Hamburg, 2. November 2000
Redaktionen: Politik/Umwelt/Wirtschaft
Protest mit Worten und Taten gegen Atommüll-Lager am AKW Philippsburg
Erörterungstermin in der
Bruhrainhalle: ROBIN WOOD fordert das Bundesamt für Strahlenschutz auf, keine atomrechtliche
Genehmigung zu erteilen
Um 11 Uhr hat heute in der Bruhrainhalle in Philippsburg der atomrechtliche Erörterungstermin zum
geplanten CASTOR-Interimslager begonnen, das auf dem Gelände des örtlichen Atomkraftwerks
errichtet werden soll. Gegen das Projekt gibt es über 5.000 Einwendungen; für ROBIN WOOD
erläutert Energiereferentin Bettina Dannheim vor Ort, warum das Bundesamt für Strahlenschutz auf die
atomrechtliche Genehmigung für das Atommülllager nicht erteilen darf. AktivistInnen der
Umweltschutzorganisation entrollten zudem kurz vor 11 Uhr ein Transparent auf dem Dach der
Bruhrainhalle mit der Forderung: "Atomausstieg jetzt!"
"Die Betreiberin des Atomkraftwerks Philippsburg, die EnBW Kraftwerke AG, verfügt nicht
über die gesetzlich vorgeschriebene Zuverlässigkeit und Sicherheitskompetenz im Umgang mit
radioaktiven Stoffen", trägt Strahlenbiologin Dannheim beim Erörterungstermin vor. Bis heute
ist es nicht gelungen, einen CASTOR- Behälter so zu beladen, dass die vorgeschriebenen
Dichtheitsprüfungen bestanden wurden. Im Gegenteil: Mehrere Versuche, abgebrannte Brennelemente
einzulagern, mussten erfolglos abgebrochen werden. "Wie wollen die Betreiber eigentlich die
Dichtheit der Behälter über Jahre gewährleisten, wenn es Ihnen nicht mal im Ansatz gelingt, die Dinger
schon beim Beladen dicht zu bekommen?", fragt die ROBIN WOOD-Energieexpertin.
Die Lagerung hoch radioaktiven Materials in CASTOR-Behältern unter "Beton-Garagen"
würde ein zusätzliches Gesundheitsrisiko herauf beschwören für die Menschen, die im Umfeld von
Atomkraftwerk und Atommülllager leben. "Die angeführten Strahlenschutzgrenzwerte
entsprechen bei weitem nicht dem neuesten wissenschaftlichen Kenntnisstand. Insbesondere die
Wirkung der Neutronenstrahlung, die den wesentlichen Anteil der Gesamtdosis ausmacht, wird um ein
Vielfaches unterschätzt", erläutert Dannheim. "Bei einem Unfall sind gravierende
gesundheitliche Schäden wahrscheinlich. Und auch gegen Hochwasser, Flugzeugabstürze und
Erdbeben ist das Interimslager nicht ausreichend gesichert."
In dem beantragten Interimslager sollen maximal 24 Transport- und Lagerbehälter der Bauart
CASTOR V/19 bzw. V/52 bis zu acht Jahren unter mobilen Umhausungen aus Stahlbetonfertigteilen
aufbewahrt werden. Anschließend ist die Lagerung in einem dezentralen Standortzwischenlager
geplant, das bereits beantragt wurde. "Das Interimslager ist Teil eines unausgegorenen
Entsorgungskonzeptes und hat keinen anderen Zweck, als der Betreiberfirma einen ungestörten
Weiterbetrieb des Atomkraftwerks zu ermöglichen", stellt Dannheim klar. "Ob das
Standortzwischenlager jemals gebaut wird, ist noch völlig unklar. Und was nach acht Jahren mit dem
Müll passieren soll, weiß derzeit niemand."
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