Lüneburg und Hamburg, den 24. April 2002
Redaktionen: Politik/Umwelt
Lokführer wurde nicht genötigt
Zeugenaussage beim Betonblock-Prozess vor dem Amtsgericht Lüneburg
offenbart skandalöse Zustände bei Atommüll-Transporten
Am heutigen zweiten Prozesstag wegen der spektakulären Ankett-Aktion auf
der Bahnstrecke nach Gorleben vom März 2001 ist der Vorwurf der Nötigung
in sich zusammengebrochen. Der als Zeuge vor das Amtsgericht Lüneburg
geladene Lokführer des Atommüllzuges sagte unter Eid aus, dass er nicht
genötigt worden sei. "Ich habe erst durch die Einladung zum Gericht
erfahren, dass ich genötigt wurde", erklärte der 30-jährige Lokführer aus
Eilsleben bei Magdeburg. Die Anklage wirft den vier an der Aktion
beteiligten Männern vor, durch ihre Aktion den Lokführer genötigt (§240
StGB) und einen öffentlichen Betrieb (§316b StGB) gestört zu haben.
Der Prozess fand ähnlich wie am ersten Verhandlungstag in der vergangenen
Woche unter großer Anteilnahme der Bevölkerung im voll besetzten Saal des
Amtsgerichts statt. Dem Verfahren ist zu verdanken, dass skandalöse
Zustände bei der Deutschen Bahn ans Licht kamen. So wurde der Lokführer,
der Angestellter der zur Deutschen Bahn gehörenden DB Cargo ist, offenbar
überhaupt nicht darauf vorbereitet, eine so hochgefährliche Fracht wie
Atommüll durch die Republik zu fahren. Eine spezielle Schulung oder
Training gab es nicht - ganz so als sei es egal, ob Kohlen oder
radioaktiver Müll transportiert wird. Für die Verbindung zur
Fahrdienstleitstelle der Bahn in Hannover war lediglich ein Handy
vorgesehen, das nach Auskunft des Lokführers wegen eines Funkloches nicht
funktionierte.
Auch darüber, welchen Belastungen das Personal durch den Transport der
strahlenden Fracht ausgesetzt ist, informierte die Bahn ihren Angestellten
nicht. So trug der Lokführer während der Fahrt kein Dosimeter und wusste
auch nicht, ob der Transport für ihn ein gesundheitliches Risiko
darstellte. Für ihn sei es eine ganz normale Zugfahrt gewesen, erläuterte er.
Der Prozess wird am 2. Mai vor dem Amtsgericht Lüneburg fortgesetzt.
---
Ute Bertrand Pressesprecherin, Tel. 040 / 380 892-22, presse@robinwood.de
Umfangreiche Hintergrundinformationen zum Prozess finden Sie auf der ROBIN
WOOD-Homepage unter http://www.robinwood.de/prozess
Kontakt:
Ute Bertrand, Pressesprecherin, presse@robinwood.de, 040 - 380 892 22