Hamburg, Spremberg 29. Mai 2006
Redaktion: Aktuelles / Wirtschaft
"CO2-freies" Versuchskraftwerk nur ein Feigenblatt für Vattenfall
Vattenfall setzt weiterhin auf dreckige Kohleverstromung und bleibt der zweitgrößte Klimasünder in Deutschland
ROBIN WOOD-Aktivisten haben heute im brandenburgischen Spremberg gegen den
weiteren Bau von Kohlekraftwerken und für den Erhalt der Lacomaer
Teichlandschaft demonstriert. Die Umweltschützer seilten sich von einer
Bahnbrücke ab und entrollten ein zwölf mal sechs Meter großes Transparent
mit der Aufschrift: "Erneuerbare Energien statt Öko-Lüge! - Braunkohle
heißt Verwüstung und Vertreibung". Anlass der Aktion ist der symbolische
erste Spatenstich einer Pilotanlage für ein angeblich sauberes
Braun-kohlekraftwerk des Energiekonzerns Vattenfall am Standort Schwarze
Pumpe.
Mit dem heute medienwirksam zelebrierten Baubeginn der Pilotanlage eines
so genannten CO2-freien Kohlekraftwerkes will der schwedische
Energiekonzern Vattenfall sein ramponiertes Image aufpolieren. Vattenfall
gehört wegen seiner Braunkohlekraftwerke zu den größten Klimaverschmutzern
in Deutschland und Europa. Am Standort Schwarze Pumpe, 30 Kilometer
südwestlich von Cottbus, will Vattenfall in den nächsten drei Jahren eine
Pilotanlage bauen, um die Technik zur Abscheidung des Treibhausgases
Kohlendioxid (CO2) zu erforschen und zu entwickeln. In der Anlage soll
erprobt werden, wie das CO2, das während der Verbrennung im Kraftwerk
anfällt, abgeschieden und anschließend verflüssigt werden kann. Das
verflüssigte Gas soll in geologischen Formationen gespeichert werden. Mit
der CO2-Abscheidung und vor allem der Speicherung sind noch viele
ungeklärte Fragen verbunden.
So reduziert die Rückhaltung und Verflüssigung des CO2 den Wirkungsgrad
eines Kraftwerkes um sieben bis 14 Prozent, das heißt, für eine gleich
bleibende Menge Strom, würde sich der Einsatz fossiler Brennstoffe um bis
zu 40 Prozent erhöhen. Des weiteren würde das kostenintensive Verfahren
die heutigen Stromkosten mehr als verdoppeln. Die Erneuerbaren Energien
wären weit vor einem kommerziellen Einsatz der CO2-Abscheidung
konkurrenzfähig.
"Statt in großem Maßstab in Techniken zu investieren, die schon heute zum
Klimaschutz beitragen, vertagt Vattenfall das Problem für die nächsten 20
Jahre", sagt Bettina Dannheim, Energiereferentin bei ROBIN WOOD. "Die
Verwüstung der Landschaft in der Lausitz und die Vertreibung der Menschen
aus ihren Dörfern wird derweil weitergehen. Mit verantwortungsvollem
Umweltschutz hat das nichts zu tun."
Vattenfall betreibt in Ostdeutschland zurzeit vier Braunkohlekraftwerke.
Diese Kraftwerke gehören zu den klimaschädlichsten in Deutschland. Das
daraus resultierende schlechte Image möchte der Konzern gern loswerden.
Doch neben der scheinbar klimafreundlichen Energiegewinnung durch
CO2-Abscheidung will der Konzern in den kommenden Jahren auch weiterhin
überwiegend in konventionelle Kohlekraftwerke investieren. Vattenfall
plant den Bau eines neuen Braunkohlekraftwerkes mit einer Leistung von 675
Megawatt (MW) am Standort Boxberg sowie Steinkohlekraftwerke mit einer
Leistung von 1.640 MW in Hamburg-Moorburg und 800 MW im sächsischen
Klingenberg. Diese Kraftwerke würden die nächsten 40 Jahre ihre
klimaschädlichen Emissionen in die Atmosphäre blasen und das Klima
erheblich belasten.
"Wenn Vattenfall wie geplant alle Kohlekraftwerke baut, wird der Konzern
auch künftig zu den größten Klimasündern in Europa zählen, daran wird
auch das jetzt gefeierte Pilotprojekt nichts ändern", so Dannheim. "Ein
wirksamer und daher glaubwürdiger Klimaschutz erfordert es, auf den Bau
konventioneller Kohlekraftwerke jetzt zu verzichten und in
klimafreundliche Produktionsanlagen zu investieren."
Kontakt:
Bettina Dannheim, Energiereferentin, 040 / 380 892 21, energie@robinwood.de
Ute Bertrand, ROBIN WOOD-Pressesprecherin, 040 / 380 892 22, presse@robinwood.de
Online-Protest gegen die Zerstörung der "Lacomaer Teichlandschaft" für die
Erweiterung des Braunkohletagebaus Cottbus-Nord unter: www.robinwood.de/lacoma
Positionspapier mit Argumenten gegen "CO2-freie" Kraftwerke (pdf, ca. 40 kB)