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Frankfurt, 1. Juni 2006

+ + + Gemeinsame PRESSEMITTEILUNG von urgewald, ROBIN WOOD und dem Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre + + +

Bulgarische Umweltpreisträgerin fordert Deutsche Bank heraus

Zu ihrer heutigen Hauptversammlung in Frankfurt bekommt die Deutsche Bank ungewöhnlichen Besuch: die bulgarische Biobäuerin und Umweltpreisträgerin Albena Simeonova. Frau Simeonova erhielt 1996 den renommierten Goldman-Umweltpreis für die von ihr initiierte Kampagne gegen das Atomkraftwerk "Belene" im Norden Bulgariens. Der Bau des zu Sowjetzeiten geplanten Atommeilers wurde 1992 gestoppt. 1997 entschied das bulgarische Kabinett, dass Belene "technisch unsicher und wirtschaftlich untragbar" sei. Inzwischen hat sich jedoch der Wind gedreht und die jetzige bulgarische Regierung möchte den maroden Atommeiler fertig stellen lassen. Sowohl die Deutsche Bank als auch die HypoVereinsbank haben Interesse an der Finanzierung des Projekts bekundet.

Frau Simeonova ist angereist, um die Aktionär/innen der Deutschen Bank auf die Risiken des Projekts hinzuweisen. "Es handelt sich bei Belene nicht nur um einen gefährlichen Reaktortyp, sondern auch um einen gefährlichen Standort - Belene liegt in einer Erdbebenregion. Nur wenige Kilometer vom AKW-Standort entfernt starben 1977 200 Menschen bei einem Erdbeben. Ich kann nicht verstehen, wie die Deutsche Bank die Finanzierung eines solchen Projekts mit ihren Nachhaltigkeitsgrundsätzen vereinbaren will", sagt Simeonova. Ihr Widerstand gegen das AKW kommt Simeonova teuer zu stehen. Die Mitbegründerin der bulgarischen Ökologie-Bewegung erhielt immer wieder Morddrohungen und entging nur knapp zwei Anschlägen.

Frau Simeonova kommt auf Einladung der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald nach Deutschland. "Der Fall Simeonova zeigt, wie skrupellos die Interessen sind, die hinter Belene stehen. Die Deutsche Bank behauptet zwar, dass sie sich nicht an Finanzierungen beteiligt, von denen signifikante Gefahren für die Umwelt und die Gesellschaft ausgehen. Bei Belene scheint sie aber beide Augen zudrücken zu wollen", stellt urgewald-Sprecherin Regine Richter fest. "Außerdem handelt sie eindeutig gegen die Meinung der Mehrheit ihrer Kunden, denn die Deutschen lehnen Atomkraft nach wie vor ab."

Das Atomkraftwerk Belene wurde in den 80er Jahren an der Donau geplant. Der Bau wurde 1985 begonnen, aber wegen Umweltprotesten, mangelnder Wirtschaftlichkeit und Sicherheitsbedenken gestoppt. Seit 2003 verfolgt die bulgarische Regierung das Projekt erneut. Inzwischen klagen bulgarische Nichtregierungsorganisationen gegen die Genehmigung für Belene. Um den Bau des AKW bewerben sich zwei Konsortien: Der russische Kraftwerksbauer Atomstroyeksport bietet gemeinsam mit dem französisch-deutschen Atomkonzern AREVA NP (34% Siemens). Ebenso hat die tschechische Skoda Allianz ein Angebot eingereicht. Der russische Konzern Gazprom hält bedeutende Anteile an beiden Konsortien. Noch im Januar 2006 hatte Gazprom Bulgarien mit einer Aufkündigung der Gasverträge gedroht, wenn das Land eine Reihe von Forderungen nicht erfüllt. Auf Gazproms "Wunschliste" stand unter anderem der Bau von Belene.

Heute begrüßt ein breites Bündnis von Organisationen (urgewald, Greenpeace, ROBIN WOOD, Heimstatt Tschernobyl und Dachverband Kritischer Aktionär/innen) die Aktionär/innen der Deutschen Bank in Schutzanzügen und verteilt Anti-Atom-Tabletten, um auf die Kritik an Belene hinzuweisen.


Kontakt:
Albena Simeinova, urgewald, 02583 / 1031, www.urgewald.de
Regine Richter, urgewald, 02583 / 1031, www.urgewald.de
Henry Mathews, Dachverband Kritische Aktionäre, www.kritischeaktionaere.de
Ute Bertrand, ROBIN WOOD-Pressesprecherin, 040 / 380 892 22, presse@robinwood.de

 

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