Hamburg, 10.12.2007
Krebsgefahr Atomkraft
Neue Studie bestätigt gesundheitliche Gefahren für AnwohnerInnen von AKWs / ROBIN WOOD-AktivistInnen demonstrieren am AKW Krümmel für die sofortige Stilllegung der Atomanlagen
ROBIN WOOD fordert, dass aus der neuen Studie über die Häufung von
Krebserkrankungen bei Kindern, die in der Nähe von Atomkraftwerken
wohnen, politische Konsequenzen gezogen werden. "Angesichts der
erdrückenden Fakten wollen wir uns nicht noch weiter hinhalten lassen und
warten, bis noch mehr Kinder an Krebs erkrankt sind. Die AKWs müssen vom
Netz. Jetzt nur weitere Studien anzukündigen, wie Bundesumweltminister
Gabriel das getan hat, ist verantwortungslos", sagt Dirk Seifert,
Energiereferent bei ROBIN WOOD. Um ihren Forderungen Nachdruck zu
verleihen, demonstrieren AktivistInnen von ROBIN WOOD heute vor dem AKW
Krümmel östlich von Hamburg. Vor dem Tor des AKWs spannten sie
Transparente auf mit einem großen Totenschädel und dem Slogan "Für unser
Recht auf Leben. Abschalten statt Atome spalten."
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) wird heute Mittag ausführlich die
"Epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von
Kernkraftwerken (KiKK-Studie)" vorstellen, die das Deutsche
Kinderkrebsregister - im Auftrag des BfS und gefördert vom
Bundesumweltministerium - erstellt hat. Die Studie hat festgestellt,
"dass in Deutschland ein Zusammenhang zwischen der Nähe der Wohnung zum
nächstgelegenen Kernkraftwerk zum Zeitpunkt der Diagnose und dem Risiko,
vor dem 5. Geburtstag an Krebs (bzw. Leukämie) zu erkranken, beobachtet
wird".
Das Ergebnis dieser Studie gibt vielen kritischen WissenschaftlerInnen und
internationalen Studien recht, die seit vielen Jahren auf einen
Zusammenhang von Krebserkrankungen und der Nähe des Wohnortes zu einem
Atommeiler hinweisen.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat in Reaktion auf die Studie
gesagt, dass nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand die
Strahlenbelastung der Bevölkerung durch den Betrieb der Atomkraftwerke zu
niedrig sei, um den beobachteten Anstieg des Krebsrisikos zu verursachen.
"Anstatt nun die Studienergebnisse anzuzweifeln, sollten nach Ansicht von
ROBIN WOOD die derzeitigen Strahlenschutz-Grenzwerte auf den Prüfstand.
Offenbar wird die biologische Wirkung vor allem der so genannten
Niedrigstrahlung auf Kinder bis heute völlig unterschätzt", so Seifert.
Schon seit Jahren steht die atomfreundliche Internationale
Strahlenschutzkommission ICRP in der Kritik, dass sie neue Erkenntnisse
über die stärkere Wirksamkeit radioaktiver Strahlung nicht konsequent
berücksichtigt und aus wirtschaftlichen Gründen niedrigere Grenzwerte
verhindert. Die Empfehlungen der ICRP zum Strahlenschutz sind Grundlage
auch für die deutschen Strahlenschutzbestimmungen.
Besonders hoch ist die Zahl der Krebserkrankungen rund um das AKW
Krümmel. Im Umfeld eines der größten Siedewasserreaktoren der Welt sind
seit 1989 insgesamt 17 Kinder und Jugendliche an Leukämie erkrankt, vier
davon sind inzwischen gestorben. Seit Anfang der 90er Jahre wird -
gestützt auf viele Indizien - ein Zusammenhang zwischen dem Atommeiler
sowie der benachbarten Atomforschungsanlage GKSS und der weltweit
einzigartig hohen Zahl von Leukämieerkrankungen im Umfeld der Anlagen
vermutet. Nun liegt eine staatlich finanzierte Studie vor, die diesen
Zusammenhang bestätigt.
"Allein die Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung", so Seifert,
"müssten für die zuständige Atom-Ministerin in Schleswig-Holstein,
Gitta Trauernicht, Grund genug sein, die Betriebsgenehmigungen für den
Vattenfall-Reaktor in Krümmel und den Forschungsreaktor der GKSS umgehend
zu widerrufen."
Kontakt und weitere Informationen:
Dirk Seifert, Energiereferent, Tel. 040 / 380 892-21, energie@robinwood.de
Ute Bertrand, Pressesprecherin, Tel. 040 / 380 892-22, presse@robinwood.de