Gemeinsame Pressemitteilung von ROBIN WOOD und Rettet den Regenwald
Hamburg, den 24.8.2006
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Hamburg weicht Tropenholz-Beschluss auf
Baubehörde akzeptiert Tropenholz, für das in Malaysia Wälder zerstört und
Ureinwohner drangsaliert werden
Mit scharfer Kritik haben die Umweltorganisationen Rettet den Regenwald
und ROBIN WOOD auf einen Beschluss der Hamburger Behörde für Wirtschaft
und Arbeit reagiert, der Tropenholz aus Malaysia bei Bauten der Hansestadt
erlaubt, sofern das Holz durch den Malaysian Timber Certification Council
(MTCC) zertifiziert wurde. Dies ist aus Sicht der Umweltorganisationen
unverantwortlich. Denn dieses von der Tropenholzindustrie selbst
geschaffene Siegel liefert keinen glaubwürdigen Nachweis dafür, dass das
Holz aus umweltverträglicher und sozial gerechter Forstwirtschaft stammt.
Insbesondere missachtet der MTCC die Rechte der malaysischen Ureinwohner.
Die Umweltschützer fordern, dass Hamburg bei seiner bisherigen
vorbildlichen Holzbeschaffungspolitik bleibt und Tropenholz nur dann
zulässt, wenn es das international anerkannte FSC-Siegel (Forest
Certification Council) trägt.
Das Waldnomadenvolk der Penan in Malaysia ist von der fortschreitenden
Waldzerstörung und dem Vorgehen des MTCC besonders betroffen. Seit dem 17.
Juli dieses Jahres wehren sich Vertreter der Penan mit einer
Straßenblockade bei dem Dorf Long Benali in Sarawak auf der Insel Borneo
gegen den Kahlschlag ihrer Wälder durch die Holzkonzern Samling. Die
Blockade findet in einem Gebiet statt, für das Samling ein MTCC-Siegel
erhalten hat. Die von Samling in der betroffenen Konzession betriebene
Forstwirtschaft trägt zur Zerstörung der Wälder bei. Die Penan beklagen
außerdem eine starke Beeinträchtigung ihrer Trinkwasserversorgung durch
die Holzwirtschaft.
Die betroffenen Penan wurden vor der Zertifizierung ihres Waldes durch den
MTTC nicht konsultiert, obwohl rund 80 Prozent des zertifizierten
Konzessionsgebietes traditionelle Penan-Territorien sind. Vergangenes Jahr
hatten Anführer der Penan in einem Brief an den MTCC-Präsidenten gegen die
Zertifizierung von Samling protestiert. In dem Schreiben verlangen mehr
als 600 Penan die sofortige Rücknahme des Samling gewährten Zertifikates
und fordern den Holzkonzern auf, die Zerstörung ihrer Urwälder zu beenden.
"Hinter dem Holzzertifikat des MTCC steckt der Versuch der malaysischen
Holzwirtschaft, ihr schlechtes Image aufzupolieren", sagt Reinhard
Behrend, Vorsitzender von Rettet den Regenwald. "Anvisiert wird dabei
besonders der lukrative europäische Markt." "Die Hamburger Behörde macht
sich mit ihrem Vorgehen zum Komplizen der Tropenholzlobby in Südostasien und
fällt den Ureinwohnern Malaysias in den Rücken", ergänzt Peter Gerhardt,
Tropenwaldreferent bei ROBIN WOOD.
Kritikwürdig ist auch, dass Hamburg das MTCC-Zertifikat ab sofort
akzeptiert, parallel dazu aber von der Universität Hamburg in einem
zweijährigen Projekt erst einmal untersuchen lässt, ob das MTCC-Siegel
überhaupt "den politischen und fachlichen Anforderungen Hamburgs"
entspricht. Aus Sicht der Umweltverbände hätte eine gründliche Prüfung vor
der Anerkennung stattfinden müssen.
ROBIN WOOD hat mit spektakulären Aktionen maßgeblich dazu beigetragen,
dass sich die Stadt Hamburg 1996 verpflichtete, Tropenholz nur noch dann
für öffentliche Bauten zu verwenden, wenn es FSC-zertifiziert ist.
Kontakt:
Reinhard Behrendt, Vorsitzender von Rettet den Regenwald, Tel. 410 38 04
Peter Gerhardt, ROBIN WOOD-Tropenwaldreferent, Tel.: 040 / 380 892 18, tropenwald@robinwood.de
Ute Bertrand, ROBIN WOOD-Pressesprecherin, Tel.: 040 / 380 892 22, presse@robinwood.de
Eine Möglichkeit zum Onlineprotest gibt es auf der Homepage von Rettet den Regenwald www.regenwald.org
Aktuelle Fotos von der Blockade der Penan