Hamburg, den 01.10.2003
Redaktion: Aktuelles/Wirtschaft/Umwelt
Kultur & Natur statt Kohlegrube
ROBIN WOOD fordert den Erhalt des ostbrandenburgischen Dorfes Lacoma und
seiner Teichlandschaft. Die weitere Vernichtung ganzer Dörfer und
Landstriche in der Lausitz zu Gunsten des Braunkohletagebaus ist
gegenüber den dort lebenden Menschen wie auch klima- und energiepolitisch
nicht zu verantworten.
Geht es nach dem Willen des Energieriesen Vattenfall Europe, hätten die
BewohnerInnen des kleinen Dorfes Lacoma bereits gestern ihre Häuser räumen
müssen. Zum 30. September wurden die Nutzungsverträge gekündigt. Der
Stromkonzern will hier im Tagebau Braunkohle abbauen. In den nächsten
Tagen sollen Abrissbagger anrücken und vier Höfe und die sogenannte
Kulturscheune dem Erdboden gleich machen. Die Bewohner haben angekündigt,
ihr Dorf nicht freiwillig zu verlassen. Heute findet in der Kulturscheune
des Dorfes ein kabarettistisches "Rotbauchunken-Wettessen" statt.
"ROBIN WOOD unterstützt den Protest der Dorfbevölkerung, den Kampf um den
Erhalt ihrer Häuser und der nahegelegenen Teiche. Die Erschließung
weiterer Braunkohletagebaue ist durch nichts zu rechtfertigen. Braunkohle
ist der klimaschädlichste Energieträger überhaupt," erklärt Bettina
Dannheim, Energiereferentin von ROBIN WOOD. "Der Umstieg auf erneuerbare
Energien und CO2-arme Energieträger darf auch in der Lausitz nicht länger
auf sich warten lassen. Der Braunkohleabbau muss zielgerichtet und
sozialverträglich beendet werden."
Eine wirksame Klimaschutzpolitik ist mit der Braunkohleverstromung nicht
vereinbar. Braunkohle liefert in Deutschland zirka 10 Prozent des
Primärenergiebedarfs, aber 20 Prozent der CO2-Emissionen. Doch trotz
dieser enormen Klimaschädlichkeit beträgt die Braunkohleverstromung am
deutschen Energiemix mehr als 27 Prozent. Vattenfall Europe erzeugt rund
60 Prozent seines Stroms in Braunkohlekraftwerken, deutlich mehr als die
Konkurrenz. Daher kann es für den drittgrößten deutschen Stromkonzern bei
der bevorstehenden Zuteilung von Verschmutzungsrechten für Treibhausgase
eng werden. Vattenfall drängt auf eine Sonderbehandlung und hofft so die
Kosten der Braunkohleverstromung zu drücken. "Sonderregelungen für den
Klimakiller Braunkohle darf es nicht geben," so Dannheim. "Hochwasser und
Dürre sprechen eine deutliche Sprache. Der Klimaschutz darf nicht den
wirtschaftlichen Interessen eines Wirtschaftszweiges untergeordnet
werden."
Dem Braunkohletagebau des Energieriesen Vattenfall soll nicht nur das Dorf
Lacoma, sondern auch eine der schönsten und wertvollsten Landschaften der
Lausitz weichen. Die Lacomaer Teichlandschaft bietet Lebensraum für mehr
als 100 bedrohte Arten, darunter die vom Aussterben bedrohte Rotbauchunke.
Mit der angekündigten Räumung des Dorfes will der Stromkonzern offenbar
Fakten schaffen, ehe überhaupt Rechtssicherheit besteht, dass der
Braunkohleabbau stattfinden darf. So liegt zur Zeit noch keine
wasserrechtliche Genehmigung zur Trockenlegung der Lacomaer Teiche vor.
Des weiteren ist in Brüssel ein Vertragsverletzungsverfahren der
EU-Kommission gegen Deutschland anhängig. Die Kommission prüft, ob die
Teiche als Schutzgebiet der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie hätten
ausgewiesen werden müssen.
Für Rückfragen:
Bettina Dannheim, ROBIN WOOD-Energiereferentin, Tel. 040 / 380 892 21, energie@robinwood.de
Astrid Schwäbe, ROBIN WOOD-Pressestelle, Tel. 040 / 380 892 16, presse@robinwood.de
Weitere Infos auch unter www.lacoma.info