hier fanden 2005 unsere Aktionen statt (Auswahl)
Berlin, 21.12.2005
Hin und Her mit indonesischem Papier
Gegen die schmutzigen Geschäfte mit dem weißen Papier in
Indonesien, die von der Deutschen Bank koordiniert werden sollten, planten
ROBIN WOOD, Watch Indonesia! und die Borneo Orang-Utan Survival Foundation
(BOS) eine gemeinsame Protestaktion in Berlin. Vor der prunkvollen Deutschen
Bank-Filiale Unter den Linden, gegenüber der Humboldt-Uni, sollte es um 11 Uhr
vormittags losgehen, die Spannung stieg
Aber eine lästige Eigenschaft der Hauptstadt machte
den AktivistInnen einen Strich durch die Rechnung: Eine dicke Baustelle direkt
vor dem Gebäude hätte PassantInnen und Presse die Sicht auf die Transparente
versperrt. So mussten blitzschnell Polizei, Presse und DemonstrantInnen zur
Deutschen-Bank am Alexanderplatz umgeleitet werden, was erstaunlich gut
klappte.
Doch kaum waren die Transparente entrollt,
klingelte das Aktions-Telefon plötzlich schrill. Peter Gerhard
Tropenwaldreferent von ROBIN WOOD war am anderen Ende, mit einer sensationellen
Nachricht: Die Deutsche Bank habe laut fester mündlicher Zusage ihres
Umweltbeauftragten jegliche Aktivitäten im Papiersektor in Indonesien
eingestellt. Ein Riesenerfolg!
Szczecin, 19.12.2005
Ausstellung an der Universität
Papier ein globales Produkt, diese
Wanderausstellung haben ROBIN WOOD und die polnische Partnerorganisation FZ
GAJA g nun auch in polnischer Sprache gemeinsam erarbeitet und durch die
Leiterin der Universitätsbibliothek in Szczecin eröffnet. Die sechs
Ausstellungstafeln sind Bestandteil der deutsch/polnischen Papierkampagne
Postaw na makulature. Sie informieren über die Waldzerstörung, den ungleichen
Papierverbrauch weltweit, die Unterschiede bei der Herstellung von Papier, die
Nutzung des Rohstoffs Altpapier und die Papierkampagne.
Die Schülerinnen und Schüler zweier Schulen
informierten sich sehr aufmerksam bei der Ausstellungseröffnung. Aufgeschlossen
hatten sie gleich einige Fragen zur Waldzerstörung und Recyclingpapier an
Urszula Buryn und Angelika Krumm, die das deutsch-polnische Projekt
koordinieren und leiten. Die Direktorin des Gymnasiums Nr. 6 in Szczecin
meldete gleich an, dass sie die Ausstellung an ihrer Schule zeigen und mit den
SchülerInnen weiter zum Thema Papier arbeiten möchte. Sehr beliebt waren auch
hier wieder die ROBIN WOOD-Schulhefte aus Recyclingpapier. Ab Februar kann die
Wanderausstellung polenweit ausgeliehen werden.
Potsdam, 6.12.2005
6321 Alleebäume verschwunden
Mit herbstlichen Ahornzweigen auf dem Kopf oder
von Efeuranken umkränzt, so standen sie entlang der B 273 nordwestlich von
Potsdam: die AlleenschützerInnen von ROBIN WOOD, BUND und NABU. Sie standen
gleichsam als Baumersatz dort, wo eigentlich Bäume hätten stehen sollen. Die
Landstraße von Potsdam nach Marquardt ursprünglich eine Allee, ist längst zu
einer Landstraße mit einseitiger Baumreihe verkommen. Und auch diese Baumreihe
wird immer lückiger. Über 6.000 exakt 6.231 - Alleebäume hat Brandenburg in
den letzten Jahren verloren, weil Verkehrsminister Szymanski unter Verstoß
gegen seinen eigenen Alleen-Erlass kein Geld zum Nachpflanzen gefällter Bäume
bereit gestellt hat.
Noch im Frühjahr wollte der Minister der
Öffentlichkeit weismachen, alles sei in Ordnung, spätestens im Herbst würden
alle noch ausstehenden Nachpflanzungen ausgeführt sein. Doch im September dann
kam sein Dementi: Nun sei das Geld alle, und es könne daher doch nicht
nachgepflanzt werden - sorry.
Dass Alleenschutz auch in Zeiten knapper Kassen
möglich ist, zeigt das Beispiel Mecklenburg-Vorpommern. Hier gibt es den sogenannten
Alleenfonds, in den jeder die Kosten für Neupflanzungen einzahlen muss, der
einen Baum fällen will und nicht für eine Ersatzpflanzung an Ort und Stelle
sorgen kann oder will. Ohne Geld keine Fällgenehmigung!
Einen solchen Alleenfonds endlich auch für Brandenburg
das war daher die Hauptforderung an Minister Szymanski auf dieser Protestaktion
der Schutzgemeinschaft Brandenburger Alleen, zu der neben ROBIN WOOD, dem BUND
und dem NABU noch zahlreiche weitere Organisationen, Initiativen und Einzelpersonen
gehören.
Wendland, 19. - 22.11.2005
Gorleben darf nicht zum Atomklo werden!
Der diesjährige CASTOR-Transport mit
hochradioaktiven Abfällen aus der Plutoniumfabrik La Hague ins Zwischenlager
Gorleben startete am späten Nachmittag des 19. November und erreichte sein
vorläufiges Ziel in den Morgenstunden des 22. November. Unterwegs und im
Vorfeld war es in Frankreich und Deutschland zu vielen Protest-Aktionen
gekommen.
Zum Auftakt der Proteste im niedersächsischen
Wendland demonstrierten am 19. November in Hitzacker 4.000 Menschen
eingerahmt von Treckern einheimischer Bauern. Auch ROBIN WOOD-AktivistInnen
beteiligten sich kreativ an der Demo. Es war deutlich spürbar, dass das Thema
Atomkraft nach wie vor viele, insbesondere junge Leute beschäftigt. Viele
SchülerInnen aus der Region forderten den sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft
und den endgültigen Erkundungsstopp für die Endlagerbaustelle in Gorleben.
Als Anlaufpunkt diente während des
CASTOR-Transports wieder die Essowiese, ein zentraler Platz in Dannenberg,
auf der auch ROBIN WOOD mit einem Info-Mobil vertreten war. Neben aktuellen
Informationen zum Transport konnten sich auf der Essowiese MedienvertreterInnen
und ProtestlerInnen rund um die Uhr mit warmen Getränken und Essen durch die
wendländische Volxküche versorgen, um dann gestärkt wieder in die Herbstkälte
aufzubrechen.
Wie bereits in den beiden Jahren zuvor, hatte
ROBIN WOOD auch im November 2005 ein Baumhaus an der Straßentransportstrecke
aufgebaut. Dieses Jahr hing es direkt an der nördlichen der beiden möglichen
Transportrouten im Örtchen Quickborn in einer alten Eiche.
Als Basis für attraktive Schnupperkletterkurse
und als Info-Punkt wurde es schon Tage vor dem eigentlichen Transport von
vielen Menschen genutzt. Als der CASTOR-Konvoi in den frühen Morgenstunden des
22. November von der Verladestation Dannenberg auf der Straße ins Zwischenlager
Gorleben rollte, befanden sich sieben Kletterer von ROBIN WOOD im Baum, einer
von ihnen direkt über der Straße.
In einer gemeinschaftlichen Aktion von ROBIN
WOOD und der bäuerlichen Notgemeinschaft ketteten sich in Quickborn drei
AktivistInnen an einen auf der Straße stehenden Betonblock, der für einige Zeit
die Nordstrecke blockierte.
ROBIN WOOD-AktivistInnen beteiligten sich noch
an diversen weiteren Aktionen im Wendland. Sie setzten damit Zeichen gegen den
Weiterbetrieb der Atomkraftwerke und gegen die Erkundung des Salzstocks in
Gorleben als atomarem Endlagerstandort.
Die Proteste gegen den CASTOR-Transport waren
auch in diesem Jahr gewaltfrei, bunt und einfallsreich. Der Kraftakt von
Tausenden, jedes Jahr im eisigen November wieder mit Mut und Fantasie tagelang
gegen den Atommüll zu protestieren, spricht für die Stärke der sozialen
Bewegung, die seit über 25 Jahren Jahr für Jahr so viele Menschen mobilisiert.
In diesem Jahr verdiente eine zirka 10-stündige Blockade-Aktion der
wendländischen Bauern besonderen Respekt. Insgesamt 17 Personen hatten sich an
Betonblöcke gekettet, die fest mit Traktoren verbunden waren. Noch deutlicher
kann die wendländische Bevölkerung wohl kaum zeigen, dass sie den Schiet
nicht haben will.
Lüneburg, 5. 11. 2005
Atomanlagen stilllegen - jeder Tag ist einer zu
viel!
Unter dem Motto Atomkraft - Nein Danke!
Erneuerbare Energien jetzt! demonstrierten Anfang November 7.000 Menschen im
idyllischen niedersächsischen Städtchen Lüneburg für eine Wende in der
Energiepolitik. Der bunte Protest von Menschen aller Altersgruppen aus den
unterschiedlichsten Initiativen der Anti-AKW-Bewegung zeigte beeindruckend die
Vielfalt der Bewegung, die sich gegen Atomkraftwerke und für den Ausbau der
erneuerbaren Energien einsetzt. Aufgerufen zum Protest hatte ein breites
Bündnis, an dem sich u.a. ROBIN WOOD, der BUND, die Lüneburger Initiative gegen
Atomanlagen, X1000-quer, das Netzwerk Friedenskooperative und zahlreiche
Anti-Atom-Gruppen beteiligten.
ROBIN WOOD-AktivistInnen zeigten ihren Prostest
auf vielfältige Weise: als StelzenläuferInnen, die Stromwechsel-Postkarten
verteilten, am Infostand, oder mit originellen Transparenten, auf denen der
sofortige Atomausstieg gefordert wurde.
Weitere Infos, Reden und Bilder über die Demo
finden Sie unter: www.erneuerbare-statt-atom.de
Wroclaw, 4.11.2005
1. Runder Tisch in Wroclaw
Eko Unia, die Partnerorganisation von ROBIN WOOD
in der polnischen Kampagne Postaw na makulature (Setz auf Altpapier) hatte
zur Konferenz Papier aus Altpapier Freund der Umwelt in Wroclaw eingeladen
und 20 Schulen, der Direktor der Abfallwirtschaft der Stadt Wroclaw und interessierte
Organisationen waren gekommen. Angelika Krumm stellte das Netzwerk der
Initiative 2000 plus in Deutschland und Urszula Buryn die gemeinsame
Papierkampagne Postaw na makulature vor. Sehr beeindruckt waren die
TeilnehmerInnen von den Informationen und Bildern der Urwaldzerstörung für
Papier in Indonesien. Nach den Referaten zur Nutzung des Rohstoffes Altpapier
in Polen und der Entwicklung der Erfassung von Altpapier in der Stadt folgte
eine lebhaft Diskussion.
Besonders die LehrerInnen sagten ihre Unterstützung
der Kampagne Postaw na makulature zu. Gerne wollen sie aktiv werden und die
Materialien zum Thema Wald und Papier für den Unterricht nutzen. Altpapier
sammeln und Recyclingpapier seien ein Beispiel für Umwelt- und
Ressourcenschutz, bei dem jedeR SchülerIn aktiv werden könne. Daraus leitete
sich eine Forderung an den Vertreter der Stadt ab, die Altpapiererfassung in
Wroclaw wieder besser zu organisieren. Von den Umweltorganisationen wünschten
sich die TeilnehmerInnen, dass sie sich dafür einsetzen, dass es bald auch in
Polen Schulmaterialien aus Recyclingpapier, wie die ROBIN WOOD-Hefte, zu kaufen
gibt.
Hannover, Essen, Berlin, Karlsruhe, 2.11.2005
Sicher ist nur das Risiko AKWs abschalten sofort!
Vor der Zentrale des Energiekonzerns Vattenfall
in Berlin hing Anfang November der Werbeslogan des Konzerns leicht abgewandelt,
aber umso ehrlicherer: Aus Bewag wird Vattenfall und Umweltschutz bleibt
Lüge. Zwei ROBIN WOOD-Kletterer hatten ihn über dem Haupteingang befestigt.
Einige weitere AktivistInnen am Boden, sicherheitshalber mit Gasmasken und
Schutzanzügen bekleidet, lieferten - so schien es - Atommüll-Fässer direkt an
den Erzeuger Vattenfall Europe zurück. Die früheren Berliner Bewag- und
kommenden Vattenfall-KundInnen konnten klar erkennen, was sie mit ihrer
Stromrechnung Monat für Monat finanzieren: Jeden Tag mehr und mehr für
Millionen Jahre strahlenden Atommüll, für den es keine sichere Lagerung gibt.
Ähnliche Szenarien spielten sich vor den
Firmenzentralen der Energiekonzerne in Karlruhe, Hannover und Essen ab. Die
vier Energie-Riesen Vattenfall, RWE, E.ON und EnBW hatten gleichzeitig
überraschend Besuch bekommen. Mit ihrer Protestaktion wollten die AktivistInnen
Druck auf die Stromkonzerne und die Koalitionsparteien von SPD und Union
machen, den Atomausstieg voranzutreiben und auf erneuerbare Energien und mehr
Energieeffizienz zu setzen.
Der Termin für diese Aktionen war mit Bedacht
gewählt: In Berlin verhandelten die Parteien zeitgleich über den
Koalitionsvertrag und die Forderung der Unionsparteien, den Betrieb der
Atomkraftwerke über die bisher erlaubte Zeit zu verlängern. Die Atomlobby hatte
sich in einer bizarren Allianz mit den Gewerkschaften Verdi und IG Bau Chemie
Energie ein Positionspapier Pro-Atom veröffentlicht und eine Verlängerung der
AKW-Laufzeiten gefordert.
Der politische Irrweg einer Laufzeitverlängerung
für Atommeiler konnte auch aufgrund der massiven Proteste aus der Umwelt- und
Anti-Atom-Bewegung - vorerst verhindert werden. Doch einige Unionspolitiker drängeln
weiter und werden die Forderungen der Atomlobby immer wieder auf die
Tagesordnung setzen. Für ROBIN WOOD gilt: Jedes Atomkraftwerk stellt ein
enormes Sicherheitsrisiko für die Bevölkerung dar und dieses Risiko steigt mit
dem Alter der Anlagen.
Deshalb werden sich ROBIN WOOD-AktivistInnen
auch weiterhin für den sofortigen Atomausstieg einsetzen und - wie im November
in Hannover, Essen, Karlsruhe und Berlin - gegen die gefährlichste Art Strom zu
erzeugen, protestieren.
Berlin, 2.11.2005
Bagger in Horno
Der Verhandlungssaal
im Oberverwaltungsgericht in Berlin war voll. Es war der letzte Prozesstag in
dem Verfahren um Horno. Das Ehepaar Domain kämpfte gegen die Enteignung durch
Vattenfall. Der Energieriese hatte bereits das gesamte Dorf bis auf das Haus
der Domains abgerissen, um die darunter liegende Braunkohle abzubaggern. Seit
12 Tagen stand der Braunkohlebagger still, da er sich dem Haus bis auf 50 Meter
genähert hatte. Das ist der gesetzliche Mindestabstand.
Gegenüber dem Gerichtsgebäude erklommen zwei
Aktivisten von ROBIN WOOD einen Baum und eine Straßenlaterne und entrollten ein
Transparent. In Anspielung auf einen Werbespruch von Vattenfall für die
Umbenennung der Bewag war zu lesen: Aus Bewag wird Vattenfall und Umweltschutz
bleibt Lüge! Braunkohlebagger STOP.
Leider erwischte die Polizei eine Ecke des
Transparentes und beendete die Aktion bereits nach wenigen Minuten. Auch für
die Domains endete der Tag mit einer Niederlage. Nach jahrelangem erbittertem
Kampf gegen die Abbaggerung Hornos erklärte sich das Ehepaar bereit, gegen die
Zahlung einer Entschädigung ihr Haus zu räumen. Ende November 2005 wurde das letzte Hornoer Haus für den
Braunkohletagebau abgerissen. Aufgeben wollen die beiden Domains allerdings
nicht. Sie stellen einen Teil des Geldes verschiedenen Initiativen für den
Kampf gegen die Braunkohle zur Verfügung.
Frankfurt, 29.10.2005
Saurier der Lüfte
Während der Betreiber
des Frankfurter Flughafens, Fraport, die erste Landung des Großraumflugzeugs
A380 in der Main-Metropole als Jubelfeier inszenierte, kletterten drei ROBIN
WOOD-Aktivisten in die Dachkonstruktion des Terminals 2 am Flughafen. Dort
zeigten sie, dass sie ganz andere Themen wichtig finden als Fraport: Fliegen
killt Klima. Stoppt Ausbau, stand auf dem Transparent, das sie etwa 20 Meter
über dem Boden gut sichtbar für die Flughafengäste entrollten. Einen Tag lang
wollte Fraport die Abfertigung des Riesenfliegers proben.
Für ROBIN WOOD ist
klar, dass Airbus mit dem A380 eine Sauriertechnik präsentiert, die Umwelt und
Klima massiv schadet und ökonomisch keine Zukunft hat. Der Bau von
Großflugzeugen wird sich nur rentieren, wenn immer mehr Menschen zu
Langstreckenflügen verleitet werden. Airbus setzt auf eine Verdopplung des
Flugverkehrs in den nächsten 20 Jahren ein Horrorszenario aus Sicht des
Klimaschutzes. Schon jetzt trägt der Flugverkehr bis zu 12 Prozent zur globalen
Erwärmung bei.
Lacoma, 06. bis 18.10.2005
Bäume besetzt für Energiewende
Am 18. 10. beendete der Energieriese Vattenfall - mit
freundlicher Unterstützung der Polizei - die 12-tägigen Baumbesetzungen zur
Rettung der Lacomaer Teichlandschaft. Die BesetzerInnen wollten den Bau einer Entwässerungsanlage in
dem europäischen Naturschutzgebiet (FFH) verhindern, mit der Vattenfall den Grundwasserspiegel auf 60m Tiefe absenken
will.
Grund für die Verwüstung, die Vattenfall anrichten will,
ist der nachrückende Braunkohlebagger des Tagebaus Cottbus Nord. Schon seit
Jahrzehnten wehrt sich das kleine Dorf Lacoma,
nördlich von Cottbus gelegen, gegen den näher kommenden Bagger und die
Zerstörung ihres Dorfes sowie der angrenzenden Teichlandschaft. Bis vor drei
Jahren erfolgreich - seitdem wurden alle Häuser in Lacoma
abgerissen. Dies geschieht, obwohl der Bagger noch mehrere Kilometer entfernt
vor sich hin schaufelt. Der Stromgigant Vattenfall
Europe (Eignerin aller Lausitzer Braunkohletagebaue;
der BEWAG, Berlin; der HEW, Hamburg; auch AKW-Betreiberin)
schaffte Tatsachen. Das gleiche Schicksal droht nun auch der Lacomaer Teichlandschaft mit Hammergraben, einem
europäischen Naturschutzgebiet, das neben dem vom Aussterben bedrohten Baum
des Jahres 2006, der Schwarzpappel, noch weiteren ca. 170 bedrohten Tier- und
Pflanzenarten einen Lebensraum bietet.
Auf einer Eiche und vier Schwarzpappeln saßen dann am Tag der Räumung auch die acht
AktivistInnen. Tags zuvor waren die Vattenfäller bereits im Einsatz. Sie sägten sich den Weg zu
den besetzten Bäumen frei und gingen dabei nicht zimperlich vor. In Begleitung
des Vattenfall-Umsiedlungsbeauftragten Kretschmar,
eines privaten Sicherheitsdienstes, sowie etwa 25 Bereitschaftspolizisten aus
Potsdam, sägten sie teilweise in unmittelbarer Nähe der besetzten Bäume und
gefährdeten somit die AktivistInnen, die in 15 bis 20
Metern Höhe an ihren Bäumen hingen.
Auch am Dienstag gingen die Vattenfäller skrupellos vor.
Mehrere Male wurde das Leben der AktivistInnen
gefährdet. So setzten Einsatzkräfte der werkseigenen Feuerwehr nur wenige
Zentimeter von einem Sicherungseil die Kettensäge an,
um sich den Weg für ihre Hubleiter frei zu sägen. Weitere Seile wurden gekappt,
ohne eine Gefährdung für die KletterInnen
auszuschließen.
Ob das von der brandenburgischen Polizei gedeckte Vorgehen auf reinen
Dilettantismus seitens der Vattenfäller zurück zu
führen ist (Vattenfall-Pressesprecher Fromm im RBB-Interview: Es handelt sich um die erste Baumbesetzung
im Unternehmen.) oder ob der Konzern zeigen wollte, wie weit er für seine
Interessen bereit ist zu gehen, bleibt fraglich. Klar ist jedoch, dass der
Energieriese an einem empfindlichen Punkt getroffen wurde; schließlich will
sich der Konzern in Berlin und Hamburg ab Anfang nächsten Jahres mit seinem
richtigen Namen nennen lassen. Aus BEWAG/HEW wird Vattenfall
und Umweltschutz bleibt Lüge!
Am 13. 10. 2005 fand in Stockholm vor der Vattenfall-Zentrale eine Solidaritätsaktion von fünf UnterstützerInnen aus Deutschland, Norwegen und Schweden
statt. Um 12 Uhr platzierten sie sich mit einem mehrsprachigen Transparent vor
der Zentrale und verteilten bei großem Medieninteresse Flugblätter an
Passanten.
Frankfurt, 11. bis 20.09.2005
Baumbesetzungen gegen Flughafenausbau
Am 20. September seilten sich drei ROBIN WOOD-Aktivisten
nach über 200 Stunden aus den Baumwipfeln im Wald südlich des Frankfurter
Flughafens ab. Sie hatten die Bäume aus Protest gegen den Flughafenausbau neun
Tage und Nächte ununterbrochen besetzt gehalten. Trotz massiver Bewachung durch
Polizei und private Sicherheitskräfte war es ihnen gelungen, auf das umzäunte
Waldstück zu gelangen. Der Flughafenbetreiber Fraport
rodet hier 21 Hektar Wald, zu zwei Dritteln besonders geschützter Bannwald. Bis
2007 soll im Auftrag der Lufthansa eine Wartungshalle für den Großraumjet A 380
entstehen, obwohl es auf dem bestehenden Flughafen-Gelände mehrere
Alternativstandorte gibt. Zeitgleich begann das Erörterungsverfahren für den
Bau einer vierten Landebahn. ROBIN WOOD rief gemeinsam mit dem Bündnis der
Bürgerinitiativen, dem BUND und anderen zum Protest auf.
Hannover, 10.09.2005
Strahlender Müll
An einem sonnigen Samstagvormittag Anfang September blockierten zirka 150 Menschen
von X1000-quer und Widersetzen das Tor des Zwischenlagers Gorleben.
Kletterer spannten zwischen zwei Laternenmasten ein Transparent, Atommüllfässer
wurden aufgestapelt, Trecker blockierten die Zufahrtswege. Auch ROBIN WOOD-AktivistInnen beteiligten sich an der Blockade, vieren
gelang es auf das Gelände des Zwischenlagers zu kommen. Die AktivistInnen fordern den Stopp der Atommüllproduktion und
das endgültige Aus für ein atomares Endlager im niedersächsischen Gorleben.
Im Laufe des Tages versammelten sich mehr und mehr Menschen vor dem Tor des
Zwischenlagers und auf die weiterhin ungelösten Probleme der Atommülllagerung
aufmerksam. Denn noch
immer produzieren 17 Atomkraftwerke in Deutschland tagtäglich Atommüll, der für
Millionen Jahre tödlich strahlt. Ein sicheres Endlager dafür gibt es nicht -
und kann es in Gorleben auch nie geben. Der dortige Salzstock ist wegen
mangelnder Dichtigkeit dafür nicht geeignet. Trotzdem beharren die Atomkonzerne
darauf, den Müll für immer dort zu versenken.
Mit der Aktion wollen die Beteiligten auch deutlich machen, dass der strahlende
Abfall nicht nur im November in Form von CASTOR-Behältern
durch das Wendland rollt, sondern Tag für Tag dort lagert und eine Belastung
für die Menschen vor Ort bedeutet. Und bereits Anfang November sollen die nächsten zwölf Behälter aus der
französischen Plutoniumfabrik La Hague in der
Leichtbauhalle des Zwischenlagers Gorleben eingelagert werden. Etwa 100 weitere
Behälter mit Glaskokillen sollen in den nächsten
Jahren folgen.
Bremen, 24.08.2005
Eine Schultüte für Willi Lemke
Bonbons steckten
nicht darin. Die große Schultüte, die ROBIN WOOD-AktivistInnen
zum Schulanfang Bremens Bildungssenator Willi Lemke überreichten, war mit
Heften aus Recyclingpapier gefüllt. Lemke soll nämlich dafür sorgen, dass an
Bremer Schulen grundsätzlich nur noch Schulmaterialien aus Recyclingpapier
verwendet werden. Das schont die Wälder, spart Wasser und Energie. Außerdem
lässt sich auf diese Weise sicher ausschließen, dass keine Hefte genutzt
werden, für die Urwälder kahl geschlagen werden.
In Bremen hat
die Behörde direkten Einfluss darauf, welches Papier die SchülerInnen
verwenden. Denn aufgrund der - in der Landesverfassung verankerten -
Lernmittelfreiheit bekommen SchülerInnen einen Teil
der Hefte von der Schule gestellt. Leider sind dies keine Hefte aus
Recyclingpapier. Dabei ist durch das Bremer Abfallgesetz geregelt, dass im
behördlichen Beschaffungswesen möglichst Produkte Verwendung finden sollen, die
aus Abfällen hergestellt wurden.
Der Senator auf diesen Regelverstoß im eigenen Haus hingewiesen war einsichtig und will
nun dafür sorgen, dass sich vor dem nächsten behördlichen Ausschreibungstermin
die Verantwortlichen für die Papierbeschaffung mit ROBIN WOOD an einen Tisch
setzen werden, um über die Nutzung von Recyclingpapieren an Bremer Schulen zu
verhandeln.
Hamburg, Fischmarkt, 10.06.2005
Für Menschenrechte und Urwälder Kein Papier aus Raubbau
Am 10. Juni veröffentlichte ein Bündnis von Umwelt- und
Verbraucherorganisationen auf Initiative von ROBIN WOOD einen gemeinsamen
Aufruf an Papierhandel und industrie für die Einhaltung von Umwelt- und
Sozialstandards für Papier. Die Präsentation des Aufrufs wurde von ROBIN
WOOD-AktivistInnen mit einer Aktion gegen Papierverschwendung und Papier aus
Raubbau am Hamburger Fischmarkt begleitet.
Um die Papierverschwendung hierzulande erfahrbar zu machen,
fuhr ein mit Altpapier beladener Sattelschlepper mit rund 35 Tonnen
Gesamtgewicht vor. Das entspricht dem Gewicht der Papiermenge, die in
Deutschland in einer Minute verbraucht wird. Der Holzbedarf für den deutschen
Papierverbrauch beträgt knapp 30 Tonnen pro Minute, symbolisiert durch die drei
Urwaldriesen, die von den AktivistInnen symbolisch abgesägt wurden.
Ahaus und Rossendorf, Mai/Juni 2005
Unsinnige und gefährliche CASTOR-Transporte
Der Streit um die CASTOR-Transporte aus dem
Forschungszentrum Rossendorf bei Dresden ins zentrale Zwischenlager Ahaus hat
jahrelang Proteste ausgelöst. Zuletzt führte ein monatelanger Streit zwischen den
Ländern Sachsen und Nordrhein-Westfalen immer wieder zu Termin-Verschiebungen.
Der Grund: Die Lagerhalle in Rossendorf hat keine Genehmigung zur dauerhaften
Aufbewahrung von Atommüll, deshalb sollte der Müll nach Auffassung der
sächsischen Landesregierung auch weg, nämlich nach Ahaus. Doch eine Genehmigung
zu bekommen, wäre u.U. ein Leichtes gewesen, denn die Halle in Ahaus ist quasi
baugleich mit der von Rossendorf, so die Landesregierung in
Nordrhein-Westfalen. Die sächsische Regierung dachte jedoch gar nicht daran,
eine Genehmigung zur dauerhaften Aufbewahrung von Atommüll zu beantragen.
Denn dass der Transport so lange aufgeschoben worden musste
hat einen sicherheitstechnischen Hintergrund: Bereits im Jahr 2000 sollten die
Behälter aus Rossendorf im Zwischenlager Ahaus eingelagert werden. Doch damals
verweigerte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) die Genehmigung. Es fehlte
der Sicherheitsnachweis, dass die Behälter vom Typ MTR-2 für 40 Jahre dicht
halten. Vielmehr nahm man an, dass nach 15 Jahren Rostschäden auftreten
könnten. Jetzt wurden die Behälter transportiert, obwohl sie die gleichen
geblieben sind. Künftig soll etwas genauer darauf geachtet werden, ob sie
anfangen zu rosten. Und wenn sie schon rosten dann findet die sächsische
Landesregierung wohl - dann doch besser in Ahaus, als in Rossendorf.
Am 30. Mai startete der erste Konvoi aus Tiefladern mit
sechs CASTOR-Behältern: ein Atommüll-Transport über 600 Kilometer Autobahn,
verbunden mit Staus und Behinderungen und einem massiven Polizeieinsatz. Alle
Nebenstraßen, alle Autobahnauffahrten und Raststätten entlang der
Transportstrecke wurden gesperrt, die Polizei suchte sich - zum Teil mit
waghalsigen Manövern - den Weg ins Zwischenlager Ahaus. Um Blockaden von
Transport-GegnerInnen zu umfahren, wurde kurz vor dem Ziel schon mal im Dunkeln
ohne Licht über einen schmalen Feldweg gefahren. Der letzte der drei Transporte
erreichte am 14. Juni das Zwischenlager. Von Woche zu Woche hatten die Proteste
zugenommen. Am letzten Transport-Tag demonstrierten allein in Ahaus mehr als
3.000 Menschen.
ROBIN WOOD-AktivistInnen beteiligten sich an den Protesten
in Rossendorf und Ahaus, zu denen die Anti-AKW-Bewegung mobilisiert hatte.
Dabei richtete sich der Widerstand nicht allein gegen die sinnlosen und gefährlichen
Transporte, sondern grundsätzlich gegen die Nutzung der Atomkraft und die
Verharmlosung der Risiken, die diese Technologie mit sich bringt.
Besonders skandalös hat sich dabei das sächsischen
Umweltministeriums als zuständige atomrechtliche Aufsichtsbehörde hervorgetan.
Trotz wiederholter Nachfragen von ROBIN WOOD verweigerte die Behörde
Informationen über die Strahlenschutzvorkehrungen bei der Abwicklung. Die
Sprecherin des Umweltministeriums wusste nicht, wer bei den Transporten
Strahlenschutzmessungen vorgenommen hat und der Verein für
Kernverfahrenstechnik und Analytik Rossendorf (VKTA), der für die Abwicklung
vor Ort zuständig war, mauerte ebenfalls und machte keine Angaben darüber, was
die Messungen ergeben hätten. Die zuständige Sprecherin vertröstete mit den
Worten: Wir melden uns bei Ihnen, wenn wir wieder etwas mehr Zeit haben, aber
sie können sicher sein, es ist alles in Ordnung. Sonst wäre ja nicht
transportiert worden. Bis heute, sind keine Angaben über die Messungen bei
ROBIN WOOD eingegangen.
Hannover, 20.05.2005
Umwelt auf dem Kirchentag
Unter dem Motto Wenn dein Kind dich morgen fragt...
besuchten mehr als 100.000 Menschen den 30. Evangelischen Kirchentag in
Hannover. Eine Frage könnte sein: Warum habt ihr zugelassen, dass so viel Wald
abgeholzt wurde und die dort lebenden Tier- und Pflanzenarten ausgestorben
sind? ROBIN WOOD hat diese Frage auf dem Markt der Möglichkeiten zum Thema
des Infostands Wald Zerstörung für Papier Was jedeR tun kann gemacht und
darauf Antworten gegeben. Die interessierten BesucherInnen des Kirchentages
konnten sich an Hand unserer Ausstellung Papier aus Sumatra Totalschaden für
den Regenwald und Papier ein globales Produkt über das ganze Ausmaß der
Waldzerstörung ein umfassendes Bild machen.
Ein Magnet des ROBIN WOOD-Stands war der Hauptpreis des Quiz
Papier Wer weiß Bescheid?: ein Faltrad im Wert von 700 Euro. Gerne
studierten die über 400 TeilnehmerInnen am Quiz unsere Ausstellungen, um die
Fragen richtig beantworten zu können. Sehr positiv wurde aufgenommen, dass jede
Person etwas für den Erhalt der Wälder tun kann: Selbst mit Papier sorgfältig
umgehen, Recyclingpapier benutzen und andere Menschen über die Initiative 2000
plus informieren und unterstützen. Oder sich an der Unterschriften-Aktion von
ROBIN WOOOD beteiligen, damit der Konzernriese Procter&Gamble für seine
Hygieneprodukte kein Papier aus Plantagen mehr einsetzt, für das die Umwelt
zerstört und die Menschen von ihrem Land vertrieben werden.
Berlin, Aktionstag, 20.05.2005
Mit Tempo in die Armut
Die Produkte des US-amerikanischen Konsumgüterriesen
Procter&Gamble (P&G) sind in fast jedem Haushalt zu finden. Der Konzern
stellt Waschmittel wie Ariel, Dash und Mr. Proper her und ist mit so bekannten
Marken wie blend-a-med, Oil of Olaz oder Wick am Markt vertreten.
Die Kritik von ROBIN WOOD richtet sich vor allem gegen die
Hygienepapiere des US-Multis, der unter anderem Charmin-Klopapier und
Tempo-Papiertaschentücher herstellt. Große Mengen Zellstoff für seine
Papierprodukte kauft P&G bei dem brasilianischen Skandalunternehmen
Aracruz-Celulose, das die Landrechte der Tupinikim- und Guarani-Indianer
missachtet und den Atlantischen Küstenregenwald zerstört hat (mehr dazu lesen
Sie im Mittelteil dieser Ausgabe). ROBIN WOOD ist es außerdem gelungen, den Weg
des Zellstoffes von Aracruz in Brasilien über den holländischen Hafen in
Vlissingen bis ins Tempo-Werk nach Neuss zu verfolgen und mit Fotos zu
dokumentieren.
ROBIN WOOD hatte demzufolge gute Argumente auf seiner Seite,
als am 20. Mai 2005 der große P&G-Aktionstag in acht Städten gestartet
wurde, damit die Käufer von P&G-Produkten nicht zu ungewollten Komplizen
der skandalösen Zustände in Brasilien gemacht werden.
Proteste in Bremen: Im
Rahmen des bundesweiten ROBIN WOOD-Aktionstages für eine bessere Einkaufspraxis
bei Procter&Gamble trafen sich zehn ROBIN WOOD AktivistInnen in der Bremer
Innenstadt, um die Bremer VerbaucherInnen über die Machenschaften des
multinationalen Konzerns aufzuklären. Verteilt wurden wie in sieben weiteren
Städten Recycling-Taschentücher mit der Aufschrift ARMUT, sowie ein
Handzettel, der über die Hintergründe der Problematik informierte. Ein Großteil
der Bremer PassantInnen war sehr interessiert, viele VerbraucherInnen wollten
ausführlichere Informationen, bedienten sich am Infotisch.
Aus Berlin: Auch in der Hauptstadt war am Tempo-Protesttag
einiges los. Die Berliner ROBIN WOOD-AktivistInnen
trafen sich auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor. Unterstützung bekamen
sie von einer Samba-Trommelband, deren Rhythmen wie ein Magnet auf die
PassantInnen wirkten! Ein riesiges Transparent gab den gebührenden Rahmen ab -
in Verbindung mit der tropischen Musik brachte es die Vorbeischlendernden
schnell zum Nachdenken.
Das rege Interesse machte es leicht, mit
Berlin-BesucherInnen aus aller Welt über die sozial verwerfliche und
naturzerstörerische Praxis von Aracruz in Brasilien und die Verquickung von
Procter&Gamble ins Gespräch zu kommen und ihnen Infomaterial und
Recyclingpapier-Taschentücher zu überreichen.
Am Tempo-Werk in
Neuss: Die Tempo-Fabrik befindet sich in einem gesichtslosen
Industriegebiet am Rhein. Als die Aktivistinnen das Werk erreichten, wurden sie
bereits von zahlreichen Polizeikräften begrüßt. Über Nacht war durchgesickert,
dass ROBIN WOOD in Neuss protestieren würde. Dennoch flatterte das große
Transparent nach kurzer Zeit vor dem Werkseingang, woraufhin die Fabrikleitung
die AktivistInnen zu einem Gespräch ins Foyer einlud. Die Herren von P&G
betonten dabei, sie könnten sich zu den konkreten Vorwürfen nicht äußern und
die für den Rohstoffeinkauf zuständige P&G-Europazentrale in Genf könne
sicher Rede und Antwort stehen. Darauf wartet die Öffentlichkeit bislang
vergeblich.
In einem Schreiben reagiert Procter&Gamble auf die
schweren Vorwürfe mit einer Mischung aus Eigenlob: ... Dabei legen wir seit
langem hohen Wert darauf, Zellstoff aus legaler, sozialer und ökologischer
verantwortbarer Waldnutzung zu beziehen... und Informationsverweigerung, ...
Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus betriebsinternen Gründen keine
Informationen zu Herkunftsländern, Lieferanten und Baumarten weitergeben....
Eine solche Haltung ist aus Sicht von ROBIN WOOD vollkommen inakzeptabel, denn
P&G geht mit keiner Silbe auf die schlimmen Zustände bei seinem
Zellstofflieferanten Aracruz ein und weigert sich zu handeln. Darüber hinaus
wirft eine solche Informationspolitik kein gutes Licht auf P&G, denn so ist
es für die Öffentlichkeit unmöglich, die Herkunft seiner Papierprodukte nachzuvollziehen.
Berlin, 15.04.2005
Zeichen setzen in Sachen Urwald-Schutz
Zwölf ROBIN WOOD-AktivistInnen versammelten sich zur
Lagebesprechung in einem Café am Hackeschen Markt in Berlin – dem Eingangstor
zum historischen Scheunenviertel. Der Anlass: Jürgen Trittins Umweltministerium
hatte kurz zuvor den ersten Entwurf eines auf Initiative von Umweltorganisationen
entstandenen Urwaldschutz-Gesetzes veröffentlicht, das den Handel mit illegal
eingeschlagenem Holz unter Strafe stellen soll.
Das Problem: Immer noch finden sich im deutschen Handel weit
verbreitet Tropenholz-Möbel ohne FSC-Nachhaltigkeitssiegel, vielfach sogar ohne
jeglichen Hinweis auf die Herkunft. Die Berliner AktivistInnen hatten an diesem
Tag die Lifestyle-Kette Butlers ins Visier genommen. Auf mehrfache Anfrage von
ROBIN WOOD nach Zertifikaten für seine Gartenmöbel-Kollektion aus dem
tropischen (indonesischen) Hartholz Nyatoh faxte der boomende Konzern lediglich
einen drei Jahre alten Herkunftsnachweis der Holzart Bangkirai aus
Sarawak/Borneo – ohne jegliches Nachhaltigkeits-Siegel!
Mit einem Baumstumpf, Sägespänen, lautem Motorsägengeheul,
zwei Liegestühlen aus Raubbauholz und einem Transparent mit der Aufschrift
„Relaxen auf Kosten des Tropenwaldes!“ breiteten sich die ROWOs vor der großen
Filiale mitten auf dem Hauptplatz aus. Die Aktion war ein voller Erfolg, weil
der für Berlin zuständige Bezirksleiter von Butlers auf telefonische Anfrage
versicherte, er wolle kein Holz aus Raubbau in seinen Filialen dulden. Nehmen
wir ihn beim Wort!
Sczcecin, 15.04.2005
„Postaw na maculature! – Setz auf Altpapier!”
Rund 50 Personen nahmen an der gelungenen
Auftaktveranstaltung der deutsch-polnischen Kampagne für mehr Schulmaterialien
aus Recyclingpapier in Szczecin teil, die von ROBIN WOOD ins Leben gerufen
wurde. Die ROBIN WOOD-Partnerorganisation GAJA aus Szczecin hatte das Treffen
ausgezeichnet vorbereitet und führte gemeinsam mit Urszula Buryn, ROBIN WOOD,
professionell durchs Programm. In der Mehrzahl LehrerInnen aber auch
VertreterInnen von Umweltorganisationen und Behörden erfuhren im Vortrag von
Radislaw Gawlik, Eco Unia, Wroclaw, viele interessante Fakten zum Thema Papier
in Polen: Wie die Ressource Papier bisher in Polen genutzt wird und dass über
80 Prozent der Rohstoffe für die polnische Papierherstellung importiert werden.
Er musste leider feststellen, dass in Polen keine Schulhefte mehr aus
Recyclingpapier hergestellt werden.
Umso größer war das Interesse an den ROBIN WOOD-Schulheften
und an der bundesweiten „Initiative 2000 plus – Schulmaterialien aus
Recyclingpapier“, die von Angelika Krumm, ROBIN WOOD, vorgestellt wurde. Ein
Dia-Vortrag über die Zerstörung der kanadischen Urwälder für Papier rundete das
Programm ab und machte den Anwesenden sehr eindrucksvoll klar, wie wichtig das
Engagement für einen sorgsamen Umgang mit der Ressource Papier ist. 25 der
anwesenden Organisationen und Schulen wollten gleich aktiv werden und
unterschrieben zum Abschluss der Veranstaltung eine gemeinsame Deklaration mit
dem Ziel, sich im Rahmen der polnischen Papierkampagne „Postaw na makulature –
zesyty szkolne moga ratowác lasy“ für Schul- und Büromaterial aus
Recyclingpapier einzusetzen.
Stuttgart, 13.04.2005
Ausstieg in Trippelschritten
Die baden-württembergische Landtagsfraktion der Grünen hatte
zu einer Diskussion über die Rolle der Atomenergie im künftigen Energiemix in
den Stuttgarter Landtag geladen. Prominente Gäste waren neben dem grünen
Umweltminister Trittin auch der designierte Ministerpräsident Günther Oettinger
und der Chef des Energiekonzerns EnBW. Nicht eingeladen, aber trotzdem vor Ort
waren AktivistInnen von ROBIN WOOD, die auf einem Transparent zu einem
Atom-Ausstieg in Trippelschritten gratulierten.
Das baden-württembergische Atomkraftwerk Obrigheim, der älteste und mit 350
Megawatt der kleinste deutsche Atomreaktor, wird spätestens Anfang Mai
endgültig abgeschaltet. ROBIN WOOD sieht darin einen Erfolg der
Anti-Atombewegung in Deutschland, die seit Jahrzehnten beharrlich für den
Ausstieg streitet. Die Freude über Obrigheim wird allerdings dadurch getrübt,
dass allein in Deutschland noch weitere 17 Atommeiler am Netz bleiben, hoch
giftigen Müll produzieren und ein unkalkulierbares Risiko für die Bevölkerung
darstellen. ROBIN WOOD fordert daher einen sofortigen Ausstieg aus der Nutzung
der Atomenergie.
Hamburg, 30.03.2005
Holz und Urkunden
Ein Schulhof voller ausgelassener SchülerInnen des
Gymnasiums Grootmoor in Hamburg-Bramfeld stellte das Publikum für eine
Urkundenübergabe dar: In Hamburg wurden die ersten fünf Urkunden der
bundesweiten Aktion “Wir setzen Zeichen – Schulen pro Recyclingpapier” durch
den Waldreferenten von ROBIN WOOD, Rudolf Fenner, an die Schüler übergeben.
Maßgeblich war der Lehrer, Ive Hauswald daran beteiligt, den SchülerInnen die
Umweltauswirkungen des Papierverbrauchs nahe zu bringen, so dass sie sich per
Unterschrift verpflichteten, ausschließlich Recyclingpapier in ihrem
Schulalltag zu verwenden.
Rudolf Fenner hatte ein zehn Kilogramm schweres Stück
Baumstamm mitgebracht, um zu demonstrieren, wie viel Holz eine zwanzigköpfige
Klasse an einem Tag durch die Verwendung von Recyclingpapier einspart. Das
Holzstück trugen die SchülerInnen der zuerst unterzeichnenden Klasse stolz von
dannen, um es in ihrem Klassenraum aufzustellen.
In zehn Bundesländern läuft die Aktion “Wir setzen Zeichen –
Schulen pro Recyclingpapier” im Rahmen der in NRW gegründeten Initiative
2000plus bereits. Hamburg soll nun das elfte Bundesland werden. Bundesweit
haben sich schon mehr als 1.180 Schulklassen entschieden, ausschließlich
Recyclingpapierprodukte in ihrem Schulalltag zu verwenden.
Wilhelmshorst, 15.02.2005
Zeichen setzen für Recyclingpapier
„Gut ist es, wenn schon die ganz Kleinen damit anfangen“,
sagt Daniela Weber, Schülersprecherin der Gesamtschule Wilhelmshorst.
Die 14-jährige hält heute ihre große Rede. Es geht um
Recyclingpapier. UmweltschützerInnen sind von weit angereist, Brandenburgs
Umweltminister Dietmar Woidke sitzt in der ersten Reihe mit im Publikum des
Musiksaals. Geehrt werden die SchülerInnen der Klasse 2. Denn sie sind
bundesweit die 1.000. Schulklasse, die sich entschieden hat, konsequent auf
Recyclingpapier umzusteigen.
„Wir setzen Zeichen - Schulen pro Recyclingpapier“ heißt die
Aktion der Initiative 2000plus, die ROBIN WOOD mit ins Leben gerufen hat.
Mitmachen kann jede Schulklasse, die auf Schulmaterialien aus Altpapier
umsteigen will. 65 Organisationen aus Umwelt- und Verbraucherschutz tragen
diese Initiative mit.
Die Idee kommt gut an. Auch an der Schule in Wilhelmshorst.
Dort weiß jetzt jedes Kind, dass für Recyclingpapier keine Bäume gefällt werden
müssen und dafür weniger Wasser verschmutzt und weniger Energie verbraucht wird
als für die Herstellung von Frischfaserpapier.
Als die SchülerInnen auf Recyclingpapier umsteigen wollten,
war das zunächst gar nicht so einfach. Denn die Läden in der Umgebung führten
wegen der angeblich mangelnden Nachfrage kein Recyclingpapier mehr. Doch das
Problem haben die SchülerInnen schon gelöst, in dem sie einen eigenen
Schülerladen gegründet haben, der jetzt Sammelbestellungen über den
Versandhandel aufgibt.
Am Tag der Festveranstaltung begann der Unterricht für die
Kinder aus der 2. Klasse mal nicht mit Schreiben und Rechnen, sondern mit
Basteln in der Papierwerkstatt – begleitet von Kamerateams und Fotografen, die
sie dabei ablichteten. Danach folgte ein buntes Programm im Musiksaal mit
kleinen Reden, Musik und Liedern. Angelika Krumm, Fachreferentin für Papier bei
ROBIN WOOD, die die Aktion in Brandenburg koordiniert, moderierte die
Veranstaltung. Es gratulierten die beiden Schirmherren der Initiative, Dietmar
Woidke, Umweltminister in Brandenburg und Andreas Troge, Präsident des
Umweltbundesamtes. Troge unterstrich in seinem Grußwort, wie wichtig ihm und
seinem gesamten Amt das Thema Recyclingpapier sei. Am Ende bekamen die
SchülerInnen – außer der Urkunde fürs Klassenzimmer – kleine Geschenke: Schulhefte,
Bastelmaterialien und Tierposter aus Recyclingpapier.
Die Schülersprecherin nutzte die Gelegenheit, ihrem
Umweltminister eine Forderung mit auf den Weg zu geben. Wenn die SchülerInnen
auf Recyclingpapier umsteigen, dann sollten dies die PolitikerInnen
unterstützen und dafür sorgen, dass auch Schulbücher auf Recyclingpapier
gedruckt werden.
Berlin, 31.01.2005
Atomenergie bleibt todsicher
Anlässlich der Wintertagung des Deutschen Atomforums
feierten sich die Atomkonzerne für zwei Tage unter dem Motto „Plädoyer für
einen vernünftigen Energiemix“ selbst, um damit vor allem Werbung für Atomkraft
zu machen. 2004 haben die Energiekonzerne die Produktion von Atomstrom auf
Kosten der Sicherheit noch weiter gesteigert. Für die Umwelt ist das ein Desaster
– allein schon wegen der Tonnen Atommüll, die die Meiler 2004 produziert haben
und für die es kein Endlager gibt. Außerdem verschweigen die Konzerne, dass es
in den 18 deutschen Atomkraftwerken während der ersten drei Quartale 114
meldepflichtige Störfälle gegeben hat.
AktivistInnen von ROBIN WOOD zeigten, was sie für einen
vernünftigen Beitrag zu einem fortschrittlichen Energiemix halten: den
sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie! Unterstützt wurden sie von rund 100
DemonstrantInnen, die sich zu den bundesweiten Anti-Atom-Wintertagen in Berlin
getroffen hatten. Neben Demos und Protesten diskutierten die TeilnehmerInnen in
Seminaren über „Anti-Atom für EinsteigerInnen“ oder über AKW-Neubauten in
Brasilien, China und Finnland, an denen deutsche Unternehmen beteiligt sind.
Frankfurt, 27.01.2005
Papierkonzern vernichtet Tropenwälder Asiens
ROBIN WOOD appellierte bei der weltweit größten Büro-Fachmesse PAPERWORLD in Frankfurt an
Handel und VerbraucherInnen, auf Papier aus Raubbau am Regenwald zu verzichten.
Besonders scharf kritisierte ROBIN WOOD den Zellstoff-Konzern Asia Pulp &
Paper (APP), der auf der Messe einen Stand hatte. Der Konzern mit Sitz in
Singapur zerstört allein auf Sumatra etwa 15 Fußballfelder Regenwald pro
Stunde, um daraus Zellstoff für Papier zu gewinnen. In einem gemeinsamen Aufruf
mit Umweltorganisationen aus Südasien forderte ROBIN WOOD Regierungen, Banken
und Handel auf, mit APP keine Geschäfte mehr zu machen. Vor den Toren der Messe
machten ROBIN WOOD-AktivistInnen mit Foto-Plakaten, Flugblättern und einem
Transparent mit dem Slogan „Papierkonzerne schlagen Sumatra kahl“ auf ihr
Anliegen aufmerksam.
In ihrem Aufruf listeten die Umweltorganisationen eine ganze Reihe von Skandalen auf,
für die APP verantwortlich ist: So vernichtet APP – entgegen eigenen
Versprechen - noch immer in großem Stil tropische Wälder in Südasien. Allein
auf Sumatra hat APP rund 300.000 Hektar Regenwald zerstört. Bis heute kann der
Konzern, der in einen der größten Finanzskandale Asiens verstrickt ist, nicht
garantieren, dass kein illegal geschlagenes Holz für die Papierproduktion
verwendet wird. In der Provinz Yunnan im Süden Chinas hat APP unter Missachtung
der Gesetze mehrere Zehntausend Hektar artenreiche Wälder zerstört, um
Eukalyptus-Monokulturen anzulegen. In Kambodscha ist eine Schwesterfirma von
APP namens „Green Elite“ sogar in den Nationalpark Botum Sakor eingedrungen und
hat dort Hunderte Hektar Mangrovenwald abgeholzt.
Der weltweite Protest gegen APP zeigt Wirkung in den betroffenen Ländern. In
Kambodscha will der Umweltminister, dass APP eine Millionenstrafe für die im
Nationalpark angerichtete Zerstörung zahlt. In China hat die staatliche
Forstbehörde erklärt, dass das illegale Treiben von APP untersucht wird.
In Indonesien stagniert der Ausbau der Zellstoff- und
Papierindustrie, da die Investoren durch die Berichte über Raubbau,
Repressionen und Korruption abgeschreckt sind.
ROBIN WOOD hat im Zuge seiner Papier-Kampagne bereits Karstadt, Deutsche Post und die
Metro Group überzeugt, Papier von Konzernen, die den Regenwald Sumatras
zerstören, aus dem Sortiment zu nehmen. Die Alternative zu Waldvernichtung und
Papierverschwendung ist einfach: Papier sparen und Recyclingpapier verwenden.
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