hier fanden 1999 unsere Aktionen statt (Auswahl)
Mainz, 11. 12. 1999
Frohe Weihnachten im Stau!
Am Samstag um 11 Uhr befestigten zwei ROBIN WOOD-Aktivisten an einer Brücke acht
Meter über der Haupteinfallstraße in die Mainzer Innenstadt zwei Transparente, um auf die
unhaltbare Verkehrssituation in Mainz aufmerksam zu machen. Schon von weitem konnten die
AutofahrerInnen auf dem 20 Meter langen Banner lesen: "Der Tod im Tank" und
"Der letzte Mensch - viel Auto, wenig Hirn". Weitere AktivistInnen verteilten
Flugblätter an die AutofahrerInnen im Stau. Das Flugblatt machte ihnen unmissverständlich
klar: Hier steht niemand im Stau. Sie selbst sind der Stau. An diesem dritten Adventssamstag
zeigte sich mal wieder um so mehr, dass nichts geht, wenn alles (Auto) fährt.
Berlin, 13. 11. 1999
Von Konsensbekundungen absehen
Als die Regierung in Berlin schon ihre neuen Büros bezogen hatte, machten sich die
BäuerInnen aus der Region um das geplante Endlager Gorleben samt Treckern auf den Weg in
die Hauptstadt. Seit über einem Jahr waren die Atomausstiegsgespräche ergebnislos geblieben.
Da wollten die BäuerInnen und tausende DemonstrantInnen einfordern, was von der rot-
grünen Regierung für diesen Fall versprochen war: der gesetzliche Atomausstieg ohne
Konsens. "Stunkparade" nennt sich die wendländische Widerstands-Tradition, bei
der die Trecker wie zu einer Art politischem Faschingsumzug geschmückt werden.
Auch ROBIN WOOD-Aktive verwandelten einen der insgesamt 104 Trecker. Auf einer 6
Meter breiten Traueranzeige vor dem Traktor wurde "in stiller Freude" von der
Atomtechnologie Abschied genommen und gebeten, von "Konsensbekundungen"
abzusehen. Neben der Anzeige trommelten AktivistInnen das Ende der Atomkraft herbei. Die
große Abschlusskundgebung der kunterbunten Demonstration fand am Alexanderplatz unweit
des provisorischen Kanzleramts statt. Von dort aus wird Schröder im Frühjahr einen weiteren
Versuch unternehmen, mit der Atomindustrie inakzeptable AKW-Laufzeiten von 30 Jahren
und mehr zu verabreden. Und spätestens dann kommen die Trecker und wir wieder!
Bonn, 2. 11. 1999
Klimakiller Verkehr
Auf dem Klimagipfel in Bonn wurden am 2. November die Umweltminister aus mehr als 60
Ländern der Erde erwartet. ROBIN WOOD-AktivistInnen nahmen die Obersten der
internationalen Umweltszene in Empfang und forderten sie auf, ihren Worten endlich Taten
folgen zu lassen. "STOP TALKING ACT NOW" war auf einem großen Banner zu
lesen, das an einem 7 m langen Zeppelin in der Luft hing.
Immer wieder sind in den letzten Jahren großspurige Verlautbarungen zu hören gewesen:
Güter auf die Schiene, Kerosinsteuer einführen, Vorrang für Bus und Bahn. Doch nichts
passierte. Am Aktionsort wurden daher große blaue Ballons mit diesen Aussagen zerstochen,
getreu dem Motto: "Klimaschutzversprechen zerplatzen".
Ziel war es, deutlich zu machen, dass immer nur "versprechen" auf Dauer nicht
weiterhilft. Denn nur, wenn in der Verkehrspolitik ein Umsteuern hin zu einer ökologischen
Verkehrswende einsetzt, könnte die Bundesregierung ihren Klimaschutzzielen endlich näher
rücken. Doch in den vergangenen Jahren hat das Wachstum des Verkehrsaufkommens
CO2-Einsparungen in Industrie und Haushalt immer wieder aufgefressen.
Etwas Nervenzittern war zu Beginn der Aktion angesagt, denn der Lieferant des Zeppelins
stand im Stau. Das ganz alltägliche Verkehrschaos rund um Bonn hatte diesen Luftpionier
kurioserweise schachmatt gesetzt. Trotz des andauernden Regens interessierten sich die TV-
und Printmedien sehr rege für die platzenden Versprechen. Als zu guter Letzt Umweltminister
Jürgen Trittin am Aktionsort vorbei kam, überreichten ihm zwei AktivistInnen geplatzte
Klimaschutzversprechen, sprich Reste der blauen Ballons. Er schmunzelte und meinte:
"Dazu wird es bald keinen Grund mehr geben".
Bonn, 29. 10. 1999
Der Himmel hat Grenzen
Mit einer Protestaktion vor den Toren der 5. Klimakonferenz in Bonn forderte ROBIN WOOD
zusammen mit anderen Umweltschutzorganisationen (BUND, VCD, GERMANWATCH,
DNR, Bundesvereinigung gegen Fluglärm e.V.) die VertreterInnen aus 173 Staaten auf, ihre
notwendigen Hausaufgaben in Sachen Flugverkehr und Klima zu machen.
Während ein 2 x 4 Meter großer Ballon in Form eines "Flugzeughais" (das Logo
der Flugverkehrskampagne "The Right Price for Air Travel") in der Luft stand,
machten die AktivistInnen auf die enorm zunehmenden Probleme durch die Vielfliegerei
aufmerksam. Weltweit trägt der Flugverkehr bereits jetzt mit vier Prozent zum Treibhauseffekt
bei. Wegen der hohen Wachstumsraten im Luftverkehr wird der Ausstoß an Treibhausgasen
trotz technischer Fortschritte in Zukunft weiter zunehmen. Obwohl dies das Klima stark
belastet, spielte diese Thematik auf der Konferenz in Bonn kaum eine Rolle.
In einem gemeinsamen Appell forderten die Umweltschutzorganisationen die VertreterInnen
der Staaten auf, einen Zeitplan für die nationale Zuordnung der Flugverkehrsemissionen
aufzustellen und damit eine Grundlage für deren Reduzierung zu schaffen. Der Abbau der
Subventionen für Flughafengebäude und die überfällige Einführung der Kerosinsteuer sollten
endlich umgesetzt werden, so wie dies EU und Bundesregierung seit langem versprechen.
Kassel, 29. 10. 1999
Der Berg ruft - aber keine Autos
Für einen autofreien Bergpark Wilhelmshöhe ist die ROBIN
WOOD Regionalgruppe Kassel erneut in Aktion getreten. Mit von der Partie war auch
Herkules, bekanntes Wahrzeichen von Kassel. Zu seinen Füßen spannten die AktivistInnen ein
circa 50 Quadratmeter großes Transparent auf mit dem Slogan "Der Berg ruft - aber
keine Autos!" PressevertreterInnen und BesucherInnen des Bergparks hatten
währenddessen ausreichend Gelegenheit sich bei ROBIN WOOD zu informieren.
Ausgestattet mit einer Kletterausrüstung war es den AktivistInnen problemlos gelungen, das
Banner an der Brüstung des großen Denkmals zu befestigen. Die unvermeidlich auftauchenden
grünen Helfer fanden die Forderung durchaus nachvollziehbar, bestanden aber dennoch darauf,
die Aktion zu beenden, so dass das Transparent nach etwa einer Stunde wieder eingeholt
werden musste.
Bereits im Mai 1999 hatten die UmweltschützerInnen eine Postkartenaktion gestartet, die sich
an Bürgermeister Groß richtete, der zugleich Verkehrsreferent war. Der Bürgermeister sieht
sich bislang aus Rechtsgründen daran gehindert, die Zufahrtsstrasse durch den Bergpark
Wilhelmshöhe für den individuellen Autoverkehr zu sperren. Der Parkplatz am Terassencafe
unterhalb des Herkules-Denkmals, so sein Argument, müsse mit dem Auto erreichbar bleiben.
Entlang der Strasse wurden bisher lediglich Halteverbotsschilder aufgestellt, die jedoch wegen
fehlender Kontrollen kaum wirksam werden. Dabei stößt das Vorhaben von ROBIN WOOD
auf großes Interesse, sogar Kassels Oberbürgermeister Lewandowski möchte es unterstützen.
Allein die Umsetzung fehlt. Dies ist unverständlich, denn mit diesem zögerlichen Vorgehen
sinken die Chancen für eine Anerkennung als "Bad Wilhelmshöhe" sowie für die
Einstufung des Bergparks als UNESCO-Weltkulturerbe.
ROBIN WOOD hatte das Thema vor vier Jahren auf die Tagesordnung gesetzt und wird auch
weiterhin am Ball bleiben, um das Ziel einer kompletten Sperrung der Zufahrtsstrasse durch
den Bergpark Wilhelmshöhe zu erreichen. Gegebenenfalls muss die Stadt auch eine juristische
Auseinandersetzung zum Schutz des Gemeinwohls wagen, wenn andere Maßnahmen nicht
greifen.
Bonn, 25. 10. 1999
Not Yellow but Green
Die Weltklimakonferenz tagte in Bonn und ROBIN WOOD ging hin - aus gutem Grund. Die
UmweltschützerInnen nutzten die Gelegenheit, um zum Auftakt des internationalen Ereignisses
eine Energiewende zum Schutz des Klimas zu fordern.
AktivistInnen der Kölner Gruppe hatten sich vorgenommen, ein Banner an einem sieben Meter
langen Zeppelin in den Himmel steigen zu lassen. Glücklicherweise spielte das Wetter an
diesem Tag mit. Alles klappte nach Plan und schon bald flatterte das Transparent unter dem
Luftschiff am Himmel. Weithin sichtbar war darauf - in Anspielung auf die Werbekampagne
eines bekannten Billigstromanbieters - der Slogan zu lesen: "Not Yellow but
Green". "Solange auf dem liberalisierten Strommarkt nur der Preis regiert",
kommentierte ROBIN WOOD-Aktivist Jörg vom Stein "sieht es für eine saubere
Stromproduktion ganz schwarz aus." Denn die Dumpingpreise von Anbietern wie Yello
Strom bremsen die Einführung neuer Technologien zum Energiesparen sowie die Förderung
regenerativer Energien. Die KundInnen werden angereizt, billigen Strom aus Großkraftwerken
zu kaufen. Wer sich hingegen ökologisch sinnvoll verhält, muss noch draufzahlen.
Während der Zeppelin am Himmel stand, füllten die AktivistInnen Hunderte grüner Luftballons
mit Helium. Einige davon bekamen Motorradpolizisten in die Hand gedrückt, die vor Ort
aufkreuzten. Die Masse aber wurde gen Himmel geschickt, versehen mit Postkarten, mit denen
der Finder oder die Finderin Informationen über grünen Strom bei ROBIN WOOD anfordern
kann.
Bonn, 9. 3. 1999
AKW-Störfall bei der SPD
Am 9. März trafen sich Bundesregierung und Teile der Atomindustrie, um über die
Restlaufzeiten der Atomkraftwerke zu verhandeln. ROBIN WOOD befürchtet, daß
Bundeskanzler Schröder den Atomausstieg nach dem Vorbild seines Vorgängers Kohl
aussitzen will. Angesichts der unbeherrschbaren Gefahren der Atomtechnik darf der Zeitpunkt
des Ausstiegs aber nicht länger verschoben oder gar davon abhängig gemacht werden, was für
die Energiekonzerne am lukrativsten ist.
Wie gefährlich Atomkraftwerke sind, wurde schon deutlich, als vor 20 Jahren ein AKW
westlichen Typs in Harrisburg (USA) havarierte. Auch in Deutschland ist der Normalbetrieb
voller Risiken. Das zeigten die zahlreichen Skandale des Jahres 1998: In Biblis trat
Radioaktivität im äußeren Kühlkreislauf auf, im AKW Unterweser blieb versehentlich ein
Sicherheitsventil geschlossen, und verstrahlte Castor-Transportbehälter rollten durch das
Land.
Um in der aktuellen Ausstiegsdebatte die Gefahren der Atomkraft stärker zum Thema zu
machen, schafften ROBIN WOOD-AktivistInnen ein AKW-Modell aufs Dach der SPD-
Parteizentrale im Ollenhauer-Haus und inszenierten einen Störfall. Bald stieg orangefarbener
Rauch auf, und Sirenen schrillten. PassantInnen und Presse sammelten sich vor dem Gebäude.
Die ROBIN WOODlerInnen erklärten per Transparent "Wir lassen uns nicht verkohlen,
Gerhard! Konsens bleibt Nonsens. Atomausstieg sofort!"
Währenddessen fuhren am Tatort zahlreiche Reisebusse entlang, in denen Tausende
Beschäftigte der Atomindustrie zur Demonstration für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze
anreisten. Was dabei nicht zur Sprache kam: Den 40.000 nicht zukunftsfähigen Arbeitsplätzen
stehen rund 200.000 zusätzliche Stellen gegenüber, die in den kommenden 20 Jahren in
Deutschland geschaffen werden könnten, wenn jetzt die Atomwirtschaft beendet und eine
Energiewende eingeleitet würde.
Berlin, 6. 3. 1999
Kahlschlag auf der ITB
Daß man beim Stichwort Kanada statt an Kanutouren ebensogut an Kahlschlag denken kann,
zeigten AktivistInnen von ROBIN WOOD und der BUND-Jugend zur Eröffnung der
Internationalen Tourismusbörse in Berlin. Begleitet vom Geheul der Kettensägen fielen in der
Halle der kanadischen Aussteller ein knappes Dutzend "Bäume". Zum Vorschein
kam, was von den Wäldern bleibt, wenn sie Holzgiganten überlassen werden: Kahlschlag pur.
Mit der Aktion wollten die AktivistInnen den Mythos von der heilen, unberührten Natur
Kanadas zerstören, der in den Hochglanzprospekten der Tourismusbranche aufgebaut wird.
Denn die Urwälder der kanadischen Provinz British Columbia (BC) werden im großen
Maßstab geplündert, u.a. für unseren Papierkonsum. ROBIN WOOD und BUND-Jugend
forderten die Provinzregierung BC's und die Holzfirmen auf, den Holzeinschlag in Kanadas
Urwäldern sofort zu stoppen und den Bau neuer Straßen zur Erschließung der Wälder
einzustellen. Zu unserer Überraschung fand die Aktion begeisterte Zustimmung bei einem
Mitarbeiter des kanadischen Standes, der sich bei den AktivistInnen herzlich für ihren Einsatz
bedankte. Eine seltene, aber sehr erfreuliche Reaktion. Wegen verschärfter
Sicherheitsvorkehrungen war dieses Mal die Aktion sehr bald beendet; die Aktiven wurden
von einem massiven Aufgebot an Sicherheitskräften und Polizei aus der Halle getragen bzw.
gezogen.
Vietnam und Kambodscha, Februar/ März 1999
Reise zu den Zentren der Regenwaldzerstörung
Für billige Gartenmöbel werden in den Tropen uralte, wertvolle Wälder ausgeplündert und
verwüstet. Wie rücksichtslos dies geschieht und unter welchen miserablen Bedingungen die
Menschen in den Gartenmöbelfabriken Südostasiens arbeiten, darüber erfahren die
KundInnen hierzulande nichts. Christoph Meyer, Tropenholzexperte von ROBIN WOOD, ist
nach Vietnam und Kambodscha gereist und hat vor Ort recherchiert - wo nötig auch under-
cover. Getarnt als Geschäftsmann aus Hamburg, der Gartenmöbel importieren möchte,
verschaffte er sich Zutritt zu Möbelfabriken und Holzlagerplätzen. Mit einem gecharterten
Flugzeug unternahm er einen Rundflug über Kambodscha, um heimlichen Holzeinschlag zu
entdecken. Einen spannenden Bericht über seine Reise finden Sie in diesem Heft auf Seite 18.
Seine Erfahrungen und Beobachtungen der Forstwirtschaft und Möbelproduktion in
Südostasien fließen auch in unsere aktuelle Gartenmöbelkampagne ein. Auch in diesem Jahr
prangern wir wieder gezielt Firmen öffentlich an, die mit Raubbauholz handeln. Außerdem
informiert ROBIN WOOD VerbraucherInnen über den Raubbau in den Tropenwäldern und
darüber, woran sie Holzprodukte aus einer ökologisch verträglichen Forstwirtschaft erkennen
können.
Merzig, 24. 2. 1999
Zahl der Öko-Wälder wächst weiter
Der Wald der Stadt Merzig wurde mit dem Naturland/FSC-Gütesiegel für konsequent
ökologische Waldnutzung ausgezeichnet. Damit hat das Saarland seinen ersten Öko-Wald.
Zur Pressekonferenz im Rathaus der Stadt Merzig war eigens auch der saarländische
Umweltminister Heiko Maas angereist, um der Stadt und ihrem Oberbürgermeister Alfons
Lauer "zu diesem großen Erfolg in der Forstpolitik" zu gratulieren. Die
Landesforstverwaltung des Saarlandes hatte mit großem Interesse die Entwicklungen in
diesem Kommunalwaldbetrieb verfolgt und unterstützt. Darüber hinaus hat die
Landesregierung beschlossen, noch dieses Jahr alle ihre Wälder nach den Richtlinien des FSC
zertifizieren zu lassen.
Im Anschluß an die Pressekonferenz brachen alle TeilnehmerInnen zu einer Exkursion durch
den noch winterlichen Merziger Wald auf. Dort - unter der sogenannten Napoleonbuche -
überreichte dann Martin Reinold von Naturland zusammen mit Vertretern der
Umweltverbände ROBIN WOOD, GREENPEACE und BUND dem Oberbürgermeister das
Zertifikat.
Bonn, 26. 1. 1999
Kunstvoll gegen Atomkraft
Am 26. Januar begannen in Bonn die sogenannten Energiekonsensgespräche zwischen
Bundesregierung und Atomindustrie. Zwischen welchen gesellschaftlichen Gruppen sollte
dort eigentlich ein Konsens erreicht werden? Ein Konsens mit KritikerInnen und
VerbraucherInnen des Atomstroms offenbar nicht. Statt dessen ging es in erster Linie um die
Frage, wie die Gewinne der Atomkonzerne gesichert werden können. ROBIN WOOD hatte
daher beschlossen, das Gespräch auf eigene Weise zu kommentieren.
Rückblende: Dienstag, 26. Januar, 5 Uhr 45. Es ist kalt, windig und regnerisch. Acht frierende
und aufgeregte ROBIN WOOD-AktivistInnen erreichen in der Dunkelheit unbemerkt das
Bonner Kunstmuseum und gelangen - ausgestattet mit zwei großen Transparenten und
Kletterausrüstung - auf das Dach des Gebäudes. Nun heißt es warten - mehr als zweieinhalb
Stunden in Kälte und Nässe. Zum Glück läßt der Regen nach kurzer Zeit nach. Mehrmals
werden die Verstrebungen auf dem Dach des Museums, die später als Befestigung zum
Abseilen dienen sollen, kritisch geprüft. Alle sind erleichtert, als klar ist, daß die
Befestigungen halten werden.
Ab ca. 7 Uhr fahren immer mehr Polizeikräfte auf. Straßen werden teilweise gesperrt, denn
Anti- Atom-Initiativen haben zur Demonstration aufgerufen. Große Freude auf dem Dach:
Das lange Frieren hat sich gelohnt! Wie geplant sind die AktivistInnen den
Ordnungshütern" zuvorgekommen und hocken jetzt unbemerkt über ihnen. Aber auch
die Spannung steigt. Hoffentlich werden sie nicht noch entdeckt...! Doch alles geht gut.
Pünktlich um 8 Uhr 30 entrollen sie die beiden großen, künstlerisch gestalteten Transparente.
In Anlehnung an die aktuelle Ausstellung "ZEIT WENDEN" im Kunstmuseum
formuliert ROBIN WOOD die Forderung: "ZEIT für den Ausstieg! WENDEN
sofort!" Gesichert werden die Transparente durch vier ROBIN WOODlerInnen, die sich
an der Fassade abseilen. Mittlerweile haben sich zahlreiche PressevertreterInnen am Museum
eingefunden, und der ROBIN WOOD-Pressesprecher vor Ort ist vollauf damit beschäftigt,
Interviews zu geben.
Die Aktion lief hervorragend, und das Presseecho wurde außerordentlich gut. Das Ergebnis
der Gespräche zeigte allerdings, daß die Arbeit von Anti-Atom-Initiativen und ROBIN
WOOD weiterhin dringend notwendig ist. Die rot-grüne Bundesregierung ist vollkommen
eingeknickt vor den Forderungen der Atombosse. Das kurz zuvor von der Regierung noch
anvisierte Verbot der Wiederaufarbeitung zum Jahr 2000 wurde vollständig aufgegeben. In
Bonn und anderswo wartet noch viel Arbeit auf uns!
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