Pressemitteilung des Bündnisses "Bahn für Alle" vom 24. Juli 2007
Verzockt nicht Netz und Züge!
Bündnis "Bahn für Alle" demonstriert gegen Bahnprivatisierung
Berlin: "Verzockt nicht unsere Bahn" und "Netz und Züge gehören uns
allen" steht auf dem Banner, mit dem das Bündnis "Bahn für Alle" vor dem
Kanzleramt gegen die Bahnprivatisierung protestiert, über die heute das
Bundeskabinett entscheidet. Demonstranten mit Merkel-, Tiefensee- und
Mehdorn-Masken pokern symbolisch um 180 Milliarden Euro Bahnvermögen. Zu
einem Spottpreis verscherbele die Regierung die Deutsche Bahn, so der
Vorwurf des Bündnisses aus Umweltschutzverbänden, Globalisierungskritikern
und Gewerkschaften. Die Folgen des Privatisierungsgesetzes wären
ausgedünnte Fahrpläne und stillgelegte Strecken. Verlierer seien Kunden,
Umwelt und Beschäftigte.
Werner Reh, Verkehrsexperte des Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland (BUND): "Bundeskanzlerin Merkel, Verkehrsminister Tiefensee
und Bahnchef Mehdorn spielen mit gezinkten Karten. Nicht nur die Bahn,
sondern auch das gesamte Streckennetz wird durch das Privatisierungsgesetz
verramscht. Und diese Entscheidung wird nicht mehr umkehrbar sein. Die
Regierung weiß, dass die Mehrheit der Bevölkerung gegen die
Bahnprivatisierung ist. Deshalb will sie das Privatisierungsgesetz ohne
öffentliche Diskussion möglichst schnell durchdrücken." Auch der wachsende
Widerstand in der SPD werde so bereits vor dem Parteitag im Oktober
geschickt vor vollendete Tatsachen gestellt.
Bis zu 49,9 Prozent der Bundesanteile an der Deutschen Bahn AG würden an
private Investoren verkauft. Das bringe rund sechs Milliarden Euro ein.
Die Hälfte davon käme jedoch vermutlich nicht dem Bundeshaushalt zu Gute,
sondern diene der Kapitalerhöhung der Deutschen Bahn AG. Wollte der Bund
das Netz zurückholen, müsste er einen Wertausgleich an die Deutsche Bahn
zahlen, der ein Mehrfaches des gesamten Privatisierungserlöses betrüge.
"Mehdorn ist der alleinige Gewinner bei diesem Spiel", sagt Monika Lege,
Verkehrsexpertin von Robin Wood. "Gerade mal drei von 180 Milliarden Euro
des Bahnvermögens bleiben im Bundeshaushalt. Dafür werden 100 Jahre
Bahn-Geschichte in öffentlicher Hand beendet. Artikel 87e des
Grundgesetzes verlangt, dass Unternehmen, die Schienenwege bauen,
betreiben und unterhalten im Eigentum des Bunds sein müssen. Damit ist das
Privatisierungsgesetz nicht vereinbar." Lege kündigte einen breiten
Widerstand der Umwelt- und Verbraucherverbände an und forderte
Bundespräsident Horst Köhler auf, diesem Gesetz seine Unterschrift zu
verweigern.
Die Bundesregierung würde blind einer Privatisierungsideologie folgen,
obwohl es weltweit kein Beispiel einer gelungenen Privatisierung gäbe,
kritisiert Klaus Ihlau, Bahnexperte von attac. "Noch kann die Große
Koalition ihre Abgeordneten auf Linie halten. Der Widerstand aus den
Ländern wächst jedoch. Wir fordern die Abgeordneten auf, dieses Gesetz,
das von allen gesellschaftlichen Kräften abgelehnt wird, zu stoppen! Wir
brauchen eine verbesserte Bahn in öffentlicher Hand, die deutlich mehr
Verkehr auf die Schiene verlagert und dadurch das Klima schützt."
Pressekontakt:
Werner Reh, BUND-Verkehrsexperte, Mobil 0171-4997927
Klaus Ihlau, Bahnexperte von attac, Mobil 0177-4245736
Katrin Riegger, BUND-Pressestelle, Tel. 030-27586-464/-489, presse@bund.net
Monika Lege, Verkehrsexpertin von Robin Wood, Tel. 040-380892-12, Mobil 0171-835 95 15, verkehr@robinwood.de
Als Hintergrundinformation finden Sie hier einen Text von Winfried Wolf:
Der wahre Wert der Deutschen Bahn AG
Oder: Liegt pures Gold unter´m Gleisschotter? (pdf, ca. 100 kB).
"Bahn für Alle" ist ein Bündnis von zwölf Organisationen aus
Globalisierungskritikern, Umweltschutzorganisationen und Gewerkschaften,
das sich für eine verbesserte Bahn in öffentlicher Hand einsetzt. Träger
des Bündnisses sind attac, Bahn von unten, BUND, Bürgerbahn statt
Börsenbahn, Eurosolar, Grüne Jugend, NaturFreunde Deutschlands, Robin
Wood, Solid, Umkehr, VCD Brandenburg und ver.di.
Weitere Informationen im Internet unter www.DeineBahn.de