Frankfurt, den 4. November 2008
Gewissensfrage oder Kotau vor der Fraport AG?
ROBIN WOOD kritisiert hessischen SPD-Landtagsabgeordneten Jürgen Walter scharf / Rodung von 250 Hektar Wald für Flughafenausbau kurzfristig möglich
Die gestrige Entscheidung des SPD-Landtagsabgeordneten Jürgen Walter,
einen Regierungswechsel in Hessen nicht zu unterstützen, wertet die
Umweltorganisation ROBIN WOOD als Kotau vor der Fraport AG. Bereits am 4.
Juni dieses Jahres hatte Walter kaum verhohlen für eine große Koalition
mit der CDU geworben, als er sich gegen ein Nachtflugverbot am Frankfurter
Flughafen aussprach. Er stellte sich damit gegen seine Fraktion und auf
die Seite der Regierung von Roland Koch. Diese hatte im
Planfeststellungsbeschluss zum Flughafenausbau Ende 2007 das
Nachtflugverbot gekippt. Das so genannte Mediations-Ergebnis, Grundlage
aller Ausbaupläne, schreibt jedoch zwingend die Kopplung von
Flughafenausbau und Nachtflugverbot vor.
Seine späte Entscheidung gegen eine rot-grüne Koalition begründete
Walter gestern vor allem mit der Verzögerung beim Ausbau des Frankfurter
Flughafens, diese gefährde Zehntausende Arbeitsplätze. Walters
Entscheidung hat direkte Konsequenzen für den Kelsterbacher Wald, sagt
Monika Lege, Verkehrsreferentin bei ROBIN WOOD. Denn Rot-Grün hatte
vereinbart, die für diesen Winter geplante Rodung auszusetzen und die
Entscheidung des hessischen Verwaltungsgerichtshof im kommenden Sommer
abzuwarten.
250 Hektar Wald will die Fraport AG für den Bau einer vierten Landebahn
kahl schlagen lassen. Das entspricht einer Fläche von 350 Fußballfeldern.
Insgesamt soll die Stadt Kelsterbach 400 Hektar Wald für den
Flughafenausbau hergeben und klagt dagegen. Zahlreiche weitere Klagen von
Gemeinden, AnwohnerInnen und dem Naturschutzverband BUND gegen den
Planfeststellungsbeschluss sind noch nicht entschieden.
In den rot-grünen Koalitionsverhandlungen, an denen Walter beteiligt war,
war der Flughafenausbau bis zum Schluss umstritten. Im Koalitionsvertrag,
dem die Landesparteitage der Grünen und der SPD am vergangenen Sonntag mit
großer Mehrheit zugestimmt hatten, hielten die Partner in spe fest, dass
die SPD für und die Grünen gegen den Ausbau des Flughafen Frankfurts sind.
Detailliert legten sie ein Verfahren fest, das mit großer Sicherheit eine
Rodung des Kelsterbacher Waldes in diesem Winter ausgeschlossen hätte.
Erfolg für die Grünen: Die Entscheidung des hessischen
Verwaltungsgerichthofs im Hauptsacheverfahren sollte abgewartet werden,
damit die Fraport mit der Zerstörung des Waldes nicht vorzeitig Tatsachen
schaffen kann. Erfolg für die SPD: Diese Aussetzung der Genehmigung zum
Kahlschlag sollte bis Ende 2009 befristet werden.
Seit Mai halten UmweltschützerInnen ein Waldstück besetzt, das für den Bau
einer vierten Landebahn gerodet werden soll. Der Mischwald gehört noch der
Stadt Kelsterbach, die das Walddorf bisher duldet. Die
Flughafengesellschaft Fraport will den Wald vor Beginn der nächsten
Vegetationsperiode, also bis März 2009, kahl schlagen. Mit dem
gescheiterten Regierungswechsel droht die Räumung kurzfristig und noch vor
den immer wahrscheinlicher werdenden Neuwahlen.
Die hessischen Grünen hätten es sich aufgrund ihrer Geschichte nicht
leisten können, gleich zu Beginn ihrer Regierungsbeteiligung den Wald für
den Flughafenausbau räumen zu lassen. Auch deswegen haben sie in den
Koalitionsverhandlungen mit der SPD vehement für die Verzögerung des
Ausbaus gestritten, kommentiert Lege von ROBIN WOOD. Jetzt müssen wir
davon ausgehen, dass die Koch-Regierung die Drecksarbeit im Wald noch vor
Neuwahlen erledigen lässt.
Kontakt:
Monika Lege, ROBIN WOOD-Verkehrsreferentin, Tel. 040 / 380 892 12, verkehr@robinwood.de
Ute Bertrand, ROBIN WOOD-Pressesprecherin, Tel. 040 / 380 892 22, presse@robinwood.de