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Hamburg, den 4. Juli 2003

Redaktion: Aktuelles / Wirtschaft

Kein Sicherheitsrabatt für das AKW Biblis

ROBIN WOOD fordert die Stilllegung des Schrottreaktors

Der Atommeiler Biblis A darf vorerst nicht wieder ans Netz. Bundesumweltminister Trittin entschied heute, das Wiederanfahren des Reaktors durch eine atomrechtliche Weisung zu untersagen. Hessens Umweltminister Wilhelm Dietzel hatte Trittin ultimativ angekündigt, den Block A des Kraftwerks bis Ende dieser Woche wieder ans Netz gehen zu lassen. Der Genehmigungsbescheid dafür lag bereits in der Schublade des hessischen Umweltministeriums. In dieser Genehmigung werden wichtige Sicherheitsanforderungen zur Störfallbeherrschung herabgesetzt.

"Bundesumweltminister Trittin hat die Notbremse gezogen. Das war notwendig und verantwortungsbewusst", sagt Bettina Dannheim, Energiereferentin von ROBIN WOOD. "Einen Sicherheitsrabatt für Atomkraftwerke darf es niemals geben. Trittin hat verhindert, dass sich die hessische Atomaufsicht dem massiven Druck der RWE beugt und die Sicherheit der Bevölkerung den Gewinninteressen des Konzerns opfert."

Der Atommeiler Biblis A war im April dieses Jahres abgeschaltet worden, nachdem zufällig entdeckt worden war, dass die Notkühlung im Ernstfall nicht gesichert ist. Der Grund: Die Ansaugfläche vor den Notkühlpumpen im Reaktorsumpf ist seit Betriebsbeginn zu klein gewesen. Quer durch alle Parteien wurde daraufhin die Zuverlässigkeit der RWE als Betreiberin angezweifelt. Der umweltpolitische Sprecher der hessischen CDU-Landtagsfraktion Walter Arnold betonte, es dürfe keinen Sicherheitsrabatt für Biblis geben, höchste Sicherheitsstandards würden benötigt. Das Bundesumweltministerium verlangte eine umfassende Untersuchung und schaltete die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) und die Reaktorsicherheitskommission (RSK) ein.

Obwohl längst noch nicht alle Untersuchungen abgeschlossen sind, glaubt das hessische Umweltministerium bereits jetzt zu wissen, dass nach dem Einbau größerer Sumpfsiebe alle Sicherheitsbedenken ausgeräumt seien. Doch diese vorgebliche Sicherheit ist schöngerechnet. Mit dem Ziel, den Reaktor schnell wieder ans Netz zu bekommen, wurden in der Genehmigung so genannte "Bruchpostulate" aufgeweicht. Dahinter verbirgt sich eine Annahme darüber, wie groß ein Loch oder Riss ist, aus dem bei einem Störfall Kühlmittel verloren geht. Denn davon hängt wesentlich ab, ob die Notkühlung eines Reaktors gesichert ist. Die RWE und auch die hessische Atomaufsicht unterstellen einfach, es komme zu wesentlichen kleineren Lecks, als es die Richtlinien der Reaktorsicherheitskommission festschreiben. "Dietzel versucht, sich die Fakten zurecht zu biegen", kritisiert Dannheim. "Wie groß ein Leck bei einem Störfall sein kann, ist keine Frage des persönlichen Gustos eines Ministers."

ROBIN WOOD fordert den hessischen Umweltminister auf, das AKW Biblis A stillzulegen. In jedem Fall muss Dietzel eine umfassende Untersuchung über die Zuverlässigkeit des Betreibers RWE einleiten.


Für Rückfragen können Sie sich jederzeit gern an uns wenden:
Bettina Dannheim,
ROBIN WOOD-Energiereferentin, Tel. 040 / 380 892 21, energie@robinwood.de
Ute Bertrand,
ROBIN WOOD-Pressesprecherin, 040-380 892 22, presse@robinwood.de


Für digitale Fotos vom ROBIN WOOD-Protest "28 Jahre lügen & vertuschen.
AKW Biblis abschalten" vor dem Hessischen Landtag wenden Sie sich bitte an die Pressestelle. (presse@robinwood.de)


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