Hamburg und Brake, den 5.9.08
Wilmar weiter auf Raubbau-Kurs
Konzern aus Singapur will Tropenwälder für neue Ölpalmen-Plantagen vernichten
Wilmar, nach eigenen Angaben weltweit größter Verarbeiter von Palmöl, hat
gegenüber ROBIN WOOD eingeräumt, auch künftig darauf zu setzen,
großflächig tropische Wälder in Ölpalmen-Plantagen umzuwandeln. In Folge
einer Protestaktion von ROBIN WOOD am 17. Juli gegen den Ausbau der
Fettraffinerie im niedersächsischen Brake war es in der vergangenen Woche
zu einem Gespräch zwischen Wilmar, ROBIN WOOD sowie einer Vertreterin von
Watch Indonesia! gekommen. Der Konzern mit 67.000 Beschäftigten wurde
dabei von seinem EU-Chef Erik Rietkerk und dem Manager der Raffinerien von
Brake und Rotterdam, Remond van Dorland, vertreten.
ROBIN WOOD wirft dem Konzern vor, sich an der Zerstörung der letzten
Tropenwälder Indonesiens mitschuldig zu machen und unzählige Menschen in
die Armut zu treiben. Bei dem Gespräch konnte Wilmar die Kritik von ROBIN
WOOD in keiner Weise entkräften.
Wilmar wird weiter Wald vernichten
Um Platz für neue Ölpalmen-Plantagen zu schaffen, wird Wilmar weitere
Tropenwaldgebiete kahl schlagen. Die Wilmar besitzt Konzessionsrechte für
570.000 Hektar Land in Indonesien. 200.000 Hektar davon sind bereits mit
Ölpalmen bepflanzt. Auf den von Wilmar noch nicht kommerziell genutzten
370.000 Hektar in Sumatra sowie in Zentral- und Westkalimantan befinden
sich nach Angaben indonesischer Umweltschutzorganisationen noch wertvolle
Primär- und Sekundärwaldflächen, die den Expansionsplänen von Wilmar zum
Opfer fallen sollen. Dies ist aus Sicht indonesischer
Umweltschutzorganisationen ein Skandal. Außerdem plant Wilmar, nach Papua
zu expandieren. Dies wäre eine Bedrohung der letzten, noch intakten Wälder
Indonesiens.
Lückenlose Kontrolle der Plantagen in Indonesien schwierig
Wilmar gibt an, selbst keine Brandrodung zu praktizieren und auch keine
Plantagen auf Böden mit einer mehr als drei Meter dicken Torfschicht
anlegen zu wollen. Im Gegenteil dazu ist Wilmar aber schon von Friends of
the Earth beim Zündeln erwischt worden, und nach Recherchen von Watch
Indonesia! sind Tochterunternehmen von Wilmar weiter an Brandrodungen
beteiligt. Darauf angesprochen, hat Wilmar eingeräumt, dass eine
lückenlose Kontrolle in Indonesien schwierig sei und die eigenen Standards
in der Praxis nicht immer erfüllt würden.
Wilmar verarbeitet Palmöl aus ungesicherter Herkunft
Wilmar ist nach eigenen Angaben weltweit der führende Verarbeiter von
Palmöl. Die firmeneigenen Plantagen können den Bedarf des Konzerns nur zu
einem Teil decken. Ein Großteil des Palmöls wird auf dem Weltmarkt
zugekauft. Eine unabhängige und transparente Kontrolle, ob das zugekaufte
Palmöl aus verantwortungsvoller Bewirtschaftung stammt, findet bei Wilmar
nicht statt und ist nach Angaben von Wilmar und anderen führenden
Palmölkonzernen bei den verflochtenen Strukturen des Welthandels auch gar
nicht möglich. Angesichts der Tatsache, dass auf dem Weltmarkt sehr viel
Raubbau-Palmöl gehandelt wird, für das weltweit die letzten tropischen
Wälder weichen müssen, nimmt diese Handelspraxis die Zerstörung von
Lebensräumen von Menschen und Tieren billigend in Kauf.
Kleine Schutzgebiete Große Kahlschläge
Wilmar hat sich bereit erklärt, besonders schützenswerte Wälder, so
genannte High Conservation Value Forests (HCVF), nicht in Plantagen
umzuwandeln. Das HCVF-Konzept ist sehr umstritten, denn es werden
vergleichsweise kleine wertvolle Flächen unter Schutz gestellt,
wohingegen zumeist große Flächen nicht schützenswerter Primär- und
Sekundär-Wälder zum Kahlschlag freigegeben werden. Dabei wird außer Acht
gelassen, dass auch die Sekundärwälder und sogar die entwaldeten Gebiete
von der lokalen Bevölkerung genutzt werden und einen wichtigen Beitrag für
die weltweite Biodiversität leisten. Indonesische Umweltschutz- und
Menschenrechtsgruppen verlangen deshalb folgerichtig, dass generell keine
Gebiete mehr in Palmöl-Plantagen umgewandelt werden.
Waldzerstörung verursacht Armut
Wilmar behauptet, nicht nur aus wirtschaftlicher und ökologischer,
sondern auch aus sozialer Verantwortung zu handeln. Arbeitsplätze würden
geschaffen, um die Bevölkerung von illegalen Aktivitäten wie dem illegalen
Holzeinschlag abzuhalten. Dabei verschließt Wilmar die Augen davor, dass
der Palmölsektor für die Zerstörung der Einkommensquellen großer
Bevölkerungsschichten verantwortlich ist, während nur wenige Arbeit auf
den Plantagen erhalten. Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen warnen
deshalb davor, dass die weitere Expansion viele Menschen noch tiefer in
die Armut treiben wird.
Sackgasse Ökosiegel
In der öffentlichen Kommunikation betont Wilmar stets seine
Mitgliedschaft in der Zertifizierungsinitiative des Runden Tischs für
nachhaltiges Palmöl (Roundtable of Sustainable Palmoil - RSPO). Diese
industriedominierte Zertifizierungsinitiative ist jedoch alles andere als
ein Ökosiegel und gilt bei fast allen Umweltorganisationen als
unglaubwürdiges greenwashing. So erlaubt der RSPO das Zerstören von
Wäldern für neue Palmölplantagen aus Sicht von ROBIN WOOD und
indonesischen Umweltorganisationen der falsche Weg.
Kontakt:
Peter Gerhardt, Tropenwaldreferent, Tel. 01577 / 782 88 25, tropenwald@robinwood.de
Ute Bertrand, ROBIN WOOD-Pressesprecherin, Tel. 040 / 380 892-22, presse@robinwood.de
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