27. November 2008
Pressemitteilung der Initiative 2000 plus - Schulmaterialien aus Recyclingpapier
Kein Urwald für Papier
VertreterInnen aus zwölf Bundesländern, Polen und Tschechien haben ihre
Erfahrungen ausgetauscht und beraten, wie sie sich noch stärker für einen
ökologischen und sozialverträglichen Papierkonsum einsetzen können. Sie
trafen sich am vergangenen Wochenende (21. 23. November) gemeinsam zum
7. bundesweiten Vernetzungstreffen der Papier-Initiative 2000 plus und dem
EU-Papier-Projekt Lerne mehr, verbrauche bewusst im Wald-Solar-Heim in
Eberswalde, Brandenburg.
Als besonderen Gast konnte die Papier-Initiative den Umweltaktivisten
Ingmar Lee aus British Columbia, Kanada begrüßen, der dort mehr als 20
Jahre als Baumpflanzer arbeitete. Er hielt einen Vortrag über den
Holzeinschlag in kanadischen Wäldern für Zellstoff und Papier. Ingmar Lee
vermittelte den 80 TagungsteilmehmerInnen und BürgerInnen aus Eberswalde
nicht nur einen Eindruck über die Einzigartigkeit der gemäßigten
Regenwälder an der kanadischen Westküste, sondern auch über das Ausmaß der
dortigen Waldzerstörung für unseren Papierkonsum. In Kanada wird Holz
immer noch in erster Linie in Urwäldern eingeschlagen. Zurzeit befindet
sich Ingmar Lee auf Vortragsreise durch Deutschland, um auf die damit
verbundenen Folgen für Menschen und Natur zu informieren (Infos dazu
unter: www.naturschatz.org).
Die Forderung Ingmar Lees, kein Holz aus Urwäldern mehr für ein
kurzlebiges Alltagsprodukt wie Papier zu nutzen, wird von den 75 Umwelt-
und Verbraucherorganisationen der Papier-Initiative in Deutschland
geteilt. Die Verbände engagieren sich seit fast zehn Jahren für einen
nachhaltigen Papierkonsum. Sie kritisieren den zu hohen Verbrauch von 256
Kilogramm Papier pro Kopf im Jahr, mit dem Deutschland zu den größten
Papierverbrauchern weltweit gehört. Deutschland verbraucht so viel Papier
wie die beiden Kontinente Afrika und Lateinamerika zusammen. Ein ähnliches
Bild der Urwaldzerstörung wie in Kanada zeichnete Peter Gerhardt,
Tropenwaldreferent bei ROBIN WOOD, von der Lage in Indonesien und
Brasilien. Immer größer wird der Anteil aus tropischen Regionen. 17
Prozent des weltweit genutzten Zellstoffs für Papier stammen aus
Urwaldgebieten. Da für die deutsche Papierproduktion 80 Prozent der
Zellstoffe importiert werden, sind wir direkt mitverantwortlich für die
Zerstörung der letzten Urwälder der Erde, sagte Gerhardt.
Jeder kann im Rahmen seiner Möglichkeiten zur Änderung des
Konsumverhaltens beitragen. An bundesdeutsche Politiker appellieren 13
Umwelt- und Verbraucherverbände mit einem Memorandum für einen
nachhaltigen Papierkonsum in Deutschland und fordern Maßnahmen, um den
Ressourcenverbrauch für Papier drastisch zu senken. Die Ziele des
Papier-Memorandums sind: eine Verbrauchsreduzierung um 50 Prozent, der
konsequente Einsatz von mehr Recyclingpapier und der Ausschluss von
Papieren, deren Rohstoffe aus Raubbau in Urwäldern stammen. Für die
Umsetzung dieser Ziele fordern die Verbände unter anderem
Papiersparprogramme, Bildungsoffensiven und eine Kennzeichnungspflicht für
die Herkunft der Zellstoffe auf Papierprodukten
(www.treffpunkt-recyclingpapier.de).
Für Rückfragen an die Initiative 2000 plus:
Monika Nolle, ARA e.V., Tel.: 0521/65 943, monika.nolle@araonline.de
Angelika Krumm, ROBIN WOOD e.V., Tel.: 03332/25 20 10, papier@robinwood.de
Ute Bertrand, Pressestelle, Tel. 040 / 380 892 22, presse@robinwood.de
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Die Initiative 2000 plus ist eine Kooperation von 75 Umweltverbänden,
Verbraucherorganisationen und Kommunen in 14 Bundesländern. Sie wurde 1999
in NRW gegründet. Unter der Schirmherrschaft des Umweltbundesamtes und der
Schirmherren in den beteiligten Bundesländern arbeitet die Initiative 2000
plus für eine Trendwende pro Recyclingpapier und die zukunftsfähige
Nutzung von Papier in allen Bereichen.
Das Treffen wurde vom Umweltministerium Brandenburg und der Europäischen
Kommission finanziell unterstützt.
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