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29. Mai 2003

Gemeinsame Pressemitteilung von BUND, BBU, DNR, Germanwatch, Greenpeace, GRÜNE LIGA, IPPNW, NABU, ROBIN WOOD und urgewald

Karlspreis für Atom-Lobbyisten

Umweltverbände kritisieren Auszeichnung von Valery Giscard d'Estaing

Umweltverbände kritisieren anlässlich der heutigen Verleihung des Internationalen Karlspreises der Stadt Aachen an Valery Giscard d'Estaing dessen Interessenpolitik im europäischen Konvent. Der Präsident des Konvents vertrete einseitig die Interessen der Atom-Lobby und wolle die Förderung der Atomkraft in der neuen EU-Verfassung verankern.

Britta Steffenhagen, Energieexpertin des DNR: "Mit seinen Atom-Plänen stellt sich Giscard d'Estaing gegen den Willen der Mehrheit der EU-Bürger und zementiert eine rückwärtsgewandte Technologie. Und dies in einer Verfassung, die zukunftsweisend für alle EU-Bürger gelten soll."

Die Mehrheit der derzeitigen EU-Mitgliedstaaten will aus der risikoreichen Atomenergie aussteigen oder kommt bereits ohne sie aus. Auch Deutschland und sein Nachbarland Belgien haben Ausstiegsbeschlüsse gefasst. Nur Frankreich, Finnland, Spanien und England halten die Atomenergie noch für förderungswürdig. Der Vorschlag von Giscard d'Estaing sieht vor, den europäischen Vertrag zur Förderung der Atomkraft (EURATOM) in die neue EU-Verfassung unverändert aufzunehmen. EURATOM wurde vor 45 Jahren als einer der Gründungsverträge der späteren EU verabschiedet und ist seitdem nicht überarbeitet worden. Er unterliegt weder parlamentarischer Kontrolle noch den europäischen Binnenmarktregeln.

Jan Kowalzik, EU-Experte des BUND: "Giscard d'Estaing hält an seinen Atom-Plänen fest, obwohl sich bereits verschiedene Konventsmitglieder dagegen ausgesprochen haben. Auch in anderen Fragen des Verfassungsprozesses hat er versucht, demokratische Meinungsbildung zu unterbinden. Die Geschäftsordnung wollte er alleine festlegen, Arbeitsgruppen hielt er für überflüssig. Zurecht wird er deshalb im Konvent auch "Sonnenkönig" genannt."

Die Umweltverbände fordern, dass die ökonomische Privilegierung der Atomenergie abgeschafft wird und der EURATOM-Vertrag spätestens im Jahre 2007 ausläuft. Europa solle sich in seiner Verfassung für eine zukunftsfähige Energiepolitik mit rationeller Energienutzung und erneuerbaren Energien entscheiden.

Bereits vor drei Wochen riefen die Umweltverbände dazu auf, mit E-Mails an die deutschen Mitglieder des Verfassungskonvents gegen die Förderung der Atomkraft zu protestieren. Bisher haben sich rund 2000 Menschen an der Aktion beteiligt. In Aachen wollen sie Giscard d'Estaing als Zeichen ihres Protests ein goldenes Mini-AKW übergeben.

Getragen wird die Protest-Aktion vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU), Deutscher Naturschutzring (DNR), Germanwatch, Greenpeace, GRÜNE LIGA, Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW), Naturschutzbund Deutschland (NABU), ROBIN WOOD, urgewald.


Kontakt:
vor Ort in Aachen:
Britta Steffenhagen, Energieexpertin des DNR, Mobil: 0163-2532522

Jan Kowalzig, EU-Experte des BUND, Mobil: 0173-9234747;
Ute Bertrand, ROBIN WOOD-Pressesprecherin, Tel. 040 / 380 892 22, presse@robinwood.de


Beteiligen sie sich an unserem online-Protest "Atomkraftförderung raus aus der europäischen Verfassung!". Danke!

 

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