26.6.05
Redaktionen: Aktuelles / Wirtschaft
ROBIN WOOD fordert den sofortigen Ausstieg aus der Plutoniumwirtschaft
ROBIN WOOD hat heute Bundesumweltminister Trittin aufgefordert, die
Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente im Ausland zu verbieten. Ab 1.
Juli des Jahres wird lediglich der Transport abgebrannter Brennelemente
ins Ausland untersagt. In den Plutoniumfabriken Sellafield und La Hague
lagern aber noch etwa 900 Tonnen Atommüll aus Deutschland, so dass ein
Ausstieg aus der Plutoniumwirtschaft noch längst nicht geschafft ist. Dies
belegt ein heute veröffentlichtes Gutachten, das die Gruppe Ökologie aus
Hannover im Auftrag von ROBIN WOOD erstellt hat.
Allein in der britischen Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) Sellafield an der
Nordwestküste Englands lagern nach Berechnungen der Gruppe Ökologie noch
500 Tonnen bestrahlte Brennelemente, die wiederaufgearbeitet werden
sollen. Die britische Plutoniumfabrik wurde vor einigen Wochen vorerst
geschlossen. Denn es war bekannt geworden, dass ab Mitte letzten Jahres
zirka 83.000 Liter eines hochaktiven Uran-Plutoniums-Gemischs aus einem
Tank ausgelaufen waren, ohne dass die Beschäftigten dies bemerkt hätten.
Ds radioaktive Gemisch hätte für den Bau von 20 Atombomben gereicht.
"Die Plutoniumfabriken Sellafield und La HagueHague müssen endgültig
geschlossen werden", fordert Bettina Dannheim, Energiereferentin von
ROBIN WOOD. "Bundesumweltminister Trittin darf nicht auf halbem Wege
stehen bleiben und nur die Transporte ins Ausland stoppen. Notwendig ist
ein konsequenter Ausstieg aus der Plutoniumwirtschaft."
Die Wiederaufarbeitung ist ein technisch komplexer Prozess, bei dem der
Atommüll in verschiedene chemische Bestandteile aufgetrennt wird. Der Name
Wiederaufarbeitung ist irreführend, weil nur wenige Prozente des
bearbeiteten Atommülls wieder verwendet werden.
Bei der Wiederaufarbeitung gelangen radioaktive Substanzen über Abluft und
Abwasser in großen Mengen in die Umgebung. So werden rund um die
Plutoniumfabriken in Sellafield und La Hague die Grenzwerte der deutschen
Strahlenschutzverordnung - laut einem Gutachten im Auftrag des
Bundesamtes für Strahlenschutz - zum Teil um das 20-fache überschritten.
Im Umkreis beider Anlagen wurde eine Erhöhung der Leukämierate bei Kindern
im Vergleich zum jeweiligen Landesdurchschnitt festgestellt.
Nach Abschätzung der Gruppe Ökologie werden in La Hague und Sellafield
noch zirka neun Tonnen Plutonium aus bestrahlten Brennelementen
abgetrennt. Plutonium gehört zu den giftigsten Stoffen, bereits ein
Millionstel Gramm ist krebserregend. Das abgetrennte Plutonium soll
vollständig zu Mischoxid(MOX)-Brennelementen verarbeitet werden, die dann
in den deutschen Reaktoren eingesetzt werden. MOX-Brennelemente sind -
was den Strahlenschutz, die Sicherheitstechnik, die Endlagerung und die
Proliferation anbelangt - noch problematischer als Uran-Brennelemente. Ein
bis zwei unbestrahlte MOX-Brennelemente enthalten die Plutoniummenge für
eine Atombombe.
Ein sofortiger Stopp der Aufarbeitung deutscher Brennelemente im Ausland
würde dazu führen, dass die Plutoniumfabriken in Sellafield und La Hague
früher endgültig stillgelegt würden. Dadurch würde die radioaktive
Belastung der Bevölkerung in der Umgebung der Anlagen erheblich sinken.
Außerdem wäre die Gefahr weiterer Störfälle gebannt.
Kontakt:
Bettina Dannheim, Energiereferentin, 040 / 380 892 21, energie@robinwood.de
Ute Bertrand, ROBIN WOOD-Pressesprecherin, 040 / 380 892 22, presse@robinwood.de
Hintergrund-Informationen hier.
Studie erstellt im Auftrag von ROBIN WOOD:
Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente im Ausland (pdf, ca. 50 kB)