14. August 2006
Redaktion: Aktuelles
Leinen los!
ROBIN WOOD-Floßtour über Neckar und Rhein in Heidelberg gestartet
Heute Vormittag um 10:30 Uhr sind AktivistInnen von ROBIN WOOD mit ihrem
selbst gebauten Holzfloß ROBINA WALD in Heidelberg gestartet. Während
ihrer vierwöchigen Tour, die über Neckar und Rhein bis nach Düsseldorf
führen wird, werben sie dafür, sparsamer mit Papier umzugehen und auf
Recyclingpapier umzusteigen. Insbesondere wollen sie erreichen, dass
Landraub und Umweltzerstörung für die Produktion von Tempo-Taschentüchern
gestoppt werden.
Der Papierkonsum in Industrieländern wie Deutschland ist enorm hoch. Jeder
Deutsche verbraucht durchschnittlich 233 Kilogramm pro Jahr. Das
entspricht einem Verbrauch von etwa 500 Gramm Holz pro Person und Tag.
Weltweit jeder fünfte eingeschlagene Baum wird dafür verwendet, Papier
herzustellen. Das schadet den Wäldern und der dort lebenden Urbevölkerung.
Indigene Gemeinschaften werden von ihrem Land vertrieben, sie verlieren
dadurch ihre Lebensgrundlage und ihre kulturelle Identität.
"Wir haben die Nase voll! Stoppt Landraub und Umweltzerstörung für Tempo"
prangt in großen Buchstaben auf dem Dach des Floßes. Denn an Bord der
ROBINA WALD erzählen die FlößerInnen die Geschichte des
Tempo-Taschentuchs: vom Eukalyptusbaum in Brasilien bis zum deutschen
Supermarkt-Regal. Das Beispiel ist brisant. Zurzeit eskaliert in dem
brasilianischen Bundesstaat Espirito Santo ein Konflikt zwischen dem
Zellstoff-Konzern Aracruz und den Tupinikim- und Guarani-Indianern.
Aracruz hat den IndianerInnen 11.000 Hektar Land mit Gewalt weggenommen,
obwohl die brasilianische Indianerbehörde FUNAI bestätigt hat, dass es den
Indianern rechtmäßig zusteht. Im Januar dieses Jahres hatten bewaffnete
Einheiten in Kooperation mit Aracruz zwei Indianerdörfer gestürmt, mit
Gummigeschossen auf die Menschen gefeuert und die Flüchtenden mit
Hubschraubern gejagt. Aracruz hat in Brasilien großflächig wertvollen
Küstenregenwald (Mata Atlantica) gerodet und besitzt inzwischen 247.000
Hektar Eukalyptus-Plantagen.
Aracruz-Zellstoff aus Brasilien landet in Form von Tempo-Taschentüchern
auch auf dem deutschen Markt. Wer in Deutschland Tempos kauft, trägt somit
unfreiwillig zu Vertreibung und Umweltzerstörung bei. Das will ROBIN WOOD
ändern und macht daher Druck auf den Produzenten der Tempo-Taschentücher,
den Weltkonzern Procter&Gamble, damit der seine Geschäftsbeziehungen mit
Aracruz beendet, solange Aracruz die Landrechtskonflikte nicht friedlich
löst.
BesucherInnen des Floßes können mit ihrer Unterschrift und einer
Foto-Protestaktion dazu beitragen, dass Procter&Gamble problematische
Papierprodukte aus dem Sortiment nimmt und endlich auch Recyclingprodukte
anbietet. Sie erfahren, wem es zugute kommt, wenn sie auf
umweltfreundliche Produkte aus 100 Prozent Altpapier mit dem Blauen Engel
umsteigen und können gemeinsam mit der Crew das Flößerleben genießen. Auf
dem Programm stehen u.a. Rundfahrten, Floß-Kino unter freiem Himmel und
Mitmachangebote wie Papierschöpfen. Längere Tour-Aufenthalte sind u.a. in
Mainz, Koblenz, Bonn und Köln geplant.
Das drei mal elf Meter große Floß besteht aus Kiefernstämmen, die aus
einem ökologisch bewirtschafteten Naturland-Wald stammen. Ausgestattet ist
es mit einer Solaranlage, Funkgeräten, einem Video-Beamer und
Schwimmwesten. Übernachtet wird an Bord oder in Zelten. Über einen Laptop
wird das digitale Logbuch geführt, das Interessierte jederzeit im Internet
unter www.flosstour.de einsehen können. Das Floß wird heute noch bis
Mannheim fahren. Weitere Stationen sind Worms, Gernsheim und Oppenheim.
Kontakt:
Arne Haag, Aktivist und Floßtour-Sprecher, Tel. 0160 / 96 34 72 27 (vor Ort auf dem Floß)
Ute Bertrand, ROBIN WOOD-Pressesprecherin, Tel.: 040 / 380 892 22, presse@robinwood.de
Unter www.flosstour.de finden Sie auch den Tourenplan, Fotos und aktuelle
Infos über die Kampagne gegen Tempo.