Hamburg, 18. März 2004
Redaktionen: Umwelt, Ausland, Wirtschaft
Einzigartiger Regenwald in Norwegen in Gefahr
Deutsche Umweltorganisationen fordern mehr Urwaldschutz in Norwegen
Norwegen ist Schlusslicht beim Waldschutz in Skandinavien. Gerade mal ein
Prozent der Waldfläche steht dort unter Schutz. In Schweden und Finnland
sind zwar auch längst nicht alle Urwälder geschützt, aber immerhin fast
vier Prozent. ROBIN WOOD und 12 weitere deutsche Umweltorganisationen
haben daher in einem Brief den norwegischen Umweltminister Börge Brende
aufgefordert, dafür zu sorgen, dass weitere Waldschutzgebiete ausgewiesen
werden.
Aktueller Hintergrund ist der Streit um ein Waldgebiet an der regenreichen
Fjordküste Norwegens auf der Höhe von Trondheim. Der dortige boreale
Regenwald ist wegen seiner ungeheuren Vielfalt an Baumflechten einzigartig
in Europa. Trotzdem wurde im vergangenen Jahr damit begonnen, ihn kahl zu
schlagen. Erst nach Protesten norwegischer und deutscher
Waldschutzorganisationen wurden die Arbeiten unterbrochen.
An der anschließenden Diskussion vor Ort war neben einem Vertreter der
deutschen Umweltorganisationen auch der Axel Springer Verlag als
einflussreicher Kunde norwegischen Papiers beteiligt. Aufgrund der
Gespräche entschieden die Waldbesitzer, die Fällarbeiten vorerst nicht
wieder aufzunehmen. Sie erwarten allerdings von der norwegischen Regierung
einen finanziellen Ausgleich für einen dauerhaften Verzicht.
"Norwegen ist wegen seiner Ölvorkommen eines der reichsten Länder
Europas", so Rudolf Fenner, Waldreferent bei ROBIN WOOD. "Trotzdem leistet
Norwegen noch weniger als seine skandinavischen Nachbarn für den
Urwaldschutz. Die norwegische Regierung muss jetzt handeln, damit die
letzten Urwälder Europas nicht unwiederbringlich verloren gehen."
Norwegens Waldbesitzer haben sich bei der Zertifizierung ihrer Wälder für
das höchst umstrittene, pauschal vergebene Branchensiegel des PEFC
entschieden. Umweltorganisationen weisen seit Jahren darauf hin, dass
unter diesem Pseudo-Ökosiegel auch Urwälder zerstört werden - nicht nur in
Norwegen, sondern auch im übrigen Skandinavien.
Für Rückfragen können Sie sich jederzeit gern an uns wenden:
Rudolf Fenner, ROBIN WOOD-Waldreferent, Tel. (040) 380 892 11,
wald@robinwood.de
Ute Bertrand, Pressesprecherin, 040 / 380 892 22,
presse@robinwood.de
Rein Midteng, Norges Naturvernforbund, (Friends of the Earth - Norway),
Tel. (00 47) 40 068 188 oder (00 47) 56 169 916
Den Brief an Umweltminister Brende finden Sie hier (oder auch als pdf-Datei, ca. 70 kB).