hier fanden 2006 unsere Aktionen statt (Auswahl)

Karlsruhe, 21.12.2006

Atomkonzern aufs Dach gestiegen

Der Energiekonzern EnBW (Energie Baden-Württemberg) hat sich der Reihe von Atomkraftwerksbetreibern angeschlossen, die versuchen ihre veralteten Kraftwerke länger als im sogenannten Atomkonsens vereinbart zu betreiben. EnBW beantragte beim Bundesumweltministerium die Verlängerung der Laufzeit für das Atomkraftwerk Neckarwestheim I. Dazu soll ein Teil der Reststrommenge vom wesentlich jüngeren AKW Neckarwestheim II auf den Altreaktor übertragen werden.

Ohne diese Übertragung müsste Neckarwestheim I entsprechend der geltenden gesetzlichen Regelung voraussichtlich Anfang 2009 vom Netz gehen. Die Übertragung von Reststrommengen von neuen auf alte Kraftwerke muss vom Bundesumweltministerium genehmigt werden. Dieser Tausch von „neuer“ gegen uralte Technik (Inbetriebnahme 1976) ist aus Sicherheitsgründen unverantwortlich.

Nur zwei Stunden nachdem EnBW den Antrag auf einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt hatte, stiegen AktivistInnen von ROBIN WOOD dem Konzern aufs Dach: Sie erklommen die Fassade der EnBW-Zentrale in Karlsruhe und entrollten ein 70 Quadratmeter großes Transparent. „1, 2, 3 ... die Laufzeit ist vorbei - EnBW abschalten!“ war darauf zu lesen sowie ein Hinweis auf die Kampagne www.atomausstieg-selber-machen.de. Der Aufruf, dem Atomkonzern die Rote Karte zu zeigen und zu einem Ökostromanbieter zu wechseln, ging vor allem an KundInnen von EnBW. Während EnBW sich während der Kletteraktion eher zurückhielt, waren zahlreiche MedienvertreterInnen vor Ort, u.a. berichtete die Tagesschau.


Berlin, 12.12.2006

Tatort-Kommissar contra Vattenfall

Die Beschäftigten und die Laufkundschaft des Energiekonzerns Vattenfall staunten nicht schlecht, als UmweltschützerInnen von ROBIN WOOD, des BUND und der GRÜNEN LIGA einen Kohleberg vor den Firmensitz des Konzerns kippten. Die UmweltschützerInnen fordern den Erhalt der Lacomaer Teiche nahe Cottbus, die Vattenfall zugunsten des Braunkohletagebaus zerstören will. In den Berg aus Braunkohle, der extra aus der Lausitz herangeschafft wurde, steckten die AktivistInnen weiße Kreuze, welche die vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten symbolisierten, die heute noch in der Teichlandschaft leben.

Zudem übergaben die UmweltschützerInnen Vattenfall Unterschriftenlisten gegen das Abbaggern des Naturschutzgebietes. Zu den rund 3000 UnterzeichnerInnen gehören mehr als 70 Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen sowie bekannte Schauspieler wie der Tatort-Kommissar Peter Sodann und Manfred Krug. In einem kurzen Gespräch mit VertreterInnen der Umweltorganisationen zeigte sich eine Vattenfall-Sprecherin von diesem öffentlichen Interesse für den Erhalt der Lacomaer Teiche allerdings wenig beeindruckt..

Erst 2004 waren die Lacomaer Teiche der EU-Kommission als Naturschutzgebiet von europäischer Bedeutung gemeldet worden. In der Teichlandschaft leben u.a. rund 5000 streng geschützte Rotbauchunken. Es ist eines der größten Vorkommen dieser Art in Deutschland. Keine Ausgleichsmaßnahme könnte diesen Verlust kompensieren.

Die Umweltverbände ermunterten alle Vattenfall-KundInnen in Berlin und Hamburg, ihren Stromliefervertrag mit dem Unternehmen zu kündigen und zu Ökostromanbietern zu wechseln. Die Flyer, die von StelzenläuferInnen an die PassantInnen verteilt wurden, fanden großes Interesse.


Hamburg, 10.12.2006

Bahnprivatisierung stoppen!

Wer an diesem Tag eine Fahrkarte am Hamburger Hauptbahnhof kaufen wollte, wunderte sich vielleicht, dass über ihm Kletterer am Vordach damit beschäftigt waren ein Banner mit der Aufschrift: „Börsenbahn = Preiswahn - Privatisierung stoppen“ zu befestigen.

Den Fahrplanwechsel am 10. Dezember nutzten die ROBIN WOOD-AktivistInnen, um auf die derzeitige Lage bei der Bahn aufmerksam zu machen. Auf der Webseite der Bahn werden die angeblichen Vorzüge des neuen Fahrplans gepriesen, von Nachteilen keine Rede. Ähnlich verhält es sich mit der Politik in Berlin, die die Bahn zu einem Spottpreis an private Investoren verhökern möchte, um kurzfristig Geld in die maroden Staatskassen zu spülen.

Um den Damen und Herren ein bisschen auf die Sprünge zu helfen, erkletterten zwei Aktivisten das Bahnhofsvordach und wurden dabei von weiteren Aktivisten am Boden unterstützt. Die bald eingetroffene Polizei sperrte den Platz in Ermangelung eines Konzeptes weiträumig ab, was zu einer großflächigen Behinderung führte. Dennoch konnte die Information der Fahrgäste und Passanten über die kurzsichtige Politik der Verantwortlichen in Berlin fahrplanmäßig durchgeführt werden.


Leitstade im Wendland, 12.11.2006

ROBIN WOOD blockiert CASTOR-Transport

ROBIN WOOD-AktivistInnen gelang es in der Nähe des Bahnhofs Leitstade in die Bäume zu klettern und ein Seil in etwa zehn Meter Höhe über der Bahnstrecke Lüneburg - Dannenberg zu spannen. Zwei Kletterer hängten sich direkt über die Schienen in das Seil, während zwei weitere AktivistInnen als Unterstützung in den Bäumen saßen. Daraufhin stoppte der CASTOR-Zug nahe des Dorfes Oldendorf und später noch einmal - laut Polizei aus taktischen Gründen - am Bahnhof Göhrde. Die Gleisblockade über den Schienen verzögerte die Weiterfahrt des CASTOR-Zuges um etwa zwei Stunden. Erst eine spezielle Klettereinheit des Bundesgrenzschutzes beendete die Aktion und holte die Kletterer den Bäumen und aus dem Seil.

Mit dieser spektakulären Aktion will ROBIN WOOD die Öffentlichkeit wachrütteln: Denn die Energiekonzerne stellen den Atomausstieg in Frage und fordern Laufzeitverlängerungen für die ältesten Schrottmeiler. So wird immer mehr strahlender Atommüll produziert, für den es weltweit kein sicheres Endlager gibt. Der von den Energiekonzernen geforderte Standort Gorleben ist weder politisch durchsetzbar noch als Atommüll-Endlager geeignet. Doch jeder CASTOR-Behälter, der ins Zwischenlager transportiert wird, macht Gorleben als Endlagerstandort wahrscheinlicher.

Zum Gelingen der Gleisblockade haben viele ROBIN WOOD-AktivistInnen beigetragen, die sich an den zahlreichen und kreativen Protestaktionen entlang der Transportstrecke beteiligten. Sie alle werden sich weiterhin dafür einsetzen, dass der Ausstieg aus der Atomenergie wirklich umgesetzt wird und möglichst viele Menschen den großen Energiekonzernen die Rote Karte zeigen und zu einem Ökostromanbieter wechseln!


Brunsbüttel, 4.11.2006

AKW Brunsbüttel stilllegen – jetzt!

Vor den Toren des AKW Brunsbüttel in Schleswig-Holstein demonstrierten rund 400 Menschen gegen den Weiterbetrieb des Reaktors und forderten den Ausstieg aus der Atomenergie. ROBIN WOOD–AktivistInnen spannten ein großes Banner mit der Aufschrift „Abschalten statt Atome spalten“. Trotz anhaltendem Regen war die Stimmung hervorragend, und eine Sambagruppe heizte den regendurchnässten Menschen mit ihren Rhythmen ordentlich ein.

Zu der Demonstration hatte das neu gegründete Aktionsbündnis „AKW Brunsbüttel stilllegen - jetzt!“ aufgerufen, dem neben ROBIN WOOD noch elf weitere Umweltverbände, Anti-Atom- und Friedensinitiativen aus ganz Norddeutschland angehören. Anlass war die Ankündigung des Betreibers Vattenfall die Laufzeit zu verlängern und den Pannen-Reaktor nicht wie im „Atomkonsens“ vereinbart im Jahr 2009 vom Netz zu nehmen. In der „Brunsbütteler Erklärung“ kündigt das Bündnis an es nicht bei der Forderung nach einer sofortigen Stilllegung zu belassen, sondern sich aktiv dafür einzusetzen, dass der Reaktor endlich vom Netz geht.

Der Pannen-Reaktor musste in der Vergangenheit wegen Störfällen so lange wie kein anderes AKW in Deutschland vom Netz genommen werden. Eine Wasserstoffexplosion in unmittelbarer Nähe zum Reaktorkern hätte im Jahr 2001 fast zu einer Katastrophe geführt. Im Juli dieses Jahres brachte ein schwerer Störfall im ebenfalls von Vattenfall betriebenen schwedischen AKW Forsmark den Reaktor in Brunsbüttel erneut in die Schlagzeilen. Der Betreiber Vattenfall gestand erst auf Druck der Öffentlichkeit ein, dass die Notstromversorgung der Reaktoren Brunsbüttel und Forsmark in wesentlichen Teilen baugleich sind, also ein ähnlicher Störfall in Brunsbüttel möglich wäre. Nach längerem Hin und Her mit der Atomaufsicht hat Vattenfall zwar eine „Nachbesserung“ der Notstromversorgung angekündigt, die wesentlichen Defizite der Anlage sollen jedoch nicht beseitigt werden.

Das Aktionsbündnis „AKW Brunsbüttel stilllegen - jetzt“ wurde von folgenden Gruppen initiiert: .ausgestrahlt, Aktionskreis Stilllegen Sofort (AKS) Brunsbüttel, Basisgemeinde Wulfshagenerhütten, BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, BUND-Kreisgruppe Steinburg, BUND Landesverband S-H, contrAtom, Gewaltfreie Aktion Atomwaffen Abschaffen(GAAA), Graswurzelgruppe Kiel, ROBIN WOOD, Systemoppositionelle Atomkraft Nein Danke (SAND) Gruppe Hamburg , X-tausendmal quer. Weitere Informationen und Bestellmöglichkeiten für Plakate, Flyer und die „Brunsbütteler Erklärung“ unter: www.akw-brunsbuettel-stilllegen.de.


Hamburg, Bremen, Berlin, Braunschweig, 27.10.2006

Kein Geld für Atomkraft!

In Hamburg-Altona begrüßte ein großes Banner die KundInnen der Deutschen Bank mit: „Ihr Geld für riskante Atomgeschäfte? Erneuerbare Energien statt Atomkraft!“ Wie in den anderen Städten auch forderten ROBIN WOOD-AktivistInnen die Deutsche Bank und die HypoVereinsbank auf in Zukunft keine Atomgeschäfte mehr zu finanzieren. Die UmweltaktivistInnen verteilten außerdem Flugblätter an die KundInnen und sammelten Unterschriften für einen offenen Brief an die Filialleiter. In diesem Brief fordern sie ein grundsätzliches „Nein“ der Banken zur Finanzierung von Atomkraft.

Die Deutsche Bank und die Hypovereinsbank planten bis vor kurzem den Bau eines Atomkraftwerks im bulgarischen Belene mitzufinanzieren. In den achtziger Jahren wurde mit dem Bau des Atomkraftwerkes begonnen: In dem erdbebengefährdeten Gebiet war ein Druckwasserreaktor des Typs WWER 1000 geplant, der ähnlich gefährlich wie der Reaktor von Tschernobyl ist. Wegen anhaltender Proteste und Bedenken wurde der Bau jedoch Anfang der Neunziger wieder eingestellt. Seit 2003 plant die bulgarische Regierung allerdings den Bau von Belene wieder aufzunehmen, da schon viel Geld in das Projekt geflossen ist.

Bereits in den vergangenen Monaten gingen über zehntausend Protestschreiben an die Banken. Etliche KundInnen drohten damit, ihr Konto zu wechseln, wenn Geld für Belene zur Verfügung gestellt würde. Die Umweltorganisation urgewald und die Anti-Atom-Kampagne „.ausgestrahlt“ hatten außerdem zu einer bundesweiten Aktionswoche aufgerufen. Die breite öffentliche Kritik bewirkte letztendlich, dass beide Banken Mitte Oktober aus dem Projekt ausstiegen. Bedauerlicherweise machte die Bankengruppe HVB/UniCredit gleichzeitig deutlich, dass sie nicht grundsätzlich auf die Finanzierung von Atomprojekten verzichten will.


Neuss, 9. bis 10.10.2006

ROBIN WOOD blockiert Tempo-Werk

„Sie haben ja Schlafsäcke und Isomatten dabei“, rief der aufgeregte Polizist. „Sie wollen doch nicht etwa über Nacht bleiben?“ Mit seiner Vermutung hatte der Ordnungshüter genau ins Schwarze getroffen. Die 20 AktivistInnen von ROBIN WOOD waren fest entschlossen die Eingänge des Tempo-Werks zu blockieren - auch über die Nacht hinaus. Denn am Tag darauf, am 10. Oktober 2006, würde in den USA die Hauptversammlung von Procter&Gamble beginnen. Es war das Ziel von ROBIN WOOD die Aktionäre des Konzerns aufzufordern, ihren Vorstand zu beauftragen, die Geschäftsbeziehungen mit Aracruz zu beenden und endlich Produkte aus Recyclingpapier ins Sortiment aufzunehmen.

Die ROBIN WOOD-AktivistInnen waren um acht Uhr morgens auf Bäume vor dem Haupteingang des Tempo-Werks geklettert und hatten dort zwischen zwei Bäumen Seile gespannt und ein Transparent aufgehängt: „Urwald zerstört - Indianer vertrieben - Tempo schafft Armut“. Den ganzen Tag und die Nacht über verbrachten die KletterInnen in luftiger Höhe in Hängematten vor dem damit blockierten Haupttor. Drei andere Zufahrten zum Werk waren mit Dreibeinen aus Gerüststangen verstellt. In die etwa sechs Meter hohe Spitze hatten die UmweltschützerInnen Feldbetten gehängt und ebenfalls dort übernachtet.

Der Konzern versuchte die Proteste auszusitzen. Nachdem sich zunächst tagsüber etwa zwei Dutzend Lkw auf der Straße vor dem Werk stauten, demontierte der Konzern einen Teilstück seines Werkzaunes und schaffte damit einen provisorischen Zugang, durch den die Laster mit etwas Mühe hinein und herausfahren konnten. Auf die Forderung, keinen Zellstoff mehr zu kaufen, für den Indianer von ihrem Land vertrieben werden und Recyclingprodukte anzubieten, ging Procter&Gamble jedoch nicht ein.

Die Tupinikim und Guarani-Indianer reagierten auf die ignorante Haltung von Procter&Gamble mit Unverständnis und Empörung. „Unser Volk hat viel um sein Überleben gekämpft. Und noch heute, am Anfang des 21. Jahrhunderts, wird es von seinem Land vertrieben und gejagt wie Tiere. Das verletzt uns zutiefst“, sagte Paulo Vicente de Oliveira, Oberhaupt der Tupinikim. „Wir brauchen das Land für uns und die Zukunft unserer Kinder. Procter&Gamble muss dies endlich einsehen und aufhören Zellstoff zu kaufen, für den unser Land und unsere Kultur zerstört werden.“

Procter&Gamble wird die Macht der Konsumenten zu spüren bekommen. Peter Gerhardt, Tropenwaldreferent bei ROBIN WOOD, sagte dazu an die VerbraucherInnen gerichtet: „Es ist ganz einfach, Tempo, Charmin und Co im Regal liegen zu lassen. Greifen Sie besser zu Produkten aus Recyclingpapier mit dem Blauen Engel. So können Sie Procter&Gamble zeigen, was Sie von Geschäften auf Kosten von Indianern und der Umwelt halten“.

Zwei Tage nach der ROBIN WOOD-Aktion kam es auch zu Aktionen gegen Procter&Gamble in Holland. Am 12. Oktober protestierten in Amsterdam Menschen unter dem Motto „Snuit je neus niet in een vuile zakdoek (Putze deine Nase nicht mit einem schmierigen Taschentuch)“ gegen Tempo-Taschentücher.


Berlin, 9.10.2006

Atomausstieg selber machen!

Energiegipfel in Berlin: Vor dem Kanzleramt herrscht reges Treiben. Das Aktionsbündnis „Atomausstieg selber machen“ wirbt dafür , von den Atomstromkonzernen RWE, E.on, Vattenfall und EnBW zu Anbietern von Strom aus Wasser, Wind und Sonne zu wechseln. In einer „Strom-Wechselstube“ kann man sich über das Bündnis und die von ihm empfohlenen Ökostromanbieter informieren, aber auch dort ausliegende Wechselformulare der Ökostromer direkt ausfüllen. Neben zahlreichen Bundestagsabgeordneten, Mitgliedern der Initiativen und Umweltgruppen und BesucherInnen des Regierungsviertels stattet auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) der Wechselstube einen Besuch ab.

Bisher haben sich neben ROBIN WOOD acht Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen sowie Anti-Atomkraft-Initiativen zu dieser bundesweiten Kampagne zusammen geschlossen. Die Initiative startete kaum 48 Stunden nachdem RWE-Power beim Bundesumweltministerium beantragt hatte, die Laufzeit für das AKW Biblis A bis 2011 zu verlängern. Den Atomkonzernen – die allesamt zum Energiegipfel eingeladen waren - wird vorgeworfen, die Atomkonsensvereinbarung nicht einzuhalten und den Ausstieg aus der Atomenergie in Frage zu stellen. Entgegen den ursprünglichen Planungen haben die Atomstromproduzenten bei der Regierung schon erreicht, dass das Thema Atomenergie beim Energiegipfel nun doch auf der Tagesordnung steht.

Hinter der Initiative „Atomausstieg selber machen“ steckt die Idee des “gesellschaftlichen Atomausstiegs”, d.h. möglichst viele Menschen davon zu überzeugen, den Atomstromern die Rote Karte zu zeigen und zu einem Ökostromanbieter zu wechseln. In den kommenden Wochen und Monaten sollen auf vielfältige Art und Weise jene rund zwei Drittel der Bevölkerung angesprochen werden, die nach jüngsten Umfragen der Atomenergie ablehnend gegenüber stehen, bisher aber noch nicht den Stromanbieter gewechselt haben.

Neben ROBIN WOOD beteiligen sich an der Initiative: die Deutsche Umwelthilfe (DUH), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Bund der Energieverbraucher, der Deutsche Naturschutzring (DNR), Greenpeace, der Naturschutzbund Deutschland (NABU), die Deutsche Sektion der IPPNW und X-tausendmal quer. Die Initiatoren empfehlen die vier Ökostrom-Unternehmen Elektrizitätswerke Schönau, Greenpeace energy, LichtBlick und Naturstrom als atomstromfreie Versorger.

Kontakt: www.atomausstiegselbermachen.de, kostenlose Infohotline: 0800-7626852.


Spremberg, 28.9.2006

Unglaubwürdiges Tropenholz-Siegel

AktivistInnen von ROBIN WOOD demonstrieren vor der malaysischen Botschaft in Berlin: Denn dort traf sich an diesem Tag der malaysische Minister für Plantagenwirtschaft und Rohstoffe, Peter Chin Fah Kui, mit Vertretern von Holzhandel, Behörden und Umweltorganisationen aus Deutschland, um für das Tropenholzsiegel des Malaysian Timber Certification Council (MTCC) zu werben. Vor allem öffentliche Auftraggeber wie Bund und Länder wollte der malaysische Minister während seiner dreitägigen Werbetour durch Deutschland überzeugen, bei ihren Bauvorhaben auf Tropenholz mit MTCC-Label zu setzen.

ROBIN WOOD unterstützt die Proteste malaysischer UreinwohnerInnen gegen den MTCC. Ihre Kritik richtet sich in erster Linie dagegen, dass der MTCC sie im Zertifizierungsprozess übergeht, ihre Landrechte missachtet und dafür sorgt, dass sie die Wälder nicht mehr wie gewohnt nutzen dürfen, etwa um Holz einzuschlagen, zu jagen oder zu fischen. Im Landesteil Sarawak auf Borneo wehrt sich das Waldnomadenvolk der Penan seit dem 17. Juli dieses Jahres mit einer Straßenblockade gegen eine MTCC-Zertifizierung. Der MTCC hat dem Holzkonzern Samling ein Zertifkat ausgestellt, obwohl ein Waldgebiet forstwirtschaftlich ausgebeutet werden soll, das die Penan zum Überleben brauchen.

In einem Protestbrief fordern 13 Oberhäupter der Penan den Hamburger Bürgermeister Ole von Beust auf, „sicherzustellen, dass die Stadt Hamburg kein Holz aus unseren Wäldern mehr verwendet, weil dieses Holz von unseren Gemeinschaften gegen unseren erklärten Willen gestohlen wurde“. Wer MTCC-Holz nutze, mache sich mitschuldig an den Verbrechen der Holzfirmen gegen die indigenen Völker Malaysias.

Die malaysische Forstwirtschaft ist maßgeblich für den Raubbau und eine dramatische Waldzerstörung in Malaysia verantwortlich. Allein zwischen 1990 und 2000 schrumpfte die Waldfläche des südostasiatischen Landes laut Angaben der Welternährungsorganisation FAO um 2,37 Millionen Hektar. Es gibt zahlreiche gut dokumentierte Fälle, die belegen, dass der malaysische Handel gute Geschäfte mit illegalem Holz macht, das von Indonesien über die Grenze geschmuggelt wird.


Brunsbüttel, 19.9.2006

AKW Brunsbüttel abschalten!

Am 19. September stiegen vier ROBIN WOOD-AktivistInnen über einen Zaun und erkletterten einen Strommast neben dem AKW Brunsbüttel. Bei heftigem Wind gelang es, in 25 Meter Höhe ein Transparent mit der Aufschrift „Noch mehr Störfälle???“ sowie eine Anti-Atom-Sonne zu befestigen und der mittlerweile recht zahlreich eingetroffenen Presse zu präsentieren. Mit der Aktion sollte die Forderung nach sofortiger Stilllegung des AKWs verdeutlicht werden. Nach einigen Stunden wurde die Aktion freiwillig beendet.

Brunsbüttel ist nicht nur eines der ältesten deutschen AKWs, sondern hat es in den letzen Jahren auch zu einer erschreckenden Zahl an Störfällen gebracht. Wohl der schwerwiegendeste war die durch eine Wasserstoffexplosion hervorgerufene Zerstörung einer Rohrleitung direkt am Reaktorkern im Jahr 2001.

Nachdem am 25.07. 06 Europa durch den Störfall im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark nur knapp an einer nuklearen Katastrophe vorbeischrammte, geriet auch Brunsbüttel erneut in die Kritik. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Beinahkatastrophe hatte Vattenfall, Betreiber des AKWs Brunsbüttel, beteuert, in Deutschland sei ein Vorfall dieser Art ausgeschlossen. Dass das zumindest im Fall Brunsbüttel gelogen war, musste Vattenfall schon wenige Tage später zugeben, beteuerte aber weiterhin, Brunsbüttel sei sicher. Mittlerweile hat Vattenfall – mit mehreren Wochen Verspätung – die von der Atomaufsicht geforderten Unterlagen eingereicht und den Umbau der angeblich absolut sicheren Notstromversorgung beantragt. Gleichzeitig kündigte Vattenfall an, voraussichtlich 2007 einen Antrag zur Laufzeitverlängerung von Brunsbüttel zu stellen.


Hamburg, 13. - 15.9.2006

Bildung international

Im September präsentierte sich die bundesweite Initiative 2000 plus - Schulmaterialien aus Recyclingpapier, in der ROBIN WOOD aktiver Partner ist, auf der Messe zur Bildung für Nachhaltige Entwicklung in Europa. „Do you speak English?” war anfangs die am häufigsten gestellte Frage, gefolgt von “est-ce-que vous parlez francais?“ Die Mitarbeiterinnen der Initiative hatten ihren Spaß daran, Wissenschaftlern, Leitern von Forschungszentren und Ministeriumsvertretern unter anderen aus England, Malta, Polen, Frankreich und Tschechien zu zeigen, wie wichtig ein nachhaltiger Umgang mit dem Alltagsprodukt Papier ist. Sie brachten den BesucherInnen die ökologischen, sozialen und technischen Vorteile von Recyclingpapier an den Beispielen Kopierpapier und Schulhefte näher.

LehrerInnen von Umweltschulen erfuhren von dem vielfältigen Angebot der Initiative 2000 plus, das von einer Schulstunde zum Thema Papier über eine spannende Mitmachaktion für Schulklassen, Vorträge auf Schulleiter- und Lehrerkonferenzen bis hin zum kostenlosen Verleih von Ausstellungen reicht. In Hamburg nehmen bisher 19 Schulklassen an der Mitmachaktion teil, bei der eine Urkunde verliehen wird. Bundesweit setzen bereits über 1.800 Klassen Zeichen für Recyclingpapier.

Alle Klassen, die mitmachen sind im Internet unter www.treffpunkt-recyclingpapier.de eingetragen.


Hamburg, 13.9.2006

Natur statt Kommerz

Im Hamburger Stadtteil Altona liegt der riesige Volkspark. Hier sollen der Baumbestand dezimiert und große Flächen versiegelt werden - für einen modernen Freizeitpark. Geplant ist ein Einkaufszentrum, als Herzstück zwischen der AOL-Arena und der Color-Line-Arena, mit getrennten Ebenen für Fußgänger und Fahrzeuge. Unter anderem sind weiterhin eine Eissporthalle, ein Erlebnisbad, eine Golfanlage, ein Tennisstadion und eine Multifunktionshalle geplant. Wie man an dieser Aufzählung sieht, würde vom Volkspark, mit seiner Funktion als Erholungsort für Menschen und Lebensraum für die Natur, wenig übrig bleiben. Stattdessen gibt es noch mehr Parkplätze, Umweltverschmutzung, Unruhe, Lärm und Gestank.

Gegen diese Pläne des Hamburger-Senats hat sich ein Bündnis aus 19 verschiedenen Organisationen und Vereinen gebildet, zu dem auch ROBIN WOOD gehört. In Hamburg wurden in den letzten fünf Jahren schon 10.000 Bäume gefällt. Das Volksparkbündnis feierte am 13. August ein Fest im Volkspark, um die Bevölkerung auf die geplante Zerstörung aufmerksam zu machen. Zahlreiche Bündnispartner waren mit Info-Ständen auf der großen Festwiese vertreten. Ab 11 Uhr herrschte reges Treiben und viele Interessierte Menschen informierten sich an den Ständen der Organisationen. ROBIN WOOD hatte Infomaterial zum Thema Wald dabei und nutzte die schönen, alten Bäume, um den BesucherInnen ein Schnupperklettern in luftiger Höhe zu ermöglichen. Besonders begeistert wurde dieses Angebot von Kindern angenommen.

ROBIN WOOD führt übrigens regelmäßig professionelle Klettertrainings insbesondere für Aktionsinteressierte durch. Weitere Informationen dazu in der ROBIN WOOD-Pressestelle, Tel.: 040/3808920 und zum Thema Volkspark: www.rettet-den-volkspark.de


Neuss, 5.9.2006

Procter&Gamble braucht Nachhilfe beim Rohstoffeinkauf

Überraschung für Procter&Gamble: Am 5. September kippten AktivistInnen rund drei Tonnen Altpapier vor das Haupttor des Tempo-Werks in Neuss. Daneben spannten Kletterer zwischen zwei Bäumen ein Transparent mit der Aufschrift: „Starke Lösung gegen herzloses Handeln: Recycling! Statt Landraub und Umweltzerstörung durch P&G“. Die Aktion richtete sich gegen den US-Konzern, der für seine Hygienepapiermarken Tempo, Charmin und Bess Zellstoff bei Aracruz-Cellulose in Brasillien einkauft. Der Zellstoffgigant Aracruz hat in Brasilien großflächig Regenwald für Eukalyptus-Monokulturen kahl geschlagen und Indianer mit Gewalt von ihrem Land vertrieben. Als umweltfreundliche Alternative zu Papier aus Frischfasern, für das Bäume gefällt werden, empfahlen die UmweltschützerInnen den Einsatz von Altpapier bei der Produktion von Taschentüchern und Klopapier.

Aracruz hatte bereits während der brasilianischen Militärdiktatur in den 70er Jahren den an der Atlantikküste lebenden Tupinikim- und Guarani-Indianern Land geraubt und verweigert bis heute die Rückgabe - gegen den entschiedenen Widerstand der Indianer. Eigentlich hätte noch im August dieses Jahres die brasilianische Regierung endlich die Rückgabe eines rund 11.000 Hektar großen Gebietes besiegeln sollen, das eindeutig indigenes Territorium ist. Doch Aracruz hat Widerspruch dagegen eingelegt. Die Indianer fürchten zu Recht, dass sie weiter auf Jahre vertröstet werden sollen und so zum Spielball der Interessen der Papierindustrie werden. Daher haben sie sich mit einem offenen Brief an die brasilianische Regierung gewandt. „Wir werden unter keinen Umständen weitere Verzögerungen und illegale Verstöße gegen unsere Rechte dulden“, heißt es unter anderem in dem Schreiben. „Keine weitere Demütigung!“

Für Hygienepapierproduzenten wie P&G gibt es eine umweltfreundliche Alternative zu Zellstoff aus Holz: den Einsatz von Altpapier! Tatsächlich aber ist P&G der einzige große Hygienepapierhersteller am deutschen Markt, der überhaupt keine Produkte aus Recyclingpapier für den Einzelhandel produziert. ROBIN WOOD empfiehlt Papierprodukte mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“, denn die haben hervorragende Produkteigenschaften und sind aus 100 Prozent Altpapier.


Heidelberg, 14.8.2006

Leinen los!

Am 14. August legte das selbst gebaute Holzfloß ROBINA WALD in Heidelberg für eine vierwöchige Tour über Neckar und Rhein bis nach Düsseldorf ab. Die AktivistInnen auf dem ROBIN WOOD-Floß warben während ihrer Reise dafür, sparsamer mit Papier umzugehen und auf Recyclingpapier umzusteigen. Insbesondere forderten sie, dass Landraub und Umweltzerstörung für die Produktion von Tempo-Taschentüchern gestoppt werden müssen.

Der Papierkonsum in Industrieländern wie Deutschland ist enorm hoch. Jeder Deutsche verbraucht durchschnittlich 233 Kilogramm pro Jahr. Das entspricht einem Verbrauch von etwa 500 Gramm Holz pro Person und Tag. Weltweit wird jeder fünfte eingeschlagene Baum dafür verwendet, Papier herzustellen.

„Wir haben die Nase voll! Stoppt Landraub und Umweltzerstörung für Tempo“ prangte in großen Buchstaben auf dem Dach des Floßes. Denn an Bord der ROBINA WALD erzählten die FlößerInnen die Geschichte des Tempo-Taschentuchs: vom Eukalyptusbaum in Brasilien bis zum deutschen Supermarkt-Regal. Das Beispiel ist brisant. Zurzeit eskaliert in dem brasilianischen Bundesstaat Espirito Santo ein Konflikt zwischen dem Zellstoff-Konzern Aracruz und den Tupinikim- und Guarani-Indianern. Aracruz hat den IndianerInnen 11.000 Hektar Land mit Gewalt weggenommen, obwohl die brasilianische Indianerbehörde FUNAI bestätigt hat, dass es den Indianern rechtmäßig zusteht. Aracruz hat in Brasilien großflächig wertvollen Küstenregenwald (Mata Atlantica) gerodet und besitzt inzwischen 247.000 Hektar Eukalyptus-Plantagen.

Aracruz-Zellstoff aus Brasilien landet in Form von Tempo-Taschentüchern auch auf dem deutschen Markt. Wer in Deutschland Tempos kauft, trägt somit unfreiwillig zu Vertreibung und Umweltzerstörung bei. Das will ROBIN WOOD ändern und macht daher Druck auf den Produzenten der Tempo-Taschentücher, den Weltkonzern Procter&Gamble.

BesucherInnen des Floßes konnten mit ihrer Unterschrift und einer Foto-Protestaktion dazu beitragen, dass Procter&Gamble problematische Papierprodukte aus dem Sortiment nimmt und endlich auch Recyclingprodukte herstellt. Sie erfuhren, wem es zugute kommt, wenn sie auf umweltfreundliche Produkte aus 100 Prozent Altpapier mit dem Blauen Engel umsteigen und konnten gemeinsam mit der Crew das Flößerleben genießen. Auf dem Programm standen u.a. Rundfahrten, Floß-Kino unter freiem Himmel und Mitmachangebote wie Papierschöpfen.

Das drei mal elf Meter große Floß besteht aus Fichtenstämmen, die aus einem ökologisch bewirtschafteten Naturland-Wald stammen. Ausgestattet ist es mit einer Solaranlage, Funkgeräten, einem Video-Beamer und Schwimmwesten. Übernachtet wurde an Bord oder in Zelten. Über einen Laptop führten die FlößerInnen ein digitales Logbuch, in dem Interessierte im Internet unter www.flosstour.de mehr über die ROBIN WOOD-Floßtour 2006 erfahren können.


Berlin, Leipzig, 21.7. und 3.8.2006

Die Bahn verbessern statt verhökern

Geht es nach Verkehrsminister Tiefensee, dann soll die Bahn an die Börse. Es gab aber seltsamerweise nie eine Debatte, ob überhaupt ein Verkauf stattfinden soll. Stattdessen wurden immer neue Varianten, wie dies geschehen solle, aufgetischt. Und eine nach der anderen erwies sich als Flop.

Am 21.07.06 entrollten AktivistInnen bei einer spektakulären Kletteraktion ein 180 Quadratmeter großes Transparent vom Dach des Berliner Hauptbahnhofs gegenüber von Reichstag und Kanzleramt: Der Hingucker des Tages! Selbst die Polizei zollte dieser Leistung Respekt.

Am 3. 8. in Leipzig wurden sogar zwei Transparente gleichzeitig in den beiden großen Bahnhofshallen aufgehängt. Hier trafen wir ebenfalls auf enorme Zustimmung bei dem Nein zum Börsengang. Auch bei Beschäftigten der Bahn, deren Arbeitsplätze bei der Privatisierung gefährdet wären.

Ein Börsengang der Bahn – egal nach welchem Modell – hätte Verschlechterungen für Beschäftigte, Fahrgäste und Umwelt zur Folge und wäre zudem ein hohes finanzielles Risiko. Das Bündnis Bahn für Alle, zu dem auch ROBIN WOOD gehört, hat durch Informationen und Aktionen schon viele Menschen erreicht. Mittlerweile wurden über 100.000 Faltblätter verteilt.


Fürstenhagen, 12.7.2006

Dieselruß und Lärm machen die Menschen krank

Weithin sichtbare Plakate mit den Botschaften „Transit-LKW weiterhin stoppen!“ und „Dieselruß und Lärm machen krank“ waren in der Ortsmitte von Fürstenhagen aufgestellt. In Schutzanzüge gekleidete AktivistInnen informierten direkt auf der B7-Ortsdurchfahrt AnwohnerInnen und durchfahrende AutofahrerInnen über die drohende Verschlechterungen des Lkw-Durchfahrverbots. Die Polizei stellte nach einer halben Stunde den „Verdacht auf Eingriff in den Straßenverkehr“ fest und versuchte die Personalien der sechs Aktiven der Aktionsgemeinschaft Verkehr Nordhessen (AVN), BUND und ROBIN WOOD aufzunehmen.

Der hessische Wirtschaftsminister Rhiel hatte wenige Tage zuvor ein modifiziertes Lkw-Fahrverbot für die B7/27 verkündet, das unter dem Strich zu einer erheblichen Mehrbelastung der Anlieger mit Lärm und Feinstaub führen wird. Bislang galt das Verbot für Lkw ab 3,5 Tonnen, mit der neuen Regelung werden alle Lkw bis 12 Tonnen wieder durch die Ortschaften fahren können. Der Minister selbst räumt eine Steigerung der Lkw-Fahrten von 10 bis 20 Prozent ein. Genaue Zahlen lägen jedoch nicht vor.


Potsdam, 10.7.2006

Kein Salz auf die Alleen

Schüttere Kronen und braune Blatträndern – so sehen die Alleebäume bereits Anfang Juli an den märkischen Straßen aus. Dies sind keine Indizien für einen frühzeitigen Herbsteinbruch, sondern dafür, dass im Winter große Mengen Salz auf die Alleenstraßen gestreut werden. Und zwar entgegen den Beteuerungen des zuständigen Brandenburger Verkehrsministeriums jedes Jahr immer mehr.

Um auf diese Alleenpökelei aufmerksam zu machen, spannten die AktivistInnen von ROBIN WOOD an den Stämmen einer deutlich salzgeschädigten Lindenallee südlich von Potsdam Transparente und forderten: „Salz in die Suppe – nicht auf die Straße“. Unten zeigten Mitglieder von BUND und NABU mit maßstabsgetreuen Salzpaketen den neugierig vorbeifahrenden AutofahrerInnen und der anwesenden Presse wie der Salzeinsatz Jahr für Jahr steigt.

So hat sich der Einsatz von Tausalz seit dem Winter 99/2000 mehr als verdoppelt. Nach Angaben des Landesverkehrsministeriums wurden damals ca. 30.000 Tonnen Salz auf Bundes- und Landesstraßen sowie Autobahnen in Brandenburg gestreut. Im Winter 2003/04 waren es dann 40.000 Tonnen und im vergangenen Winter sogar 80.000 Tonnen. Das entspricht 160 Millionen handelsüblichen Salzpäckchen, die aneinandergereiht die halbe Erdkugel umspannen würden.

Wer Salz auf die Alleen streut, nimmt den schleichenden Tod der Straßenbäume unweigerlich in Kauf. Die Schutzgemeinschaft Brandenburger Alleen vermisst die nötige Sensibilität bei den Straßenbaubehörden, denen oft nicht bewusst ist, dass sie Gift in die Landschaft streuen. Viel zu oft wird Salz völlig überflüssig bei trockenen Frostwetterlagen verstreut. Die Folgeschäden sind zur Zeit flächendeckend an den Alleen in Brandenburg zu beobachten.

Mit ihrer Aktion appelliert die Schutzgemeinschaft Brandenburger Alleen, zu der neben ROBIN WOOD, BUND und NABU noch zahlreiche weitere Organisationen, Initiativen und Einzelpersonen gehören, auch an alle BürgerInnen, ihre Kommunen auf die Schäden an den Bäumen hinzuweisen und sie zum Verzicht auf das Streusalz aufzufordern.

Alternativen gibt es. Der Winterdienst kann an baumbestandenen Straßen vor allem durch mechanisches Räumen - so genanntes „Schwarzräumen“ - gewährleistet werden. Wenn dies allein nicht ausreicht, können dazu abstumpfende Mittel wie Sand und Split eingesetzt werden.


Frankfurt, 1.6.2006

Besuch vor der Hauptversammlung der Deutschen Bank

IDie Deutsche Bank möchte beim Bau des bulgarischen AKW Belene gern ins Geschäft kommen. Das Kraftwerk wurde bereits in den 80ern geplant, wegen Sicherheitsbedenken und unklarer Finanzierung wurde der Bau jedoch Anfang der 90er Jahre eingestellt. Nun will die bulgarische Regierung das Projekt aus seinem Dornröschenschlaf wecken und hat sich Angebote für den Bau eingeholt. Mehrere deutsche Banken, unter ihnen die Deutsche Bank, wollen sich an der Finanzierung beteiligen.

Grund genug, die Deutsche Bank bei ihrer Hauptversammlung zu besuchen und die Aktionäre auf die Gefahren des Projektes hinzuweisen: Belene soll in einem Erdbebengebiet gebaut werden. Um die Kosten niedrig zu halten, soll die existierende Bauruine in den Neubau integriert werden, öffentliche Anhörungen zum Projekt waren manipuliert. ROBIN WOOD-AktivistInnen unterstützten urgewald bei dieser Protestaktion am Eingang der Frankfurter Festhalle, in der die Hauptversammlung stattfand. Neben dem Transparent „Wer Belene finanziert riskiert ein zweites Tschernobyl“ verteilten die Aktivisten Flugblätter zum Projekt und Anti-Atom-Bonbons als Stärkung.


Spremberg, 29.5.2006

Braunkohle bedeutet Verwüstung und Vertreibung

In einem Festzelt auf dem Gelände des Braunkohlekraftwerks „Schwarze Pumpe“ in Spremberg bei Cottbus drängten sich die JournalistInnen. Medienwirksam wollte Vattenfall den Spatenstich zum weltweit ersten angeblich CO2-freien Braunkohlekraftwerk inszenieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzek waren zugegen. Sie bemühten sich die Feigenblattpolitik Vattenfalls als wichtigen Fortschritt für den Standort Deutschland schön zu reden.

Doch während drinnen gerade die Spaten in den sandigen Boden der Lausitz gestoßen wurden, ertönte von draußen der Klang von Trillerpfeifen. Drei ROBIN WOOD-AktivistInnen hatten sich auf dem Werksgelände von einer Eisenbahnbrücke, über die das Kraftwerk mit Braunkohle versorgt wird, abgeseilt und machten nun auf sich aufmerksam. Auf dem 12 x 6 Meter großen Transparent, das sie zwischen sich gespannt hatten, stand: „Erneuerbare Energien statt Öko-Lüge – Braunkohle heißt Verwüstung und Vertreibung“. Sie entlarvten das angebliche Umweltprojekt des Energieriesen als leere Werbehülle. Denn während die Technologie der CO2-Abscheidung erforscht werden soll, plant Vattenfall einen neuen Block für das Braunkohlekraftwerk Bocksberg und ein neues Steinkohlekraftwerk bei Hamburg sowie ein 800 MW Kraftwerk in Berlin, die nach der herkömmlichen Technologie arbeiten werden und somit weiterhin das Klima massiv schädigen.

Auch wiesen die AktivistInnen auf ein Problem der Braunkohleverstromung hin, dass von dieser neuen Technologie gar nicht berührt wird: die großflächige Verwüstung der Landschaft durch Grundwasserabsenkung und Braunkohlebagger sowie die damit verbundene Vertreibung von Menschen und Tieren aus den betroffenen Gebieten.

Dieser erneute Versuch Vattenfalls, sich als Umweltschutzunternehmen zu präsentieren, ist gründlich schief gegangen. Die versammelten MedienvertreterInnen zeigten reges Interesse an der Kritik, die ROBIN WOOD an der Politik des Energiekonzerns übt, und nutzten die Gelegenheit, Bilder für Zeitungen und Fernsehen aufzunehmen.


Neuss, 4.5.2006

Blockade des Tempowerks in Neuss

Die Zufahrten zum Tempowerk von Procter&Gamble sind blockiert. Denn ROBIN WOOD-AktivistInnen haben drei Dreibeine aus Gerüststangen aufgestellt, an denen sie in fünf Meter Höhe hängen, dazwischen ist ein Transparent mit der Aufschrift: „Wir haben die Nase voll! Stoppt Landraub und Umweltzerstörung für Tempo“. Vor Ort sind auch ein Tupinikim- und ein Guarani-Indianer aus Brasilien. Sie protestierten an diesem Tag dagegen, dass der Zellstoffkonzern Aracruz ihnen 11.000 Hektar Land im Bundesstaat Espirito Santo weggenommen hat, um dort Eukalyptus-Monokulturen anzulegen.

Nach Recherchen von ROBIN WOOD landet der Aracruz-Zellstoff in Form von Tempo-Taschentüchern sowie als Charmin- und bess-Klopapier auch auf dem deutschen Markt. Hersteller dieser Produkte ist der multinationale Konzern Procter&Gamble (P&G). Eine Delegation der Tupinikim und Guarani sowie ROBIN WOOD überreichte P&G eine Erklärung, in der sie den Konzern auffordern, die Zusammenarbeit mit dem Lieferanten Aracruz auf Eis zu legen, solange der Konzern diesen und alle weiteren Landkonflikte mit Indianern, Landlosen und Quilombolas (Afrobrasilianern) nicht im Einvernehmen mit den Betroffenen gelöst hat.

Aracruz, der weltweit größte Produzent von gebleichtem Zellstoff, hat in Brasilien großflächig Küstenregenwald (Mata Atlantica) gerodet, um dort Eukalyptus-Monokulturen anzulegen. Nach eigenen Angaben besitzt der Konzern inzwischen 247.000 Hektar Eukalyptus-Plantagen. Während der brasilianischen Militärdiktatur hatte der Konzern die Ureinwohner von ihrem angestammten Land vertrieben, um seine Plantagen auszuweiten.

Bis heute weigert sich Aracruz mit Gewalt und juristischen Tricks, den Tupinikim und Guarani 11.000 Hektar ihres Landes in Espirito Santo zurückzugeben. Die Indianerbehörde FUNAI hat inzwischen bestätigt, dass den Indianern das Land rechtmäßig zusteht. Im Januar des Jahres eskalierte der Konflikt. Bewaffnete Einheiten stürmten in Kooperation mit Aracruz die Indianerdörfer Corrego do Ouro und Alho de Agua, feuerten mit Gummigeschossen und jagten die Flüchtenden mit Hubschraubern.

Erst am späten Nachmittag zeigte sich P&G einsichtig und die Konzernleitung willigte ein, sich mit den Indianern und ROBIN WOOD zu treffen. Kurz darauf beendeten die AktivistInnen die Blockade.


Stockholm, 27.4.2006

„Für sauberen Strom ohne Kohle und Atom“

Mittagszeit in Stockholm: ROBIN WOOD-AktivistInnen entrollen an der Fassade des Hotels Berns Salonger ein sieben mal fünf Meter großes Transparent mit der Aufschrift: Dreckige Energie hat einen Namen: Vattenfall! Für sauberen Strom ohne Kohle und Atom“. Hier traf sich nämlich an diesem Tag die Vattenfall-Hauptversammlung. ROBIN WOOD fordert den Energiekonzern auf, aus der Atomenergie und klimaschädlichen Braunkohleverstromung in Deutschland auszusteigen und auch außerhalb Schwedens stärker in erneuerbare Energien zu investieren.

Schweden hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 fossile Brennstoffe vollständig durch erneuerbare Energien zu ersetzen. Dem staatseigenen Konzern Vattenfall hat die Regierung den Auftrag erteilt, diese Energiewende voranzutreiben. Viele Schweden befürworten diese Energiepolitik, Vattenfall genießt ein entsprechend positives Image. Wenig bekannt ist in Schweden hingegen, dass Vattenfall in Deutschland gefährliche Atomkraftwerke betreibt und für seinen Braunkohletagebau die Verwüstung ganzer Landstriche sowie die Vertreibung von Menschen aus ihren Dörfern in Kauf nimmt.


Bayreuth, Bremen und Hamburg, 26.4.2006

20 Jahre nach Tschernobyl

Am 26. April 1986 explodierte der Block 4 des Atomkraftwerkes in Tschernobyl (Ukraine) und löste damit die bisher größte Katastrophe in der Geschichte der Nutzung der Atomenergie aus. Eine radioaktive Wolke verseuchte große Gebiete der Ukraine, Weißrusslands und Russlands, aber auch Westeuropa blieb nicht verschont. Noch heute, 20 Jahre nach der Katastrophe, leiden Hunderttausende unter den gesundheitlichen Folgen. ROBIN WOOD-AktivistInnen aus verschiedenen Städten nahmen dieses tragische Jubiläum zum Anlass gegen den weltweiten Weiterbetrieb und den Ausbau von Atomkraftwerken zu protestieren.

In Bremen spannten AktivistInnen ein Transparent über die Fassade der ROBIN WOOD-Geschäftsstelle: „20 Jahre Tschernobyl – 150.000 Tote – Atomausstieg sofort!!!“ und forderten die PassantInnen an einem Infostand zum Wechsel zu Ökostrom auf. Als ein Teil des Bremer Sternmarsches anlässlich der Tschernobylkatastrophe an dem ROBIN WOOD-Haus vorbeikam, schlossen sich mehrere AktivistInnen in „Schutzanzügen“ dem Demonstrationszug an und verteilten Info-Material. Bei der zentralen Kundgebung auf dem Bremer Marktplatz entrollten ROBIN WOOD-AktivistInnen ein Transparent an der Fassade des historischen Bremer Rathauses mit der Aufschrift: „Abschalten statt Atome spalten“. Die Aktion sorgte für viel Verwirrung bei der Polizei und große Begeisterung bei den rund 1.000 DemonstrantInnen.

In Bayreuth spannten ROBIN WOOD-Aktivisten vor dem Gebäude der E.ON-Regionalleitung ein Transparent mit der Aufschrift „26. April 1986 Tschernobyl und kein Ende... E.off, den Atomstecker raus!“

In Hamburg beteiligten sich ROBIN WOOD-AktivistInnen an einer Mahnwache in der Innenstadt vor dem Vattenfall-Kundenzentrum und verteilten Flyer. Als Strahlentod verkleidet und auf Stelzen begleiteten sie eine lange Menschenkette, die sich durch die Hamburger Innenstadt zog, um schweigend zu mahnen. Am frühen Abend kletterten ROBIN WOOD-Aktivisten in mehrere Bäume, entrollten dort zwei Transparente und sorgten so für einen gelungenen Abschluss des Gedenktages.


Berlin, 30.3.2006

Erneuerbare Energien statt Kohle und Atom

Vier ROBIN WOOD-AktivistInnen kletterten Ende März 2006 auf das Brandenburger Tor in Berlin, um für eine konsequente Energiewende in Deutschland zu demonstrieren. Sie spannten unterhalb der Quadriga ein über 20 Meter langes Transparent auf mit dem Slogan „Kohle killt Klima. Die Zukunft ist erneuerbar“. ROBIN WOOD forderte von der Bundesregierung, sofort aus der Atomenergie auszusteigen, den Bau neuer Kohlekraftwerke nicht zu unterstützen und Erneuerbare Energien sowie eine effizientere Energienutzung stärker zu fördern. Dies ist nicht nur machbar und bezahlbar, sondern auch erforderlich, um Klima und Umwelt nicht noch stärker zu belasten.;

Die Zukunft gehört einer effizienten, dezentralen und flexiblen Energieversorgung in Deutschland - ohne neue Kohlekraftwerke und Atomstrom, dafür aber mit mehr Erneuerbaren Energien. Das Potenzial der Erneuerbaren Energien ist bei weitem nicht ausgeschöpft; das Bundesumweltministerium schätzt, dass 554 Terrawattstunden pro Jahr mit regenerativen Energien erzeugt werden könnten; das wäre etwa neunmal soviel wie heute. Durch Energiesparen könnte ein Viertel des gesamten gegenwärtigen Strombedarfs gespart werden. Allein durch das Abschalten der Stand-by-Geräte könnten zwei Atomkraftwerke vom Netz genommen werden. Durch den Bau dezentraler Blockheizkraftwerke sowie von Gas- und Dampf-Kraftwerken mit Kraft-Wärme-Kopplung lässt sich Strom wesentlich effizienter und somit klimafreundlicher produzieren. Die Energiewende ist machbar. Entscheidend ist der politische Wille.


Hamburg, 10.3.2006

Bei Wind und Wetter: Den europäischen Atomreaktor EPR stoppen

In einer gemeinsamen Aktion des französischen „Netzwerkes Atomausstieg“ („Réseau Sortir du Nucléaire“) und ROBIN WOOD kletterten AktivistInnen aufs Vordach der SIEMENS-Niederlassung in Hamburg. Die Wetterbedingungen übertrafen sogar das Schneetreiben der vorherigen Wochen: Der Morgen der Aktion überraschte mit schneesturmartigen Verhältnissen, ganz Hamburg versank in Weiß. Schnell waren „Atommüllfässer“ vor die Eingangstür gestapelt und ein Transparent mit der Forderung „Stop EPR – Siemens Boykott“ auf dem Vordach gespannt. Wegen starker Windböen wurde ein 9 x 4 Meter großes Transparent mit der Aufschrift „Für unser Recht auf Leben! Abschalten statt Atome spalten!“ lediglich auf dem Boden und nicht zwischen zwei nahegelegenen Laternen gespannt, die ebenfalls von zwei AktivistInnen erklettert worden waren..

Hintergrund der spontanen Aktion waren zuvor bekannt gewordene Schlampereien beim erstmaligen Bau eines EPR (European Pressurised Reactor) in Olkiluoto in Finnland. Dort zeigt sich, wie beim ersten Neubau eines Atomkraftwerks in der EU seit dem GAU von Tschernobyl vor 20 Jahren an der Sicherheit gespart wird, indem u.a. poröser Beton für das Fundament zum Einsatz kommt.

Die Firma Siemens ist zu 34 Prozent an der Nuklearsparte des Konsortiums Areva beteiligt, das für den Bau und die Entwicklung des EPR verantwortlich ist. Daher ist die Äußerung des Siemenssprechers Lars Kläschen mehr als unverständlich, eine direkte Beteiligung von Siemens am Atomgeschäft gäbe es nicht. In Frankreich wird zur Zeit der Bau des deutsch-französischen Reaktors in Flamanville (Normandie) vorangetrieben. ROBIN WOOD unterstützt den internationalen Aufruf gegen den EPR (www.stop-epr.org).


Berlin, 1.3.2006

Lautstarker Protest bei Vattenfall

Eine eher ungewöhnliche Begrüßung erlebten die TeilnehmerInnen der außerordentlichen Hauptversammlung, die der Energiekonzern Vattenfall Europe am 1. und 2. März in Berlin durchführte: Bereits an der S-Bahn-Station wurden sie von ROBIN WOOD-AktivistInnen und einer Sambagruppe empfangen. Lautstark und bunt protestierten diese gemeinsam mit den „Freunden von Lacoma“ gegen den Atom- und Kohlekonzern. Zwei ROBIN WOOD-Kletterer seilten sich mit einem Transparent von einer S-Bahn-Brücke ab und AktivistInnen in Strahlenschutzanzügen verteilten an PassantInnen Informationsmaterial.

Der schwedische Großkonzern Vattenfall setzt in Deutschland verstärkt auf Atomkraft und Braunkohle zur Stromerzeugung. Die Nutzung der Atomenergie verursacht einen ständig wachsenden Berg an strahlendem Abfall und beinhaltet außerdem stets das Risiko eines atomaren Unfalls. Kohleverstromung ist enorm CO2-intensiv und trägt so massiv zum Klimawandel bei.

Die Hauptversammlung war einberufen worden, um über die Übernahme des deutschen Vattenfall-Konzerns durch den schwedischen Mutterkonzern zu entscheiden. Neben Kleinaktionären, die ausgezahlt werden sollen, kamen auch einige kritische Aktionäre zu Wort. Sie betonten die Notwendigkeit einer Energiewende und eines sofortigen Atomausstiegs. Während sich an diesem Punkt die RednerInnen nicht auf eine gemeinsame Position einigen konnten, waren sie sich doch in einem einig: Das Herausdrängen der Kleinaktionäre aus dem Konzern bewirkt eine noch schlechter zu kontrollierende und intransparente Firmenpolitik. Zukünftig werden sämtliche Entscheidungen des Konzerns zentral in Stockholm getroffen, ohne Mitsprache- und Nachfragerecht einzelner Aktionäre.


Lüneburg, 28.2.2006

Protest gegen das Atomklo Schacht Konrad

Das unscheinbare Gebäude des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg kam bei der Klage gegen das erste genehmigte Endlager in den Genuss einer wohl einmaligen Medien- und Polizeipräsenz. Nachdem die Einsatzkräfte beruhigt worden waren, konnten auch die immer dicker werdenden Schneeflocken am ersten Verhandlungstag die ROBIN WOOD-AktivistInnen nicht vertreiben.

Mit einem Transparent, gelben Anti-Atom-Fässern, jonglierten Zitronen und einem Atomklo forderten die AktivistInnen den Verzicht auf das atomare Endlager und unterstützten kreativ den Protest. Obwohl es am vierten Verhandlungstag - dem Tag der Urteilsverkündung - nicht mehr schneite, gefroren hier einige Blicke. Die Klagen der Stadt Salzgitter, der Gemeinden Vechelde und Lengede sowie der Familie Traube gegen das Endlager wurden allesamt abgewiesen. Nach einer ohnehin dünnen Urteilsbegründung zeigte sich die beklagte niedersächsische Landesregierung sehr zufrieden, die Verantwortung für das erste „sichere“ Endlager übernehmen zu können. Eine derartige Überheblichkeit bestätigt unsere Bemühungen für den sofortigen Atomausstieg.


Berlin, 8.2.2006

Atomforum: Ausstieg aus dem Ausstieg

Anfang Februar trafen sich in Berlin Vertreter der Atomlobby, um offensiv für Atomkraft, Laufzeitverlängerungen und einen „Ausstieg aus dem Ausstieg“ zu werben. Bereits zu Beginn der Wintertagung gab es Proteste gegen diese Lobbypolitik der Atomkonzerne: Direkt vor dem Tagungshotel in Berlin stapelten ROBIN WOOD-AktivistInnen gelbe Fässer mit dem Warnhinweis „radioaktiv“, spannten ein Transparent mit einem atomaren Totenkopf und verteilten Info-Material an die sehr interessierten BerlinerInnen. Auch am zweiten Tag der Wintertagung gab es Gegenwind für die Lobbyisten: Trotz Schneeregen versammelten sich DemonstrantInnen und protestierten gegen den Ausbau der „Steinzeittechnologie“ Atomkraft.

Atomkraft könne, so die Behauptung der Befürworter der Atomenergie, das Klima schützen. Einen wirklichen Klimaschutz kann es aber nur durch eine Energiewende geben, die diesen Namen auch verdient. Regenerative Energien und dezentrale Energieversorgung sind elementare Bausteine einer nachhaltigen Entwicklung. Sie produzieren im Gegensatz zur Atomenergie keinen strahlenden Müll und bergen auch nicht das Risiko eines radioaktiven Unfalls mit unvorstellbaren Folgen.


Berlin, 25.1.2006

Aktionstag Papier

Am europäischen Aktionstag Papier führte auch ROBIN WOOD-Berlin eine Infoaktion durch. Der Aktionstag war Teil einer langfristig angelegten europaweiten Papierkampagne, die von 48 Umweltorganisationen getragen wird. In Deutschland sind neben ROBIN WOOD u.a. die Organisationen urgewald, Watch Indonesia!, Pro Regenwald, Greenpeace, ARA, bruno manser fonds, BOS Deutschland, Tropica Verde und die Initiative 2000plus in der Kampagne aktiv.

Adressaten waren die BesucherInnen der größten Fußgänger-Einkaufszone Berlins, der Wilmersdorfer Straße. Sie wurden von ROBIN WOOD , Watch Indonesia! der Borneo Orang-Utan Survival Foundation mit einem Transparent "Wälder raus aus dem Papier!“ begrüßt. Infozettel klärten darüber auf, was der deutsche Papierkonsum im Rest der Welt auslöst und was jeder Einzelne dagegen tun kann. Außerdem legten die AktivistInnen kleine Infoblätter zwischen Primärfaser-Papierprodukten in den Geschäften selbst aus, so dass die KäuferInnen direkt auf die Auswirkungen ihrer Kaufentscheidung hingewiesen wurden.


Berlin, 24.1.2006

Gülle killt Wald

Dem Wald in Deutschland geht es beunruhigend schlecht. 71 Prozent aller Waldflächen hierzulande sind erkennbar geschädigt. Dieser negative Spitzenwert steht im Waldschadensbericht 2005, den Bundesforstminister Seehofer im Januar 2006 vor der Bundespressekonferenz in Berlin vorstellt. Währenddessen demonstrieren ROBIN WOOD-AktivistInnen am gleichen Ort mit entnadelten Bäumen, Attrappen von Schweinsköpfen und gerupften Hühnern sowie einem Banner mit der Aufschrift „Gülle killt Wald“. Eine wesentliche Ursache für die Schäden sind die Ausdünstungen aus der Tierproduktion. ROBIN WOOD appellierte daher an Horst Seehofer, sich auch in seiner Funktion als Landwirtschafts- und Verbraucherminister für einen Stopp der Massentierhaltung einzusetzen und die ökologische Viehwirtschaft gezielt zu fördern.

Obwohl es 2005 keine extremen Wetterereignisse gab, sind die Schäden fast genauso groß wie in den beiden Vorjahren. Der Zustand der Eichen, der am stärksten geschädigten Baumart, hat sich sogar noch weiter verschlechtert. Nur noch 15 Prozent sehen äußerlich intakt aus. Dies liegt insbesondere an dem hohen Eintrag von Stickstoffverbindungen. Sie überdüngen den Waldboden und lassen ihn versauern. 26 Prozent der Stickstoffverbindungen kommen als Stickoxid-Abgase aus den Auspuffen von LKWs und Autos. Noch mehr, nämlich 53 Prozent, stammen aber mittlerweile aus der Landwirtschaft - vor allem aus der Intensiv-Tierhaltung mit ihren hohen Ammoniak-Emissionen.