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6.10.2005

Redaktionen: Aktuelles / Umwelt

Baumbesetzer gegen Braunkohlebagger

ROBIN WOOD-AktivistInnen richten sich auf Bäumen häuslich ein, die Vattenfall für den Braunkohletagebau in der Lausitz fällen will

Wie am Mittag bekannt wurde, haben drei ROBIN WOOD-AktivistInnen heute in den frühen Morgenstunden am Hammergraben in der Nähe des Örtchens Lacoma bei Cottbus Bäume besetzt. Sie hängten in etwa zehn Meter Höhe Plattformen auf, so dass sie dort auf unbestimmte Zeit ausharren können. Die besetzten Pappeln stehen direkt auf der geplanten Bautrasse im Gebiet der ökologisch besonders wert­vollen Lacomaer Teiche im Landschaftsschutzgebiet Peitzer Teichlandschaft. Der Energie­konzern Vattenfall will dort Braunkohle abbaggern, um das nahe gelegene Kraft­werk Jänsch­walde mit Brennstoff zu versorgen. Das Landesumweltamt von Brandenburg hatte in dieser Wo­che Vatten­fall grünes Licht gegeben, so­fort mit Baumfällarbeiten und dem Bau von Ent­wässe­rungsanlagen in dem Landschaftsschutz­gebiet "Peitzer Teichlandschaft mit Hammergraben" zu beginnen. ROBIN WOOD fordert Vatten­fall auf, die Braunkohlebagger in ausreichen­dem Ab­stand zum Hammer­graben zu stoppen und die unersetzliche Teichlandschaft zu erhalten.

Vattenfall bekam jetzt die Genehmigung, Entwässerungsanlagen im Landschaftsschutzgebiet zu er­rich­ten und in Betrieb zu nehmen, obwohl sich das Land Brandenburg 2003 nach langem Zögern end­lich entschieden hatte, die im Landschaftsschutzgebiet "Peitzer Teichlandschaft" gelegenen Lacomaer Tei­che als europäisches Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH) der EU zu melden. Dadurch sollte der Le­bens­raum und die dort vorkommenden Tiere und Pflanzen geschützt werden. In der Teich­landschaft und dem nahe gelegenen Hammergraben leben 170 bedrohte Tier- und Pflanzenarten, dar­unter die streng geschützte Rotbauchunke und der Eremitenkäfer. Ob das FFH-Gebiet überhaupt je­mals abge­baggert werden darf, wird in einem wasserrechtlichen Planfeststellungsverfahren entschie­den. Mit dem Bescheid ist nicht vor Ende des Jahres zu rechnen.

Vattenfall hatte im Juni dieses Jahres beim Landesumweltamt eine "Befreiung von Verboten" des Bundesnaturschutzgesetzes, des Landschaftsschutzgesetzes und von artenschutzrechtlichen Vor­schriften beantragt. Zur Begründung für diese Aushebelung des Naturschutzrechts führte Vattenfall "ein überwiegend öffentliches Interesse" an und entwarf ein Negativ-Szenario von steigenden Strompreisen, dem Abbau von Arbeitsplätzen und dem wirtschaftlichen Niedergang des Landes, falls der Antrag nicht genehmigt würde. Außerdem seien die finanziellen Verluste, die Vattenfall durch einen möglichen Stopp der Braunkohlebagger entstünden, nicht hinzunehmen. Letzterer Auffassung hat sich das Landesum­weltamt angeschlossen. Demnach darf Vattenfall nun sofort mit der Zerstörung des Landschaftsschutz­gebie­tes beginnen - obwohl noch nicht feststeht, ob die Bagger jemals in das Teichgebiet vordringen dür­fen.

"Das Landesumweltamt übt sich in vorauseilendem Gehorsam und setzt Verbote einfach außer kraft", sagt Bettina Dannheim, Energiereferentin bei ROBIN WOOD. "Das Naturschutzrecht wird zur Seite gefegt, sobald ein großer Konzern kommt und seine wirtschaftlichen Interessen geltend macht."

Unter den Lacomaer Teichen liegen etwa 50 Millionen Tonnen Rohbraunkohle - Brennstoff, den Vattenfall in dem nahe gelegenen Kraftwerk Jänschwalde verstromen möchte. Jänschwalde gehört nachweislich zu den dreckigsten Kraftwerken in Europa. Mit 1.200 Gramm Kohlendioxid pro Kilowatt­stunde stößt es dreimal so viel Kohlendioxid aus wie ein modernes Gaskraftwerk und siebzigmal so viel wie eine Windkraftanlage.

ROBIN WOOD fordert Vattenfall auf, Braunkohle - den Klimakiller Nr. 1 unter den Energieträgern - durch Gas und erneuerbare Energien zu ersetzen.


Kontakt:
Bettina Dannheim, Energiereferentin, Tel. 040 / 380 892 21, energie@robinwood.de
Ute Bertrand, Pressesprecherin, Tel. 040 / 380 892 0, presse@robinwood.de


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