Salzgitter und Hamburg, den 10. Mai 2002
Redaktionen: Politik / Umwelt
Förderturm von Schacht Konrad besetzt
Umweltschützer kritisieren mangelnde Eignung des geplanten Endlagers
Um gegen das geplante Atommüll-Endlager Schacht Konrad zu demonstrieren,
sind AktivistInnen der Umweltorganisation ROBIN WOOD, vom AntiCastorNetz
Magdeburg sowie Braunschweiger Anti-Atom-Gruppen heute auf den Förderturm
des Werkgeländes in Salzgitter geklettert. In luftiger Höhe haben sie ein
120 Quadratmeter großes Transparent befestigt, auf dem steht: KONRAD und
Co: Wir sind doch nicht ganz dicht. Endlagerprojekte stoppen.
"Atomausstieg sofort!"
Bundesumweltminister Trittin und sein niedersächsischer Amtskollege
Jüttner haben grünes Licht für den Standort Schacht Konrad gegeben, obwohl
es keine verbindlichen, von Fachleuten akzeptierten Kriterien für die
Eignung eines Atommüll-Endlagers gibt. Um derartige Kriterien zu
entwickeln, hat Bundesumweltminister Trittin selbst den ,Arbeitskreis
Auswahlverfahren Endlager-standorte' ins Leben gerufen. Nun führt er die
Arbeit der dort versammelten Experten ad absurdum, indem er ihren
Ergebnissen vorgreift und Fakten schafft.
"Die niedersächsische Landesregierung hat das atomare Endlager Schacht
Konrad genehmigt - trotz massiver Sicherheitsbedenken", kritisiert Bettina
Dannheim, Energiereferentin von ROBIN WOOD. "Die Auswahl dieses Standorts
ist wissenschaftlich nicht begründet. Das Bergwerk in Salzgitter wurde
nicht wegen seiner geologischen Eignung ausgewählt, sondern stand einfach
zur Verfügung, nachdem dort die Erzförderung eingestellt worden war."
Die Genehmigung von Schacht Konrad widerspricht obendrein dem Konzept der
Bundesregierung, den gesamten bundesdeutschen Atommüll zentral in einem
Lager unterzubringen. Da in dem ehemaligen Bergwerk ausschließlich
schwach- und mittelradioaktive Abfälle eingelagert werden dürfen, würde
für den übrigen stark Wärme entwickelnden Müll ein weiteres Lager
gebraucht. ROBIN WOOD wertet den Ausbau von Schacht Konrad als Präjudiz
für den - ebenfalls ungeeigneten - Standort in Gorleben.
"Die Entscheidung für Schacht Konrad ist eine der dicken Kröten, die
Trittin in den Konsensverhandlungen mit den Energiekonzernen geschluckt
hat. Ein unvertretbar großes Zugeständnis für einen Ausstieg, der diesen
Namen nicht verdient", sagt ROBIN WOOD-Vorstandssprecher Jürgen Sattari.
ROBIN WOOD fordert die Minister Trittin und Jüttner auf, das
Genehmigungsverfahren für Schacht Konrad in letzter Minute zu stoppen. Die
Entscheidung für den Bau eines Endlager darf erst fallen, wenn nach
allgemein akzeptierten wissenschaftlichen Kriterien ein geeigneter
Standort gefunden wurde.
Kontakt:
Ute Bertrand, Pressesprecherin, presse@robinwood.de, 040 - 380 892 22

(Foto: Jens Krone)