Hamburg, den 19.5.2000
Redaktionen: Umwelt/Verkehr
Sonderzug nach Berlin
Umweltschützer und Bürger-Initiativen feiern Ende des Transrapid-Projekts
Mit einer Sonderfahrt von Hamburg nach Berlin feiern Umweltorganisationen und Bürger-Initiativen morgen gemeinsam das Aus für die Transrapid-Strecke zwischen der Hanse- und der Hauptstadt. Der Sonderzug RE 160 mit roten, doppelstöckigen Wagen wird am Samstag um 10.43 Uhr am Hamburger Hauptbahnhof starten. Unterwegs Richtung Berlin hält er in allen Zentren des Widerstandes, um BürgerInnen mitzunehmen, die sich jahrelang erfolgreich gegen den Bau der Magnetschwebebahn gewehrt haben. Am Nachmittag mündet die Fahrt in ein Straßenfest am Regionalbahnhof Berlin-Staaken.
ROBIN WOOD fährt und feiert mit. "Auf diesen Moment haben wir lange hingearbeitet. Wir freuen uns, dass keine Steuermilliarden für dieses unsinnige Mammutprojekt verschleudert werden", sagt ROBIN WOOD-Sprecherin Astrid Schwäbe. "Jetzt muss das Geld umgelenkt werden in den flächendeckenden Ausbau des Bahnnetzes." Ziel muss es sein, außer den Metropolenverbindungen vor allem den Regionalverkehr attraktiver zu machen. Denn 90 Prozent der Bahnreisenden sind in der Region unterwegs. Die Fahrgäste wollen zuverlässig, sicher und ohne lästige Wartezeiten in die nächstgelegenen Orte reisen.
Darüber hinaus befürwortet ROBIN WOOD den zügigen Ausbau der ICE-Strecke Hamburg-Berlin ein. Über zehn Jahre wirkten die Planungen für die Magnetschwebebahn hier wie ein Hemmschuh. "Hätten sich die Transrapid-Befürworter frühzeitig von dem verkehrspolitisch unsinnigen Prestigeprojekt verabschiedet, gäbe es wahrscheinlich längst eine ICE-Hochgeschwindigkeitsverbindung", kommentiert Schwäbe die Kritik des "Unternehmerkuratoriums Nord" an der Deutschen Bahn AG. Die in dem Kuratorium zusammengeschlossenen Präsidenten der Industrie- und Handelskammern und der Unternehmerverbände aus Norddeutschland hatten den Stopp des Transrapids kürzlich als "Fehlentscheidung ersten Ranges" bezeichnet und der Bahn vorgeworfen, mit dem Ausbau der ICE-Strecke nicht schnell genug voranzukommen. Nun suchen sie auf eigene Faust nach privaten Geldgebern für die Stelzenbahn. "Die norddeutschen Unternehmer sollten endlich einsehen, dass das krampfhafte Festhalten am Transrapid keinerlei realistische Perspektive für eine verbesserte Mobilität in Norddeutschland eröffnet", fordert Schwäbe.
Aus guten Gründen hat ROBIN WOOD über Jahre - in Kooperation mit einer Vielzahl lokaler Bürgerinitiativen - gegen den Bau des Transrapids mobilisiert. So verteilten ROBIN WOOD-AktivistInnen in Bahnhöfen TransRapidCards (Motto: "Mehr Schulden für das ganze Volk"), klebten Plakate und seilten sich an Bahnbrücken ab. Bereits 1997 erschien ein von ROBIN WOOD in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten, das die krasse Unwirtschaftlichkeit der Transrapidstrecke Berlin-Hamburg nachwies und frühzeitig die völlig überzogenen Prognosen zum Fahrgastaufkommen nach unten korrigierte.
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