23. Juni 2005
Redaktionen: Wirtschaft/Umwelt
Papiergroßhandel ist mitverantwortlich für Umweltzerstörung
Dem deutschen Papiergroßhandel fehlt es an Umweltbewusstsein und
Transparenz. Das ergab eine Markt-Studie, die ROBIN WOOD heute
veröffentlicht hat. Demnach trifft der Papiergroßhandel bislang nur
unzureichende Vorkehrungen, Papier aus Raubbau aus seinem Sortiment
auszuschließen. Ökologische und soziale Kriterien spielen in der Praxis
kaum eine Rolle. Recyclingpapier und FSC-zertifiziertes Frischfaserpapier
wird nur in geringen Mengen angeboten. ROBIN WOOD fordert, dass der
Recyclingpapier-Anteil drastisch erhöht wird und der übrige Bedarf mit
Papier aus nachweislich ökologisch und sozial verantwortlicher
Forstwirtschaft gedeckt wird.
ROBIN WOOD befragte im April die fünf größten Akteure der Papierbranche in
Deutschland: IGEPA, Schneider & Söhne, Papier Union, Deutsche Papier und
Antalis. Sie erzielen mit rund 2,7 Millionen Tonnen Papierprodukten pro
Jahr einen Umsatz von über 2,7 Milliarden Euro. ROBIN WOOD wollte u.a.
wissen, welche ökologischen und sozialen Kriterien die Händler beim
Einkauf berücksichtigen und wie hoch der Anteil an Produkten aus
Altpapier sowie FSC-zertifizierter Ware ist.
Besonders enttäuschend: Der Anteil der Produkte aus Altpapier liegt bei
den vier Großen der Branche nur zwischen drei und zehn Prozent. Der
Kleinste, Antalis, erreicht 16 Prozent. Dabei kann jede Papierfaser
viermal wieder verwendet werden, so dass der Papierbedarf überwiegend mit
Altpapier gedeckt werden könnte.
Außerdem mangelt es der Branche an Transparenz. Keine der Firmen konnte
oder wollte eine Liste der Länder vorlegen, aus denen das Holz bzw. der
Zellstoff für die angebotenen Frischfaser-Produkte stammt. Keines der
Unternehmen hat sich verpflichtet, Informationen über die Herkunft der
Produkte auf der Verpackung anzugeben.
Die befragten Großhändler bieten zwar - mit Ausnahme von Deutsche Papier -
Produkte mit dem Zertifikat des Forest Stewardship Council (FSC) an, das
für ökologisch und sozial akzeptable Forstwirtschaft steht. Allerdings
handelt es sich nur um einen winzigen Bruchteil der Ware. Nur Papier Union
und IGEPA konnten Mengenangaben machen; sie bezifferten den Anteil
FSC-zertifizierter Produkte auf unter ein Prozent. Für den Großteil der
Produktpalette fehlt ein glaubwürdiger Herkunftsnachweis.
Eigene ökologische und soziale Kriterien für den Bezug ihrer Produkte
konnten nur Antalis und Papier Union vorweisen. Papier Union wird nach
Recherchen von ROBIN WOOD den eigenen Ansprüchen jedoch nicht gerecht.
So kauft das Unternehmen - trotz Protesten aus aller Welt - seit Jahren
Papier bei dem Konzern APRIL, der für Regenwaldzerstörung und
Repressalien gegenüber den Einheimischen in Sumatra berüchtigt ist.
Antalis hat zwar eine "Einkaufsrichtlinie Umweltpolitik" formuliert, es
fehlt jedoch an konkreten, nachprüfbaren Kriterien. Immerhin schließen
Antalis und Deutsche Papier einzelne Konfliktländer wie Indonesien als
Rohstoff-Lieferanten aus.
Die Forderungen nach Umwelt- und Sozialstandards für Papier sind der
Branche bekannt. ROBIN WOOD hat zusammen mit anderen namhaften Umwelt-
und Verbraucherorganisationen am 10. Juni dieses Jahres einen
entsprechenden Aufruf an den Bundesverband des Deutschen
Papiergroßhandels gerichtet. Eine Reaktion steht noch immer aus.
"Die Defizite bei der Selbstkontrolle der Branche zeigen, dass das
geplante Urwaldschutzgesetz dringend gebraucht wird", schlussfolgert
Jens Wieting von ROBIN WOOD.
Für Rückfragen können Sie sich jederzeit gern an uns wenden:
Jens Wieting, Tropenwaldreferent, 040 / 380 892 15, tropenwald@robinwood.de
Ute Bertrand, ROBIN WOOD-Pressesprecherin, 040 / 380 892 22, presse@robinwood.de
Weitere Infos, den Fragebogen und die Auswertung finden Sie hier: www.robinwood.de/raubbaupapier