Hamburg, den 11. Dezember 2002
Redaktionen: Aktuelles/Umwelt/Wirtschaft
Hamburger Wirtschaftsbehörde lässt über Tropenholz-Siegel diskutieren
ROBIN WOOD warnt: Hamburger Regelung muss bleiben / Malaysisches
Zertifikat ist inakzeptabel
In Hamburg gibt es offenbar Bestrebungen, die Bestimmungen zur
öffentlichen Beschaffung von Tropenholz zu lockern. Für den heutigen
Mittwoch hat die Behörde für Wirtschaft und Arbeit der Hansestadt
Vertreter von Handel, Gewerkschaften, der technischen Zusammenarbeit und
von Umweltverbänden in die Wirtschaftsbehörde eingeladen, um über das
malaysische Holz-Zertifikat MTCC zu diskutieren. ROBIN WOOD warnt davor,
Tropenholz ungesicherter Herkunft in Hamburg wieder hoffähig zu machen.
Das Zertifikat wird von der Dachorganisation der malaysischen
Forstindustrie, dem Malaysian Timber Council (MTC),
vergeben. ROBIN WOOD hält dieses Industrie-Siegel für inakzeptabel, da es
nicht unabhängig kontrolliert wird, über die Köpfe der UreinwohnerInnen
hinweg eingeführt wurde und ihre Landrechte ignoriert.
Nach wie vor ist die Forstwirtschaft in Malaysia größtenteils weder
ökologisch nachhaltig noch sozial gerecht. Nach Angaben der
Welternährungsorganisation FAO geht jedes Jahr eine Waldfläche von 237.000
Hektar verloren. Ursache dafür ist der maßlose kommerzielle Holzeinschlag,
der von Günstlingen des malaysischen Regimes betrieben wird. In einem
verzweifelten Kampf wehrt sich die indigene Bevölkerung, etwa das
Waldnomadenvolk der Penan, gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen
durch die malaysische Forstindustrie.
ROBIN WOOD hatte bereits im Juni, als Vertreter des MTCC auf Werbetour in
Hamburg waren, deutlich gemacht, dass europäische und malaysische
Nichtregierungsorganisationen aus guten Gründen dieses Industriesiegel
ablehnen. In einem offenen Brief hatten sie Bürgermeister von Beust und
Wirtschaftssenator Uldall aufgefordert, den Senatsbeschluss vom 3.12.1996
weiterhin konsequent und uneingeschränkt umzusetzen. Demnach darf in
Hamburg Tropenholz nur dann bei öffentlichen Baumaßnahmen eingesetzt
werden, wenn es mit dem von Umweltorganisationen anerkannten Gütesiegel
des Forest Stewardship Council (FSC) ausgezeichnet ist.
"ROBIN WOOD hat jahrelang dafür gekämpft, dass sich die Hansestadt am
Raubbau in den Tropen nicht mitschuldig macht", erläutert Jens Wieting,
ROBIN WOOD-Tropenwaldexperte. "Wir können nicht nachvollziehen, warum
jetzt über ein Zertifikat diskutiert werden soll, dass von Umweltverbänden
und den Ureinwohnern Malaysias so deutlich abgelehnt wird. Wir erwarten,
dass Beust und Uldall sich für den Schutz der Tropenwälder stark machen
und nicht hinter bestehende Regelungen zurückfallen."
Jens Wieting, ROBIN WOOD-Tropenwaldreferent
Ute Bertrand, Pressesprecherin
Eine Stellungnahme von ROBIN WOOD sowie eine Erklärung internationaler und
malaysischer Nichtregierungsorganisationen zum MTCC schicken wir Ihnen
gern zu (presse@robinwood.de).
Kontakt:
Ute Bertrand, Pressesprecherin, presse@robinwood.de, 040 - 380 892 22