Lüneburg, 13. September 2007
Amtsgericht Lüneburg: Ingewahrsamnahme friedlicher Baumaktivisten war rechtswidrig
Das Amtsgericht Lüneburg hat vorige Woche klargestellt, dass die
Ingewahrsamnahme dreier BaumaktivistInnen von ROBIN WOOD im Januar
dieses Jahres rechtswidrig war. Die zwei Männer und eine Frau hatten
gegen die "AUTOritäre" Verkehrspolitik der Stadt Lüneburg protestiert. Elf
Tage lang hatten sie trotz Sturm und Kälte in Bäumen an der
Reichenbachbrücke in Lüneburg ausgeharrt, die inzwischen für den Ausbau
einer Straße gefällt wurden. Nach ihrer brutalen Räumung wurden sie
Ingewahrsam genommen. Dagegen hatten sie geklagt und nun vor Gericht Recht
bekommen.
Der friedliche Protest der UmweltschützerInnen war den Behörden der
Stadt Lüneburg vom Anfang an ein Dorn in Auge. Die obersten Lüneburger
Polizeiverantwortlichen hatten in enger persönlicher Absprache mit
Oberbürgermeister Ulrich Mädge am 15. Januar dieses Jahres einen
überzogenen Polizeieinsatz inszeniert. Dabei räumten schwarz vermummte
Beamte des Sondereinsatzkommandos die Aktivisten rabiat aus den Bäumen und
nahmen sie anschließend in Gewahrsam. Bei diesem Polizeieinsatz wurden
zwei AktivistInnen verletzt.
ROBIN WOOD war entsetzt über den unverhältnismäßigen Polizeieinsatz und
betonte schon damals die Rechtswidrigkeit des polizeilichen Handelns - zu
Recht, wie jetzt das Amtsgericht Lüneburg bestätigte. "Die
Freiheitsentziehung war hier von Anfang an, also bereits dem Grunde nach,
rechtswidrig", so der Amtsrichter. Dieser Beschluss ist auch insofern
bemerkenswert, als sich der Richter bei der Tatsachenfeststellung
ausschließlich auf die einseitige und in Teilen falsche Darstellung der
Polizei bezog. Die Maßnahme sei - so stellte das Gericht fest - schon
deshalb von Anfang an rechtswidrig gewesen, weil sie keineswegs
unerlässlich im Sinne des Gefahrenabwehrgesetzes war.
"Ich freue mich über diesen ersten klaren juristischen Erfolg. Ich
hoffe, dass das volle Ausmaß der Rechtsbrüche durch die Polizei im
Verlauf der nächsten Verfahren zu Tage gefördert wird", sagte Aktivistin
Cécile Lecomte, die bei ihrer Festnahme so verletzt wurde, dass sie im
Krankenhaus behandelt werden musste.
In der Sache sind noch weitere Verfahren sowohl gegen AktivistInnen, als
auch gegen die Polizei anhängig.
Für Rückfragen:
Cécile Lecomte, Aktivistin, Tel. 04131 / 26 40 28
Ute Bertrand, Pressesprecherin, Tel. 040 / 380 892 22, presse@robinwood.de
Das Aktenzeichen beim Amtsgericht Lüneburg lautet: 21 XIV 60 47 L