hier fanden 2005 unsere Aktionen statt (Auswahl)

Berlin, 21.12.2005

Hin und Her mit indonesischem Papier

Gegen die schmutzigen Geschäfte mit dem weißen Papier in Indonesien, die von der Deutschen Bank koordiniert werden sollten, planten ROBIN WOOD, Watch Indonesia! und die Borneo Orang-Utan Survival Foundation (BOS) eine gemeinsame Protestaktion in Berlin. Vor der prunkvollen Deutschen Bank-Filiale Unter den Linden, gegenüber der Humboldt-Uni, sollte es um 11 Uhr vormittags losgehen, die Spannung stieg…

Aber eine lästige Eigenschaft der Hauptstadt machte den AktivistInnen einen Strich durch die Rechnung: Eine dicke Baustelle direkt vor dem Gebäude hätte PassantInnen und Presse die Sicht auf die Transparente versperrt. So mussten blitzschnell Polizei, Presse und DemonstrantInnen zur Deutschen-Bank am Alexanderplatz umgeleitet werden, was erstaunlich gut klappte.

Doch kaum waren die Transparente entrollt, klingelte das Aktions-Telefon plötzlich schrill. Peter Gerhard – Tropenwaldreferent von ROBIN WOOD war am anderen Ende, mit einer sensationellen Nachricht: Die Deutsche Bank habe laut fester mündlicher Zusage ihres Umweltbeauftragten jegliche Aktivitäten im Papiersektor in Indonesien eingestellt. Ein Riesenerfolg!


Szczecin, 19.12.2005

Ausstellung an der Universität

„Papier ein globales Produkt“, diese Wanderausstellung haben ROBIN WOOD und die polnische Partnerorganisation FZ GAJA g nun auch in polnischer Sprache gemeinsam erarbeitet und durch die Leiterin der Universitätsbibliothek in Szczecin eröffnet. Die sechs Ausstellungstafeln sind Bestandteil der deutsch/polnischen Papierkampagne „Postaw na makulature“. Sie informieren über die Waldzerstörung, den ungleichen Papierverbrauch weltweit, die Unterschiede bei der Herstellung von Papier, die Nutzung des Rohstoffs Altpapier und die Papierkampagne.

Die Schülerinnen und Schüler zweier Schulen informierten sich sehr aufmerksam bei der Ausstellungseröffnung. Aufgeschlossen hatten sie gleich einige Fragen zur Waldzerstörung und Recyclingpapier an Urszula Buryn und Angelika Krumm, die das deutsch-polnische Projekt koordinieren und leiten. Die Direktorin des Gymnasiums Nr. 6 in Szczecin meldete gleich an, dass sie die Ausstellung an ihrer Schule zeigen und mit den SchülerInnen weiter zum Thema Papier arbeiten möchte. Sehr beliebt waren auch hier wieder die ROBIN WOOD-Schulhefte aus Recyclingpapier. Ab Februar kann die Wanderausstellung polenweit ausgeliehen werden.


Potsdam, 6.12.2005

6321 Alleebäume verschwunden

Mit herbstlichen Ahornzweigen auf dem Kopf oder von Efeuranken umkränzt, so standen sie entlang der B 273 nordwestlich von Potsdam: die AlleenschützerInnen von ROBIN WOOD, BUND und NABU. Sie standen – gleichsam als Baumersatz – dort, wo eigentlich Bäume hätten stehen sollen. Die Landstraße von Potsdam nach Marquardt – ursprünglich eine Allee, ist längst zu einer Landstraße mit einseitiger Baumreihe verkommen. Und auch diese Baumreihe wird immer lückiger. Über 6.000 – exakt 6.231 - Alleebäume hat Brandenburg in den letzten Jahren verloren, weil Verkehrsminister Szymanski unter Verstoß gegen seinen eigenen Alleen-Erlass kein Geld zum Nachpflanzen gefällter Bäume bereit gestellt hat.

Noch im Frühjahr wollte der Minister der Öffentlichkeit weismachen, alles sei in Ordnung, spätestens im Herbst würden alle noch ausstehenden Nachpflanzungen ausgeführt sein. Doch im September dann kam sein Dementi: Nun sei das Geld alle, und es könne daher doch nicht nachgepflanzt werden - sorry.

Dass Alleenschutz auch in Zeiten knapper Kassen möglich ist, zeigt das Beispiel Mecklenburg-Vorpommern. Hier gibt es den sogenannten Alleenfonds, in den jeder die Kosten für Neupflanzungen einzahlen muss, der einen Baum fällen will und nicht für eine Ersatzpflanzung an Ort und Stelle sorgen kann oder will. Ohne Geld keine Fällgenehmigung!

Einen solchen Alleenfonds endlich auch für Brandenburg – das war daher die Hauptforderung an Minister Szymanski auf dieser Protestaktion der Schutzgemeinschaft Brandenburger Alleen, zu der neben ROBIN WOOD, dem BUND und dem NABU noch zahlreiche weitere Organisationen, Initiativen und Einzelpersonen gehören.


Wendland, 19. - 22.11.2005

Gorleben darf nicht zum Atomklo werden!

Der diesjährige CASTOR-Transport mit hochradioaktiven Abfällen aus der Plutoniumfabrik La Hague ins Zwischenlager Gorleben startete am späten Nachmittag des 19. November und erreichte sein vorläufiges Ziel in den Morgenstunden des 22. November. Unterwegs und im Vorfeld war es in Frankreich und Deutschland zu vielen Protest-Aktionen gekommen.

Zum Auftakt der Proteste im niedersächsischen Wendland demonstrierten am 19. November in Hitzacker 4.000 Menschen – eingerahmt von Treckern einheimischer Bauern. Auch ROBIN WOOD-AktivistInnen beteiligten sich kreativ an der Demo. Es war deutlich spürbar, dass das Thema Atomkraft nach wie vor viele, insbesondere junge Leute beschäftigt. Viele SchülerInnen aus der Region forderten den sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft und den endgültigen Erkundungsstopp für die Endlagerbaustelle in Gorleben.

Als Anlaufpunkt diente während des CASTOR-Transports wieder die „Essowiese“, ein zentraler Platz in Dannenberg, auf der auch ROBIN WOOD mit einem Info-Mobil vertreten war. Neben aktuellen Informationen zum Transport konnten sich auf der „Essowiese“ MedienvertreterInnen und ProtestlerInnen rund um die Uhr mit warmen Getränken und Essen durch die wendländische „Volxküche“ versorgen, um dann gestärkt wieder in die Herbstkälte aufzubrechen.

Wie bereits in den beiden Jahren zuvor, hatte ROBIN WOOD auch im November 2005 ein Baumhaus an der Straßentransportstrecke aufgebaut. Dieses Jahr hing es direkt an der nördlichen der beiden möglichen Transportrouten im Örtchen Quickborn in einer alten Eiche.

Als Basis für attraktive Schnupperkletterkurse und als Info-Punkt wurde es schon Tage vor dem eigentlichen Transport von vielen Menschen genutzt. Als der CASTOR-Konvoi in den frühen Morgenstunden des 22. November von der Verladestation Dannenberg auf der Straße ins Zwischenlager Gorleben rollte, befanden sich sieben Kletterer von ROBIN WOOD im Baum, einer von ihnen direkt über der Straße.

In einer gemeinschaftlichen Aktion von ROBIN WOOD und der bäuerlichen Notgemeinschaft ketteten sich in Quickborn drei AktivistInnen an einen auf der Straße stehenden Betonblock, der für einige Zeit die Nordstrecke blockierte.

ROBIN WOOD-AktivistInnen beteiligten sich noch an diversen weiteren Aktionen im Wendland. Sie setzten damit Zeichen gegen den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke und gegen die Erkundung des Salzstocks in Gorleben als atomarem Endlagerstandort.

Die Proteste gegen den CASTOR-Transport waren auch in diesem Jahr gewaltfrei, bunt und einfallsreich. Der Kraftakt von Tausenden, jedes Jahr im eisigen November wieder mit Mut und Fantasie tagelang gegen den Atommüll zu protestieren, spricht für die Stärke der sozialen Bewegung, die seit über 25 Jahren Jahr für Jahr so viele Menschen mobilisiert. In diesem Jahr verdiente eine zirka 10-stündige Blockade-Aktion der wendländischen Bauern besonderen Respekt. Insgesamt 17 Personen hatten sich an Betonblöcke gekettet, die fest mit Traktoren verbunden waren. Noch deutlicher kann die wendländische Bevölkerung wohl kaum zeigen, dass sie den „Schiet“ nicht haben will.


Lüneburg, 5. 11. 2005

Atomanlagen stilllegen - jeder Tag ist einer zu viel!

Unter dem Motto „Atomkraft - Nein Danke! Erneuerbare Energien jetzt!“ demonstrierten Anfang November 7.000 Menschen im idyllischen niedersächsischen Städtchen Lüneburg für eine Wende in der Energiepolitik. Der bunte Protest von Menschen aller Altersgruppen aus den unterschiedlichsten Initiativen der Anti-AKW-Bewegung zeigte beeindruckend die Vielfalt der Bewegung, die sich gegen Atomkraftwerke und für den Ausbau der erneuerbaren Energien einsetzt. Aufgerufen zum Protest hatte ein breites Bündnis, an dem sich u.a. ROBIN WOOD, der BUND, die Lüneburger Initiative gegen Atomanlagen, X1000-quer, das Netzwerk Friedenskooperative und zahlreiche Anti-Atom-Gruppen beteiligten.

ROBIN WOOD-AktivistInnen zeigten ihren Prostest auf vielfältige Weise: als StelzenläuferInnen, die Stromwechsel-Postkarten verteilten, am Infostand, oder mit originellen Transparenten, auf denen der sofortige Atomausstieg gefordert wurde.

Weitere Infos, Reden und Bilder über die Demo finden Sie unter: www.erneuerbare-statt-atom.de


Wroclaw, 4.11.2005

1. Runder Tisch in Wroclaw

Eko Unia, die Partnerorganisation von ROBIN WOOD in der polnischen Kampagne „Postaw na makulature“ (Setz auf Altpapier) hatte zur Konferenz „Papier aus Altpapier – Freund der Umwelt“ in Wroclaw eingeladen und 20 Schulen, der Direktor der Abfallwirtschaft der Stadt Wroclaw und interessierte Organisationen waren gekommen. Angelika Krumm stellte das Netzwerk der Initiative 2000 plus in Deutschland und Urszula Buryn die gemeinsame Papierkampagne „Postaw na makulature“ vor. Sehr beeindruckt waren die TeilnehmerInnen von den Informationen und Bildern der Urwaldzerstörung für Papier in Indonesien. Nach den Referaten zur Nutzung des Rohstoffes Altpapier in Polen und der Entwicklung der Erfassung von Altpapier in der Stadt folgte eine lebhaft Diskussion.

Besonders die LehrerInnen sagten ihre Unterstützung der Kampagne „Postaw na makulature“ zu. Gerne wollen sie aktiv werden und die Materialien zum Thema Wald und Papier für den Unterricht nutzen. Altpapier sammeln und Recyclingpapier seien ein Beispiel für Umwelt- und Ressourcenschutz, bei dem jedeR SchülerIn aktiv werden könne. Daraus leitete sich eine Forderung an den Vertreter der Stadt ab, die Altpapiererfassung in Wroclaw wieder besser zu organisieren. Von den Umweltorganisationen wünschten sich die TeilnehmerInnen, dass sie sich dafür einsetzen, dass es bald auch in Polen Schulmaterialien aus Recyclingpapier, wie die ROBIN WOOD-Hefte, zu kaufen gibt.


Hannover, Essen, Berlin, Karlsruhe, 2.11.2005

Sicher ist nur das Risiko – AKWs abschalten sofort!

Vor der Zentrale des Energiekonzerns Vattenfall in Berlin hing Anfang November der Werbeslogan des Konzerns leicht abgewandelt, aber umso ehrlicherer: „Aus Bewag wird Vattenfall – und Umweltschutz bleibt Lüge“. Zwei ROBIN WOOD-Kletterer hatten ihn über dem Haupteingang befestigt. Einige weitere AktivistInnen am Boden, sicherheitshalber mit Gasmasken und Schutzanzügen bekleidet, lieferten - so schien es - Atommüll-Fässer direkt an den Erzeuger Vattenfall Europe zurück. Die früheren Berliner Bewag- und kommenden Vattenfall-KundInnen konnten klar erkennen, was sie mit ihrer Stromrechnung Monat für Monat finanzieren: Jeden Tag mehr und mehr für Millionen Jahre strahlenden Atommüll, für den es keine sichere Lagerung gibt.

Ähnliche Szenarien spielten sich vor den Firmenzentralen der Energiekonzerne in Karlruhe, Hannover und Essen ab. Die vier Energie-Riesen Vattenfall, RWE, E.ON und EnBW hatten gleichzeitig überraschend Besuch bekommen. Mit ihrer Protestaktion wollten die AktivistInnen Druck auf die Stromkonzerne und die Koalitionsparteien von SPD und Union machen, den Atomausstieg voranzutreiben und auf erneuerbare Energien und mehr Energieeffizienz zu setzen.

Der Termin für diese Aktionen war mit Bedacht gewählt: In Berlin verhandelten die Parteien zeitgleich über den Koalitionsvertrag und die Forderung der Unionsparteien, den Betrieb der Atomkraftwerke über die bisher erlaubte Zeit zu verlängern. Die Atomlobby hatte sich in einer bizarren Allianz mit den Gewerkschaften Verdi und IG Bau Chemie Energie ein Positionspapier „Pro-Atom“ veröffentlicht und eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten gefordert.

Der politische Irrweg einer Laufzeitverlängerung für Atommeiler konnte – auch aufgrund der massiven Proteste aus der Umwelt- und Anti-Atom-Bewegung - vorerst verhindert werden. Doch einige Unionspolitiker drängeln weiter und werden die Forderungen der Atomlobby immer wieder auf die Tagesordnung setzen. Für ROBIN WOOD gilt: Jedes Atomkraftwerk stellt ein enormes Sicherheitsrisiko für die Bevölkerung dar und dieses Risiko steigt mit dem Alter der Anlagen.

Deshalb werden sich ROBIN WOOD-AktivistInnen auch weiterhin für den sofortigen Atomausstieg einsetzen und - wie im November in Hannover, Essen, Karlsruhe und Berlin - gegen die gefährlichste Art Strom zu erzeugen, protestieren.


Berlin, 2.11.2005

Bagger in Horno

Der Verhandlungssaal im Oberverwaltungsgericht in Berlin war voll. Es war der letzte Prozesstag in dem Verfahren um Horno. Das Ehepaar Domain kämpfte gegen die Enteignung durch Vattenfall. Der Energieriese hatte bereits das gesamte Dorf bis auf das Haus der Domains abgerissen, um die darunter liegende Braunkohle abzubaggern. Seit 12 Tagen stand der Braunkohlebagger still, da er sich dem Haus bis auf 50 Meter genähert hatte. Das ist der gesetzliche Mindestabstand.

Gegenüber dem Gerichtsgebäude erklommen zwei Aktivisten von ROBIN WOOD einen Baum und eine Straßenlaterne und entrollten ein Transparent. In Anspielung auf einen Werbespruch von Vattenfall für die Umbenennung der Bewag war zu lesen: „Aus Bewag wird Vattenfall und Umweltschutz bleibt Lüge! Braunkohlebagger STOP“.

Leider erwischte die Polizei eine Ecke des Transparentes und beendete die Aktion bereits nach wenigen Minuten. Auch für die Domains endete der Tag mit einer Niederlage. Nach jahrelangem erbittertem Kampf gegen die Abbaggerung Hornos erklärte sich das Ehepaar bereit, gegen die Zahlung einer Entschädigung ihr Haus zu räumen. Ende November 2005 wurde das letzte Hornoer Haus für den Braunkohletagebau abgerissen. Aufgeben wollen die beiden Domains allerdings nicht. Sie stellen einen Teil des Geldes verschiedenen Initiativen für den Kampf gegen die Braunkohle zur Verfügung.


Frankfurt, 29.10.2005

Saurier der Lüfte

Während der Betreiber des Frankfurter Flughafens, Fraport, die erste Landung des Großraumflugzeugs A380 in der Main-Metropole als Jubelfeier inszenierte, kletterten drei ROBIN WOOD-Aktivisten in die Dachkonstruktion des Terminals 2 am Flughafen. Dort zeigten sie, dass sie ganz andere Themen wichtig finden als Fraport: „Fliegen killt Klima. Stoppt Ausbau“, stand auf dem Transparent, das sie etwa 20 Meter über dem Boden gut sichtbar für die Flughafengäste entrollten. Einen Tag lang wollte Fraport die Abfertigung des Riesenfliegers proben.

Für ROBIN WOOD ist klar, dass Airbus mit dem A380 eine Sauriertechnik präsentiert, die Umwelt und Klima massiv schadet und ökonomisch keine Zukunft hat. Der Bau von Großflugzeugen wird sich nur rentieren, wenn immer mehr Menschen zu Langstreckenflügen verleitet werden. Airbus setzt auf eine Verdopplung des Flugverkehrs in den nächsten 20 Jahren – ein Horrorszenario aus Sicht des Klimaschutzes. Schon jetzt trägt der Flugverkehr bis zu 12 Prozent zur globalen Erwärmung bei.


Lacoma, 06. bis 18.10.2005

Bäume besetzt für Energiewende

Am 18. 10. beendete der Energieriese Vattenfall - mit freundlicher Unterstützung der Polizei - die 12-tägigen Baumbesetzungen zur Rettung der Lacomaer Teichlandschaft. Die BesetzerInnen wollten den Bau einer Entwässerungsanlage in dem europäischen Naturschutzgebiet (FFH) verhindern, mit der Vattenfall den Grundwasserspiegel auf 60m Tiefe absenken will.

Grund für die Verwüstung, die Vattenfall anrichten will, ist der nachrückende Braunkohlebagger des Tagebaus Cottbus Nord. Schon seit Jahrzehnten wehrt sich das kleine Dorf Lacoma, nördlich von Cottbus gelegen, gegen den näher kommenden Bagger und die Zerstörung ihres Dorfes sowie der angrenzenden Teichlandschaft. Bis vor drei Jahren erfolgreich - seitdem wurden alle Häuser in Lacoma abgerissen. Dies geschieht, obwohl der Bagger noch mehrere Kilometer entfernt vor sich hin schaufelt. Der Stromgigant Vattenfall Europe (Eignerin aller Lausitzer Braunkohletagebaue; der BEWAG, Berlin; der HEW, Hamburg; auch AKW-Betreiberin) schaffte Tatsachen. Das gleiche Schicksal droht nun auch der „ Lacomaer Teichlandschaft mit Hammergraben“, einem europäischen Naturschutzgebiet, das neben dem vom Aussterben bedrohten „Baum des Jahres 2006“, der Schwarzpappel, noch weiteren ca. 170 bedrohten Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum bietet.

Auf einer Eiche und vier Schwarzpappeln saßen dann am Tag der Räumung auch die acht AktivistInnen. Tags zuvor waren die Vattenfäller bereits im Einsatz. Sie sägten sich den Weg zu den besetzten Bäumen frei und gingen dabei nicht zimperlich vor. In Begleitung des Vattenfall-Umsiedlungsbeauftragten Kretschmar, eines privaten Sicherheitsdienstes, sowie etwa 25 Bereitschaftspolizisten aus Potsdam, sägten sie teilweise in unmittelbarer Nähe der besetzten Bäume und gefährdeten somit die AktivistInnen, die in 15 bis 20 Metern Höhe an ihren Bäumen hingen.

Auch am Dienstag gingen die Vattenfäller skrupellos vor. Mehrere Male wurde das Leben der AktivistInnen gefährdet. So setzten Einsatzkräfte der werkseigenen Feuerwehr nur wenige Zentimeter von einem Sicherungseil die Kettensäge an, um sich den Weg für ihre Hubleiter frei zu sägen. Weitere Seile wurden gekappt, ohne eine Gefährdung für die KletterInnen auszuschließen.

Ob das von der brandenburgischen Polizei gedeckte Vorgehen auf reinen Dilettantismus seitens der Vattenfäller zurück zu führen ist (Vattenfall-Pressesprecher Fromm im RBB-Interview: „Es handelt sich um die erste Baumbesetzung im Unternehmen.“) oder ob der Konzern zeigen wollte, wie weit er für seine Interessen bereit ist zu gehen, bleibt fraglich. Klar ist jedoch, dass der Energieriese an einem empfindlichen Punkt getroffen wurde; schließlich will sich der Konzern in Berlin und Hamburg ab Anfang nächsten Jahres mit seinem „richtigen“ Namen nennen lassen. Aus BEWAG/HEW wird Vattenfall und Umweltschutz bleibt Lüge!

Am 13. 10. 2005 fand in Stockholm vor der Vattenfall-Zentrale eine Solidaritätsaktion von fünf UnterstützerInnen aus Deutschland, Norwegen und Schweden statt. Um 12 Uhr platzierten sie sich mit einem mehrsprachigen Transparent vor der Zentrale und verteilten bei großem Medieninteresse Flugblätter an Passanten.


Frankfurt, 11. bis 20.09.2005

Baumbesetzungen gegen Flughafenausbau

Am 20. September seilten sich drei ROBIN WOOD-Aktivisten nach über 200 Stunden aus den Baumwipfeln im Wald südlich des Frankfurter Flughafens ab. Sie hatten die Bäume aus Protest gegen den Flughafenausbau neun Tage und Nächte ununterbrochen besetzt gehalten. Trotz massiver Bewachung durch Polizei und private Sicherheitskräfte war es ihnen gelungen, auf das umzäunte Waldstück zu gelangen. Der Flughafenbetreiber Fraport rodet hier 21 Hektar Wald, zu zwei Dritteln besonders geschützter Bannwald. Bis 2007 soll im Auftrag der Lufthansa eine Wartungshalle für den Großraumjet A 380 entstehen, obwohl es auf dem bestehenden Flughafen-Gelände mehrere Alternativstandorte gibt. Zeitgleich begann das Erörterungsverfahren für den Bau einer vierten Landebahn. ROBIN WOOD rief gemeinsam mit dem Bündnis der Bürgerinitiativen, dem BUND und anderen zum Protest auf.


Hannover, 10.09.2005

Strahlender Müll

An einem sonnigen Samstagvormittag Anfang September blockierten zirka 150 Menschen von „X1000-quer“ und „Widersetzen“ das Tor des Zwischenlagers Gorleben. Kletterer spannten zwischen zwei Laternenmasten ein Transparent, Atommüllfässer wurden aufgestapelt, Trecker blockierten die Zufahrtswege. Auch ROBIN WOOD-AktivistInnen beteiligten sich an der Blockade, vieren gelang es auf das Gelände des Zwischenlagers zu kommen. Die AktivistInnen fordern den Stopp der Atommüllproduktion und das endgültige Aus für ein atomares Endlager im niedersächsischen Gorleben.

Im Laufe des Tages versammelten sich mehr und mehr Menschen vor dem Tor des Zwischenlagers und auf die weiterhin ungelösten Probleme der Atommülllagerung aufmerksam. Denn noch immer produzieren 17 Atomkraftwerke in Deutschland tagtäglich Atommüll, der für Millionen Jahre tödlich strahlt. Ein sicheres Endlager dafür gibt es nicht - und kann es in Gorleben auch nie geben. Der dortige Salzstock ist wegen mangelnder Dichtigkeit dafür nicht geeignet. Trotzdem beharren die Atomkonzerne darauf, den Müll für immer dort zu versenken.

Mit der Aktion wollen die Beteiligten auch deutlich machen, dass der strahlende Abfall nicht nur im November in Form von CASTOR-Behältern durch das Wendland rollt, sondern Tag für Tag dort lagert und eine Belastung für die Menschen vor Ort bedeutet. Und bereits Anfang November sollen die nächsten zwölf Behälter aus der französischen Plutoniumfabrik La Hague in der Leichtbauhalle des Zwischenlagers Gorleben eingelagert werden. Etwa 100 weitere Behälter mit Glaskokillen sollen in den nächsten Jahren folgen.


Bremen, 24.08.2005

Eine Schultüte für Willi Lemke

Bonbons steckten nicht darin. Die große Schultüte, die ROBIN WOOD-AktivistInnen zum Schulanfang Bremens Bildungssenator Willi Lemke überreichten, war mit Heften aus Recyclingpapier gefüllt. Lemke soll nämlich dafür sorgen, dass an Bremer Schulen grundsätzlich nur noch Schulmaterialien aus Recyclingpapier verwendet werden. Das schont die Wälder, spart Wasser und Energie. Außerdem lässt sich auf diese Weise sicher ausschließen, dass keine Hefte genutzt werden, für die Urwälder kahl geschlagen werden.

In Bremen hat die Behörde direkten Einfluss darauf, welches Papier die SchülerInnen verwenden. Denn aufgrund der - in der Landesverfassung verankerten - Lernmittelfreiheit bekommen SchülerInnen einen Teil der Hefte von der Schule gestellt. Leider sind dies keine Hefte aus Recyclingpapier. Dabei ist durch das Bremer Abfallgesetz geregelt, dass im behördlichen Beschaffungswesen möglichst Produkte Verwendung finden sollen, die aus „Abfällen“ hergestellt wurden.

Der Senator – auf diesen Regelverstoß im eigenen Haus hingewiesen – war einsichtig und will nun dafür sorgen, dass sich vor dem nächsten behördlichen Ausschreibungstermin die Verantwortlichen für die Papierbeschaffung mit ROBIN WOOD an einen Tisch setzen werden, um über die Nutzung von Recyclingpapieren an Bremer Schulen zu verhandeln.


Hamburg, Fischmarkt, 10.06.2005

Für Menschenrechte und Urwälder – Kein Papier aus Raubbau

Am 10. Juni veröffentlichte ein Bündnis von Umwelt- und Verbraucherorganisationen auf Initiative von ROBIN WOOD einen gemeinsamen „Aufruf an Papierhandel und –industrie für die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards für Papier“. Die Präsentation des Aufrufs wurde von ROBIN WOOD-AktivistInnen mit einer Aktion gegen Papierverschwendung und Papier aus Raubbau am Hamburger Fischmarkt begleitet.

Um die Papierverschwendung hierzulande erfahrbar zu machen, fuhr ein mit Altpapier beladener Sattelschlepper mit rund 35 Tonnen Gesamtgewicht vor. Das entspricht dem Gewicht der Papiermenge, die in Deutschland in einer Minute verbraucht wird. Der Holzbedarf für den deutschen Papierverbrauch beträgt knapp 30 Tonnen pro Minute, symbolisiert durch die drei Urwaldriesen, die von den AktivistInnen symbolisch abgesägt wurden.


Ahaus und Rossendorf, Mai/Juni 2005

Unsinnige und gefährliche CASTOR-Transporte

Der Streit um die CASTOR-Transporte aus dem Forschungszentrum Rossendorf bei Dresden ins zentrale Zwischenlager Ahaus hat jahrelang Proteste ausgelöst. Zuletzt führte ein monatelanger Streit zwischen den Ländern Sachsen und Nordrhein-Westfalen immer wieder zu Termin-Verschiebungen. Der Grund: Die Lagerhalle in Rossendorf hat keine Genehmigung zur dauerhaften Aufbewahrung von Atommüll, deshalb sollte der Müll nach Auffassung der sächsischen Landesregierung auch weg, nämlich nach Ahaus. Doch eine Genehmigung zu bekommen, wäre u.U. ein Leichtes gewesen, denn die Halle in Ahaus ist quasi baugleich mit der von Rossendorf, so die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen. Die sächsische Regierung dachte jedoch gar nicht daran, eine Genehmigung zur dauerhaften Aufbewahrung von Atommüll zu beantragen.

Denn dass der Transport so lange aufgeschoben worden musste hat einen sicherheitstechnischen Hintergrund: Bereits im Jahr 2000 sollten die Behälter aus Rossendorf im Zwischenlager Ahaus eingelagert werden. Doch damals verweigerte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) die Genehmigung. Es fehlte der Sicherheitsnachweis, dass die Behälter vom Typ MTR-2 für 40 Jahre dicht halten. Vielmehr nahm man an, dass nach 15 Jahren Rostschäden auftreten könnten. Jetzt wurden die Behälter transportiert, obwohl sie die gleichen geblieben sind. Künftig soll etwas genauer darauf geachtet werden, ob sie anfangen zu rosten. Und wenn sie schon rosten dann – findet die sächsische Landesregierung wohl - dann doch besser in Ahaus, als in Rossendorf.

Am 30. Mai startete der erste Konvoi aus Tiefladern mit sechs CASTOR-Behältern: ein Atommüll-Transport über 600 Kilometer Autobahn, verbunden mit Staus und Behinderungen und einem massiven Polizeieinsatz. Alle Nebenstraßen, alle Autobahnauffahrten und Raststätten entlang der Transportstrecke wurden gesperrt, die Polizei suchte sich - zum Teil mit waghalsigen Manövern - den Weg ins Zwischenlager Ahaus. Um Blockaden von Transport-GegnerInnen zu umfahren, wurde kurz vor dem Ziel schon mal im Dunkeln ohne Licht über einen schmalen Feldweg gefahren. Der letzte der drei Transporte erreichte am 14. Juni das Zwischenlager. Von Woche zu Woche hatten die Proteste zugenommen. Am letzten Transport-Tag demonstrierten allein in Ahaus mehr als 3.000 Menschen.

ROBIN WOOD-AktivistInnen beteiligten sich an den Protesten in Rossendorf und Ahaus, zu denen die Anti-AKW-Bewegung mobilisiert hatte. Dabei richtete sich der Widerstand nicht allein gegen die sinnlosen und gefährlichen Transporte, sondern grundsätzlich gegen die Nutzung der Atom­kraft und die Verharmlosung der Risiken, die diese Technologie mit sich bringt.

Besonders skandalös hat sich dabei das sächsischen Umweltministeriums als zuständige atomrechtliche Aufsichtsbehörde hervorgetan. Trotz wiederholter Nachfragen von ROBIN WOOD verweigerte die Behörde Informationen über die Strahlenschutzvorkehrungen bei der Abwicklung. Die Sprecherin des Umweltministeriums wusste nicht, wer bei den Transporten Strahlenschutzmessungen vorgenommen hat und der Verein für Kernverfahrenstechnik und Analytik Rossendorf (VKTA), der für die Abwicklung vor Ort zuständig war, mauerte ebenfalls und machte keine Angaben darüber, was die Messungen ergeben hätten. Die zuständige Sprecherin vertröstete mit den Worten: „Wir melden uns bei Ihnen, wenn wir wieder etwas mehr Zeit haben, aber sie können sicher sein, es ist alles in Ordnung. Sonst wäre ja nicht transportiert worden.“ Bis heute, sind keine Angaben über die Messungen bei ROBIN WOOD eingegangen.


Hannover, 20.05.2005

Umwelt auf dem Kirchentag

Unter dem Motto „Wenn dein Kind dich morgen fragt...“ besuchten mehr als 100.000 Menschen den 30. Evangelischen Kirchentag in Hannover. Eine Frage könnte sein: „Warum habt ihr zugelassen, dass so viel Wald abgeholzt wurde und die dort lebenden Tier- und Pflanzenarten ausgestorben sind?“ ROBIN WOOD hat diese Frage auf dem „Markt der Möglichkeiten“ zum Thema des Infostands „Wald – Zerstörung für Papier – Was jedeR tun kann“ gemacht und darauf Antworten gegeben. Die interessierten BesucherInnen des Kirchentages konnten sich an Hand unserer Ausstellung „Papier aus Sumatra – Totalschaden für den Regenwald“ und „Papier ein globales Produkt“ über das ganze Ausmaß der Waldzerstörung ein umfassendes Bild machen.

Ein Magnet des ROBIN WOOD-Stands war der Hauptpreis des Quiz „Papier – Wer weiß Bescheid?“: ein Faltrad im Wert von 700 Euro. Gerne studierten die über 400 TeilnehmerInnen am Quiz unsere Ausstellungen, um die Fragen richtig beantworten zu können. Sehr positiv wurde aufgenommen, dass jede Person etwas für den Erhalt der Wälder tun kann: Selbst mit Papier sorgfältig umgehen, Recyclingpapier benutzen und andere Menschen über die Initiative 2000 plus informieren und unterstützen. Oder sich an der Unterschriften-Aktion von ROBIN WOOOD beteiligen, damit der Konzernriese Procter&Gamble für seine Hygieneprodukte kein Papier aus Plantagen mehr einsetzt, für das die Umwelt zerstört und die Menschen von ihrem Land vertrieben werden.


Berlin, Aktionstag, 20.05.2005

Mit „Tempo“ in die Armut

Die Produkte des US-amerikanischen Konsumgüterriesen Procter&Gamble (P&G) sind in fast jedem Haushalt zu finden. Der Konzern stellt Waschmittel wie Ariel, Dash und Mr. Proper her und ist mit so bekannten Marken wie blend-a-med, Oil of Olaz oder Wick am Markt vertreten.

Die Kritik von ROBIN WOOD richtet sich vor allem gegen die Hygienepapiere des US-Multis, der unter anderem Charmin-Klopapier und Tempo-Papiertaschentücher herstellt. Große Mengen Zellstoff für seine Papierprodukte kauft P&G bei dem brasilianischen Skandalunternehmen Aracruz-Celulose, das die Landrechte der Tupinikim- und Guarani-Indianer missachtet und den Atlantischen Küstenregenwald zerstört hat (mehr dazu lesen Sie im Mittelteil dieser Ausgabe). ROBIN WOOD ist es außerdem gelungen, den Weg des Zellstoffes von Aracruz in Brasilien über den holländischen Hafen in Vlissingen bis ins Tempo-Werk nach Neuss zu verfolgen und mit Fotos zu dokumentieren.

ROBIN WOOD hatte demzufolge gute Argumente auf seiner Seite, als am 20. Mai 2005 der große P&G-Aktionstag in acht Städten gestartet wurde, damit die Käufer von P&G-Produkten nicht zu ungewollten Komplizen der skandalösen Zustände in Brasilien gemacht werden.

Proteste in Bremen: Im Rahmen des bundesweiten ROBIN WOOD-Aktionstages für eine bessere Einkaufspraxis bei Procter&Gamble trafen sich zehn ROBIN WOOD AktivistInnen in der Bremer Innenstadt, um die Bremer VerbaucherInnen über die Machenschaften des multinationalen Konzerns aufzuklären. Verteilt wurden wie in sieben weiteren Städten Recycling-Taschentücher mit der Aufschrift „ARMUT“, sowie ein Handzettel, der über die Hintergründe der Problematik informierte. Ein Großteil der Bremer PassantInnen war sehr interessiert, viele VerbraucherInnen wollten ausführlichere Informationen, bedienten sich am Infotisch.

Aus Berlin: Auch in der Hauptstadt war am „Tempo-Protesttag“ einiges los. Die Berliner ROBIN WOOD-AktivistInnen trafen sich auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor. Unterstützung bekamen sie von einer Samba-Trommelband, deren Rhythmen wie ein Magnet auf die PassantInnen wirkten! Ein riesiges Transparent gab den gebührenden Rahmen ab - in Verbindung mit der tropischen Musik brachte es die Vorbeischlendernden schnell zum Nachdenken.

Das rege Interesse machte es leicht, mit Berlin-BesucherInnen aus aller Welt über die sozial verwerfliche und naturzerstörerische Praxis von Aracruz in Brasilien und die Verquickung von Procter&Gamble ins Gespräch zu kommen und ihnen Infomaterial und Recyclingpapier-Taschentücher zu überreichen.

Am Tempo-Werk in Neuss: Die Tempo-Fabrik befindet sich in einem gesichtslosen Industriegebiet am Rhein. Als die Aktivistinnen das Werk erreichten, wurden sie bereits von zahlreichen Polizeikräften begrüßt. Über Nacht war durchgesickert, dass ROBIN WOOD in Neuss protestieren würde. Dennoch flatterte das große Transparent nach kurzer Zeit vor dem Werkseingang, woraufhin die Fabrikleitung die AktivistInnen zu einem Gespräch ins Foyer einlud. Die Herren von P&G betonten dabei, sie könnten sich zu den konkreten Vorwürfen nicht äußern und die für den Rohstoffeinkauf zuständige P&G-Europazentrale in Genf könne sicher Rede und Antwort stehen. Darauf wartet die Öffentlichkeit bislang vergeblich.

In einem Schreiben reagiert Procter&Gamble auf die schweren Vorwürfe mit einer Mischung aus Eigenlob: „... Dabei legen wir seit langem hohen Wert darauf, Zellstoff aus legaler, sozialer und ökologischer verantwortbarer Waldnutzung zu beziehen...“ und Informationsverweigerung, „... Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus betriebsinternen Gründen keine Informationen zu Herkunftsländern, Lieferanten und Baumarten weitergeben...“. Eine solche Haltung ist aus Sicht von ROBIN WOOD vollkommen inakzeptabel, denn P&G geht mit keiner Silbe auf die schlimmen Zustände bei seinem Zellstofflieferanten Aracruz ein und weigert sich zu handeln. Darüber hinaus wirft eine solche Informationspolitik kein gutes Licht auf P&G, denn so ist es für die Öffentlichkeit unmöglich, die Herkunft seiner Papierprodukte nachzuvollziehen.


Berlin, 15.04.2005

Zeichen setzen in Sachen Urwald-Schutz

Zwölf ROBIN WOOD-AktivistInnen versammelten sich zur Lagebesprechung in einem Café am Hackeschen Markt in Berlin – dem Eingangstor zum historischen Scheunenviertel. Der Anlass: Jürgen Trittins Umweltministerium hatte kurz zuvor den ersten Entwurf eines auf Initiative von Umweltorganisationen entstandenen Urwaldschutz-Gesetzes veröffentlicht, das den Handel mit illegal eingeschlagenem Holz unter Strafe stellen soll.

Das Problem: Immer noch finden sich im deutschen Handel weit verbreitet Tropenholz-Möbel ohne FSC-Nachhaltigkeitssiegel, vielfach sogar ohne jeglichen Hinweis auf die Herkunft. Die Berliner AktivistInnen hatten an diesem Tag die Lifestyle-Kette Butlers ins Visier genommen. Auf mehrfache Anfrage von ROBIN WOOD nach Zertifikaten für seine Gartenmöbel-Kollektion aus dem tropischen (indonesischen) Hartholz Nyatoh faxte der boomende Konzern lediglich einen drei Jahre alten Herkunftsnachweis der Holzart Bangkirai aus Sarawak/Borneo – ohne jegliches Nachhaltigkeits-Siegel!

Mit einem Baumstumpf, Sägespänen, lautem Motorsägengeheul, zwei Liegestühlen aus Raubbauholz und einem Transparent mit der Aufschrift „Relaxen auf Kosten des Tropenwaldes!“ breiteten sich die ROWOs vor der großen Filiale mitten auf dem Hauptplatz aus. Die Aktion war ein voller Erfolg, weil der für Berlin zuständige Bezirksleiter von Butlers auf telefonische Anfrage versicherte, er wolle kein Holz aus Raubbau in seinen Filialen dulden. Nehmen wir ihn beim Wort!


Sczcecin, 15.04.2005

„Postaw na maculature! – Setz auf Altpapier!”

Rund 50 Personen nahmen an der gelungenen Auftaktveranstaltung der deutsch-polnischen Kampagne für mehr Schulmaterialien aus Recyclingpapier in Szczecin teil, die von ROBIN WOOD ins Leben gerufen wurde. Die ROBIN WOOD-Partnerorganisation GAJA aus Szczecin hatte das Treffen ausgezeichnet vorbereitet und führte gemeinsam mit Urszula Buryn, ROBIN WOOD, professionell durchs Programm. In der Mehrzahl LehrerInnen aber auch VertreterInnen von Umweltorganisationen und Behörden erfuhren im Vortrag von Radislaw Gawlik, Eco Unia, Wroclaw, viele interessante Fakten zum Thema Papier in Polen: Wie die Ressource Papier bisher in Polen genutzt wird und dass über 80 Prozent der Rohstoffe für die polnische Papierherstellung importiert werden. Er musste leider feststellen, dass in Polen keine Schulhefte mehr aus Recyclingpapier hergestellt werden.

Umso größer war das Interesse an den ROBIN WOOD-Schulheften und an der bundesweiten „Initiative 2000 plus – Schulmaterialien aus Recyclingpapier“, die von Angelika Krumm, ROBIN WOOD, vorgestellt wurde. Ein Dia-Vortrag über die Zerstörung der kanadischen Urwälder für Papier rundete das Programm ab und machte den Anwesenden sehr eindrucksvoll klar, wie wichtig das Engagement für einen sorgsamen Umgang mit der Ressource Papier ist. 25 der anwesenden Organisationen und Schulen wollten gleich aktiv werden und unterschrieben zum Abschluss der Veranstaltung eine gemeinsame Deklaration mit dem Ziel, sich im Rahmen der polnischen Papierkampagne „Postaw na makulature – zesyty szkolne moga ratowác lasy“ für Schul- und Büromaterial aus Recyclingpapier einzusetzen.


Stuttgart, 13.04.2005

Ausstieg in Trippelschritten

Die baden-württembergische Landtagsfraktion der Grünen hatte zu einer Diskussion über die Rolle der Atomenergie im künftigen Energiemix in den Stuttgarter Landtag geladen. Prominente Gäste waren neben dem grünen Umweltminister Trittin auch der designierte Ministerpräsident Günther Oettinger und der Chef des Energiekonzerns EnBW. Nicht eingeladen, aber trotzdem vor Ort waren AktivistInnen von ROBIN WOOD, die auf einem Transparent zu einem Atom-Ausstieg in Trippelschritten gratulierten.

Das baden-württembergische Atomkraftwerk Obrigheim, der älteste und mit 350 Megawatt der kleinste deutsche Atomreaktor, wird spätestens Anfang Mai endgültig abgeschaltet. ROBIN WOOD sieht darin einen Erfolg der Anti-Atombewegung in Deutschland, die seit Jahrzehnten beharrlich für den Ausstieg streitet. Die Freude über Obrigheim wird allerdings dadurch getrübt, dass allein in Deutschland noch weitere 17 Atommeiler am Netz bleiben, hoch giftigen Müll produzieren und ein unkalkulierbares Risiko für die Bevölkerung darstellen. ROBIN WOOD fordert daher einen sofortigen Ausstieg aus der Nutzung der Atomenergie.


Hamburg, 30.03.2005

Holz und Urkunden

Ein Schulhof voller ausgelassener SchülerInnen des Gymnasiums Grootmoor in Hamburg-Bramfeld stellte das Publikum für eine Urkundenübergabe dar: In Hamburg wurden die ersten fünf Urkunden der bundesweiten Aktion “Wir setzen Zeichen – Schulen pro Recyclingpapier” durch den Waldreferenten von ROBIN WOOD, Rudolf Fenner, an die Schüler übergeben. Maßgeblich war der Lehrer, Ive Hauswald daran beteiligt, den SchülerInnen die Umweltauswirkungen des Papierverbrauchs nahe zu bringen, so dass sie sich per Unterschrift verpflichteten, ausschließlich Recyclingpapier in ihrem Schulalltag zu verwenden.

Rudolf Fenner hatte ein zehn Kilogramm schweres Stück Baumstamm mitgebracht, um zu demonstrieren, wie viel Holz eine zwanzigköpfige Klasse an einem Tag durch die Verwendung von Recyclingpapier einspart. Das Holzstück trugen die SchülerInnen der zuerst unterzeichnenden Klasse stolz von dannen, um es in ihrem Klassenraum aufzustellen.

In zehn Bundesländern läuft die Aktion “Wir setzen Zeichen – Schulen pro Recyclingpapier” im Rahmen der in NRW gegründeten Initiative 2000plus bereits. Hamburg soll nun das elfte Bundesland werden. Bundesweit haben sich schon mehr als 1.180 Schulklassen entschieden, ausschließlich Recyclingpapierprodukte in ihrem Schulalltag zu verwenden.


Wilhelmshorst, 15.02.2005

Zeichen setzen für Recyclingpapier

„Gut ist es, wenn schon die ganz Kleinen damit anfangen“, sagt Daniela Weber, Schülersprecherin der Gesamtschule Wilhelmshorst. Die 14-jährige hält heute ihre große Rede. Es geht um Recyclingpapier. UmweltschützerInnen sind von weit angereist, Brandenburgs Umweltminister Dietmar Woidke sitzt in der ersten Reihe mit im Publikum des Musiksaals. Geehrt werden die SchülerInnen der Klasse 2. Denn sie sind bundesweit die 1.000. Schulklasse, die sich entschieden hat, konsequent auf Recyclingpapier umzusteigen.

„Wir setzen Zeichen - Schulen pro Recyclingpapier“ heißt die Aktion der Initiative 2000plus, die ROBIN WOOD mit ins Leben gerufen hat. Mitmachen kann jede Schulklasse, die auf Schulmaterialien aus Altpapier umsteigen will. 65 Organisationen aus Umwelt- und Verbraucherschutz tragen diese Initiative mit.

Die Idee kommt gut an. Auch an der Schule in Wilhelmshorst. Dort weiß jetzt jedes Kind, dass für Recyclingpapier keine Bäume gefällt werden müssen und dafür weniger Wasser verschmutzt und weniger Energie verbraucht wird als für die Herstellung von Frischfaserpapier.

Als die SchülerInnen auf Recyclingpapier umsteigen wollten, war das zunächst gar nicht so einfach. Denn die Läden in der Umgebung führten wegen der angeblich mangelnden Nachfrage kein Recyclingpapier mehr. Doch das Problem haben die SchülerInnen schon gelöst, in dem sie einen eigenen Schülerladen gegründet haben, der jetzt Sammelbestellungen über den Versandhandel aufgibt.

Am Tag der Festveranstaltung begann der Unterricht für die Kinder aus der 2. Klasse mal nicht mit Schreiben und Rechnen, sondern mit Basteln in der Papierwerkstatt – begleitet von Kamerateams und Fotografen, die sie dabei ablichteten. Danach folgte ein buntes Programm im Musiksaal mit kleinen Reden, Musik und Liedern. Angelika Krumm, Fachreferentin für Papier bei ROBIN WOOD, die die Aktion in Brandenburg koordiniert, moderierte die Veranstaltung. Es gratulierten die beiden Schirmherren der Initiative, Dietmar Woidke, Umweltminister in Brandenburg und Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes. Troge unterstrich in seinem Grußwort, wie wichtig ihm und seinem gesamten Amt das Thema Recyclingpapier sei. Am Ende bekamen die SchülerInnen – außer der Urkunde fürs Klassenzimmer – kleine Geschenke: Schulhefte, Bastelmaterialien und Tierposter aus Recyclingpapier.

Die Schülersprecherin nutzte die Gelegenheit, ihrem Umweltminister eine Forderung mit auf den Weg zu geben. Wenn die SchülerInnen auf Recyclingpapier umsteigen, dann sollten dies die PolitikerInnen unterstützen und dafür sorgen, dass auch Schulbücher auf Recyclingpapier gedruckt werden.


Berlin, 31.01.2005

Atomenergie bleibt todsicher

Anlässlich der Wintertagung des Deutschen Atomforums feierten sich die Atomkonzerne für zwei Tage unter dem Motto „Plädoyer für einen vernünftigen Energiemix“ selbst, um damit vor allem Werbung für Atomkraft zu machen. 2004 haben die Energiekonzerne die Produktion von Atomstrom auf Kosten der Sicherheit noch weiter gesteigert. Für die Umwelt ist das ein Desaster – allein schon wegen der Tonnen Atommüll, die die Meiler 2004 produziert haben und für die es kein Endlager gibt. Außerdem verschweigen die Konzerne, dass es in den 18 deutschen Atomkraftwerken während der ersten drei Quartale 114 meldepflichtige Störfälle gegeben hat.

AktivistInnen von ROBIN WOOD zeigten, was sie für einen vernünftigen Beitrag zu einem fortschrittlichen Energiemix halten: den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie! Unterstützt wurden sie von rund 100 DemonstrantInnen, die sich zu den bundesweiten Anti-Atom-Wintertagen in Berlin getroffen hatten. Neben Demos und Protesten diskutierten die TeilnehmerInnen in Seminaren über „Anti-Atom für EinsteigerInnen“ oder über AKW-Neubauten in Brasilien, China und Finnland, an denen deutsche Unternehmen beteiligt sind.


Frankfurt, 27.01.2005

Papierkonzern vernichtet Tropenwälder Asiens

ROBIN WOOD appellierte bei der weltweit größten Büro-Fachmesse PAPERWORLD in Frankfurt an Handel und VerbraucherInnen, auf Papier aus Raubbau am Regenwald zu verzichten. Besonders scharf kritisierte ROBIN WOOD den Zellstoff-Konzern Asia Pulp & Paper (APP), der auf der Messe einen Stand hatte. Der Konzern mit Sitz in Singapur zerstört allein auf Sumatra etwa 15 Fußballfelder Regenwald pro Stunde, um daraus Zellstoff für Papier zu gewinnen. In einem gemeinsamen Aufruf mit Umweltorganisationen aus Südasien forderte ROBIN WOOD Regierungen, Banken und Handel auf, mit APP keine Geschäfte mehr zu machen. Vor den Toren der Messe machten ROBIN WOOD-AktivistInnen mit Foto-Plakaten, Flugblättern und einem Transparent mit dem Slogan „Papierkonzerne schlagen Sumatra kahl“ auf ihr Anliegen aufmerksam.

In ihrem Aufruf listeten die Umweltorganisationen eine ganze Reihe von Skandalen auf, für die APP verantwortlich ist: So vernichtet APP – entgegen eigenen Versprechen - noch immer in großem Stil tropische Wälder in Südasien. Allein auf Sumatra hat APP rund 300.000 Hektar Regenwald zerstört. Bis heute kann der Konzern, der in einen der größten Finanzskandale Asiens verstrickt ist, nicht garantieren, dass kein illegal geschlagenes Holz für die Papierproduktion verwendet wird. In der Provinz Yunnan im Süden Chinas hat APP unter Missachtung der Gesetze mehrere Zehntausend Hektar artenreiche Wälder zerstört, um Eukalyptus-Monokulturen anzulegen. In Kambodscha ist eine Schwesterfirma von APP namens „Green Elite“ sogar in den Nationalpark Botum Sakor eingedrungen und hat dort Hunderte Hektar Mangrovenwald abgeholzt.

Der weltweite Protest gegen APP zeigt Wirkung in den betroffenen Ländern. In Kambodscha will der Umweltminister, dass APP eine Millionenstrafe für die im Nationalpark angerichtete Zerstörung zahlt. In China hat die staatliche Forstbehörde erklärt, dass das illegale Treiben von APP untersucht wird. In Indonesien stagniert der Ausbau der Zellstoff- und Papierindustrie, da die Investoren durch die Berichte über Raubbau, Repressionen und Korruption abgeschreckt sind.

ROBIN WOOD hat im Zuge seiner Papier-Kampagne bereits Karstadt, Deutsche Post und die Metro Group überzeugt, Papier von Konzernen, die den Regenwald Sumatras zerstören, aus dem Sortiment zu nehmen. Die Alternative zu Waldvernichtung und Papierverschwendung ist einfach: Papier sparen und Recyclingpapier verwenden.