Hamburg, den 17.4.2008
Primat der Politik nicht aufgeben
ROBIN WOOD: Schwarz-Grün kann und muss Steinkohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg stoppen
Kurz vor Abschluss des schwarz-grünen Koalitionsvertrages in Hamburg
zeichnet sich ab, dass CDU und GAL die Entscheidung über den Bau des
Kohlekraftwerks Moorburg möglicherweise Gerichten überlassen wollen. Dies
wäre eine Bankrotterklärung der Politik zu Lasten des Klimaschutzes und
der Hamburger Bürgerinnen und Bürger, stellt Dirk Seifert, ROBIN
WOOD-Energiereferent fest. Die GAL ist mit einem klaren Nein zum
Kohlekraftwerk Moorburg auf Stimmenfang gegangen. Sollte sie jetzt
plötzlich entdecken, dass der Politik die Hände gebunden sind, wäre das
pure Wählertäuschung.
Der Bau des Kohlekraftwerks Moorburg wäre klimapolitisch ein Fiasko.
Angesichts der zunehmenden Schäden durch den Klimawandel ist eine Umkehr
in der Energiepolitik notwendig. Dies zu gestalten, ist Aufgabe von
Regierungen und Parlamenten. Dieser politischen Verantwortung und einer
klaren eigenen Positionierung kann sich Bürgermeister Ole von Beust nicht
durch das Inauftraggeben von Rechtsgutachten entziehen.
Vattenfall versucht, den Senat mit einer Untätigkeitsklage und
Schadensersatzforderungen unter Druck zu setzen. Der Senat kann darauf aus
einer Position der Stärke reagieren. Schließlich sind alle Verträge mit
Vattenfall zu Moorburg unter dem Vorbehalt der Genehmigung des Kraftwerks
geschlossen worden. Diese Genehmigung ist bislang aus guten Gründen nicht
erteilt.
Vattenfall muss den politischen Willen der Mehrheit in der Hansestadt
respektieren. Der Konzern hat in Hamburg viel zu verlieren. Schließlich
ist es kein Naturgesetz, dass die Hansestadt mit diesem
Klimakiller-Konzern kooperiert. Es gäbe auch die Möglichkeit, eigene
Stadtwerke zu gründen und für die öffentliche Stromversorgung einen
anderen Anbieter zu wählen.
Das Schreckensbild, die Stromversorgung Hamburgs wäre ohne den Bau eines
neuen Kraftwerks in Moorburg gefährdet, entbehrt jeder Grundlage. Seit
Jahren gehört die deutsche Stromwirtschaft zu den Exportweltmeistern. So
haben die hiesigen Energiekonzerne im vergangenen Jahr 14 Terawattstunden
mehr Strom exportiert als importiert.
Vattenfall verfolgt vielmehr das Ziel, seine Kapazitäten enorm zu
erweitern. Das hat nichts mit der Strom- und Wärmeversorgung Hamburger
BürgerInnen zu tun. In Boxberg baut Vattenfall mir 675 Megawatt (MW)
gerade ein weiteres Braunkohlekraftwerk. In Moorburg sollen noch einmal
1.600 MW hinzukommen. Mit der Stilllegung des Kraftwerks Wedel und des
Pannenreaktors Brunsbüttel würde Vattenfall aber nur rund 1.000 MW
verlieren. Das bedeutet: Vattenfall würde seine Erzeugungskapazitäten vom
jetzigen Stand aus um über 1.200 MW erweitern. Diese Erweiterung aber wäre
ein weiterer großer Schritt in Richtung Klimakatastrophe!
Kontakt:
Dirk Seifert, Energiereferat, Tel. 040 / 380 892-21, energie@robinwood.de
Ute Bertrand, Pressesprecherin, Tel. 040 / 380 892-22, presse@robinwood.de
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www.robinwood.de/oekostrom