Pressemitteilung

Pressemitteilung   Bundesgeschäftsstelle
Langemarckstr. 210
28199 Bremen

Tel.: 0421 / 598 28 8
Fax.: 0421 / 598 28 72

Pressestelle
Nernstweg 32
22765 Hamburg

Tel.: 040 / 380 892 0
Fax.: 040 / 380 892 14

Pressemitteilung  

Hamburg, Spremberg 29. Mai 2006

Redaktion: Aktuelles / Wirtschaft

"CO2-freies" Versuchskraftwerk nur ein Feigenblatt für Vattenfall

Vattenfall setzt weiterhin auf dreckige Kohleverstromung und bleibt der zweitgrößte Klimasünder in Deutschland

ROBIN WOOD-Aktivisten haben heute im brandenburgischen Spremberg gegen den weiteren Bau von Kohlekraftwerken und für den Erhalt der Lacomaer Teichlandschaft demonstriert. Die Umweltschützer seilten sich von einer Bahnbrücke ab und entrollten ein zwölf mal sechs Meter großes Transparent mit der Aufschrift: "Erneuerbare Energien statt Öko-Lüge! - Braunkohle heißt Verwüstung und Vertreibung". Anlass der Aktion ist der symbolische erste Spatenstich einer Pilotanlage für ein angeblich sauberes Braun-kohle­kraftwerk des Energiekonzerns Vattenfall am Standort Schwarze Pumpe.

Mit dem heute medienwirksam zelebrierten Baubeginn der Pilotanlage eines so genannten CO2-freien Kohlekraft­werkes will der schwedische Energiekonzern Vattenfall sein ramponiertes Image aufpolieren. Vattenfall gehört wegen seiner Braunkohlekraftwerke zu den größten Klimaverschmutzern in Deutschland und Europa. Am Stand­ort Schwarze Pumpe, 30 Kilometer südwestlich von Cottbus, will Vattenfall in den nächsten drei Jahren eine Pi­lotanlage bauen, um die Technik zur Abscheidung des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) zu erforschen und zu entwickeln. In der Anlage soll erprobt werden, wie das CO2, das während der Verbrennung im Kraftwerk anfällt, abgeschieden und anschließend verflüssigt werden kann. Das verflüssigte Gas soll in geologischen Formationen gespeichert werden. Mit der CO2-Abscheidung und vor allem der Speicherung sind noch viele ungeklärte Fragen verbunden.

So reduziert die Rückhaltung und Verflüssigung des CO2 den Wirkungsgrad eines Kraftwerkes um sieben bis 14 Prozent, das heißt, für eine gleich bleibende Menge Strom, würde sich der Einsatz fossiler Brennstoffe um bis zu 40 Prozent erhöhen. Des weiteren würde das kostenintensive Verfahren die heutigen Stromkosten mehr als ver­doppeln. Die Erneuerbaren Energien wären weit vor einem kommerziellen Einsatz der CO2-Abscheidung konkur­renzfähig.

"Statt in großem Maßstab in Techniken zu investieren, die schon heute zum Klimaschutz beitragen, vertagt Vattenfall das Problem für die nächsten 20 Jahre", sagt Bettina Dannheim, Energiereferentin bei ROBIN WOOD. "Die Verwüstung der Landschaft in der Lausitz und die Vertreibung der Menschen aus ihren Dörfern wird derweil weitergehen. Mit verantwortungsvollem Umweltschutz hat das nichts zu tun."

Vattenfall betreibt in Ostdeutschland zurzeit vier Braunkohlekraftwerke. Diese Kraftwerke gehören zu den klima­schädlichsten in Deutschland. Das daraus resultierende schlechte Image möchte der Konzern gern loswerden. Doch neben der scheinbar klimafreundlichen Energiegewinnung durch CO2-Abscheidung will der Konzern in den kommenden Jahren auch weiterhin überwiegend in konventionelle Kohlekraftwerke investieren. Vattenfall plant den Bau eines neuen Braunkohlekraftwerkes mit einer Leistung von 675 Megawatt (MW) am Standort Boxberg sowie Steinkohlekraftwerke mit einer Leistung von 1.640 MW in Hamburg-Moorburg und 800 MW im sächsi­schen Klingenberg. Diese Kraftwerke würden die nächsten 40 Jahre ihre klimaschädlichen Emissionen in die At­mosphäre blasen und das Klima erheblich belasten.

"Wenn Vattenfall wie geplant alle Kohlekraftwerke baut, wird der Konzern auch künftig zu den größten Klima­sündern in Europa zählen, daran wird auch das jetzt gefeierte Pilotprojekt nichts ändern", so Dannheim. "Ein wirksamer und daher glaubwürdiger Klimaschutz erfordert es, auf den Bau konventioneller Kohlekraftwerke jetzt zu verzichten und in klimafreundliche Produktionsanlagen zu investieren."


Kontakt:
Bettina Dannheim, Energiereferentin, 040 / 380 892 21, energie@robinwood.de
Ute Bertrand, ROBIN WOOD-Pressesprecherin, 040 / 380 892 22, presse@robinwood.de


Online-Protest gegen die Zerstörung der "Lacomaer Teichlandschaft" für die Erweiterung des Braunkohletagebaus Cottbus-Nord unter: www.robinwood.de/lacoma

Positionspapier mit Argumenten gegen "CO2-freie" Kraftwerke (pdf, ca. 40 kB)


 

Pressemitteilung

©ROBIN WOOD      - home -