6.10.2005
Redaktion: Aktuelles / Umwelt
Große Koalition der Betonpolitiker für die A44
ROBIN WOOD-AktivistInnen protestieren gegen die geplante neue Autobahn zwischen Kassel und Eisenach
"Stopp A44 - Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten" - so steht es auf dem
Transparent, das ROBIN WOOD-AktivistInnen heute Mittag über dem Portal
des Tunnels Hopfenberg-Ost im hessischen Örtchen Walburg entrollten. Die
Polizei schritt jedoch sofort ein und nahm drei AktivistInnen in
Gewahrsam. Zur gleichen Zeit gaben dort der hessische Ministerpräsident
Roland Koch und sein Wirtschaftsminister Alois Rhiel gemeinsam mit
Angelika Mertens, Staatssekretärin aus dem Bundesverkehrsministerium, die
Ortsumfahrung Walburg als erstes Teilstück der Autobahn 44 für den Verkehr
frei. Die geplante Autobahn, ein Verkehrsprojekt Deutsche Einheit, soll
von Kassel nach Eisenach führen. ROBIN WOOD protestiert gegen diese große
Koalition der Betonpolitiker in CDU und SPD, die in der Verkehrspolitik
bereits praktiziert wird.
ROBIN WOOD fordert, es bei der Ortsumfahrung zu belassen und die weiteren
Planungen für die A44 aufzugeben. Denn die Region verfügt bereits über ein
dichtes Autobahnnetz. Die zusätzliche Verbindung hätte allein den Zweck,
eine Abkürzungsstrecke zwischen A7 und A4 für den Transitverkehr zu
schaffen. Dafür sollen mindestens 1,3 Milliarden Euro Steuergelder verbaut
werden. Auf einer Strecke von 65 Kilometer würde Landschaft asphaltiert,
sieben europäische Naturschutzgebiete würden dabei in Mitleidenschaft
gezogen.
Die A44 soll zwischen Kassel und dem thüringischen Wommen parallel zur
Bundesstraße 7 verlaufen. Auf der B 7 hat der hessische
Wirtschaftsminister Rhiel erst im August dieses Jahres - auf Druck von
AnwohnerInnen, Verkehrsinitiativen und Umweltverbänden, darunter ROBIN
WOOD - ein LKW-Durchfahrverbot angeordnet. Die AnwohnerInnen der
Bundesstraße sind also bereits vom LKW-Durchgangsverkehr entlastet und
brauchen dafür keine Autobahn.
Eine staatliche Förderung des LKW-Transits durch den Neubau der
Abkürzungs-Autobahn A44 ist umweltpolitisch nicht zu vertreten. Der
Güterverkehr auf deutschen Straßen stieg von 1991 bis 2002 um rund 45
Prozent. Dadurch hat der Schadstoffausstoß stark zugenommen. Zwei Drittel
der verkehrsbedingten Stickstoff-Emissionen, mitverantwortlich für das
Waldsterben, stammen aus den Auspuffrohren der LKW. Dazu kommen
krebserregender Dieselruß und das Treibhausgas Kohlendioxid. Prognosen
gehen von einer weiteren starken Zunahme des Güterverkehrs im Zuge der
EU-Osterweiterung aus. Straßenbauprojekte wie die Abkürzungsautobahn A 44
machen es für Unternehmen billiger und damit attraktiver, Güter zwischen
Polen, Tschechien und Westeuropa auf der Straße zu transportieren - mit
ökologisch fatalen Folgen.
"Wer jetzt eine neue Autobahn baut, zieht mehr Straßenverkehr an. Der
massenhafte Güterverkehr aber wird auf der Straße nicht zu bewältigen
sein, ohne dass die Gesundheit der Menschen in der Region darunter
leidet, Natur zerstört und das Klima belastet wird", sagt
Verkehrsreferentin Monika Lege. "Wir fordern die Herren Koch, Rhiel und
Eichel auf, aus der großen Koalition der Betonpolitiker auszuscheren.
Das Durchfahrverbot ist ein guter Anfang und muss auf jeden Fall
beibehalten werden. Wir brauchen nicht mehr Straßen, sondern eine
Verkehrswende: Güter runter von den Straßen und rauf auf die Schiene."
Als nächstes soll der naturschutzrechtlich äußerst problematische
Abschnitt Hessisch Lichtenau westlich von Walburg gebaut werden. Hier
hatte das Bundesverwaltungsgericht 2002 einen Baustopp verfügt - wegen
erheblicher Eingriffe in das nach der europäischen
Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie geschützte Gebiet Lichtenauer Höhe. Noch
in diesem Jahr wird ein neuer Planfeststellungsbeschluss erwartet. ROBIN
WOOD fordert, diese Planung aufzugeben und ein Konzept vorzulegen, wie der
Güterverkehr verringert und auf die Schiene verlagert werden kann.
Kontakt:
Klaus Schotte, ROBIN WOOD Kassel, kassel@robinwood.de
Monika Lege, Verkehrsreferentin, Tel. 040 / 380 892 12, verkehr@robinwood.de
Ute Bertrand, Pressesprecherin, Tel. 040 / 380 892 0, presse@robinwood.de