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Neuss, 5. September 2006

Redaktion: Wirtschaft / Umwelt

Procter&Gamble braucht Nachhilfe beim Rohstoffeinkauf

ROBIN WOOD fordert Tempo-Taschentücher aus Altpapier

AktivistInnen der Umweltschutzorganisation ROBIN WOOD haben heute Mittag rund drei Tonnen Altpapier vor das Haupttor des Tempo-Werks in Neuss gekippt. Daneben spannten Kletterer zwischen zwei Bäumen ein Transparent mit der Aufschrift: "Starke Lösung gegen herzloses Handeln: Recycling! Statt Landraub und Umweltzerstörung durch P&G". Die Aktion richtet sich gegen den US-Konzern Procter&Gamble, der für seine Hygienepapiermarken Tempo, Charmin und Bess Zellstoff bei Aracruz-Cellulose in Brasillien einkauft. Der Zellstoffgigant Aracruz hat in Brasilien großflächig Regenwald für Eukalyptus-Monokulturen kahl geschlagen und Indianer mit Gewalt von ihrem Land vertrieben. Als umweltfreundliche Alternative zu Frischfaser-Zellstoff, für den Bäume gefällt werden, empfehlen die UmweltschützerInnen den Einsatz von Altpapier bei der Produktion von Taschentüchern und Klopapier.

Aracruz hatte bereits während der brasilianischen Militärdiktatur in den 70er Jahren den an der Atlantikküste lebenden Tupinikim- und Guarani-Indianern Land geraubt und verweigert bis heute die Rückgabe - gegen den entschiedenen Widerstand der Indianer. Eigentlich hätte noch im August dieses Jahres die brasilianische Regierung endlich die Rückgabe eines rund 11.000 Hektar großen Gebietes besiegeln sollen, das laut Studien der Indianerbehörde FUNAI eindeutig indigenes Territorium ist. Doch Aracruz hat Widerspruch dagegen eingelegt. Die Indianer fürchten zu Recht, dass sie weiter auf Jahre vertröstet werden sollen und so zum Spielball der Interessen der Papierindustrie werden. Daher haben sie sich mit einem offenen Brief an die brasilianische Regierung gewandt. "Wir werden unter keinen Umständen weitere Verzögerungen und illegale Verstöße gegen unsere Rechte dulden", heißt es unter anderem in dem Schreiben. "Keine weitere Demütigung!"

Außerdem versuchen die Indianer gemeinsam mit ROBIN WOOD die Großabnehmer von Aracruz-Zellstoff in Deutschland unter Druck zu setzen. Repräsentanten der Tupinikim und Guarani waren zu diesem Zweck im Frühjahr dieses Jahres nach Europa gekommen. Gemeinsam mit ROBIN WOOD-AktivistInnen hatten sie am 4. Mai die Einfahrten zum Tempo-Werk in Neuss solange blockiert, bis Procter&Gamble (P&G) zu einem Gespräch mit ihnen bereit war. Daraufhin war es zu einem Treffen der Indianer und ROBIN WOOD mit dem P&G-Vizepräsidenten James Lafferty in Wien gekommen. Dabei hatte P&G zwar erstmals eingeräumt, eine Mitverantwortung in dem Konflikt zu haben, sich jedoch geweigert, seine Geschäftsbeziehungen mit Aracruz bis zur Lösung der Landrechtsstreitigkeiten auf Eis zu legen.

Für Hygienepapierproduzenten wie P&G gibt es eine umweltfreundliche Alternative zu Zellstoff aus Frischfasern: den Einsatz von Altpapier! Tatsächlich aber ist P&G der einzige der großen Hygienepapierhersteller am deutschen Markt, der überhaupt keine Produkte aus Recyclingpapier für den Einzelhandel produziert. ROBIN WOOD empfiehlt Papierprodukte mit dem Umweltzeichen "Blauer Engel", denn die haben hervorragende Produkteigenschaften und sind aus 100 Prozent Altpapier.


Kontakt:
Peter Gerhardt, Tropenwaldreferent, Tel.: 040 / 380 892 22, tropenwald@robinwood.de
Ute Bertrand, ROBIN WOOD-Pressesprecherin, Tel.: 040 / 380 892 22, presse@robinwood.de


Fernsehbericht und Artikel des rbb vom 4.10.06


Um öffentlich bekannter zu machen, welche harten Probleme mit der Produktion von flauschigen Tempos verbunden sind, haben ROBIN WOOD-AktivistInnen in diesem Sommer auch eine Kampagnentour mit einem selbstgebauten Holzfloß gestartet. Das Floß liegt zurzeit in Düsseldorf. Infos dazu unter www.flosstour.de.


Im folgenden dokumentieren wir die englische Übersetzung (pdf, ca. 35 kB) sowie das portugiesische Original (pdf, ca. 760 kB) des offenen Briefs der Tupinikim- und Guarani-Häuptlinge an die brasilianische Regierung.



Fotos: Christian Rall



Fotos: Jan Schürmann

 

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