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Berlin, 24. Januar 2006

Redaktionen: Aktuelles / Umwelt

Gülle killt Wald

ROBIN WOOD fordert Horst Seehofer auf, zum Schutz des Waldes die Massentierhaltung einzuschränken

Dem Wald in Deutschland geht es beunruhigend schlecht. 71 Prozent aller Waldflächen hierzulande sind erkennbar geschädigt. Dieser negative Spitzenwert steht im Waldschadensbericht 2005, den Peter Paziorek, Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, heute Mittag vor der Bundespressekonferenz in Berlin vorstellt. Währenddessen demonstrieren ROBIN WOOD-AktivistInnen am gleichen Ort mit entnadelten Bäumen, Attrappen von Schweinsköpfen und gerupften Hühnern sowie einem Banner mit der Aufschrift "Gülle killt Wald". Eine wesentliche Ursache für die Schäden sind die Ausdünstungen aus der Tierproduktion. ROBIN WOOD appelliert daher an den neuen Bundesforstminister Horst Seehofer, sich auch in seiner Funktion als Landwirtschafts- und Verbraucherminister für einen Stopp der Massentierhaltung einzusetzen und die ökologische Viehwirtschaft gezielt zu fördern.

Mit 71 Prozent liegen die Waldschadenszahlen für 2005 nur einen Prozentpunkt unter dem Negativ-Rekord aus dem Vorjahr. Der Zustand der Eichen, der am stärksten geschädigten Baumart, hat sich sogar noch weiter verschlechtert. Nur noch 15 Prozent sehen äußerlich intakt aus. Die alarmierend hohen Schadenszahlen in den beiden Jahren zuvor waren von vielen auf den besonders trockenen Sommer 2003 zurückgeführt worden – um sie sodann ad acta zu legen. Doch obwohl es dieses Mal keine extremen Wetterereignisse gab, sind die Schäden fast genauso groß.

Dies liegt insbesondere an dem hohen Eintrag von Stickstoffverbindungen. Sie überdüngen den Waldboden und lassen ihn versauern. 26 Prozent der Stickstoffverbindungen kommen als Stickoxid-Abgase aus den Auspuffen von LKWs und Autos. Noch mehr, nämlich 53 Prozent, stammen aber mittlerweile aus der Landwirtschaft - vor allem aus der Tierproduktion mit ihren hohen Ammoniak-Emissionen. Ammoniak dunstet aus dem Tiermist. Wenn die Bauern die Gülle auf den Acker ausbringen, verweht der Wind die Stickstoffverbindungen, bis sie mit dem nächsten Niederschlag wieder auf den Boden regnen.

Die Intensiv-Tierhaltung, die auf eine möglichst billige und schnelle Produktion von Fleisch, Eiern und Milch setzt, ist der Motor dieser Ammoniak-Emissionen. Sie kommt nicht ohne hohe Stickstoff-Importe in Form von proteinreichem Tierfutter und Düngemitteln aus. Auswüchse dieser industrialisierten Tierproduktion sind Agrarfabriken, wie sie derzeit hauptsächlich in Ostdeutschland – in Brandenburg und Sachsen-Anhalt - entstehen: Schweinemastanlagen mit einer Jahresproduktion von nahezu 200.000 Mastschweinen.

„Wenn sich Seehofer auf der Grünen Woche bei den Bauern mit seinem Bekenntnis zur konventionellen Landwirtschaft einschmeichelt, ist das genau das falsche Signal. Wir brauchen eine gezielte Förderung der ökologischen Landwirtschaft“, sagt ROBIN WOOD-Waldreferent Rudolf Fenner. „Die VerbraucherInnen können die Agrarwende unterstützen, indem sie weniger Fleisch essen und beim Einkauf auf das Biosiegel achten. Das nutzt ihrer Gesundheit, den Tieren und - was viele noch nicht wissen - auch dem Wald.“


Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung:
Rudolf Fenner, Waldreferent, Tel. 040 / 380 892 11, wald@robinwood.de
Ute Bertrand, Pressesprecherin, Tel. 040 / 380 892 0, presse@robinwood.de


Weitere Hintergrund-Informationen und Grafiken unter: www.robinwood.de/waldsterben


 

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