10. Juni 2005
Redaktionen: Wirtschaft/Umwelt
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Umwelt- und Verbraucherschützer fordern:
Papierindustrie soll Menschenrechte achten und Urwälder schützen
Ein Bündnis namhafter Umwelt- und Verbraucherorganisationen hat sich heute
mit einem gemeinsamen Aufruf an die Mitglieder des Verbandes Deutscher
Papierfabriken sowie des Bundesverbandes des Deutschen Papiergroßhandels
gewandt. In dem Aufruf fordern sie Papierhandel und -industrie auf,
ausschließlich Zellstoff zu verwenden, der aus einer ökologisch
nachhaltigen und sozial gerechten Waldwirtschaft stammt. Außerdem sollen
Papierindustrie und -handel mehr Altpapier einsetzen. Die Präsentation
des Aufrufs begleiten ROBIN WOOD-AktivistInnen heute am Hamburger
Fischmarkt mit einer Aktion gegen Papierverschwendung und Papier aus
Raubbau.
35 Tonnen Papier werden in Deutschland pro Minute verbraucht. Um diese
Menge sinnlich erfahrbar zu machen, hat ROBIN WOOD heute einen
Sattelschlepper mit Altpapier vorfahren lassen. Auf dem Papierberg
entrollten die UmweltschützerInnen ein Transparent mit dem Slogan "Für
Menschenrechte und Urwälder - Kein Papier aus Raubbau". Davor zersägten
sie symbolisch vier Baumriesen, die für die Produktion des Papiers aus
Frischfasern gefällt werden müssten.
Weltweit werden jährlich etwa 15 Millionen Hektar Wald zerstört. Jeder
fünfte eingeschlagene Baum wird verwendet, um daraus Zellstoff oder Papier
herzustellen. In Ländern wie Indonesien und Kanada werden auch Urwälder
für Papier gerodet. Indigene und Kleinbauern verlieren dort ihr Land an
die Holz- und Zellstoffindustrie und verarmen. Tiere und Pflanzen sterben
aus. Der Klimawandel verschärft sich.
Hauptverantwortlich dafür sind die Industrieländer, die über vier Fünftel
des Papiers verbrauchen. Um zu verhindern, dass Zellstoff aus einer
illegalen, zerstörerischen und sozial ungerechten Waldwirtschaft auf den
Markt kommt, sind verbindliche Regelungen notwendig. Entsprechende
Gesetze aber fehlen bislang. Auf Initiative von ROBIN WOOD hat daher nun
ein Bündnis von Umwelt- und Verbraucherorganisationen in dem heute
veröffentlichten Aufruf formuliert, was sie konkret von Papierindustrie
und -handel erwarten. Dazu zählt eine unabhängige Kontrolle über die
Herkunft des Zellstoffs, mehr Transparenz für die VerbraucherInnen,
saubere Produktionsprozesse, etwa der vollständige Verzicht auf
Chlorverbindungen und die Wahl kurzer Transportwege.
"Papierindustrie und -handel sind jetzt am Zug und müssen erklären, was
sie tun werden, um sich aus der Verstrickung in Urwaldzerstörung,
illegalen Handel und Menschenrechtsverletzungen zu lösen", sagt Jens
Wieting, Tropenwaldreferent bei ROBIN WOOD.
Für Rückfragen können Sie sich gern jederzeit an uns wenden:
Jens Wieting, Tropenwaldreferent, 040 / 380 892 15, tropenwald@robinwood.de
Ute Bertrand, ROBIN WOOD-Pressesprecherin, 040 / 380 892 22, presse@robinwood.de
Hintergrundinformationen: Problematische Papierprodukte im deutschen Handel (pdf, ca. 20 kb)
Den Aufruf sowie weitere Informationen über problematische Papierprodukte
finden Sie unter: www.paperwatch.info
Die Unterzeichner des Aufrufs sind:
Arbeitsgemeinschaft Regenwald und
Artenschutz (ARA), BUND, Forum Ökologie & Papier, Initiative 2000 plus,
NABU, Pro Regenwald, ROBIN WOOD, Urgewald, Verband für Umweltberatung
NRW, Verbraucher-Zentrale Nordrhein-Westfalen und WWF Deutschland.