Hamburg, den 10.12.2006
+ + + PRESSEMITTEILUNG DES BÜNDNISSES "BAHN FÜR ALLE" + + +
Börsenbahn = Preiswahn
ROBIN WOOD-Aktivisten protestieren am Hamburger Hauptbahnhof gegen steigende Preise für Bahntickets
ROBIN WOOD-AktivistInnen protestieren heute am Hamburger Hauptbahnhof
gegen die zum Jahreswechsel angekündigten saftigen Fahrpreiserhöhungen der
Deutschen Bahn. Um auf den Protest aufmerksam zu machen, kletterten am
Vormittag zwei Aktivisten in die Dachkonstruktion des Bahnhofs und
entrollten ein acht Meter langes Transparent mit der Aufschrift:
"Börsenbahn = Preiswahn -- Privatisierung stoppen". Andere verteilten
Flyer an die Passanten, die den Reiseplänen der Deutschen Bahn
nachempfunden sind und darüber informieren, welche Nachteile die
Bahnkunden bei einem Börsengang der Bahn in Kauf nehmen müssten.
Trotz Rekordgewinnen des Konzerns sollen Anfang 2007 die Fahrpreise im
Nahverkehr um 3,9 Prozent und im Fernverkehr sogar um 5,6 Prozent steigen.
Damit liegen die Erhöhungen klar über dem Anstieg der Mehrwertsteuer.
"Offenbar sollen die Bahnkunden tief in die Tasche greifen, damit Bahnchef
Mehdorn eine attraktive Bilanz für die Börse präsentieren kann",
kommentiert Jürgen Mumme, Verkehrsreferent bei der Umweltorganisation
ROBIN WOOD.
In einer repräsentativen Emnid-Umfrage im Auftrag von "Bahn für Alle"
hatten sich im November 71 Prozent der Befragten für den Verbleib der
Deutschen Bahn in öffentlichem Besitz ausgesprochen. Das ist nicht
verwunderlich, schließlich hätte ein Börsengang der Bahn neben erhöhten
Preisen noch weitere Nachteile: Chaos durch nicht aufeinander abgestimmte
Fahrpläne und Tarife verschiedener Anbieter, noch mehr Verspätungen und
die Streichung von Verbindungen. Zudem würde der Klimaschutz torpediert.
Ein Gutachten im Auftrag der Bundesregierung hatte ergeben, dass ein
Börsengang den Verkehrsanteil der umweltfreundlichen Bahn am gesamten
Verkehrsaufkommen senken und den Ausstoß klimaschädlicher Gase steigern
würde. Dennoch soll Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee bis Ende
März ein Privatisierungsgesetz erarbeiten. "Das ist gegen jede Vernunft
und gegen den erklärten Willen der Bevölkerung", kritisierte Mumme. Dieser
Auftrag ist jedoch noch keine Entscheidung für den Börsengang; darüber
wird der Bundestag erst im Sommer nächsten Jahres entscheiden.
Im Vergleich zu 2005 hat die Deutsche Bahn in diesem Jahr 800 Millionen
Euro weniger investiert. Vor allem bei Instandhaltung und Wartung wurde
gespart, so dass Netz und Züge immer maroder werden. Die Züge werden
dadurch immer unpünktlicher, im Fernverkehr kommt jeder dritte Zug
verspätet ans Ziel. "Die Zeche für die geschönte Bilanz zahlen die
Bahnkunden schon jetzt mit Verspätungen und ab dem 1. Januar dann auch
durch erhöhte Preise", erläuterte Mumme. Beim Verkauf der Bahn müssten die
Strecken eine Rendite von mindestens acht Prozent bringen, was nur durch
Streckenstreichungen, Lohndumping und weiter steigende Ticketpreise zu
erreichen wäre.
Am Freitag wurde bekannt, dass die Bahn beim Personen- und
Schienenverkehr in den kommenden Jahren in Deutschland etwa 10.000
Arbeitsplätze abbauen will, während in die branchenfremde
Logistiksparte kräftig investiert werden soll. "Statt eines Aufkaufs von
Unternehmen auf der halben Welt durch den ,Global Player' Deutsche Bahn
brauchen wir endlich eine Strategie, mit der wir den Anteil des
Schienenverkehrs am heimischen Personen- und Güterverkehr massiv steigern
können", forderte Hans-Gerd Öfinger von "Bahn von unten", einem
Zusammenschluss kritischer Transnet-Gewerkschafter.
Das Bündnis "Bahn für Alle" wird getragen von Attac, ROBIN WOOD, BUND,
"Bürgerbahn statt Börsenbahn", "Bahn von unten", UMKEHR, den NaturFreunden
Deutschlands sowie dem VCD Brandenburg und setzt sich ein für eine
verbesserte Bahn in öffentlicher Hand.
Für Rückfragen:
Jürgen Mumme, ROBIN WOOD-Verkehrsreferent, 040 / 380 892 12, verkehr@robinwood.de
Hans-Gerd Öfinger, "Bahn von unten"
Ute Bertrand, ROBIN WOOD-Pressesprecherin, 040 / 380 892 22, presse@robinwood.de
Weitere Infos unter: www.bahn-fuer-alle.de