Pressemitteilung

Pressemitteilung   Bundesgeschäftsstelle
Langemarckstr. 210
28199 Bremen

Tel.: 0421 / 598 28 8
Fax.: 0421 / 598 28 72

Pressestelle
Nernstweg 32
22765 Hamburg

Tel.: 040 / 380 892 0
Fax.: 040 / 380 892 14

Pressemitteilung  

26.6.05

Redaktionen: Aktuelles / Wirtschaft

ROBIN WOOD fordert den sofortigen Ausstieg aus der Plutoniumwirtschaft

ROBIN WOOD hat heute Bundesumweltminister Trittin aufgefordert, die Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente im Ausland zu verbieten. Ab 1. Juli des Jahres wird lediglich der Transport abgebrannter Brennelemente ins Ausland untersagt. In den Plutoniumfabriken Sella­field und La Hague lagern aber noch etwa 900 Tonnen Atommüll aus Deutschland, so dass ein Ausstieg aus der Plutoniumwirtschaft noch längst nicht geschafft ist. Dies belegt ein heute ver­öffentlichtes Gutachten, das die Gruppe Ökologie aus Hannover im Auftrag von ROBIN WOOD erstellt hat.

Allein in der britischen Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) Sellafield an der Nordwestküste Englands lagern nach Berechnungen der Gruppe Ökologie noch 500 Tonnen bestrahlte Brennelemente, die wiederaufgearbeitet werden sollen. Die britische Plutoniumfabrik wurde vor einigen Wochen vorerst geschlossen. Denn es war bekannt geworden, dass ab Mitte letzten Jahres zirka 83.000 Liter eines hochaktiven Uran-Plutoniums-Gemischs aus einem Tank ausgelaufen waren, ohne dass die Beschäftigten dies bemerkt hätten. Ds radioaktive Gemisch hätte für den Bau von 20 Atombomben gereicht.

"Die Plutoniumfabriken Sellafield und La HagueHague müssen endgültig geschlossen werden", fordert Bet­tina Dannheim, Energiereferentin von ROBIN WOOD. "Bundesumweltminister Trittin darf nicht auf hal­bem Wege stehen bleiben und nur die Transporte ins Ausland stoppen. Notwendig ist ein konse­quenter Ausstieg aus der Plutoniumwirtschaft."

Die Wiederaufarbeitung ist ein technisch komplexer Prozess, bei dem der Atommüll in verschiedene chemische Bestandteile aufgetrennt wird. Der Name Wiederaufarbeitung ist irreführend, weil nur we­nige Prozente des bearbeiteten Atommülls wieder verwendet werden.

Bei der Wiederaufarbeitung gelangen radioaktive Substanzen über Abluft und Abwasser in großen Mengen in die Umgebung. So werden rund um die Plutoniumfabriken in Sellafield und La Hague die Grenzwerte der deutschen Strahlenschutzverordnung - laut einem Gutachten im Auftrag des Bundes­amtes für Strahlenschutz - zum Teil um das 20-fache überschritten. Im Umkreis beider Anlagen wurde eine Erhöhung der Leukämierate bei Kindern im Vergleich zum jeweiligen Landesdurchschnitt festge­stellt.

Nach Abschätzung der Gruppe Ökologie werden in La Hague und Sellafield noch zirka neun Tonnen Plutonium aus bestrahlten Brennelementen abgetrennt. Plutonium gehört zu den giftigsten Stoffen, bereits ein Millionstel Gramm ist krebserregend. Das abgetrennte Plutonium soll vollständig zu Misch­oxid(MOX)-Brennelementen verarbeitet werden, die dann in den deutschen Reaktoren einge­setzt wer­den. MOX-Brennelemente sind - was den Strahlenschutz, die Sicherheitstechnik, die Endlage­rung und die Proliferation anbelangt - noch problematischer als Uran-Brennelemente. Ein bis zwei unbe­strahlte MOX-Brennelemente enthalten die Plutoniummenge für eine Atombombe.

Ein sofortiger Stopp der Aufarbeitung deutscher Brennelemente im Ausland würde dazu führen, dass die Plutoniumfabriken in Sellafield und La Hague früher endgültig stillgelegt würden. Dadurch würde die radioaktive Belastung der Bevölkerung in der Umgebung der Anlagen erheblich sinken. Au­ßerdem wäre die Gefahr weiterer Störfälle gebannt.


Kontakt:
Bettina Dannheim, Energiereferentin, 040 / 380 892 21, energie@robinwood.de
Ute Bertrand, ROBIN WOOD-Pressesprecherin, 040 / 380 892 22, presse@robinwood.de


Hintergrund-Informationen hier.

Studie erstellt im Auftrag von ROBIN WOOD:
Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente im Ausland (pdf, ca. 50 kB)

 

Pressemitteilung

©ROBIN WOOD      - home -