Hamburg und Berlin, 19. Oktober 2005
Ressorts: Umwelt/Vermischtes
Schwarzpappel zum "Baum des Jahres" gekürt
Mahnung zur konsequenten Renaturierung von Flusslandschaften
Die Schwarzpappel ist der Baum des Jahres 2006. Diese Entscheidung hat
heute das Kuratorium "Baum des Jahres" bekannt gegeben. ROBIN WOOD, seit
zwölf Jahren Mitglied des Kuratoriums, begrüßt es, dass die Wahl auf
diese in den großen Flussauen beheimatete Baumart gefallen ist. Denn
dadurch wird die öffentliche Aufmerksamkeit darauf gelenkt, dass durch
Flussausbauten viele Pflanzen- und Tierarten in Auenlandschaften in ihrer
Existenz gefährdet sind. Nur noch rund dreitausend ausgewachsene Exemplare
der Schwarzpappel existieren in Deutschland. Im Osten Deutschlands ist
sie laut Roter Liste vom Aussterben bedroht.
Es mag auf den ersten Blick irritierend sein, dass die Schwarzpappel vom
Aussterben bedroht sein soll, da doch noch viele Pappeln zu finden sind.
Doch die allermeisten dieser der Schwarzpappel sehr ähnlichen Bäume sind
Kreuzungen der Schwarzpappel mit nordamerikanischen Pappelarten - so
genannte Hybriden oder Bastarde - und daraus gezüchtete Sorten. Weil sie
schnell wachsen und über Stecklinge einfach zu vermehren sind, haben
Menschen diese Hybriden stark verbreitet. "Diese zahllosen Kulturformen
sind durchaus eine Bedrohung für die echte Schwarzpappel", sagt Rudolf
Fenner, Waldreferent bei ROBIN WOOD. "Doch der Hauptgrund für den
traurigen Platz in der Roten Liste ist das Verschwinden ihres natürlichen
Lebensraumes."
Der Lebenszyklus der Schwarzpappel ist eng an die Auenlandschaft der
größeren Flüsse gebunden. Ihre empfindlichen, nur wenige Tage keimfähigen
Samen keimen nur auf feuchten, unter der Kraft des Hochwassers
entstandenen, rohen Sandböden.
Doch die Flussregulierungen der vergangenen zweihundert Jahre mit ihren
Eindeichungen und Grundwasserabsenkungen haben solche Standorte gründlich
vernichtet. Rudolf Fenner: "Die Wahl der Schwarzpappel zum Baum des
Jahres 2006 ist ein klares Plädoyer für eine baldige und weit reichende
Renaturierung unserer großen Talauen - überlebenswichtig nicht nur für
die Schwarzpappel, sondern in Zeiten des Klimawandels zunehmend auch für
uns. Das haben die beiden Jahrhunderthochwasser an Oder und Elbe in den
vergangenen Jahren deutlich gezeigt."
Auch die Gentechniker haben sich inzwischen der Schwarzpappel bemächtigt
und versuchen, die Bäume widerstandsfähig gegen Insekten zu machen oder
ihr Holz für die Zellstoffproduktion zu optimieren. Im Norden Chinas
wachsen bereits über eine Million gentechnisch veränderter,
insektenresistenter Schwarzpappeln. Niemand hat dort noch einen Überblick,
wo überall diese Gentech-Pappeln inzwischen stehen - ein Desaster, gerade
bei einer Baumart, die bereits nach wenigen Jahren blühreif ist und kaum
genetische Barrieren zu anderen Pappelarten besitzt.
Kontakt:
Rudolf Fenner, Waldreferent, Tel. 040 / 380 892 11, wald@robinwood.de
Ute Bertrand, Pressesprecherin, Tel. 040 / 380 892 0, presse@robinwood.de
Ausführlicher Beitrag über die Schwarzpappel