
Kontakt:
Monika Lege, Verkehrsreferentin, Tel. 040 / 380 892 12, verkehr@robinwood.de
Ute Bertrand, ROBIN WOOD-Pressestelle, Tel. 040 / 380 892 22, presse@robinwood.de
Hintergrund:
"ZÜNDSTOFF. Verkehr und Klima" unter www.robinwood.de/verkehr (Stichwort: Klimaschutz, pdf, rd. 3 MB)