20. Mai 2005
Redaktionen: Wirtschaft/Umwelt
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Mit "Tempo" in die Armut
Aktionstag für eine bessere Einkaufspraxis bei Procter&Gamble
Der multinationale Konzern Procter&Gamble, der hierzulande bekannte
Markenprodukte wie Tempo-Taschentücher und Charmin-Klopapier verkauft,
verwendet Zellstoff aus Eukalyptus-Monokulturen in Brasilien, für die
UreinwohnerInnen vertrieben und die Umwelt ruiniert wird. Dagegen haben
heute AktivistInnen der Umweltorganisation ROBIN WOOD protestiert und eine
verbesserte Einkaufspraxis gefordert. In Neuss beim deutschen
Procter&Gamble-Werk für die Taschentuchproduktion entrollten AktivistInnen
ein Transparent mit der Aufschrift: "Procter&Gamble - Profit mit Tempo -
Armut in Brasilien". In acht weiteren Städten, darunter in Berlin am
Brandenburger Tor und in der Bremer Innenstadt, leisten die
UmweltschützerInnen heute Verbraucheraufklärung und verteilen Päckchen
mit Recycling-Taschentüchern, auf denen statt des Tempo-Logos im gleichen
Design das Wort "Armut" steht.
Procter&Gamble kauft Zellstoff von Aracruz Celulose, dem weltweit größten
Hersteller von gebleichtem Eukalyptus-Zellstoff, der rund 250.000 Hektar
Eukalyptus-Plantagen in Brasilien bewirtschaftet. In direkter
Nachbarschaft zu seinem größten Zellstoffwerk im Bundesstaat Espirito
Santo spitzen sich zur Zeit Landrechtskonflikte mit der indigenen
Bevölkerung der Tupinikim und Guarani zu. Aracruz weigert sich, ein Gebiet
von 11.000 Hektar zurückzugeben, das die brasilianischen Behörden bereits
als indianisches Land anerkannt haben. In dieser Woche haben die
Tupinikim und Guarani begonnen, das Gebiet als ihren Besitz zu
kennzeichnen, um ihren Anspruch darauf öffentlich sichtbar zu machen.
Die Anlage der intensiv bewirtschafteten Monokulturen hat auch für die
Umwelt fatale Folgen: Wo noch in den siebziger Jahren atlantischer
Küstenregenwald wuchs, stehen heute Eukalyptus-Plantagen. Eine
artenreiche Tier- und Pflanzenwelt wurde vernichtet und in eine "grüne
Wüste" verwandelt. AnwohnerInnen klagen darüber, dass die Fischbestände
in der Meeresbucht, in die Aracruz seine Abwässer einleitet, dramatisch
zurückgegangen seien.
Procter&Gamble verweigert bislang gegenüber ROBIN WOOD exakte
Informationen, woher der Konzern seinen Zellstoff bezieht. ROBIN WOOD hat
jedoch durch eigene Recherchen und eine Reise nach Brasilien den Weg des
Zellstoffs vom Aracruz-Werk in Espirito Santo bis ins Procter&Gamble-Werk
in Neuss dokumentiert. Außerdem hat ein renommiertes US-Labor im Auftrag
von ROBIN WOOD die Zellstoff-Zusammensetzung von Procter&Gamble-Produkten
analysiert. Demnach bestehen die untersuchten Tempo-Taschentücher zu über
50 Prozent aus Eukalyptus-Zellstoff. Das Charmin-Klopapier enthält rund 60
Prozent Eukalyptus-Zellstoff.
"Die deutschen KonsumentInnen wollen nicht zu Komplizen von Konzernen
gemacht werden, die Landrechte verletzen und Menschen in die Armut
treiben", sagt Peter Gerhardt, der für ROBIN WOOD in Brasilien
recherchiert hat. Für ROBIN WOOD ist der Kauf von
Procter&Gamble-Produkten nur dann akzeptabel, wenn der Konzern
ausschließlich Zellstoff aus einer sozial gerechten und ökologisch
nachhaltigen Forstwirtschaft bezieht. Aracruz erfüllt diese Anforderungen
zur Zeit nicht.
Für Rückfragen können Sie sich gern an uns wenden:
Peter Gerhardt, Jens Wieting, ROBIN WOOD-Tropenwaldreferat, 040 / 380 892 18, tropenwald@robinwood.de
Ute Bertrand, ROBIN WOOD-Pressesprecherin, 040 / 380 892 22, presse@robinwood.de
Den ROBIN WOOD-Recherchebericht sowie aktuelle Fotos und Infos aus Brasilien finden Sie unter: www.robinwood.de/raubbaupapier