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Aktualisierung vom 11.10.06:
Die ROBIN WOOD-AktivistInnen haben ihre Protestaktion in der
Nacht von Dienstag auf Mittwoch (11.10.06) um 0:30 Uhr beendet.
P&G machte keine Zugeständnisse. ROBIN WOOD wird seine
Kampagne gegen Tempo und für mehr Recyclingpapier fortsetzen.
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9.10.2006
english version...
Redaktion: Wirtschaft / Ratgeber
Procter&Gamble macht Gewinne auf Kosten von Indianern
ROBIN WOOD-AktivistInnen blockieren das Tempo-Werk von P&G in
Neuss / Konzern veranstaltet morgen seine Hauptversammlung in den USA
AktivistInnen von ROBIN WOOD blockieren seit heute früh die
Zufahrten zum Tempo-Werk von Procter&Gamble (P&G) in Neuss. Vor
dem Haupteingang spannten sie zwischen zwei Bäumen Seile, auf denen
sich AktivistInnen befinden. Daran hängt auch ein Transparent mit
der Aufschrift „Urwald zerstört - Indianer vertrieben - Tempo
schafft Armut". Vor drei weitere Eingänge stellten die
UmweltschützerInnen Dreibeine aus Gerüststangen und sicherten
sich in etwa fünf Meter Höhe an den Stangen.
In dem Tempo-Werk werden täglich mehr als sieben Millionen
Päckchen Taschentücher produziert. Der Zellstoff
dafür stammt zu einem großen Teil von Eukalyptus-Plantagen,
für die der Konzern Aracruz an der brasilianischen
Atlantikküste großflächig Regenwald kahl geschlagen und
Indianer mit Gewalt von ihrem Land vertrieben hat. Morgen beginnt in den
USA die Hauptversammlung von Procter&Gamble. ROBIN WOOD fordert
die AktionärInnen des Konzerns auf, ihren Vorstand zu beauftragen,
die Geschäftsbeziehungen mit Aracruz zu beenden und endlich Produkte
aus Recyclingpapier ins Sortiment aufzunehmen.
"Procter&Gamble erwirtschaftet seine Gewinne auf Kosten der
Indianer in Brasilien. Das ist ein großes moralisches Unrecht und
wird auf Dauer dem Image des Unternehmens erheblich schaden", sagt Peter
Gerhardt, Tropenwaldreferent bei ROBIN WOOD. "Die Aktionäre sollten
dem Vorstand des Konzerns deutlich machen, dass sie eine solche
Geschäftspolitik nicht mittragen."
Aracruz, der weltweit größte Hersteller von
Eukalyptus-Zellstoff, hatte bereits während der brasilianischen
Militärdiktatur in den siebziger Jahren den an der
Atlantikküste lebenden Tupinikim- und Guarani-Indianern Land geraubt
und verweigert bis heute die Rückgabe - gegen den entschiedenen
Widerstand der Indianer. Aktuell geht es um 11.000 Hektar im Bundesstaat
Espirito Santo, die sich Aracruz widerrechtlich angeeignet hat. Die
Indianerbehörde FUNAI hat festgestellt, dass es sich dabei eindeutig
um indigenes Territorium handelt. Dagegen hatte Aracruz im August dieses
Jahres Widerspruch eingelegt, konnte FUNAI damit jedoch nicht
überzeugen. Seit dem 12. September liegt der Vorgang beim
brasilianischen Justizminister, der die Rückgabe des Gebietes an die
Indianer mit seiner Unterschrift veranlassen kann. Die Frist dafür
läuft noch in dieser Woche aus. Es wird erwartet, dass Aracruz gegen
die Rückgabe klagen und dadurch auf Jahre verhindern wird, dass die
Indianer ihr Land zurück bekommen. Zurzeit macht Aracruz in Espirito
Santo Propaganda gegen Indianer und FUNAI - mit eindeutig rassistischem
Zungenschlag. Auf meterhohen Plakatwänden heißt es da: "Genug
von diesen Indianern, die unsere Arbeiter bedrohen." Und "Aracruz brachte
uns den Fortschritt. FUNAI brachte uns die Indianer."
Brasilianische Organisationen wie FASE und CIMI, die die Indianer in
ihrem Kampf um Landrechte unterstützen, berichten von einer
zunehmend aufgeheizten Atmosphäre. Indianer würden mitten auf
der Straße 'Diebe' genannt. Indigenen Studenten sei verboten
worden, die Schule zu betreten, weil sie ihren Körper mit
Indianer-Symbolen bemalt hatten. Andere hätten wegen ihrer Bemalung
nicht in einem Supermarkt einkaufen dürfen.
"Unser Volk hat viel um sein Überleben gekämpft. Und noch
heute, am Anfang des 21. Jahrhunderts, wird es von seinem Land vertrieben
und gejagt wie Tiere. Das verletzt uns zutiefst", sagt Paulo Vicente de
Oliveira, Oberhaupt der Tupinikim. "Wir brauchen das Land für uns
und die Zukunft unserer Kinder. Procter&Gamble muss dies endlich
einsehen und aufhören Zellstoff zu kaufen, für den unser Land
und unsere Kultur zerstört werden."
Für Rückfragen:
Peter Gerhardt, Tropenwaldreferent, Tel.: 040 / 380 892 22, tropenwald@robinwood.de
Ute Bertrand, ROBIN WOOD-Pressesprecherin, Tel.: 040 / 380 892
22, presse@robinwood.de
Fotos von den Plakatwänden siehe unten; mehr Infos und einen
Online-Protest finden Sie unter: www.robinwood.de/tempo