Hamburg, den 9.4.2001
Gemeinsame Pressemitteilung von BUND, Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg, Réseau "Sortir du Nucléaire, ROBIN WOOD und X-tausendmal quer
Französische und deutsche Umweltschützer verurteilen Transport von Atommüll
nach Frankreich
"Wer nicht entsorgen kann, muss abschalten"
Lyon/Berlin, 09.04.2001: Das französische Anti-AKW-Netzwerk Réseau "Sortir
du Nucléaire" protestiert gemeinsam mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland (BUND), ROBIN WOOD, der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg und
dem Aktionsbündnis X-tausendmal quer gegen den für morgen geplanten
Transport abgebrannter Brennelemente aus deutschen Atomkraftwerken in die
französische Wiederaufarbeitungsanlage La Hague. Jetzt werde deutlich, wie
hohl die Phrase der Bundesregierung von der "nationalen Verantwortung" für
deutschen Atommüll sei. Sobald es um Transporte von Atommüll in die
Wiederaufarbeitung gehe, die ausschließlich dem Weiterbetrieb der
Atomkraftwerke dienten, lege die Bundesregierung keinen Einspruch ein.
Jean-Yvon Landrac, Sprecher des Réseau "Sortir du Nucléaire": "Es hat sich
gezeigt, dass der Rücktransport von La Hague nach Gorleben nur ein
Cas-Tor-Öffner war. Versteht die deutsche Bundesregierung das unter der
immer wieder zitierten 'nationalen Verantwortung'? Zuerst einige Castoren
aus La Hague holen und dann Frankreich neuen Atommüll aufbürden? Wir wenden
uns entschieden gegen eine solch janusköpfige Argumentation. Wir erwarten
von der deutschen Bundesregierung, dass sie - gemäß ihrer Versprechungen von
1998 - die Transporte von Atommüll nach Frankreich sofort unterbindet und
den Atomkraftwerksbetreibern die Verantwortung für die Entsorgung ihres
Atommülls zuweist."
Renate Backhaus, atompolitische Sprecherin des BUND-Bundesvorstands: "Noch
bis ins Jahr 2005 darf die deutsche Atomindustrie laut 'Konsens' ihren
Strahlenmüll ins Ausland verschieben. Die so genannte Wiederaufarbeitung
darf dann noch auf unbestimmte Zeit weiterlaufen. Damit wird die laut
Atomgesetz vorgeschriebene Entsorgung weiter nur vorgetäuscht. Wenn die
Betreiber verpflichtet wären nachzuweisen, dass es eine sichere Endlagerung
für den hochgefährlichen Strahlenmüll gibt, müssten sämtliche Atomkraftwerke
sofort vom Netz genommen werden. Denn ein Endlager, das den Strahlenmüll
über den notwendigen Zeitraum sicher von der Biosphäre abschneidet,
existiert nicht. Wer nicht entsorgen kann, muss abschalten!"
Bettina Dannheim, Energiereferentin von ROBIN WOOD: "Der Begriff
Wiederaufarbeitung ist irreführend: Aus dem Atommüll wird lediglich ein
verschwindend geringer Anteil Plutonium abgetrennt. Und dafür wird in Kauf
genommen, dass Nordsee und Ärmelkanal mit radioaktiven Einleitungen aus La
Hague systematisch verseucht werden. Die Menge des Atommülls wird durch die
so genannte Wiederaufarbeitung um das 15fache vergrößert. Der Atomindustrie
ist wirtschaftlicher Profit offenbar wichtiger als die Gesundheit von
Menschen und der Schutz der Natur."
Wolfgang Ehmke, Sprecher die BI Lüchow-Dannenberg: "Jeder Castor nach
Frankreich ist ein Castor nach Gorleben. Wir handeln lokal, aber denken
global und fordern das sofortige Verbot des Atommülltourismus und den
Verzicht auf die Wiederaufarbeitung. Wir haben im Wendland deutlich gemacht,
dass die Transporte politisch nicht durchsetzbar sind, wir setzen auf
Ansteckung und Mobilisierung gegen die Atomkraft auch in anderen Regionen
und anderen Ländern. Wer immer kann, wird sich auf den Weg machen, um sich
querzustellen. Überall!"
Jochen Stay, Pressesprecher von X-tausendmal quer: "Die Doppelmoral der
Bundesregierung ist unerträglich. Wir haben uns im Wendland quer gestellt
und wir werden uns auch gegen den Transport von Atommüll aus Deutschland
nach Frankreich querstellen. Denn beide Transporte dienen lediglich dem
Weiterbetrieb von Atomkraftwerken und der ungehinderten Weiterproduktion von
Atommüll, mit dem noch X-tausend kommende Generationen große Probleme haben
werden."
Gemeinsam rufen die Umweltverbände und Initiativen dazu auf, sich friedlich
und gewaltfrei am Widerstand gegen jegliche Atommülltransporte zu
beteiligen.
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Fachreferentin Energie und Pressestelle
Kontakt:
Ute Bertrand, Pressesprecherin, presse@robinwood.de, 040 - 380 892 22