6. November 2008
+++ update, 16:30 Uhr: Die drei besetzten Brücken wurden von der Polizei geräumt. +++
Castor-Strecke dicht
ROBIN WOOD-AktivistInnen seilen sich von Brücken über der Bahnstrecke ab / "Wir bleiben, bis der Castor kommt."
Neun ROBIN WOOD-AktivistInnen haben sich heute morgen von drei Brücken
über der Schienenstrecke zwischen Lüneburg und Wendisch Evern abgeseilt.
Damit ist die Strecke für den Zug mit den Castoren ab Lüneburg
unpassierbar. Die AktivistInnen wollen in ihren Luftsitzen bis zur Ankunft
des Castor-Zuges ausharren, wenn sie nicht zuvor geräumt werden. Sie
entrollten Transparente mit dem Symbol für Radioaktivität und den
Aufschriften "Menschen vergessen Konsequenzen" und "Dicht machen - Nicht
schlapp machen vor der Atom-Lobby". Damit protestieren sie gegen den
Transport von hochradioaktivem Atommüll nach Gorleben, der voraussichtlich
morgen Abend im französischen La Hague starten wird.
Bereits zum elften Mal rollt ein CASTOR-Transport mit gefährlich
strahlendem Müll quer durch Deutschland bis ins niedersächsische
Gorleben. Dabei gibt es in Gorleben kein Endlager dafür. Die
Atommüllbehälter werden dort in einer überirdischen Leichtbauhalle
abgestellt, in der bereits 80 Behälter stehen.
Atomlobby und CDU haben sich seit Ende der siebziger Jahre darauf
versteift, Gorleben zur Atommüll-Kippe zu machen. Der Standort war aus
politischen Gründen gewählt worden, u.a. wegen seiner Nähe zur damaligen
innerdeutschen Grenze. Einen Vergleich mit alternativen Standorten hat es
- auch unter der rot-grünen Bundesregierung - nie gegeben.
Obwohl Wissenschaftler wie Eckhard Grimmel und Klaus Duphorn früh
aufgezeigt hatten, dass der Salzstock aufgrund seiner geologischen
Eigenschaften nicht als Endlager geeignet ist, wurde dort weiter
geforscht. Inzwischen wurde die Erkundung zwar unterbrochen, spätestens im
Jahr 2010 läuft dieses Moratorium aber aus. Bislang sind etwa 1,5
Milliarden Euro in die Erkundung des Salzstocks geflossen. Diese
Fehlinvestition dient heute dazu, das Festhalten an Gorleben zu
rechtfertigen. So sprach sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im
September dieses Jahres offen für Gorleben aus -- mit der Begründung, sie
habe keine Lust, weitere Milliarden auszugeben.
Wie teuer und gefährlich es werden kann, wenn Atommüll fahrlässig an
ungeeigneter Stelle abgekippt wird, hätte Angela Merkel spätestens am
Beispiel Asse lernen müssen. Im dortigen stillgelegten Salzbergwerk,
Pilotprojekt für Gorleben, wurde ab 1967 schwach- und mittelradioaktiver
Atommüll gelagert -- angeblich zu Forschungszwecken. Nach nur 40 Jahren
droht das Bergwerk einzustürzen und abzusaufen. Die Kosten für die
notwendigen Sanierungsarbeiten veranschlagt das Bundesumweltministerium
bereits jetzt auf zwei Milliarden Euro. Weitere zwei Milliarden aus
Steuermitteln sind bereits in die Stabilisierung des ebenfalls
einsturzgefährdeten Atommüll-Lagers Morsleben geflossen.
"Atomstrom ist zu gefährlich und zu teuer und gehört abgeschaltet. Die
Konzerne aber wollen ihre Meiler über die nächste Bundestagswahl retten,
weiter abkassieren und den Müll möglichst billig in Gorleben versenken.
Jetzt gibt es die Chance dazu laut und deutlich Nein zu sagen -- gemeinsam
mit Tausenden AtomkraftgegnerInnen, die am Wochenende entlang der
CASTOR-Strecke und im Wendland protestieren werden", sagt Dirk Seifert,
Energiereferent bei ROBIN WOOD.
Kontakt:
Dirk Seifert, ROBIN WOOD-Energiereferent, Tel. 040 / 380 892 21, energie@robinwood.de
Ute Bertrand, ROBIN WOOD-Pressesprecherin, Tel. 040 / 380 892 22, presse@robinwood.de
Aufruf zur Demo in Gorleben am 8. November und weitere Infos unter:
http://www.robinwood.de/energie
Video der ROBIN WOOD-Brücken-Abseil-Aktion am 6. Nov. bei Lüneburg sowie der Anti-Atom-Demo am 8. Nov. in Gorleben. (.flv, rd. 16 MB)